Ein Urlaub in Schenna in Südtirol verbindet mediterrane Leichtigkeit mit alpiner Bergwelt. Wir erkunden oberhalb von Meran die Region rund um das Hotel Hohenwart vor allem mit Fahrrädern – und entdecken dabei Almen, Bergbauernhöfe, Honig, Bier und im Hotel zahlreiche gute Gründe, am Nachmittag einfach einmal gar nichts zu tun.
Als wir im Hohenwart ankommen, ist der erste Blick nicht der auf unser Zimmer, sondern hinunter ins Tal. Die Koffer können warten. Von der Terrasse liegt Meran tief unter uns, dahinter zieht sich das Etschtal bis zur Texelgruppe. Weinberge und Apfelhaine bedecken die Hänge, dazwischen stehen Palmen und Zypressen, während sich über allem die Bergwelt erhebt. Wir bleiben ein paar Minuten auf der Terrasse stehen und schauen einfach nur.
Hotel mit Aussicht: Das Hohenwart in Schenna
Schenna erstreckt sich vom Talboden bis weit hinauf in die Bergwelt. Das macht den Ort zu einem vielseitigen Ausgangspunkt für unsere Tage hier: Für die erste Radtour muss man nicht lange suchen, bis die ersten Höhenmeter beginnen, und für einen Spaziergang am Nachmittag reicht es, das Hotel zu verlassen. Das Hohenwart liegt oberhalb des Ortskerns und damit günstig für beides – für den Weg hinunter nach Meran zu den Palmen und prunkvollen Villen ebenso wie für den Aufbruch in die Berge.
Im Hohenwart ist vieles darauf ausgerichtet, den Blick hinaus in die Landschaft zu holen. Besonders deutlich wird das auf der Bellavista-Terrasse. Im Abendlicht verändert sich das Panorama beinahe minütlich, während in Meran die Lichter angehen. Auch unser Zimmer, die Rosen Suite, nimmt diese Verbindung zur Landschaft auf. Wir haben 67 großzügige Quadratmeter, viel Holz, warme Farben und vor allem einen Balkon mit Blick auf die Berge. Es ist angenehm wohnlich, ohne mit Hirschgeweih, Kuhfell und Sprüchen auf Holzbrettln in alpine Rustikalität zu kippen. Das Haus besteht aus mehreren Gebäuden und verfügt über 94 Zimmer, bleibt dabei aber zum Glück persönlich. Der Fahrt von Wien und dem Akklimatisieren folgt das Abendessen. Vorweg: Nicht nur die Aussicht ist hier superb.



Egal, wohin man schaut: Es ist schön! Foto: rope
Kulinarisch in die Gänge kommen: Genuss im Hohenwart
Wir starten unser 5-Gang-Menü mit Knackigem vom Salatbuffet und Kalbsbries mit Nussbutter, danach folgen Paccheri mit Kartoffeln, Miesmuscheln und Petersilienpesto. Als Hauptgang wird uns Wildschweingulasch mit Topfenspätzle und Rotkohl serviert, zum Finale Cappuccino-Mousse mit Kaffeepralinen und Milcheis. Zu beklagen? Nichts! Im Gegenteil: Das Essen ist von untadeliger Qualität, und auch die den kulinarischen Reigen abschließende Käseauswahl ist formidabel. „Was ein gutes Gericht ausmacht? Beste Zutaten, eine einzigartige Präsentation und eine Prise Magie“, sagt Küchenchef Maurizio. Entscheidend ist im Hohenwart aber weniger das Etikett „Gourmet“ als die Herkunft der Ingredienzen. Lamm vom hoteleigenen Bergbauernhof Gsteier, Speck und Feinkost vom Schenner Speckladele, Käse von der Hofkäserei Boarbichl, Honig vom Hieslerhof in Hafling. Auch rund 80 Prozent der Weinkarte entfallen auf Südtiroler Weine.



Die Hohenwart-Kulinarik kann sich definitiv sehen lassen. Foto: rope
Im Sattel zum Panorama: Mountainbiken in Schenna
Nach einer guten Nacht und einem herzhaften Frühstück können wir uns endlich in den Mountainbike-Sattel setzen. Wir wollen die Region kennenlernen – und der Verbrennungsmotor soll an diesem Tag auch einiges zu tun bekommen. Natürlich ist Schenna eine erstklassige Base für einen Mountainbike-Urlaub, weil sich die Landschaft hier geradezu wie ein Höhenprofil auffächert. Da unsere zweite Tour direkt in Schenna startet, fahren wir für die erste mit dem Auto nach Hafling. Schließlich wollen wir möglichst viel von der Region kennenlernen. Ab Hafling treten wir in die Pedale und nehmen Kurs auf die Leadner Alm (1.530 m) und die Vöraner Alm (1.875 m). Je höher wir kommen, desto deutlicher verändert sich die Landschaft. Heißt: Lärchen und Fichten werden weniger, die Wiesen weiter sowie der Blick größer. Und unser Gesicht etwas ramponierter.
Unterhalb des Kreuzjochs (2.086 m) radeln wir an einer großen Herde Haflinger vorbei. Das Leben meint es wirklich gut mit uns. Dann wird die Fahrt anspruchsvoller. Am Auener Joch und auf dem Weg zum Kreuzjoch rät die Vernunft stellenweise zum Absteigen, Schieben ist angesagt. Dafür wartet oben dann unsere Belohnung: Die Aussichtsplattform auf dem Kreuzjoch liegt auf 2.086 Metern, und der 360-Grad-Blick reicht von hier über die Dolomiten bis zur Ortler- und Texelgruppe. Im Anschluss an die längere Pause geht es über die Meraner Hütte und die Kirchsteiger Alm wieder talwärts und zurück nach Hafling. Nach insgesamt rund 1.000 Höhenmetern sind wir zwar nicht gerädert, aber sehr wohl ein wenig erschöpft. Und durchaus froh, dass der Nachmittag keinen weiteren Plan vorsieht. Im Hohenwart gibt es für Planlose reichlich Möglichkeiten.






Die erste Tour mit dem Mountainbike bringt uns auf das Kreuzjoch. Foto: rope
Wenn die Beine Pause machen: Wellness in Schenna
Das FamilySpa mit Hallenbad, Babybecken und beheiztem 25-Meter-Außenpool überlasse ich weitgehend den Familien. Die Komplizin zieht es ohnehin zur Yogamatte auf der Terrasse, wo sie sich in alle möglichen Richtungen biegt. Ich hingegen widme mich meiner ganz eigenen Form der Erholung und arbeite mich durch Pool, Sauna und Liegestuhl. Besonders angetan hat es mir das VistaSpa auf dem Dach. Der Adults-only-Bereich ist vom FamilySpa getrennt und tatsächlich angenehm ruhig. Es gibt Saunen, Dampfbäder und Ruheräume – vor allem aber den 360-Grad-Infinity-Solepool. Im 34 Grad warmen Salzwasser zu schweben ist nach einer Mountainbike-Tour eine ziemlich überzeugende Form der Regeneration. Hier stellt sich die Frage gar nicht mehr, ob man lieber schwimmen oder liegen möchte. Hier geht beides gleichzeitig.




Im Hohenwart kann man auf der Dachterrasse im Panorama-Infinity-Solebecken relaxen. Foto: rope
Vom Honig zum Bier: Schenna kulinarisch erforschen
Am nächsten Tag wollen wir nach dem Frühstück die Region einmal anders kennenlernen. Weniger von oben, sondern über das, was in ihr produziert wird. Gemeinsam mit Bikeguide Franz starten wir mit E-Bikes beim Tourismusbüro Schenna und fahren ins Passeiertal. Erste Station ist die Imkerei Pichler. Imker Walter nimmt uns mit zu seinen Bienen, öffnet einen Bienenstock und erklärt mit sichtlicher Begeisterung, wie ein Bienenvolk funktioniert, wie Königinnen gezüchtet werden und was sich aus Wachs und Honig alles herstellen lässt. Man merkt schnell: Hier erzählt einer nicht einfach über Bienen, er beschäftigt sich mit ihnen schon ziemlich lange und ziemlich leidenschaftlich. Schutzkleidung gehört trotzdem dazu. Bienen sind zwar prinzipiell friedlich, haben aber durchaus eigene Vorstellungen davon, wie nah man ihnen kommen darf. Und mit Pressefreiheit können sie eher wenig anfangen.
Nach der Honigverkostung geht es weiter Richtung St. Leonhard. Bauernhöfe, Weiden, Viehzucht und traditionelle Bewässerungssysteme sind hier Teil der Szenerie. Wir fahren also nicht durch eine reine Urlaubskulisse, sondern durch eine weiterhin bewirtschaftete Kulturlandschaft. Nach einer Kaffeepause im Bistro-Café Kobler geht es zum Mörrerhof, wo wir – die Komplizin, Bikeguide Franz sowie Toni, ein weiterer Tour-Teilnehmer – auf der Terrasse zu Mittag essen. Direkt neben dem Hof steht die kleine Wallfahrtskirche Mörre, die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt wurde. Zusammen mit dem alten Hof und der umgebenden Berglandschaft ergibt sich hier ein idyllisches Setting, bevor wir zurück nach St. Martin zum Martinerhof rollen.



Bei Imker Walter Pichler erfahren wir, was in einem Bienenstock so alles vor sich geht. Foto: rope
Bier aus dem Dorf
Im Martinerhof wird mit dem Martinsbräu ein eigenes Bier gebraut. Das erste Bier bekommen wir gleich zu Beginn der Brauereiführung, was ich für pädagogisch ziemlich sinnvoll halte. Danach geht es vom Sudhaus bis zur Kühlzelle, wo wir erfahren, wie aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe Bier entsteht. Das Schöne daran: Die Brauerei ist nicht irgendwo in einem anonymen Nebengebäude untergebracht, sondern mitten im Restaurant. Man steht zwischen Sudkesseln und Biergläsern und kann durch die großen Glasfronten gleichzeitig das Dorfleben beobachten. Zum Abschluss gibt’s noch das eine oder andere kleine Bier. Mehr wäre bei einer E-Bike-Tour auch keine gute Idee.
Die 42 Kilometer lange E-Bike-Runde mit rund 700 Höhenmetern ist weniger sportliche Herausforderung als kulinarische Entdeckungsreise. Sie führt durch eine Landschaft, in der Landwirtschaft, Handwerk und Tourismus noch sichtbar miteinander verbunden sind. Und sie zeigt uns eine andere Seite von Schenna: eben nicht nur Panorama, sondern auch das, was zwischen den Bergen entsteht.
Wir hätten in Schenna natürlich auch wandern können, dafür war unsere Zeit diesmal allerdings zu knapp. Das Angebot reicht vom rund 6,5 Kilometer langen Wiesenweg durch Obstwiesen, vorbei an Schloss Schenna und Bauernhöfen bis nach St. Georgen und zum Kampflkreuz, bis hin zur anspruchsvolleren Runde über den Taser Höhenweg und Gsteier mit mehr als 20 Kilometern und rund 1.000 Höhenmetern. Wer es gemütlicher angehen möchte, folgt den Waalwegen. Die alten Bewässerungskanäle ziehen sich durch Wald und Kulturlandschaft und erzählen nebenbei davon, wie sehr die Landwirtschaft diese Landschaft über Jahrhunderte geprägt hat. Wir haben uns diesmal trotzdem für das Mountainbike entschieden. Wegen unserer Schwäche für Räder und Höhenmeter. Und weil man damit halt etwas mehr herumkommt.



Nach der Brauereiführung dürfen wir noch ein wenig das Passeiertal erkunden. Foto: rope
Eine Welt für sich: der Garten des Hohenwart
Die nächste Mountainbike-Tour bringt uns ins Hirzergebiet. Vom Hohenwart fahren wir zunächst über Hasenegg nach Verdins, wo wir die Räder in die Seilbahn laden. Gut 600 Höhenmeter später steigen wir in Tall wieder aus und befinden uns mitten in der Bergwelt oberhalb des Passeiertals. Über Obertall geht es weiter zur Gompm Alm (1.800 m) und hinauf zur Hirzerhütte auf knapp 2.000 Metern. Danach folgen die Resegger Alm (1.983 m) und Stafell Alm (1.960 m), dazwischen immer wieder weite Almwiesen, Bergweiden und Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und weit hinunter ins Passeiertal. Über Videgg und die verstreuten Bergbauernhöfe fahren wir schließlich wieder Richtung Verdins und Schenna. Rund 1.300 Höhenmeter kommen dabei zusammen. Genug jedenfalls, um am Nachmittag unterschiedliche Vorstellungen von Erholung zu entwickeln: Während die Komplizin sich wieder irgendwo verbiegt, arbeite ich mich durch Pool-, Wellness- und Saunalandschaft emsig weiter.
Immer wieder zieht es uns beide an diesem Wochenende in den Garten, der die drei Häuser des Hotels verbindet und sich fast wie ein eigener kleiner Park zwischen ihnen ausbreitet. Alte Bäume spenden Schatten, Lavendel und Kräuter verbreiten herrliche Düfte, dazwischen summen Bienen und Hummeln über den unzähligen Beeten. Inmitten von Palmen, Olivenbäumen, Gräsern und Naturstein findet sich schnell ein Platz, an dem man einfach sitzen und schauen kann. Wir sollten ja viel häufiger einfach nur schauen.





Zwei veritable Highlights der Schenna-Reise: Das Mountainbiken und der Hotelgarten. Foto: rope
Zwischen Berg und Palmen: Schenna entdecken
Erst am letzten Abend kommen wir dazu, durch Schenna zu spazieren. Über dem Ort thronen das gleichnamige, aus dem 14. Jahrhundert stammende Schloss mit seinen markanten Türmen und Zinnen sowie das neugotische Mausoleum für Erzherzog Johann aus dem Hause Habsburg, den Bruder von Kaiser Franz I. Zu den ältesten Bauwerken des Ortes gehören die um 1200 errichtete romanische St. Martinskirche und die ungewöhnliche Rundkirche St. Georg mit ihren gut erhaltenen Fresken. Dazu kommen die Alte Pfarrkirche sowie mehrere Jahrhunderte alte Ansitze, die dem Ortsbild seine historische Prägung geben. Schmale Wege führen zwischen alten Häusern und lieblichen Gärten hindurch. Auffallend ist auch die Blumenpracht im Ort, für die unter anderem Tourkollege Toni verantwortlich zeichnet. Der Gärtner kümmert sich um die Bepflanzung und sorgt damit das ganze Jahr über für farbige Akzente. Auf den kleinen Plätzen sitzen Einheimische und Gäste in der Abendsonne. Wir lassen uns durch den Ortskern treiben, schauen in die Auslagen und landen schließlich in der Eisdiele Anny. Sie gilt als eine der besten Eisdielen des Landes.



Schenna ist einfach ein entzückendes Örtchen. Foto: rope
Ein Abend zum Bleiben
Am letzten Abend sitzen wir wieder auf der Terrasse unter dem mächtigen Nussbaum. Die Komplizin hat ihr Yoga hinter sich, ich sämtliche Levels der hohenwart’schen Spaßbereiche erfolgreich durchgespielt. Wir beginnen den finalen Abend mit einem Gin Tonic und blicken noch einmal auf die Lichter von Meran und die Umrisse der mächtigen Gipfel dahinter. Man will sich gar nicht vorstellen, dass man morgen wieder heim muss. Man will eigentlich nur eines: bleiben!



