Signora Maria oder die Träume der Romagna in Terracotta

Da lacht mich die kleine Frau an, die ich im Herzen der Emilia-Romagna unweit der berühmten Stadt Ravenna treffe mitten im Nirgendwo zwischen Weingütern und Landwirtschaft. Anna Tazzari, die Schöpferin der berühmten Figur Signora Maria die ich bereits in Ravenna in einem Café entdeckt habe, steht leibhaftig vor mir.

Sie lebt hier ein ausgeglichenes Leben im Ort Bangacavallo mit Mann  Tochter Katze und Hund und natürlich einer Vielzahl an Figuren der Signora Maria die in ihrer Werkstatt aufgereiht und in verschiedenen Lebenspositionen präsentiert werden.

Im Jahre 2002  schuf  die gelernte Mosaikrestauratorin,  die 1985 am Kunstinstitut von Ravenna studiert hat,  die Figur der Signora Maria.  Ursprünglich aus der Not heraus entstanden, eine Alternative zu dem Beruf des Mosaikkünstlers finden zu wollen, um nicht mehr schwere Keramik tragen müssen,  kam Anna die Idee, diese Frau Maria in ihrer Keramikwerkstatt zum Leben zu erwecken.

Signora Maria – Symbol der Fruchtbarkeit

Signora Maria ist ein umhüllender, weiblicher Typ Frau, der eigentlich der Muttergöttin zuzuschreiben ist.  Dabei folgte Anna den Vorschlägen des berühmten Regisseurs und Fotografen Frederico Fellini, der im nahen Rimini seine Wirkungs- und Heimstätte hatte.  Signora Maria ist ein Symbol der Fruchtbarkeit und enthält alles, was eine einfache authentische Frau als Trägerin des Wohlbefindens in sich haben muss. Sie war schon immer der Dreh- und Angelpunkt der Familie. Und so ist es kein Wunder dass die aus Terrakotta geschaffene Frau Signora Maria sehr schnell Anklang in der Bevölkerung fand und sich höchster Beliebtheit erfreute,  bildete sie doch die liebe Oma, Mutti oder Identifikationsfigur der Romagna weil sie aussah wie eine typische italienische Mama.

Die Identifikationsfigur

Je beliebter Signora Maria wurde, desto kreativer wurde Anna in ihrer Schöpfung der Figur. Sie  erweckte Maria quasi zum Leben, indem sie sie in den unterschiedlichsten Positionen und Lebenssituationen darstellte. Über 700 Figuren hat Anna bis heute kreiert und in ihrer kleinen Werkstatt gebrannt und bemalt.  Das dauert mehrere Tage für jede Figur und keine ist wie die andere, aber alle sind nummeriert.

Signora Maria verändert ihre Kleidung und ihre Positionen, die im Alltag von ihren Träumen umgeben sind. Anna setzt dabei Signora Maria in Lebensumstände, von denen vielleicht die ein oder andere Frau selbst träumt.  Sei es beim kochen, backen, baden shoppen, lieben, leben, flirten, gehen, stehen, sitzen flanieren oder ganz einfach genießen. So wurde Signora Maria schnell zu einer Symbol der Romagna und dies entdeckten auch die Repräsentaten der Region für sich. Gleichwohl Maria völlig unpolitisch ist, gilt sie aber als Symbolfigur der Romagna. Und so ist es nicht verwunderlich dass Anna Tazzari inzwischen mit ihrer Signora Maria als kulturelle Botschafterin der Region fungiert und auf nationalen und internationalen Veranstaltungen präsent ist.

Sie hält Ausstellungen und Künstlertreffen ab, präsentiert sich und die Signora auf Veranstaltungen und lässt Signora Maria leben.

Die Hochzeit einer Figur

2015 war ein besonderes Jahr mit einem denkwürdigen Ereignis für die Signora. Denn am 24. Mai 2015 heiratete Signora Maria und eine extra angefertigte Hochzeitsfigur mit einem Bräutigam wurden  erschaffen. Man lud tatsächlich reale Hochzeitsgäste zu dieser bedeutenden Zeremonie ein und feierte ein rauschendes Fest. Es kam der Pfarrer, der Bürgermeister, Künstler, Freunde und Verwandte von Anna, die diesem besonderen Moment beiwohnten und sogar einen eigenen Wein hat Anna für diesen Tag ausgelobt und etikettiert. Feierlich ging es zu auf dieser doch sehr  eigentümlichen aber dennoch einzigartigen Festivität.

Woher nimmt Anna die Inspiration für die immer neuen Darstellungen ihrer Figur möchte ich von Anna wissen. Signora Maria und ihre Lebenssituationen entstehen aus den Momenten, die Anna in ihrem realen Leben täglich aufnimmt. Allein Annas Landhausküche bietet Stoff genug für eine ganze Reihe von Situationen, in denen Signora Maria dargestellt werden kann. Es sind aber neben den Alltagserfassungen oft auch skurrile und phantasievolle Momente, in denen die kleine Terrakotta-Frau sich befindet. Und wer will kann natürlich eine eigene Signora Maria in  der gewünschten Lebenssituation erschaffen lassen.

Anna freut sich über einen  angekündigten Besuch in ihrem Landhaus und zeigt gerne ihre Wirkungsstätte,  bei der man schnell ins Staunen schwärmen und phantasieren gerät.  Annas Art ist einfach mitreißend und und ihre Figuren hinreißend.

Natürlich kann Anna auch andere Figuren erschaffen,  so widmet sie sich derzeit beispielsweise einer Eseln denn der Esel ist  als Tier eine Identifikationsfigur, wie Maria es als Mensch ist.

Wie gut, denke ich beim Abschluss meines Besuchs bei Anna hier draußen im Nirgendwo,  dass ich in jedem Kaffee in Ravenna in dem ich Signora Maria zum ersten Mal sah,  meine Nase in gefolgt und den Weg hinaus auf das Umland von Ravenna gefunden habe um die lebensfrohe Anna und ihre lebenslustige Figur Signora Maria finden.

Kurz notiert

Wie erreicht man Anna Tazzari?

Alle Informationen über Anna, ihre Figur Maria und die Möglichkeit eines Werkstatt-Besuchs sind auf ihrer Website zu finden:

http://www.annatazzari.altervista.org/

Auch auf Facebook ist Anna zu erreichen und mit ihren aktuellsten Projekten zu sehen:

https://de-de.facebook.com/AnnaTazzariCeramica/

Diese Reise und der Bericht wurden in Eigenregie erstellt und finanziert.

Karte zentrieren
Verkehr
per Fahrrad
Transit
Routenplanung starten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.