Last Minute: Flower Power Keukenhof

Noch bis 21. Mai blüht heuer das holländische Blumenparadies Keukenhof (und ein bisschen die ganze Umgebung). Danach schließt die 32-Hektar-Infrastruktur ihre Tore und fängt gleich wieder mit den Vorbereitungen für nächstes Jahr an… Wer’s also heuer nicht mehr schafft: Vormerken: 2018 findet der Auftakt zum Keukenhof-Event, der Bleumencorso Bollenstreek vom 18.-22. April statt…

Mein kürzliches Eintauchen ins natürliche Farbenmeer von Keukenhof hat bei mir wie eine Gehirnwäsche gewirkt, gegen die mediale Dauerberieselung mit Fake News und anderen 
globalen Hässlichkeiten, die ich schon längst nicht mehr hören will. Außerdem habe ich die Flower-Power-Reise gleich mit Besuchen in Haarlem und Amsterdam verbunden, die nicht nur in das Blumenspektakel eingebunden, sondern immer eine Reise wert sind…  

Hin- und Unterkommen: Gute Verbindungen ab München bietet: Transavia, KLM und DB (Bahnfahrt ca. 8 Std. / Flug ca. 90 Minuten plus sicherheitsbedingte Wartezeit am Amsterdamer Flughafen Schiphol derzeit 3 Std.). Wer nicht unbedingt das Amsterdam- oder Haarlem-Cityfeeling und große, zu öffnende Hotelfenster braucht (blöderweise ist mir beides wichtig), ist hier logistisch gut gebettet: Novotel Amsterdam Schiphol Airport hat nicht nur beste Anbindung zu Flughafen, Amsterdam, Haarlem usw. (5 Gehminuten zu Bahn und Bussen) Sprinter nach Amsterdam (16Min./unter 6 €) und Flughafen (ca. 6 Min.), sondern auch kürzlich den Keukenhof Hotel Express initiiert (eine Kooperation zwischen 7 Hotels in Hoofddorp (da genau liegt Novotel), Doelen Coaches und Gemeinde Haarlemmermeer. Noch bis 21.5.17 fahren Busse zweimal am Tag vom Hotel nach Keukenhof. Der Novotel-Manager Floris Licht, unterstützt Nachhaltigkeit im Hotel in vielerlei Hinsicht. Zum Beispiel sind im Innenhof 3 Bienenvölker angesiedelt, deren Produkte im Hotel vermarktet werden. Locker, hell und ansprechend ist die Lobby-Atmosphäre. Kostenloses Wi-Fi, PC-Arbeitsplätze, große Bar, viele Nischen für ungestörtes Zusammensitzen. Holzfahrradverleih…


 

Keukenhof. Ein Küchengarten der besonderen Art

Die Basis des heutigen, 1950 eröffneten Keukenhof Parks rund um das verschlafene Schloss Keukenhof von 1641, wurde 1857 von Jan David Zocher gestaltet. Das Blumenparadies der Superlative ist jährlich rd. acht Wochen geöffnet. 2017 23. März bis 21. Mai. Circa 1 Million Besucher kommen pro Jahr, davon 75% aus dem Ausland, der Hauptanteil aus Deutschland. Für den 32 ha großen Park liefern 100 Züchter 7 Mio. Blumenzwiebeln, die von 40 Gärtner gepflanzt und nach der Saison wieder aus dem Boden genommen werden, damit im Herbst der Zyklus von Pflanzen, Blüte und Ernte erneut beginnen kann.

Während dieser zwei Monate bietet Keukenhof seinen Besuchern (davon 15% Professionelle) ein florales Leuchtfeuer der Sonderklasse, beginnend mit Bleumencorso Bollenstreek, der aus ca. 20 Prunkwagen, 30 mit Blumen geschmückten Autos und mehreren Musikkapellen besteht und von Noordwijk nach Haarlem (rund 40 km) zieht und jedes Jahr ein anderes Thema hat (heuer Dutch Design) Hier im Blumenkorso-Prospekt nochmal das Programm, um sich Appetit zu holen, für nächstes Jahr… Keukenhof wartet dann auf mit: 8 Inspirationsgärten, dem mit 100 Kunstwerken größten Skulpturengarten der Niederlande, mit
20 Blumenshows, Irrgarten, Spielplatz und Streichelzoo und einer Schnitzeljagd für Kinder und vielem mehr. Ein beliebter Bereich, zum Mitheimnehmen von Ideen, sind für viele Besucher die 8 Inspirationsgärten:

Im modernen, grünen Gartencafé Gemüsegarten werden Garten-Gemüse und –Kräuter serviert. Im Delft Blau Garten dem weltweit bekannten Delft Blau Porzellan entlehnt kommen vorwiegend blaue und weiße Frühlingsblumen zur Darstellung. Romantische Liebhaber aufgepasst, hier im Proposal Garden können ein Proposal, einen unvergesslichen Antrag machen, den sie oder er nicht ablehnen kann. Der Stadtstrandgarten liefert Gestaltungsideen für den eigenen “Urban-Strand”. Rob’s Galleriegarten bezieht sich auf den niederländischen Fernsehgärtner Rob Verlinden, der einen Galerie Gartenteich kreiert hat. Sehnsucht nach Ruhe in der Natur von einst bildet die Inspirationsquelle für den Bauerngarten. Und zu guter Letzt darf das diesjährige Motto “Holländisches Disign” auch bei den Inspirationsgärten nicht fehlen: die Gestaltung des Mondriaan Garten fußt auf den bunten Gemälden des Piet Mondriaan.


Keukenhof als Handelsförderer

bietet ein internationales und unabhängiges Schaufenster des niederländischen Zierpflanzensektors mit Schwerpunkt auf Blumenzwiebeln und soll auch Plattform des niederländischen Zierpflanzensektors bleiben. Im größten Blumenauktionshaus der Welt, Royal Flora Holland, in Aalsmeer, kann man bei öffentlichen Führungen Zeuge werden, wie Millionen von Tulpen gehandelt werden, wie Aktien an der Wallstreet. 


Petersplatz in Rom: Blumengemälde aus Keukenhof

Der niederländische Zierpflanzensektor ist seit mehr als 30 Jahren verantwortlich für die Blumendekoration der Osterfeierlichkeiten auf dem Petersplatz in Rom, wobei der Hauptarrangeur Paul Deckers mit Dutzenden holländischen Züchtern mit nach Rom reist, um dort innerhalb von zwei Tagen den Petersplatz mit 35.000 Zwiebelblumen, Tausenden Rosen und Lilien, Pflanzen und Bäumen zu schmücken. Dabei werden Blumen eingebunden (wie zB. Lilien und Rosen), die oft in der römisch-katholischen Kirche verwendet werden.

Auf dem Bild segnet Seine Exzellenz Herr Van der Hende, Bischof von Rotterdam, den Blumentransport vor Abreise nach Rom. 


 

Haarlem

Städte mit vielen Kanälen erschließt man sich, für einen ersten Eindruck, am besten immer erst mal über eine Bootsfahrt. Am besten mit kleiner Brotzeit durch die Kanäle schippen. Heuer ist danach ein Besuch im Frans Hals Museum Pflichtprogramm, weil die Ausstellung “Museum in Bloom” zeigt, wie Golden Age Maler von Blumen und Tulpenmanie inspiriert wurden. Vor den wertvollen Bildern der Dauerausstellungen, haben sich moderne Künstler “blumig” realisiert.

Nach dem Kunstbesuch ist zur Seelenpflege ein “Kirchenbesuch” angesagt… Mein Favorit: de Jopenkerk, die Jacobskirche im Raaks-Quartier, dem geschäftigen Zentrum von Haarlem. Das ehemalige Gotteshaus beherbergt jetzt eine moderne Brauerei, ein Grand Café und ein Restaurant. Beim Genießen leckerer Biersorten schaut der Gast ganz nebenbei beim Brauvorgang zu. Wer nicht sicher ist, welches Bier konvertiert… sorry: konveniert, kein Problem: bestellen Sie eine Proeverijtje (Probeauswahl) zur Verkostung drei verschiedener Biere und als deftige Unterlage die landestypische Spezialität Bitterballen (Kroketten). 2016 wurde das auch für mich bierverwöhnten Bayern sehr leckere!! Adrian White zum besten Weißbier der Welt gekürt. Für die Speisen werden frische, saisonale Zutaten aus der Region, zum Großteil aus biologischem Anbau, verwendet.

Noch nicht genug von klerikalen Eindrücken? Dann weiter zur  mittelalterlichen Grote oder St. Bavo Kirche auf dem Grote Markt, der als einer der schönsten Plätze der Niederlande gilt (Unesco Weltkulturerbe).

In einem Spezialraum dieser kolossal gigantischen Kirche, deren Turm man nach Vereinbarung besteigen kann, lässt sich für Gruppen ein spezielles Blumendinner bestellen (bei Michiel den Hartogh, vom Club Zaamen).

.Alle lieben Bitterballen. Die hier sind aus der Jopen-Brauerei .Die Bitterballen von Vork & Mes


 

Alles außer gewöhnlich: Vork & Mes restaurant

Ein Dinner im Vork & Mes Restaurant (Gabel & Messer), im atemberaubenden HydraPier Pavillon (entworfen von Hani Rashid von Asymptote Architects, New York, sehr malerisch am Rande des Haarlemmermeerse bos, am Stadtrand von Hoofddorp gelegen), zaubert Chefkoch Jonathan Karpathios “echtes Essen” – mit Bio-Gemüse, Blumen und Kräutern aus eigenem Garten und Gewächshas.

Nicht nur Architektur und Lage sind einzigartig, sondern auch “das echte Essen”, serviert von sportlichen Kellnern, die alles zu Fuß über eine steile Treppe hochbalancieren. (Das Restaurant wurde als Ausstellungsgebäude konzipiert). Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut, um Plätze muss man sich allerdings sehr frühzeitig bemühen. (Paviljoenlaan 1, 2131 LZ Hoofddorp)

 


Alles Tulpe oder alles “Blüten” – oder was…?

Tulipomania – Tulpenwahn
Die Tulpe hat nicht immer nur farbige Freude ins Leben vieler Menschen gebracht. Es gab eine Zeit, da hat der Tulpenwahn nicht wenige in den Wahnsinn und in den finanziellen Ruin getrieben. Tulpen wurden fast über Nacht zum Luxusartikel und Statussymbol, und die Preise für Tulpenzwiebeln stiegen ins Astronomische, die Spekulationsfreude florierte und Tulpenzwiebeln hatten Goldsstatus, allen voran Tulpenzwiebeln Semper Augustus und Viceroy. (Foto: Die Hand mit den Tulpen gehört Annemieke von Annemiekes Pluktuin )

1636 wurden in den Niederlanden Tulpenbörsen errichtet, damit erreichte der Tulpenwahn seinen Höhepunkt. Menschen verkauften ihr Hab und Gut, um in Tulpen zu investieren. 1635 wurden 40 Tulpenzwiebeln für 100.000 Gulden verkauft, Durchschnittsjahreseinkommen in NL damals ca. 150 Gulden. 1637 kollabierte der Markt und der schwindelerregende Tulpen-Hype nahm ein jähes Ende. Der Wert der zuvor so begehrten Tulpenzwiebeln sank über Nacht um 95 %.

Tulpenwahn oder Tulpenmanie bezeichnet man bis heute große wirtschaftliche Luftblasen. Der einstige Spekulationswahn rund um die Tulpe ist profunder Professionalität mit buchstäblich tief verwurzelter Leidenschaft auf dem Gebiet der Tulpen- und Blumenzucht gewichen. Die Niederlande sind weltweit Marktführer in der Tulpenzucht. Beinahe 12.000 Hektar Tulpen werden heute hier gezüchtet, 70 % kultiviert als Frischblumen. 

Ursprünglich stammt die interessante Knolle aus dem Osmanischen Reich und bedeutet Turban. Sie ist heimisch in: Türkei, Iran, Pakistan, Afghanistan und anderen Ländern Zentralasiens. Mit der Ernennung von Carolus Clusius zum Professor der Botanik in Leiden wurden Tulpen 1593 erstmals in den Niederlanden bekannt. Zuvor war Carolus Clusius Präfekt des Kaiserlichen Heilkräutergartens in Wien, eine Stadt, die als Tor zum Osmanischen Reich galt. Unmittelbar nach seiner Ankunft in den Niederlanden begann Carolus Clusius mit der Kultivierung von Tulpen, die sich bei der oberen Bevölkerungsschicht schnell großer Beliebtheit erfreuten. Lebhafte Farben, mehrfarbige Blumen, Tulpenblätter mit Linien, Streifen und Blütenblätter mit Flammenzeichnung waren besonders beliebt. Heute weiß man, dass solche ausgefallenen Tulpenvarianten durch einen Virus verursacht wurden, was einmal mehr beweist, dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt. 


Und natürlich: Amsterdam

Amsterdam hat heuer für jeden Bewohner 1 Tulpenzwiebel gepflanzt: insgesamt circa 850.000 Stück! Alles rund um die Tulpe erfährt man im Tulpenmuseum im Amsterdamer Stadtteil Jordaan. Hier wird die faszinierende Geschichte der holländischen Tulpen- und Blumenzucht auf unterhaltsame Weise dargestellt.

Auf dem historischen Kanalring von Amsterdam, der 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde, bietet sich wiederum eine traditionelle Bootsfahrt an, Ausstieg zur Blumenzeit z.B. beim Museum Cromhouthuis, verbunden mit einem Besuch der aktuellen Ausstellung ‘TheTreasury Collection mit Werken von Maria Sibylla Merian’. Sie wird von den Designern Florian Seyd und Ueli Signer gezeigt.

Diese historische kanalseitige Villa war die Heimat der mächtigen Amsterdamer Kaufmannsfamilie Cromhout im Goldenen Zeitalter.  Im Hinterhof sticht die Gartenarchitektur mit weißen Tulpen ins Auge und im kleinen Kaffee schwelgt es sich herrlich in Nostalgie – mit hausgemachtem Gebäck. 

Mehr über Amsterdam, in meinem Artikel von 2016: Amsterdam Happy Hours 

Geschrieben von
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