Um 1070 stifteten die Brüder Aribo und Poto das Kloster Millstatt. 1926 kam ein Linienschiff aus Mahagoni auf den See, das Potos Namen trägt. Hundert Jahre später fährt es als POTO wieder – von einem Hotelier vor dem endgültigen Verfall gerettet, aus einem Bootshaus am benachbarten Weissensee.
Zwei Brüder, ein Kloster, zwei Schiffe
Die Geschichte der POTO beginnt mehr als 850 Jahre vor ihrem Bau. Um 1070 stiften zwei Brüder am Nordufer des Millstätter Sees ein Benediktinerkloster: Pfalzgraf Aribo II. und Poto aus dem bayerischen Adelsgeschlecht der Aribonen. Das Stift prägt Millstatt bis heute.
Als 1901 die Schifffahrt auf dem See beginnt, erinnert man sich an die Stifter. Am 12. Mai 1912 nimmt ein Elektro-Motorboot den Betrieb auf. Es trägt den Namen des älteren Bruders: ARIBO. 1926 folgt das dritte Schiff der Gesellschaft, die POTO. Gebaut wird es in der Schiffswerft St. Gilgen am Wolfgangsee. In Einzelteilen reist es nach Millstatt. Dort setzen Bootsbauer es zusammen und lassen es zu Wasser. 75 Fahrgäste darf die POTO befördern. Sie gehört zu den ersten Linienschiffen auf dem See.

Rund 40 Jahre später kommen die Stahlschiffe. Die hölzerne POTO hat ausgedient. 1969 wird sie an den benachbarten Weissensee verkauft. Die Familie Müller setzt sie dort viele Jahrzehnte als Linienschiff ein. Das Holz wird morsch, immer wieder wird es geflickt. Als die Müllers ein größeres Schiff kaufen, verschwindet die POTO in einem Bootshaus. Aufgebockt, aus dem Wasser gehoben, vergessen, vor sich hin modernd.
Wiederentdeckt im Bootshaus
Nicht vergessen hat das Schiff jedoch Hubert Koller. Bei einem Familienausflug an den Weissensee macht er eine Schifffahrt. Der Inhaber des Hotels KOLLERs am Millstätter See weiß, dass die POTO früher hier oben fuhr. Doch er sieht sie nirgends. Er fragt bei Familie Müller nach. Die Antwort: Sie liegt im Bootshaus. „Da habe ich das Schiff wieder entdeckt“, erzählt er. „Ich habe mir gedacht: Das ist ein Stück Geschichte vom Millstätter See und ich möchte sie dort wieder zurückhaben.“ 2015 kaufen er und seine Frau Verena das vergessene Schiff.



Ein Bootsbauer klopft den Rumpf ab, Stelle für Stelle. Er sucht nach Wurmlöchern. Er findet keine. Aber Familie Koller findet in Österreich auch niemanden, der eine notwendige Restaurierung übernehmen kann. Es gebe zwar Werften für Stahlschiffe, erzählt Verena Koller, aber keinen Bootsbauer für Holz. Also geht die POTO nach Monfalcone an der Adria, rund zwei Stunden von Seeboden entfernt. Dort restauriert ein Betrieb alte Holzschiffe.
Drei Jahre bis zur Heimkehr
In Monfalcone steht die POTO zuerst drei Monate an Land. Sie muss austrocknen. Erst dann zeigt sich, wie desolat das Boot ist. Die Bootsbauer restaurieren die Hülle so, wie sie gebaut wurde. Der Verbrennungsmotor fliegt raus. Heute treiben zwei Elektromotoren das Schiff an. Im alten Maschinenraum stehen Batterien und Wassertanks. Neu ist das Oberdeck. Dafür muss der Rumpf verstärkt werden. Aus dem alten Stiegenabgang wird ein Aufgang.


2018 ist die wiederbelebte POTO fertig. In einer Nachtaktion kommt das Schiff zurück nach Kärnten. Am Morgen des 11. April 2018 liegt es wieder im Millstätter See, fast 50 Jahre nach seinem Abschied. „Es war so schade drum. Mir war es ein Herzensanliegen die POTO wieder nach Hause an unseren See zu holen“, erinnert sich Hubert Koller. Und Verena Koller ist sich sicher: „Das hält jetzt 100 Jahre.“ Die Einheimischen freut es auch, wenn sie die POTO auf dem See sehen. Manche bringen den Kollers alte Postkarten vorbei, auf denen das Schiff noch als Linienschiff zu sehen ist.
Ein Boot für zwei
Heute ist die POTO kein Schiff für Gruppen mehr. Sondern ein Boot für zwei und für besonders schöne Stunden, zum Beispiel für einen Heiratsantrag. Oben liegt das Sonnendeck, darunter ein schattiger Sitzplatz. Unter Deck gibt es eine Pantry mit Glasvitrinen, eine Sitzecke und ein Bad mit Dusche und WC. Im Bug liegt die Koje mit Doppelbett. Auf dem Achter-Sonnendeck haben chillige Liegen die früheren Sitze ersetzt.

Hier verbringen Paare einen Tag nur für sich. In der Koje steht das Frühstück bereit. Hubert Koller fährt das Paar hinaus und ankert am stillen Südufer. Dann geht er von Bord. Die beiden baden, liegen in der Sonne, schauen aufs Wasser. Picknickkorb, Wein und Sekt sind an Bord. Bei Sonnenuntergang holt Koller sie wieder ab. Übernachten dürfen Gäste nicht, Hausboote sind auf dem See verboten. „Wenn etwa in der Nacht ein Sturm aufkommt, bist du als Nicht-Kapitän unbeholfen“, sagt Verena Koller. Rund zehnmal pro Sommer buchen Paare diesen Tag.
Im Restaurant des KOLLERs trägt sogar ein Aperitif ihren Namen: Der „POTO“ ist ein Niepoort Dry White mit Tonic.
Aribo wartet noch
Die Geschichte hat jedoch ein offenes Ende: Die ARIBO, die 14 Jahre ältere Schwester der POTO, modert in einer kleinen Werft weiter vor sich hin. Hubert Koller weiß genau, in welcher. Wenn er an sie denkt, blutet ihm das Herz. Doch als Hotelier findet er aktuell keine Zeit, noch ein zweites Boot zu restaurieren. „Die ARIBO ist in noch schlechterem Zustand, als es die POTO war“, erzählt er mir. Einen Mehrwert gegenüber der POTO habe sie leider nicht nicht. Auch Verena Koller rät ihm ab. Ob die ARIBO bald auch den Kollers gehört, frage ich trotzdem. „Das sicher nicht“, sagt Verena. Ihr Mann schaut für einen Moment traurig drein.
So bleibt Poto auf dem Millstätter See womöglich für alle Zeiten allein unterwegs, ohne seinen Bruder Aribo.

Gut zu wissen
- Hotel: KOLLERs Hotel, Seepromenade 2–4, Seeboden am Millstätter See, Kärnten – www.kollers.at
- Gastgeber: Hubert und Verena Koller
- Die POTO: seit 1926 auf dem Millstätter See, Werft St. Gilgen, Mahagoni, Kennzeichen K-12201; 2015 gekauft, bis 2018 in Monfalcone restauriert; zwei Elektromotoren
- Ein Tag für zwei: 1.000 Euro pro Tag für zwei Personen, mit Frühstück, Picknickkorb, Wein und Sekt; Ausfahrt bis Sonnenuntergang
- Saison: Sommer von Anfang April bis Allerheiligen



