Golf-Fazit 2014: Muschi statt Schwuli

Um einen einzigen Schlag! Verfehlte der Brenninger am letzten Sonntag den Sieg im Martinsgans-Turnier seines Golfclubs. Und das hätte ihm schon sehr getaugt, mit so einem Mordstrumm Vieh nach Hause zu kommen und es seiner Frau vor die Füße zu legen. „Na gut“, dachte er sich, „dann halt nächstes Jahr…“

Denn im jetzigen geht nichts mehr. Die Turnier-Saison ist beendet. Und es könne somit, so Brenningers Golf-Spezi Korbinian bei einem Drink an der Golfclub-Bar, „das Fazit für 2014 gezogen werden“. Und zwar „ein erfreuliches!“.

„Inwiefern?“, fragte der Brenninger, der immer noch dem einem Schlag nach trauerte.

Korbinian: „Die Homophobie auf den Greens ist  beendet!“.

Und dozierte:

Bis 2013 hieß ein zu sanfter Putt in Macho-Flights noch „so eine Schwuchtel!“ oder „Sedlmayr“ oder so. 2014 jedoch werden derart niedliche Roller nur noch ganz schlicht bezeichnet als: „Muschi“.

Brenninger: „Muschi?“

Korbinian: „Genau. So wie ja auch Edmund Stoiber, Bayerns ehemaliger Regierungschef, seine Frau, die eigentlich Karin heißt, zu nennen pflegt.“

Brenninger erinnerte sich. Genau. Frau Stoiber hieß damals in süffisant lächelnden Kreisen – zu Zeiten, als ihr Edi noch Ministerpräsident des Freistaats war – nicht nur „Landesmutter“, sondern auch „First Muschi“. Und der Korbinian demonstrierte es dem Brenninger auch gleich, indem er auf seinem Smartphone ein gab.
Wallstreet-online.de/edmund-stoiber-nennt-seine-frau-muschi

Brenninger schüttelte den Kopf. Ts ts ts. Und fragte sich, wieso der Stoiber hie und die Macho-Golfer da eine derartige Katzennamen-Affinität an den Tag legen. Korbinian zuckte mit den Schultern. „Hauptsache, die Kerle mit den longest Drives gebärden sich nicht mehr so homophob.“ Und wusste als bestes positives Beispiel von einem Turnier zu berichten, da Sven Ottke in seinem Flight mit spielte – ruhmreicher Box-Weltmeister einst und Single-Handicapper heute.

„Der verhöhnt die Verursacher von zu soften Putts inzwischen nicht mehr wie einst als Schwuli“, so Korbinian, „sondern verwandelt sich inzwischen statt dessen auf dem Green in Luci van Org von den Lucilectrics und bringt dem sensiblen Weich-Putter das berühmteste Ständchen dieser Berliner Band dar: ,Weil ich ’n Mädchen bin, weil ich ’n Mädchen bin’…“

Svens Mädchen-Song sei bisweilen zwei Bahnen weit zu hören. Man liebe ihn dafür.
https://www.youtube.com/watch?v=wEoGnyuJf1Y

Wie aber reagieren tatsächliche Mädchen auf zu kurze Putts?

Brenninger und Korbinian blickten ans andere Ende des Tresens. Dort thronte Tanja. Die beiden befragten sie natürlich sofort. Und lauschten ihrer Erzählungen aus dem Nähkästchen:

„Ein zu kurzer Putt heißt bei uns ‚Warmduscher’. Manchmal kichern wir auch: ‚Ein zu Kurzer geht nicht rein’. Schießt jedoch eine von uns übers Ziel hinaus und gerät der Putt zu lang, so mutmaßen wir, mit dem entsprechenden Unterton: ‚Na, Du hast es heute wohl lieber etwas länger…’. Und dann lieben wir es natürlich auf der Bahn 6 zu verkünden, dass wir da jetzt gerne 6 hätten. Aber das sagt ihr Männer ja wahrscheinlich auch…“

„Nein“, wehrten Brenninger und Korbinian unisono ab, „nein, nein, nein! Sooowas sagen wir nicht! Für wie primitiv haltet ihr Frauen uns Kerle eigentlich? Also bitte…“

Und Korbinian ergänzte, ohne mit der Wimper zu zucken: „Wäre doch vielleicht ein guter Vorsatz 2015, liebe Tanja, für euch Ladies: Ein wenig mehr Contenance auf dem Green! So wie wir Männer es 2014 bereits bestens vorzelebriert haben…“

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag hier.

* Niedergeschrieben von Jupp Suttner.

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