Gourmet-Kick und Gämsen-Golf auf Ladinisch

In Alta Badia bekommen Wintersportler, Sommerradler, Frühlingswanderer, Herbstkletterer und wir leuchtende Augen – bei diesen atemberaubenden Gipfeln und legendären Pässen. Die Sellaronda zählt zu den schönsten und begehrtesten Rundstrecken in den Alpen. Wie gemacht für Genussreisende. Faszinierende Routen für Biker, spektakuläre Abschläge für Golfer und spannende Traumpisten für Skifahrer. Und als Krönung ein Sterne-Restaurant im „Herzen der Dolomiten“ – dem Gadertal.

von Birgit Werner (Text) und Andreas Bienert (Fotos)


Mehr als nur Gipfelerlebnisse
Das Gadertal ist umringt von den imposantesten Dolomitengipfeln. Es ist das Land der Ladiner, des ältesten rätoromanischen Volks im Alpenraum. Nicht nur wegen seiner Lage, nochmehr wegen der Herzlichkeit und Gastfreundschaft seiner Bewohner, wird es zurecht als “das Herz der Dolomiten” bezeichnet.
Egal zu welcher Jahreszeit, das Tal zeigt sich immer von einer anderen, doch immer berauschend schönen Seite. Trotz touristischem Hotspot hat sich die Dolomiten-Region Alta Badia ihre Eigenständigkeit, Sprache und Traditionen bewahrt. Unter Gourmets gilt sie als die Region in Südtirol, wenn es um gutes, authentisches Essen geht. Hier hält man die bäuerliche ladinische Küche hoch, aber interpretiert sie zuweilen modern: Kein anderes Tal in den Alpen hat eine solche Dichte an hoch dekorierten Restaurants auf so kleinem Raum; immerhin schmücken das Tal drei Michelin-Sterne-Restaurants.

Schuld war nur das Risotto von Nicola
Nicola Laera ist einer dieser Sterne-Köche im Gadertal in Corvara. Er ist der neue Küchenchef im Hotel La Perla, das zu den Leading Hotels of The World gehört. Seine Gerichte sind extrem köstlich und die Weinkarte gehört zu den Besten Italiens. Hier kommen nur saisonale, regionale Produkte auf den Tisch. Eben Bio-Qualität aus Südtirol. Gesundes Essen soll zur ganzheitlichen Erholung und Revitalisierung des Gastes beitragen.
Der 30-jährige Nicola Laera (Vater aus Apulien und Ladinische Mutter) ist voller Leidenschaft und überrascht immer wieder mit neuen, raffinierten Kreationen. Er interessiert sich nicht nur für Qualität, sondern auch dafür, was hinter dieser Qualität steht: Ein Küchenprodukt kann hervorragend sein, doch wenn es unter würdelosen Umständen hergestellt wird, dann wird er dieses Produkt nicht verwenden. Fertig.
Wie das gemeint ist, konnten wir bei einem kleinen Kochkurs bereits in München erleben: Risotto mit Roter Bete. Unsere Empfehlung, einfach nachkochen und genießen. Das Life-Erlebnis und das köstliche Risotto haben mich neugierig auf das La Perla in Corvara gemacht. Aus diesem Trip ist dieser Reisebericht entstanden. Übrigens: Das handgeschriebene Rezept von Nicola gibt’s am Ende des Beitrages.

Hier lebt der Traum der Gastgeber
Was mich neben dem Essen im La Perla begeistert: Es lebt, im Gegensatz zu vielen anderen, eine wirkliche Philosophie. Und diese wird mit Energie umgesetzt, denn es geht um nichts weniger als: „um Respekt. Dem Menschen und der Erde gegenüber“, wie Michil Costa, der Sohn von Ernesto, dem Gründer des Hotels und heutiger Besitzer, betont. Das “La Perla” ist eines von weltweit 6.000 Unternehmen, das sich der Gemeinwohl-Ökonomie verpflichtet. Das bedeutet: Die Hauptziele eines Unternehmens sind nicht mehr Gewinn und Konkurrenz, sondern Gemeinwohl und Zusammenarbeit.

Was haben die Gäste davon, frage ich Michil Costa. “Zuallererst werden sämtliche Entscheidungen in einem demokratischen Prozess zusammen mit den Mitarbeitern getroffen. Jeder ist ein Teil des Ganzen,” betont er. Herzlichkeit und gute Laune sind nicht aufgesetzt, sie sind überall spürbar. Sie gehören zum Charakter der Familie Costa und werden weitergegeben – von den Eltern Anni und Ernesto an die Söhne Michil, Mathias und Maximilian und an alle Mitarbeiter, die hier arbeiten und leben. Jeder der drei Brüder hat einen eigenen Lebenstraum, den er im Sinne der Familientradition leben kann. Maximilian baut den Berggasthof “Ladina” in der regionalen Tradition auf. Mathias Costa ist für die Führung des dritten Restaurants des Hauses, der “Murin Ostaria” zuständig. Und verantwortet zusätzlich, als leidenschaftlicher Biker, die sportliche Vision des Konzepts “Leading Bike”. In Kooperation mit Pinarello ist im Sommer 2013 ein Test- und Verleihzentrum der Extraklasse entstanden. Mathias hat uns auch den Tip für diese traumhafte Bike-Route mit 360 Grad Panoramablick, weiter unten im Bericht, verraten.

(Alle Fotos © Hotel La Perla)

 

 

 

La Stüa de Michil
Die Gaststube ist eine kleine, holzgetäfelte Wunderkammer: Zwei originale Stuben aus dem 16. Jahrhundert, kunstvoll und originalgetreu in das Hotel eingebaut und voller Charme. Einfach zauberhaft.
Das Haus aus dem Jahr 1957 steckt voller Traditionen, Geschichten und lokaler Kultur. Sechs typische Tiroler Stuben aus dem 18. Jahrhundert wurden wieder aufgemöbelt und zu Speise „Sälen“ des Restaurants gemacht. Es ist diese besondere Atmosphäre und unglaubliche, nicht aufgesetzte Gastfreundschaft, die mich nachhaltig beeindrucken: warmes Holz, weiche Kissen, ausgewählte Stoffe, gedimmtes Licht und diese vielen kleinen Details. Sie stehen für einen einzigartigen Stil, den man gleich beim Betreten des Hauses spürt. Blumen und Vasen, Kristall, Stoffservietten und holzgerahmte Fenster ergeben zusammen ein wunderbares Wohn-Museum. Gemacht, um entspannt zu speisen. Es ist fast wie das Zurückversetzen in eine Zeit, die mit Stil, Respekt und unaufdringlichem Service jeden Gast sehr liebevoll umsorgt.

 

Von den einzelnen Zimmern hat man teilweise einen wunderbaren Blick auf die umliegenden Berge oder die schönen Sommerwiesen.

Nur Gämsen dürfen meckern
Corvara und die Dolomiten haben noch viel mehr zu bieten. Hier erlebt man das Gebirge ganz und gar. Gewaltig und erhaben.

Das Gebirge ist ein imponierender Mikrokosmos. Es ist kein Zufall, dass es zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt wurde. Ich genieße und tanke Kraft in einer Bergwelt, die mir fast den Atem raubt, so schön und ursprünglich ist sie. Das sonnenbeschienene Hochplateau des Golfplatzes “Tranrüs” lockt am Fuße des Sella-Massivs mit einem 9 Loch Platz vor einer märchenhaft schönen Kulisse. Ganz einfach ist der Platz nicht zu spielen, immer wieder kommen tückische Schräglagen und die hügelige Landschaft ins Spiel. Aber wer will auf knapp 1.800 Meter Höhe, angesichts dieser wundervollen Landschaft, schon meckern und der Tatsache, dass wir auf einem der höchsten Golfplätze Europas spielen dürfen.

Logenplatz der Superlative
In den Dolomiten sind mir nur wenige Hochplateaus mit einem derartigen 360°-Ausblick bekannt. Knapp 2.200 m hoch über St. Kassian (1.537 m) und Corvara gelegen, reihen sich Marmolada, Fanesgruppe, Sella und Puez-Geisler-Gruppe in das Panorama des Pralongià-Plateaus (2.157 m) ein. Klar, dass Wanderer und Biker gleichermaßen dieses sagenhafte Rundumpanorama erleben möchten. Und wir werden heute die Route fahren, die uns Mathias Costa verraten hat.

Wir starten mit dem Bike von Corvara (1.568 m) und radeln von dort zunächst den Künstlerweg „Trù di artis“ entlang. Eröffnet im Jahre 2011, führt er uns entlang der Gader bis nach St. Kassian. Das Flüsschen begleitet uns mit seinem Murmeln bis zur Talstation der Piz Sorega Bahn. Danach geht’s zum Hotel Paradiso und rechts zum Hotel Ancei. Wir folgen der Wegmarkierung Nr. 18, später dann Nr. 24B, und fahren über die Störeswiesen bis zum Berggasthof Pralongià auf 2.135 m. Eine Rast und der Genuss dieses idyllischen Hochplateaus im Angesicht der wohl markantesten Berglandschaften der Welt, ist Belohnung für den teilweise sehr anstrengenden Bike-Anstieg.

Über die Hochebene geht es weiter auf dem Weg mit der Nr. 24 in Richtung Negerhütte. Noch ein kurzer Espresso-Stopp und dann zurück auf die Landesstraße SP 244, die uns wieder bis nach Corvara bringt.

Mathias hatte uns nicht zu viel versprochen: Eine Biketour, zwar über teils sehr geröllige Wege, mit einem Anstieg, der schon eine gute Kondition verlangt, dafür am Ende aber ein sagenhafter Ausblick und diese unvergleichliche Ruhe und Schönheit der Natur.

(Foto li und re © Hotel La Perla)

Am Abend tauchen wir zum Abschluss eines aufregenden Tage noch in den Weinkeller der Familie Costa ab. Auch diese Erlebnis ist wieder etwas Besonderes.

Die Welt der Weine
Irgendwie laufen diese Weinverkostungen immer gleich ab, denke auch ich. Genau mit dieser Erwartung steigen wir in den Hauskeller des „La Perla“ hinunter und werden total überrascht. Elisa, die aus dem Friaul kommt, begleitet uns superprofessionell auf einer Entdeckungsreise durch die etwa 30.000 Weinflaschen des Hauses.

Hier geht es nicht darum, sich durch die unterschiedlichen Weiß- und Rotweine aus aller Welt zu probieren. Im Mahatma Wine erfährt man unmittelbar die Leidenschaft, Kultur und Hingabe, mit der Familie Costa ihr Haus führt. Diese 30-minütige Reise zu beschreiben, würde dem Erlebnis nicht gerecht werden, deshalb empfehlen wir jedem, diese Weintour durch einen der beeindruckendsten Weinkeller Italiens bei einem Besuch im La Perla selbst zu erleben.
(Fotos © Hotel La Perla)

 

Zum Abschluss einer beeindruckenden Reise nun noch das versprochene Rezept: Risotto mit Roter Bete
Damit hat ja schließlich alles angefangen.

 

Check in:

Hotel La Perla: www.hotel-laperla.it
Str. Col Alt 105 – I-39033 Corvara (BZ) Alta Badia – Italien, T. +39 0471 83 10 00
Preise ab 310 Euro bis 1.080 Euro pro Zimmer, für 2 Personen.
Golf Club Alta Badia: www.golfaltabadia.it
Region: www.suedtirolerland.it
Corvara: www.altabadia.org
Hochplateau Pralongià: www.pralongia.it

Autorin:
Birgit Werner, bw-reportagen@web.de

 

 

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