Dresden lockt mit Correggio-Gemälden zum „Italienischen Herbst“

Die Bilder des Renaissance-Malers Correggio faszinieren durch Sinnlichkeit, Farbbrillanz und Ausdruckskraft. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentieren nun die erste Correggio-Retrospektive außerhalb Italiens – ein Höhepunkt im internationalen Kulturkalender. Die Ausstellung „Correggio. Berührend menschlich“ läuft bis 10. Januar 2027 im Semperbau am Zwinger.

Der Maler Antonio Allegri wurde unter dem Namen seines Geburtsortes Correggio bekannt. Der befindet sich in der Nähe von Parma, wo der Künstler die Domkuppel mit einem schwindelerregenden Strudel aus Wolken, Engeln und Heiligen bemalte. Neben Leonardo, Raffael und Michelangelo zählt Correggio zu den großen Italienern des 16. Jahrhunderts; er übte einen enormen Einfluss auf die europäische Kunstgeschichte aus.

Ausstellungsansicht “Correggio. Berührend menschlich” © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig

So viel Correggio war noch nie an einem Ort versammelt. Von einer „Ausstellung der Superlative“ spricht Bernd Ebert, Generaldirektor der Kunstsammlungen. Ein Drittel von überhaupt nur 60 existierenden Correggio-Gemälden ist hier zu sehen – der Maler hatte er keine Werkstatt, wo Schüler oder Gehilfen am Fließband kopierten. Die Gemäldegalerie Alte Meister kann auf beeindruckende eigene Correggio-Bestände zurückgreifen. Sie besitzt vier riesige Altargemälde aus unterschiedlichen Schaffensphasen. 40 Leihgaben hat man herbeigeschafft: aus hochkarätigen Museen wie dem Prado, dem Louvre oder den Uffizien. Aus dem Louvre kommt Correggios „Mystische Vermählung der heiligen Katharina“ – ein Gemälde, das den Louvre bislang noch nie verlassen hat!

Die Ausstellung trägt das Motto „berührend menschlich“ und richtet die Aufmerksamkeit auf Correggios meisterhafte Darstellung von Emotionen – ganz gleich, ob sie christliche Heilige oder antike Gottheiten zeigen. „Correggio ist ein Regisseur der Gefühle, die er zum Leben erweckt mit lebhaften Blicken und Gesten, intensiven Helldunkel-Kontrasten, brillanter Farbigkeit“, erklärt Holger Jacob Friesen, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister. Auch eine neuartige, sinnliche Dimension lässt sich bei Correggio feststellen; zum Beispiel bei der zarten, weichen Haut der schlummernden Venus.

Corregio “Venus und Cupido mit Satyr” (c) GrandPalaisRmn (musée du Louvre) / Franck Raux

In sieben Abschnitten beleuchtet die Ausstellung alle Phasen und Facetten von Correggios Schaffen. Auch Gemälde von Zeitgenossen sowie Künstlern, die sich von ihm inspirieren ließen, sind zu sehen, etwa von Peter Paul Rubens. Erstmals nach der vierjährigen Restaurierung, die vor den Augen der Öffentlichkeit in einem gläsernen Schau-Atelier erfolgte, kann man Correggios „Madonna des Heiligen Sebastian“ wieder in aller Farbenpracht bewundern. Rund eine halbe Million Euro sind in die Restaurierung des zweieinhalb Meter hohen Altarbildes geflossen. Den Details, wie das Werk untersucht, stabilisiert, gekittet und retuschiert wurde, widmet die Ausstellung einen eigenen Raum.

Correggio “Madonna des heiligen Sebastian” (c) Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Laura Princzes, Steffi Bodechtel, Jacob Franke

Ein weiterer Höhepunkt ist die Präsentation der „Heiligen Nacht“. Diese monumentale Altartafel gehörte einst zu den berühmtesten Gemälden Europas. Correggio revolutionierte damit die Malerei, indem er die Szene nicht von außen beleuchtet, sondern das neugeborene Jesuskind selbst zur strahlenden Lichtquelle macht, welche die Gesichter der Hirten und Marias erhellt.

Correggio “Die Heilige Nacht” Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Elke Estel, Hans-Peter Klut

Die Eröffnung der Correggio-Retrospektive bildet den Auftakt zum „Italienischen Herbst“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Elbflorenz feiert hier seine traditionsreiche Verbindung mit Bella Italia. Das Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss zeigt italienische Zeichnungen des 16. Jahrhunderts (bis 3. Januar 2027). Das Albertinum widmet sich unter dem Titel „Italien in Farbe“ den Sehnsuchtsorten und sonnengetränkten Landschaftsbilder des späten 19. Jahrhunderts. (bis 6. Juni 2027) Die Semperoper bietet dazu die musikalische Begleitung mit Opernklassikern wie Verdis „Maskenball“ oder Puccinis „Tosca“.  

INFOS

Laufzeit: „Correggio. Berührend menschlich“ bis 10. Januar 2027 im Semperbau am Zwinger

Öffnungszeiten: täglich 10-17 Uhr, Montag geschlossen

Eintritt: 14 €, ermäßigt 10,50 €, Online-Zeitfenster-Tickets

Der Ausstellungs-Katalog erscheint in deutscher und englischer Sprache (448 Seiten) Museumspreis: 38 €, Buchhandelspreis 50 €

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Foto: Antje Rößler. Titelbild: Antje Rößler

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Antje Rößler

Autor Kurzvorstellung:

Antje Rößler reist gern und liebt die Schönen Künste. Beides verbindet sie in ihrer Tätigkeit für diverse Tageszeitungen und Magazine: von der „Süddeutschen Zeitung“ über das America Journal bis zum Forum Magazin. Sie lebt in Berlin und in der Uckermark – abgesehen von ausgedehnten Winter-Aufenthalten in tropischen Gefilden. Sie hat an der Berliner Humboldt-Universität Musikwissenschaft, Soziologie und Philosophie studiert. Ein Auslandsjahr verbrachte sie mit einem Fulbright Stipendium in Kansas City. Sie war mehrfach Stipendiatin der German Studies Association. Als Musik-Expertin arbeitet Antje nun regelmäßig für Fachmagazine wie „Das Orchester“ oder „neue musik zeitung“ und lehrte Music History am Nazareth College (New York). Ihr neues Buch handelt von der Musikstadt Meiningen (Thüringen).

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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