Belmond Grand Hotel Timeo oder die Sehnsucht nach Sizilien

Mehr als eine Million Übernachtungen pro Jahr machen Taormina zum touristischen Hotspot Siziliens. Dennoch hat das 11.000-Einwohner-Städtchen mit seiner autofreien Altstadt und der traumhaften Aussicht seinen Charme bewahrt. Hoch oben über der Bucht von Naxos thront das Belmond Grand Hotel Timeo in spektakulärer Lage.

Es war im Jahr 1863, als der preußische Baron und Maler Otto Geleng nach Taormina reiste, um Aquarelle zu malen. Er mietete ein Zimmer bei Don Francesco La Floresta in dessen Haus, dem Timeo.

Sein Werk mit dem schneebedeckten Ätna hinter blühenden Mandelbäumen erregte in Paris großes Aufsehen. Viele seiner Künstlerkollegen nahmen ihm nicht ab, dass es einen anderen Ort auf der Welt geben könnte, an dem im Februar vor den Ruinen eines antiken Theaters gleichzeitig blühende Mandelbäume und Schnee auf den Bergen zu sehen ist.

Geleng ermunterte seine Malerfreunde, gemeinsam nach Taormina zurückzukehren – und versprach ihnen, dass er sämtliche Reisekosten übernehmen würde, wenn sie enttäuscht zurückkehren. Er gewann seine Wette – und wurde von 1872 bis 1882 sogar Bürgermeister von Taormina. 1874 wurde unterhalb des griechischen Theaters das erste Hotel namens Timeo eröffnet.

Im Laufe der Jahre folgten weitere Künstler. 1920 ließ sich D.H. Lawrence auf der Terrasse des Hotels nieder, um sein damals skandalöses erotisches Meisterwerk Lady Chatterley’s Liebhaber zu schreiben. In den 1940er und 50er Jahren las sich die Gästeliste des Hotels wie das Who is Who Hollywoods, darunter Oscar Wilde, Richard Wagner, Cary Grant, Elizabeth Taylor, Audrey Hepburn und Sophia Loren. Selbst der deutsche Kaiser Wilhelm II. pflegte dort zu überwintern. Im Jahr 2010 wurde das Hotel zusammen mit seinem Schwestergebäude – der Villa Sant’Andrea – an die Belmond-Gruppe verkauft.

Das Beste aus zwei Welten

Heute ist das Hotel der Inbegriff von Eleganz und Grandezza auf Sizilien und zählt zu den besten Häusern der Insel. Die gelungene Symbiose aus sizilianischem Barock und entstaubter Grandezza thront in einer terrassierten subtropischen Gartenanlage, direkt unterhalb des Amphitheaters „Teatro Greco“, mit atemberaubendem Ausblick auf das türkisblaube Meer und den Ätna, der kleine Rauchwolken in den Himmel schickt.

Das Belmond Grand Hotel Timeo bietet das Beste aus zwei Welten: hier die Ruhe und der Frieden des zweieinhalb Hektar großen Hotelparks mit seiner tropischen Vegetation und nur einen Steinwurf entfernt das geschäftige Treiben von Toarmina. Die 70 Zimmer und Suiten verteilen sich auf zwei Gebäudekomplexe. Sie haben ihren eigenen privaten Balkon bzw. Terrasse und sind im traditionell klassischen italienischen Stil mit antiken Möbeln und Stilkunstwerken eingerichtet.

Draußen zieht die Gäste der Panoramablick auf die traumhafte Umgebung des Hotels in ihren Bann. Er reicht von den Terrakotta-Dächer Taorminas über die Buchten und Landzungen der zerklüfteten Küste bis hinüber zum rauchenden Gipfel des Ätna. Selbst Goethe fehlten in seiner „italienischen Reise“ fast die Worte: „Gott sei Dank, dass alles, was wir heute gesehen, schon genugsam beschrieben ist, mehr aber noch, dass Kniep sich vorgenommen hat, morgen den ganzen Tag oben zu zeichnen“, schrieb der Geheimrat

Später beschrieb er den Ausblick so: „Nun sieht man an dem ganzen langen Gebirgsrücken des Ätna hin, links das Meerufer bis nach Catania, ja Syrakus; dann schließt der ungeheure, dampfende Feuerberg das weite, breite Bild, aber nicht schrecklich, denn die mildernde Atmosphäre zeigt ihn entfernter und sanfter, als er ist.“

Kulinarische Weiterentwicklung der klassischen Mittelmeerküche

Genau dieses Panorama ist es, das jedes Frühstück (Büffet plus à la carte), sekundiert von einem gleichermaßen unaufdringlichen wie aufmerksamen Service, unvergessen macht. Dieser Postkartenblick eröffnet sich dem Dach auch von der großen Backsteinterrasse, von der aus man einen atemberaubenden Blick auf das Ionische Meer, die Stadt Toarmina und den immer wieder auftauchenden Ätna hat.

Sicilian Sensations lautet das Motto im Spa. Eine Hommage an Sizilien ist etwa die handgemachte Seife, die mit dem nativen Olivenöl der Insel hergestellt wird. Zu den angebotenen Behandlungen gehören ein Peeling mit Lavaasche, ein Fußbad mit lokalen Bimssteinen und eine Massage mit Ölen, die nach Orangenblüten und Mandeln duften.

Mit Blick auf die Kulinarik bleiben keine Wünsche offen. Das Signature Restaurant ist nach dem deutschen Maler und „Gründervater“ Otto Geleng benannt – ein mit einem Michelin-Stern gekrönterr Gourmettempel mit acht Tischen, das eine kulinarische Sensation bietet, die von dem deutschen Maler und der Legende von Taormina, Otto Geleng, inspiriert wurde. Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Menü von Chefkoch Roberto Toro ist eine kulinarische Weiterentwicklung der klassischen Mittelmeerküche.

Der Sizilianer ist in einer Familie aufgewachsen, die auf dem Land lebte und begeisterte sich schon als Kind für die lokalen Aromen und die traditionsreiche Küche der Frauen. „Mein Lieblingsgericht ist Spaghetti al pomodoro“, verrät der Küchenkünstler, „es ist ein einfaches Gericht, das alle Elemente der mediterranen Ernährung enthält“. Man diniert mit hinreißendem Weitblick auf die Bucht von Naxos und sieht bis zum Ätna, der in der Ferne schnauft.

Am lauschigen Privatstrand des Schwesterhotels Villa Sant’ Andrea

Das Timeo Restaurant wiederum bietet eine gelungene Mischung aus sizilianischer und mediterraner Küche, bei der lokale Zutaten wie Kirschtomaten aus Pachino, Pistazien aus Bronte, Kapern aus Salina, Zitronen aus Interdonato und Salz aus Mozia verwendet werden. Das hervorragende native Olivenöl stammt aus biologischem Anbau in Syrakus. Dieses reinsortige Olivenöl mit einem Hauch von Tomate und Mandel überzeugt mit seiner Ausgewogenheit von bitteren und würzigen Nuancen.

Herrlich die Vorspeise aus rohem und leicht mariniertem Fisch und Schalentiere aus dem Ionischen Meer. Vegetarier kommen mit Zucchiniblüten auf ihre Kosten, die mit Tomaten, Auberginen und Basilikum gefüllt sind und mit einer Büffel-Ricotta-Creme aus Ragusa gereicht werden. Zum Hauptgang sollte man sich keinesfalls die Tagliata mit gegrilltem sizilianischem Rindfleisch und Nero d’Avola-Weinsauce entgehen lassen.

Wer einen Tag am Strand verbringen will, shuttelt zum lauschigen Privatstrand des Schwesterhotels Villa Sant’ Andrea in der Mazzarò-Bucht. Die im 19. Jahrhundert erbaute pittoreske Villa avancierte schnell zum Hotspot der sizilianischen Society avancierte. Stars gingen ein und aus. Der US-Star-Mime Al Pacino wohnte hier für sechs Wochen während der Dreharbeiten zum Film „Der Pate“.

Ob Villa Sant’ Andrea oder das Grand Hotel Timeo. Torniamo –  wir kommen wieder – steht nach dem Besuch in Taormina fest.

Fotos: Christian Euler, Belmond Hotels

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Christian Daniel Euler

Autor Kurzvorstellung:

Mit dem Journalismus beschäftigt sich Christian Euler seit einem knappen Vierteljahrhundert. Sein täglich Brot verdient der studierte Volkswirt zwar mit Beiträgen zum Thema Wirtschaft und Finanzen. Seine wahre Leidenschaft sind aber das Reisen und die Restaurants. Über die wirklich schönen Dinge des Lebens schreibt der weitgereiste Winzersohn seit zehn Jahren.

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