Zypern – mehr als nur ein Strand unter der Sonne

Szene in der Coral Beach Bay

Es ist ein hochsommerlicher Abend in Paphos, der Stadt im Südwesten Zyperns, die 2017 Kulturhauptstadt Europas war. Der Mai war der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, 3 Grad über dem statistischen Mittelwert, vermeldet das Amt. Jetzt sind es noch gut 25 Grad auf der festlichen Bühne in Ibrahim´s Khan, das vom Präsidenten der Republik Nicos Anastasiades mit einer Rede eröffnet wird. Eleni Tsaligopoulou und die Band Bogaz Musique geben ein Konzert, eine Foto-Ausstellung erzählt die Geschichte des Ortes, und viele Segel geben tagsüber Schutz vor der Sonne. Der Khan wird künftig überwiegend von Künstlern genutzt, die auch den hängenden Kräutergarten renoviert haben.

Die Königsgräber, der Archäologische Park, die Mosaiken, ja, das ist bekannt. Aber Ibrahim´s Khan? Das war in den 60er Jahren ein durch Schlaglöcher gekennzeichnetes, aufgegebenes Quartier in der Altstadt, bot dann Gaststätten, einem Theater und Läden Platz. Jetzt ist es, nachdem es für den vergleichsweisen Spottpreis von 3,3 Millionen Euro saniert wurde, ein Schmuckstück.

Doch wer war Ibrahim? Er war ein osmanischer Sultan, genannt der Verrückte, lebte im 17. Jahrhundert, wurde in Konstantinopel geboren, ein montenegrinisches Guslarenlied und ein Trauerspiel von Daniel Caspar von Lohenstein „Ibrahim Sultan“ erzählen seine Geschichte.

Nun ist eigentlich alles neu in Paphos, die Agora, der Kennedy Square, die Straße zwischen dem Rathaus und dem Byzantinischen Museum. Neues Pflaster, neue Lampen, frische Pflanzen. Eine Bibliothek, ein Kino.
Zypern ist nicht nur wegen Paphos als Touristenziel angesagt. Von Aya Napa, dem südlichsten Strand Schwedens, über Larnaca, Limassol, das sich zu einer mondänen Destination der Reichen entwickelt, über das kultur-romantische Paphos bis hin zum Städtchen Polis, das erst langsam entdeckt wird. Die Finanzkrise ist überwunden, die Republik rangiert mit ihren Wirtschaftsdaten im obersten Bereich der Europäischen Union. Viel Geld fließt auch in die touristische Infrastruktur wie etwa die Strände von Yeroskipou, die ein „massives Facelifting“ erhielten, wie der Bürgermeister der südöstlich von Paphos liegenden Stadt sagte.

Aber um Zypern herum kochen die Krisen. Erst vor wenigen Tagen wurde die Fähigkeit der Insel im Rahmen der Übung Argonaut/ESTIA geprobt, Hafen für mögliche Notfall-Evakuierungen zu sein. Syrien ist nah, der Libanon, Israel, der Gaza-Streifen, Ägypten, alles keine Flugstunde entfernt, dazu kommen die Gasfelder im Mittelmeer. Die Türkei will Bohrungen in der Wirtschaftszone Zyperns durchführen, die EU protestierte, die Türkei behinderte genehmigte Bohrungen der Italiener, die EU protestierte. Aber mehr nicht. Man stelle sich vor, die Türkei bohrte im amerikanischen oder russischen Festlandsockel.

Wer im Meer vor Aya Napa schwimmt, sieht die fernen-nahen Küsten nicht, auch keine Bohrtürme, die unermesslichen Reichtum im Untergrund anzapfen sollen. Doch der Schutz des EU-Mitglieds Zypern vor gierigen Aggressoren ist schwach. Berlin gibt sich seltsam desinteressiert und schiebt vor, die Griechen hätten selbst schuld, weil sie den Wiedervereinigungs-Vorschlag der UN abgelehnt hätten. Doch wer die Vereinbarungen liest, welche die Handlungsunfähigkeit der zyprischen Regierung bedeutet und selbst den Briten aufgrund ihrer Stützpunkte Hoheitsrechte am Schelf eingeräumt hätten, der kann die Ablehnung verstehen.

Natürlich will man in den wenigen Urlaubstagen eines Jahres von alledem nichts wissen, nicht wenige wählen sogar die Strände im besetzten Norden, aber auch auf einer Insel ist niemand eine Insel. Jeder hat persönliche Verantwortung und jeder sollte wissen, dass er Sand und Sonne nicht von den politischen Verhältnisse trennen kann. Und darum fahre, wer nach Zypern fliegt, in die Republik Zypern, das EU-Mitglied, aus purem Anstand, wie er auch nicht auf die Krim fahren würde. Hier im Süden – in griechischer Umgebung – wird das Erbe des Osmanen Ibrahim gepflegt, während im Norden Kirchen und Klöster geplündert und zu Moscheen umgewandelt werden und Erdogan sich angesichts schwacher Abwehr-Reaktionen sogar an den im Meer schlummernden Schätzen vergreifen will.

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