Winter- und Sommerzauber in der Heimat der Gebrüder Grimm in Nordhessen

Frau Holle in der Märchenwelt „Holleum“ und auf einem Rundweg in Hessisch Lichtenau, Frau Holle am Bollerofen der Viehhaushütte im Naturpark Meißner-Kaufunger-Wald, Fackelwanderung im Winterwald am Hohen Meißner, Eisschnitzen in Germerode mit einem Eiskünstler

Von Elke Backert

Es war einmal… So fangen alle Märchen an. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Frau Holle ist eine der Märchenfiguren, die in der Heimat der Gebrüder Grimm putzmunter ihren Dienst tut. Was sie gerade macht, erkennt man vor Ort sofort. Wenn es neblig ist, wäscht sie, oder sie kocht, dass es dampft. Wenn sich am Abend der Himmel rot einfärbt, dann backt sie. Ist doch ganz logisch – oder? Und morgens bei Sonnenaufgang ist der Backofen noch heiß.
Wer sich nun nicht mehr so genau an das Märchen von Frau Holle, der Goldmarie und der Pechmarie erinnert, kann es über Kopfhörer im prächtigen Fachwerk-Rathaus beherbergten „Holleum“ und dank der dort gemalten Bilder gut nachvollziehen. Das Brot im Backofen ruft: Hole mich raus, bevor ich verbrenne, der Apfelbaum bittet: schüttel mich, meine Äpfel sind schon reif. Und so weiter und so fort…

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Das prächtige Fachwerk-Rathaus in Hessisch Lichtenau beherbergt das Frau-Holle-Museum „Holleum“. (c) Elke Backert

Der Rundweg führt durch die malerische Fachwerk-Stadt Hessisch-Lichtenau zu zwölf modernen Skulpturen-Stationen, aber auch an die bronzene Skulptur der Frau Holle, die ihre Betten schüttelt, an den Brunnen, in den die Spindel gefallen ist und auf dem der Hahn kräht, dessen Worte in eine Bronzeplatte graviert sind: „Kikeriki, Goldmarie ist wieder hie.“ An der dicken noch erhaltenen Stadtmauer zeigt die aus einem Sandsteinblock von 2,30 Meter gearbeitete „Freya an der Mauer“ die andere Frau Holle, die Göttin der Liebe, des Glücks und der Fruchtbarkeit aus der Sagenwelt, auch Frigga, Perchta und Hulda genannt.

Zwei weitere Brunnen stehen in Vockerode, am einen sitzt die fleißige und dafür belohnte Goldmarie, am anderen die faule Pechmarie. Denn, so ist es eingraviert: „Sie (Frau Holle) half den Guten und strafte die Bösen.“

 

 

 

 

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An der dicken noch erhaltenen Stadtmauer zeigt die aus einem Sandsteinblock von 2,30 Meter gearbeitete „Freya an der Mauer“ die andere Frau Holle, die Göttin der Liebe, des Glücks und der Fruchtbarkeit aus der Sagenwelt, auch Frigga, Perchta und Hulda genannt. (c) Elke Backert
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Am Frau-Holle-Rundweg schüttelt sie ihr Kissen, auf dass es schneien möge. (c) Elke Backert

 

Damit nicht genug, die ganze Region Werra-Meißner-Land rund um den sich 754 Meter erhebenden Hohen Meißner, der sich vielfach im Nebel zeigt, huldigt den Grimm-Brüdern, deren Kinder- und Hausmärchen seit 2005 zum UNESCO-Dokumentenerbe (UNESCO Memory of the World Register) gehören. Denn als einzige Sagengestalt der Grimmschen Märchen besitzt Frau Holle ihr eigenes Reich. Es gibt die Frau-Holle-Loipe, den Frau-Holle-Teich, an dem sie als junges Mädchen in Stein gehauen ist und aus dem alle Kinder in Nordhessen geboren werden.
Noch kann man Frau Holles winterliche Pracht auf dem Winterwanderweg am Hohen Meißner genießen, vielleicht in Fackelbegleitung, um danach am wärmenden Bollerofen in der urigen Viehhaushütte bei Kerzenschein und einer Brotzeit ihren Geschichten zu lauschen. Diese Hütte kann natürlich für Veranstaltungen gemietet werden.

Im Sommer 2015 eröffnet Kassel das Ausstellungshaus GRIMMWELT, in dem auch die von Jacob und Wilhelm Grimm handschriftlich kommentierte Erstausgabe der Märchensammlung zu sehen sein wird.

 

 

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Goldmarie am Brunnen in Vockerode (c) Elke Backert

 

 

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Der von Mohnbauer Björn Sippel in Germerode und dem Meißner-Kaufunger Wald angebaute Schlafmohn hat kaum Morphine. (c) Elke Backert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mohnbauer Björn Sippel ist ein Tausendsassa. In seinem Meißnerhof in Germerode vermietet er Zimmer und kocht im Restaurant, auf 16 Hektar baut er Schlafmohn an, den er selbst zu Mohnöl verarbeitet, und als Eiskünstler bietet er Urlaubern seine Künste zum Mitmachen an. (c) Elke Backert

Schon jetzt kann man sich auf den Barfuß-Pfad freuen, der am Hohen Meißner angelegt ist, immer ein lustiges Erlebnis. Noch mehr aber auf das farbenprächtige Naturschauspiel der Meißner Mohnblüte Ende Juni/Anfang August. Ein Meer aus pink-violetten Blüten im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald: Etwa vier Wochen dauert die Mohnblüte in Germerode, 20.000 Besucher lassen sich jedes Jahr von dem Naturschauspiel bezaubern und spazieren oder fahren mit Planwagen oder Mohnschnecke durch das Blütenmeer. Die Mohnblüte ist nicht nur optisch, sondern auch kulinarisch einzigartig. Während der Blütezeit bieten Restaurants in Germerode und Umgebung Gerichte mit Meißner Mohn an – von Wildgerichten mit Mohnbeilage über Lachs-Blätterteig-Röllchen mit Mohn bis hin zu Mohn-Pasta. Metzgereien haben Wurstwaren mit Meißner Mohn im Sortiment, etwa Mohn-Bratwurst, Mohn-Leberkäse und sogar Ahle Wurscht mit Mohn. Und die Bäckereien offerieren Kuchen, Gebäck und hausgemachte Schokolade mit Mohn. In Zusammenarbeit mit einheimischen Betrieben entstanden eine ganze Reihe von Mohn-Produkten wie Mohnmehl (für Waffeln), Mohnlikör Mohnöl, Mohnseife, Mohneis. Björn Sippel ist der Mohnbauer, der das alles initiiert und in seine Mohntenne einlädt zu einerVerkostung all der leckeren Dinge und zum Kaufen, versteht sich. Seine Tochter Lena in farblich passendem Kleidchen fungiert dabei als Mohn-Fee.

Björn Sippels Kunst reicht noch weiter. Er lädt Interessierte ein, mit ihm aus Eisblöcken Kunstwerke zu schnitzen. Mit Kettensäge, Meißel, Spachtel und weiterem passendem Werkzeug wird aus einem kalten Block ein wärmendes Herz oder ein Blumenkorb, was schon etwas schwieriger ist. Vor allem dann, wenn man das schwere Stück nach Hause tragen will.

Info: www.grimmheimat.de und www.regionnordhessen.de

Fotos Elke Backert

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