Warum Männer auf Ski so gerne ihr Gehirn ausschalten

Mit Schrecken erinnert der Brenninger sich an seinen Ski-Saison-Start 2010. Wie an jedem ersten Saison-Ski-Tag seines Lebens hatte er während der Gondelauffahrt ein etwas mulmiges Gefühl in der Magengegend registriert. Hatte er an der Bergstation des Gletschers zur Höhen-Akklimatisierung einen Espresso zu sich genommen. Hatte er einen zaghaften ersten, zweiten und dritten Schwung im Schnee vollführt. Und war es ab dem vierten Schwung so gewesen, als hätte es keine acht Monate lange Brettl-Pause gegeben. Sondern flutschte es, als sei er letztmals gestern auf Ski gestanden. Und Brenninger hatte sich gedacht: „Skifahren ist doch wie Radfahren – man verlernt es einfach nicht!“. Dann stieß er – wie an jedem ersten Saison-Ski-Tag seines Lebens – einen überbordenden Glücks-Juchzer aus: „Juhuuuuu!!!!!!!!!!!!!“

Nach und nach kehrte im Laufe des Vormittags auch das Gefühl für ein etwas höheres Tempo zurück und Brenninger legte Schaufel um Schaufel zu. Nur ja nicht den Kontakt zum Ski-Guide abreißen lassen! Der würde ihm nicht davon fahren! Nicht ihm, dem Brenninger!

Aber irgendwann legte der Guide halt doch einen höheren Gang ein. Und zischte ab. Der Brenninger: Ja freilich – hinterher! Und hielt auch mit! Bis eine Bodenwelle kam. Und er in Rücklage geriet. Brenninger versuchte dagegen an zu kämpfen. Doch anfangs der Saison hielten seine Beine dem Sog nach hinten noch nicht stand. So dass er klein bei geben musste. Und ganz groß ab hob.

Auf der Rettungsstelle diagnostizierten sie: Eventuell Rippenanbruch,  Schlüsselbeinanbruch, Schultereckgelenksprengung. Das Röntgen im Tal dann ergab: null Brüche. Doch Prellungen, als hätte er gegen die Klitschkos geboxt. Wochenlanger Sport- und Skiausfall.

Brenninger hat aus 2010 gelernt. Und lässt seitdem jeden Guide einfach davon brausen.  Soll er doch! Allerdings nur – am ersten Skitag der Saison. Ab dem zweiten natürlich nicht mehr. „Waaar ja no scheena!“.

Brenningers Frau schüttelt stets stirnrunzelnd den Kopf über ihren lernunfähigen Mann. Doch innerlich empfindet sie durchaus ein wenig Stolz über ihn. Was er natürlich weiß. Und deshalb im Windschatten des 2014er-Guides noch einen Zahn zulegt.  „Juhuuuuu!!!!!!!!!!!!!“ Und sich noch während der rasenden Fahrt schon aufs Heimkehren ins Hotelzimmer freut. Um dort den Stolz, den er in seiner Frau geweckt hat, ein wenig aus zu nutzen.

 

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag hier.

* Niedergeschrieben von Jupp Suttner.

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