Vierzig zinnoberrote Bambusschirme

„Madame Butterfly“ bei den Bregenzer Festspielen 2023: Grandioses Bühnenbild mit der Natur als Regisseur

Sie gilt als eine der meist gespielten Opern: Giacomo Puccinis „Madame Butterfly“. Bisher kam sie noch nie zur Aufführung auf der berühmten Seebühne der Bregenzer Festspiele. Sie ist in der europäischen Festivallandschaft eine der eindrucksvollsten Spielorte.

Schon vor Spielbeginn führt die Natur bühnenwirksam Regie: Wenn an einem lauen Sommerabend links hinter der riesigen Bühne der Bregenzer Festspiele die Sonne langsam am Horizont verschwindet und intensives Abendrot über dem gut erkennbaren Lindau verglüht, dessen Lichterketten immer deutlicher am Ufer blinken, wenn noch vereinzelt Segelboote langsam ihre Runden ziehen und die großen Fahrgastschiffe lautlos ihrem Heimathafen Bregenz zustreben, dann kommt jene Atmosphäre auf, die den Opernabend stimmungsvoll umrahmt.

Die Seebühne steht auf rund 120 Pfählen aus Fichtenholz oder Stahl. Bis zu sechs Metern  tief sind sie in den Boden gerammt. Wegen des hohen technischen Aufwands werden die Opern am See immer im Zwei-Jahres-Turnus gespielt. Von „Madame Butterfly“ waren im ersten Jahr 2022 alle 26 Aufführungen ausverkauft, und dies bei knapp 6700 Besuchern pro Abend. Mit stehenden Ovationen dankt das Publikum den Sängerinnen und Sängern und den Wiener Symphonikern unter dem Dirigenten Enrique Mazzola, der eine besondere Affinität zur italienischen Oper hat. Mit Verve dirigiert er einen bewundernswert leichten Puccini-Klang. Die exzellente Soundanlage bietet das Hörerlebnis, wie in einem riesigen Konzertsaal ohne Dach zu sitzen.

Die Intendantin Elisabeth Sobotka, die nach 10 Jahren Bregenzer Festspiele ab 2024 die Berliner Staatoper Unter den Linden führen wird, ist hocherfreut über die Arbeit von Regisseur Andreas Homoki zu Butterfly: „Wir haben bewiesen, dass suggestive Bildkraft sowie eine subtil gedachte und konzipierte Inszenierung unser Publikum genauso begeistert wie Spektakel, Buntheit und größtmögliche Abwechslung“. Seit 2012 leitet Homoki äußerst erfolgreich das Züricher Opernhaus.

Die Bregenzer Festspiele überraschen auf ihrer Seebühne immer wieder mit grandiosen Opernproduktionen. Die ästhetischen Bühnenbilder sind äußerst aufwendig, technisch von höchster Perfektion. Und auch der Erfolg der Inszenierung von Madame Butterfly beginnt beim imposanten Bühnenbild: Zehn Monate lang haben 33 Technikfirmen daran gearbeitet. Es stellt „nur“ ein zerknittertes Seidenpapierblatt dar, immerhin 33 Meter breit und 23 Meter hoch, rund 300 Tonnen schwer, einschließlich der Stahl- und Holz-Unterkonstruktion. Allein die Grundierung des überdimensionalen Blattes verbrauchte 360 Eimer Verputz. Doch neugierig machen die farbigen Tuschmalereien mit Bäumen und Bergsilhouetten: Sie bieten die Illusion einer überdimensionalen japanischen Papiermalerei. Mit Video-Projektionen und 3D-Tricks gewinnt die Kulisse zusätzlich an atmosphärischer Aussagekraft. Die Farbe des Seidenpapiers ändert sich mit der Gefühlslage der 15-jährigen Cio-Cio-San: von Liebe und Hoffnung bis zu Schock und Enttäuschung. Ein toller Einfall der Licht-Regie!

Die Inszenierung schafft wunderschöne malerische Bilder: Etwa wenn sich die Geishas in ihren festlichen Gewändern und mit zinnoberroten Wagasa-Schirmchen von der obersten Kante der Papierfolie, hintereinander trippelnd, einen Weg bahnen hinunter zur Bühnenplattform. Homoki schafft es, über den weiten Raum zwischen den Figuren Spannung zu schaffen, teilweise auch Intimität.

Die hinreißende Tragödie bei den Bregenzer Festspielenspielt um 1900 in Nagasaki, wo der Leutnant Pinkerton auf einem amerikanischen Kriegsschiff für drei Monate stationiert ist. Er verliebt sich in die reizende Cio-Cio-San, die alle nur Butterfly nennen. Er ist von ihr so fasziniert, dass er sie sofort nach japanischem Brauch heiraten will. An einer ernsthaften Ehe ist er nicht interessiert. Doch sie glaubt, wirklich geliebt zu werden. Kurz nach seiner Abreise zurück nach Amerika bekommt sie ein Kind. Mehrere Jahre wartet sie vergeblich auf seine Rückkehr. Dann kommt Pinkerton doch nach Nagasaki, in Begleitung seiner neuen amerikanischen Frau, um das Kind abzuholen. Butterfly ist bereit, ihm das Kind zu überlassen und verabschiedet sich von ihrem Sohn. Weil sie glaubt, nicht mehr in Ehren leben zu können, erdolcht sie sich. Als Butterfly stirbt, ziehen in dramatischer Projektion Flammen über die Bühne. Am Ende brennt das riesige Seidenblattpapier lichterloh. Erleichtert erleben beim Schlussapplaus die Zuschauer alle Sänger wieder unbeschadet.

Info

26 Aufführungen zwischen 20. Juli und 20. August 2023, Beginn jeweils 21 Uhr 15, ab 1. August 21 Uhr; Dauer: ca.  2 Stunden, keine Pause.

Kartenbestellung: 43 5574 407-6 oder online: https://ticket.bregenzerfestspiele.com

Allgemeine Infos: www.bregenzerfestspiele.com  
Über die Sänger und Sängerinnen kann hier nicht berichtet werden, da fast alle Rollen zweifach besetzt sind; einige dreifach. So steht Butterfly in den zwei Stunden fast pausenlos auf der Bühne, eine fordernde Partie.  

Kartenpreise: So. – Do. billiger: 30 – 157 €, Fr. 42 – 165 €, Sa. 54 – 181 €. Karten der Kategorie 1 und 2 (Aufdruck: „gültig für See + Festspielhaus“) berechtigen auch zum Besuch der Oper im Festspielhaus, falls aus Wettergründen das Spiel auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele abgebrochen wird. Der Wert der restlichen Karten wird rückerstattet.

Gegebenenfalls wird auch bei Regen weitergespielt. Warme und regensichere Kleidung ist empfehlenswert. Wegen Sichtbehinderung keine Regenschirme!

Die Großparkplätze sind gebührenpflichtig. Bei fast 7000 Besuchern ist wegen des unvermeidlichen Staus eine frühzeitige Anreise notwendig.

Einführungsvorträge: jeweils 19.00 und 19.30 im Festspielhaus, Parkstudio

Führungen auf der Seebühne (40 Min.):  Während der Festspielzeit täglich jede Stunde von 10.30 bis 15.30.  Sehr lohnend! Preis: € 7,50 –  Kinder bis 10 Jahren kostenlos, Infos: 0043 5574 407 – 6. Frühzeitige Buchung empfehlenswert: telefonisch oder online.

Online-Röntgenbick: Wer die Kulisse nicht nur von außen sehen will, kann über bregenzerfestspiele.com virtuell und in HD hinter die Fassade blicken und sich über Aufbau, Technik und Funktionsweise der Bühne informieren. Dies geht bis zur Unterkonstruktion der Kulisse und zum Grund des Bodensees.

Anreise mit dem Schiff „MS München“:  ab Lindau 19.55 direkt bis zur Seebühne und zurück, 23 € incl.  Aperitif an Bord.

Kulinarisches:                                                                                                                        
Gastronomiezelt (ab 18 Uhr) + A-la-carte-Restaurant „buehnedrei“ (ab 11 Uhr). Reservierung: 0043 5574 407 – 279 

Das Copyright für alle Fotos liegt bei den Bregenzer Festspielen.     

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© Fotos: Bregenzer Festspiele

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Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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