„Turnadot“ zwischen Himmel und Wasser

Die Bregenzer Festspiele Juli/August 2016

Sommerurlaub lässt sich nirgends sonst so perfekt mit Großer Oper verbinden wie am Bodensee. Nach der begeisterten Aufnahme im letzten Jahr steht, wie immer im zweijährigen Rhythmus, die Wiederaufnahme der Puccini-Oper „Turandot“ auf dem Programm. 2015 sahen über 170 000 Besucher das bewegende Werk.

Schon das Vorspiel der Natur inszeniert sich perfekt, wenn an einem lauen Sommerabend neben der größten Seebühne der Welt die Sonne langsam am Horizont verschwindet, die Lichter vom Lindauer Seeufer immer heller herüberblinken und die Ausflugsschiffe mit ihren Lichterketten lautlos über den See gleiten. Sie verschwinden hinter einer riesigen Chinesischen Mauer. Diese schwingt sich, aus dem Wasser aufsteigend, 72 Meter breit über die Bühne.

Foto ganz oben: Turandot auf der Seebühne (c)BFS- R.Larmann

k-Sonnenuntergang am Bodensee bei Spielbeginn(c)BFS-A.Koehler

Sonnenuntergang am Bodensee bei Spielbeginn (c)BFS-A.Koehler

Mit fortschreitender Dämmerung leuchtet der 335 Tonnen schwere Mauerkoloss immer intensiver in sattem Orangerot. Kurz nach 21 Uhr, bei den ersten Takten der Wiener Symphoniker, bricht die Steinwand plötzlich auseinander und gibt den Blick frei auf die über zweihundert mannshohen Figuren der kaiserlichen Terrakotta-Armee, die quer durchs Bühnenbild marschieren, hinein ins Wasser. Für die knapp 7000 Besucher pro Abend beginnt die spektakuläre Inszenierung auf der Seebühne im XXL-Format ihre magische Wirkung zu entfalten.
Die chinesische Kaisertochter Turandot, in langer weißer Robe, wird in einem mit Lampions geschmückten Boot zur Vorderbühne gefahren. Hier nimmt das grausige Spiel der Prinzessin seinen Anfang. Jeden ihrer Freier lässt sie köpfen, der ihre drei Rätsel nicht lösen kann – Köpfe rollen reichlich. Nur Prinz Kalaf schafft es. Doch Turandot sträubt sich gegen eine Heirat. Happy End nach vielen Widerständen: Sie werden doch ein Paar.
Die neue Intendantin Elisabeth Sobotka sagt, sie habe sich Puccinis Oper ausgesucht „wegen der farbenprächtigen Partituren und ihrer märchenhaften Geschichte“. Regisseur Marco A. Marelli staunt, an was man auf der riesigen Seebühne alles denken muss: „Gewicht, Wind, Wasser und Hochwasser noch dazu“. Schließlich steht die Bühne auf 119 Pfählen, die bis zu sechs Meter tief in den Seegrund gerammt sind. Über die raffiniert ausgeklügelte Beschallungstechnik berichtet Tonmeister Gernot Gögele. Man habe für das bekannte „Bregenzer Richtungshören“ in den Mauersteinen 59 Lautsprecher versteckt: Der Ton wandert mit den Bewegungen des Sängers mit.

Die Grenzen der Kaiserstadt markieren zwei Wehrtürme. Auf der Spitze des einen befindet sich ein kleiner roter Teepavillon. Wer da oben singt, sollte schon schwindelfrei sein, meint Bühnenmeister Manfred Achberger. Nur eine schmale Treppe mit 45 Grad Gefälle führt in die luftige Höhe von 27 Metern. Beruhigend fügt er hinzu: „Die Darsteller sind natürlich angeseilt“.

Katrin Kapplusch, die die Prinzessin Turandot singt, ist begeistert von der Bodensee-Kulisse: „Es ist natürlich ein wunderschönes Fleckchen Erde, weil hier einfach so viel Naturschönheit zusammenkommt. Und dadurch, dass wir in den Sonnenuntergang reinstarten, haben wir das Besondere, dass dieses wunderschöne Bühnenbild von Marelli in dieser Farbgebung perfekt mit dem Abendhimmel zu einer Einheit wird.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

k-Chinesische Drachenspiele(c)Breg.Fsp.

Chinesische Drachenspiele (c)Breg.Fsp.

k-die Chinesische Mauer als Bühnenkulisse(c)Breg.Fsp

die Chinesische Mauer als Bühnenkulisse (c)Breg.Fsp

Infos:
23 Aufführungen zwischen 21.7 – 21.8., Beginn 21 Uhr 15, ab 2.8. 21 Uhr; Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause.

Kartenbestellung:  0043 5574 407-6 oder online:
www.bregenzerfestspiele.com;

Preise: So. – Fr. billiger als Sa. Karten der Kategorie 1 (126/147 €) berechtigen auch zum Besuch der Oper im Festspielhaus, falls aus Wettergründen das Spiel auf der Seebühne abgebrochen wird. Karten der Kategorie 2 – 5 (30 – 99 €, Sa. 52 – 123) werden rückerstattet.
Die Großparkplätze sind gebührenpflichtig, frühzeitige Anreise ist empfehlenswert.

Anreise mit dem Schiff: ab Lindau 19.30 bis zur Seebühne und zurück, 22 € incl. ein Glas Sekt.
Führungen auf der Seebühne: während der Festspielzeit täglich jede Stunde 10.30 bis 15.30. Preis: 7 € (Tageskasse). Sehr empfehlenswert!

Geschrieben von
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