Salzburg mit Kind und Kegel

Von wegen langweilige Kultur. An der Salzach kann sich die ganze Familie mit bekannten und weniger bekannten Sehenswürdigkeiten amüsieren.

Keine Angst vor so viel Kultur. Salzburg macht auch Spaß (Quelle: Salzburg Info)

Keine Angst vor so viel Kultur. Salzburg macht auch Spaß (Quelle: Salzburg Info)
Hellbrunn: ein Schloss ist auch zum Spielen da (Quelle: Weindl)
Hellbrunn: ein Schloss ist auch zum Spielen da (Quelle: Weindl)
Gefällt jung und alt. das Haus der Natur (Quelle: Salzburg Info)
Gefällt jung und alt. das Haus der Natur (Quelle: Salzburg Info)

Eine alte Burg ist wie eine riesengroße Fundgrube. Hier lauern so viele ungewöhnliche Geschichten, manchmal lustig, manchmal gruselig. Klar dass die Festung Hohensalzburg auch einige Kuriositäten parat hat. Und die verrät Silke, die Führerin, die in der Abenddämmerung mit einigen Familien durch die dunklen Gänge wandert und Geschichten erzählt. „Passt auf“, sagt sie zu den Kindern mit leiser aber bestimmter Stimme, „vielleicht bekommen wir heute abend die weiße Frau zu sehen, die geistert hier seit Jahrhunderten durch die Festung.“ Ben und Maria bekommen große Augen. Eben noch waren sie in der alten Folterkammer und haben gesehen, wo die Sträflinge eingepfercht wurden, und jetzt das noch. Mit großen Augen schleichen sie entlang der meterdicken Mauern, schielen vorsichtig um die Ecke. Keine weiße Frau heute zu sehen. Gott sei Dank. Die soll nämlich seit 1322 hier unterwegs sein und sich immer dann sehen lassen, wenn danach was Schlimmes passiert.

 

Nachtführungen auf der 900 Jahre alten Festung sind ein Beispiel dafür, wie man in Salzburg versucht, die ganze Familie für die Mozartstadt zu begeistern. Den Erwachsenen muss man hier nicht viel erklären. Hier gibt es vor allem Wolfgang Amadeus Mozart, sein Geburtshaus, sein Wohnhaus, das Mozarteum, in dem künftige Musikgenies ausgebildet werden. Salzburg hat die Festspiele, die Getreidegasse mit bekannten und teuren Geschäften und dazu kann man die Stunden in eleganten Kaffeehäusern verstreichen lassen. Ein Familienprogramm sieht hier aber etwas anders aus. Und das kann so beginnen. Zuerst spaziert die Familie ein wenig durch die Altstadt, lässt sich im Café Fürst erzählen, wie dort die Mozartkugel erfunden wurde und was ihren Geschmack und Erfolg aus ausmacht. Es sind vor allem Marzipan und Nougat, so viel sei schon mal verraten. Wer nicht auf Süßes steht, kann sich in der Getreidegasse bei der Hausnummer 33 in den Seitengang verdrücken und dort beim ebenso winzigen wie berühmten Würstlstand der Metzgerei Walter eine Bosna gönnen. Das ist eine Art Balkan Hot Dog mit Bratwurst, Senf, Zwiebeln und Curry. Der Nachmittag gehört dann dem Salzburger Marionettentheater. Don Giovanni oder die Zauberflöte von Mozart, der Sommernachtstraum von Shakespeare und andere Klassiker bilden das Repertoire und das macht Eltern wie Kinder Spaß, wen die fast lebensgroß erscheinenden Puppen auf der Bühne auftreten, begleitet von originalen Klängen und Stimmen aus verschiedenen Aufführungen.

„Demnächst werden wir noch kinderfreundlicher und bereiten neue Stücke vor wie den kleinen Prinz und Alice im Wunderland“, verrät die Chefin des Marionettentheaters, Barbara Heuberger. Vom Marionettentheater ist es dann nur ein Katzensprung zum Salzachufer und zum Makartsteg. Vorher könnte man sich noch einen kleinen Imbiss im Café Bazar gönnen, auch ein Salzburger Klassiker, eine Melange für Mama und Papa, ein Apfelstrudel für Nachwuchs. Dann geht es auf die andere Salzachseite und hinein ins Schiff, das dann flussaufwärts bis zum Schloss Hellbrunn tuckert. Das kurze Stück von der Anlegestelle bis zum Schlosseingang übernimmt ein alter Doppeldeckerbus. Die Sitze oben ganz vorne sind in Sekundenbruchteilen vom Nachwuchs besetzt. Im Schloss Hellbrunn, das der Erzbischof Markus Sittikus 1615 erbauen ließ, steht nun eine Besichtigung an. Das klingt zunächst für junge Gäste nicht gerade aufmunternd. Üblicherweise bekommt man dabei viele Zahlen, Bilder und Statuen möglichst trocken verabreicht. Nicht in Hellbrunn, denn hier handelt es sich ganz offiziell um ein Lustschloss und auf der Broschüre steht vielversprechend „Geschichte erfrischend anders“. So wird es dann auch bei der geführten Tour durch den Park mit den Wasserspielen, bei denen eben gerne mit Wasser gespielt wird, was die Besucher ziemlich oft überrascht und mit hektischem Kreischen kommentiert wird. Mehr darf man eigentlich nicht verraten, aber es wird nicht nur gekreischt sondern fast noch mehr gelacht. Am nächsten Tag warten im Haus der Natur im Zentrum noch wilde Tiere, spannende Geschichten aus der Urzeit und ungewöhnliche interaktive Sehenswürdigkeiten im neuen Science Center, wo man balancieren, überdimensionale Zahnbohrer bewundern und in einem Parcour erleben kann, wie es ist, wenn man als Blinder oder im Rollstuhl unterwegs ist. Zum Abschluss gibt es dann noch den Ausflug hinaus aus der Stadt und rein in die Natur. In Großgmain an der Grenze zu Bayern wartet das Salzburger Freilichtmuseum. Ein waldreiches, 50 Hektar großes Terrain mit rund 100 historischen Bauten, mit alten Bauernhöfen, Stadeln, Mühlen, Kapellen, Kegelbahn und Feuerwehrhäusern. Ein Gasthaus, eine kleine Brauerei und ein Bahnhof gehören auch dazu. Bei letzterem wartet schon die Bimmelbahn, die die Gäste durchs Gelände fährt. Ganz gemütlich natürlich, schließlich will man ja was von der ungewöhnlichen Umgebung sehen. Die Kids interessiert vor allem der alte Kramerladen, wo es jede Menge Holzspielzeug zu sehen und zu kaufen gibt. Das älteste Gebäude ist eine Scheune von 1442. deutlich jünger ist das alte Klassenzimmer im Mesnerhaus, wo man mal die Schulbank drücken kann wie anno dazumal, was den Kindern Spaß macht, den Eltern wegen der engen Platzverhältnisse her schwer fällt und gymnastische Verrenkungen notwendig sind. Da kehrt man doch gerne wieder in die Gegenwart zurück und lässt sich drüben im Gasthaus einen Kaiserschmarrn auftischen und freut sich, dass Zeitreisen zwar lustig sind, aber irgendwann dann doch wieder dort enden, wo man zuhause ist.

 

 

 

 

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