Los Glaciares. Zwischen Fitz Roy und Perito Moreno

Was den Chilenen der Paine Nationalpark ist den Argentiniern, weiter im Norden am Rande der Anden und des Campo de Hielo Sur, der gigantischen Eisfläche Lateinamerikas, der Parque y Riserva Nacional Los Glaciares. Er liegt an zwei Seen, dem Lago Viedma im Norden und dem Largo Argentino im Süden. Beide verbindet die Ruta Nacional 40, die  mit 5301 Kilometern längste Nationalstraße des Landes.  Drei Gletscher kann man besuchen, den Glaciar Viedma, den Glaciar Upsala und den berühmtesten, den Perito-Moreno-Gletscher, der in einen südlichen Seitenarm des Lago Argentino mündet.

Zwei Städtchen bieten Ausgangspunkte, die Region zu erkunden. El Chaltén unweit vom Viedma-See und El Calafate am Argentino See.

Wir haben in beiden Städtchen Station gemacht, die selbst wenig zu bieten haben außer Autowracks und Müll auf  allen Freiflächen und dösende, friedliche Hunde an allen Straßenecken. „Wir lieben Hunde“, ist die Antwort“, die man bekommt, wenn man nach dem Grund für die Anzahl der vielen herrenlose Tiere fragt. Ansonsten beschränkt sich die Existenzberechtigung  der Städte darauf, Basislager für Wanderer und Kletterer zu sein.

El Chaltén war lange Niemandsland zwischen Chile und Argentinien. Keine Karten bestimmte, wem dieser Flecken unwirtlichen Landes gehört. Die Tehuelche gaben dem Gebiet den Namen El Chaltén, was rauchender Berg bedeutet. Das passt, der Fitz Roy ist zwar kein Vulkan, aber wer Pech hat, wartet 14 Tage und länger darauf, dass die Wolken seinen Gipfel frei geben.  1985 schaffte Argentinien Fakten, rammte seine Flagge in den windigen Boden, die Provinz Santa Cruz nahm den Fitz Roy ins Wappen auf, und man baute mit El Chaltén den heutigen „Trekker Hangout“ für Abenteurer, die sich mit  den drei Gipfeln, dem Fitz Roy, dem Cerro Egger und dem Cerro Torre messen wollen, in welcher Form auch immer. Die einen wollen an der Felsnadel im Eis hängen, die anderen wollen sich ihnen bloß nähern, um sie voller Ehrfurcht zu betrachten und sich mit ihnen auf Selfies zu verewigen.

Ungezählt sind die Geschichten derer, welche die drei Berge bezwingen wollten, derer die es schafften, die dies nur behaupteten und die ihren Wagemut mit dem Tod bezahlten. Von der Erstbesteigung des Cerro Torre, des „Unbezwingbaren“ wegen einer Eiskappe auf seiner Spitze, die feuchten Winde aus dem Westen frieren dort fest, kehrte  1959 nur einer von zweien, Cesare Maestri, lebend zurück. Der andere, Toni Egger, kam in einer Lawine ums Leben. Eine Kapelle zu seinem Gedenken ist in El Chaltén zu besuchen. Und ob Maestri wirklich oben war, ist endgültig nicht bewiesen.

 Wer heute von El Chaltén eine Wanderung startet, läuft meistens bis zur Laguna Torre am Cerro Torre, das sind 18 Kilometer Weg. Wer nur spazieren gehen will, versucht aus dem Ort hinaus zum fotografischen Schuss zu kommen.

Einige aus unserer Reisegruppe versuchten sich am Mirador de los Condores. Das sind nur 4,5 Kilometer Strecke, aber der Wind hätte sie fast in die Tiefe geblasen. Sie konnten gerade noch den Aufstieg abbrechen.  Saison ist in El Chaltén von November bis April, viele Unterkünfte schließen danach. Wir waren zum Monatswechsel November-Dezember dort. Das Wetter war, bis auf den Wind, wunderschön. Aber Garantien gibt es nicht.

Und dann in Calafate ein weiterer Höhepunkt: der Gletscher Perito-Moreno-Gletschers,  benannt nach einem argentinischen Geografen. Er hieß auch einmal Bismarck-Gletscher, weil 1899 sein Entdecker, der deutsche Geologe Rudolph Hauthal, damit den im Vorjahr verstorbenen Reichskanzler ehren wollte. Er hieß auch einmal  Francisco-Gormáz-Gletscher, nach einem chilenischen Kapitän. Wie auch immer, er ist einer der größten des Campo de Hielo Sur, der Eisfläche der südamerikanischen Anden, eine der Touristenattraktionen Argentiniens, und der Nationalparks Los Glaciares ist UNESCO-Weltnaturerbe. Im Gegensatz zu den Gletschern der Alpen: Der Perito-Moreno-Gletscher nimmt nicht ab.

Jeder Besucher hofft natürlich, einer Kalbung beiwohnen zu können. Es rumpelt und donnert auch gelegentlich, aber es sind nur kleinere Massen, die in den Lago Argentino stürzen, und meist ist man mit der Kamera nicht schnell genug. Nota bene: Gletscher-„Eis“ ist kein gefrorenes Wasser, sondern gepresster Schnee. Richtig laut war es zuletzt 2018, als eine riesige Eis-Brücke hinabstürzte. Touristen haben den spektakulären Event allerdings verpasst. Es geschah des Nachts, während eines Sturms.

Gelegentlich kalbt er auch unter Wasser, dann dreht sich eine weißblau leuchtende Masse an die Oberfläche.

Als Obergrenze des Gletschers wird die kontinentale Wasserscheide genommen, der höchste Punkt liegt auf 2950 Meter beim Cerro Pietrobelli. Von dort fließt der Gletscher über etwa 30 km ostwärts bis zum Lago Argentino. Die Gletscherfläche wurde mit 254 Quadratkilometern ermittelt.

Der Weg zum Perito Moreno führt vom Parkplatz über gut eingerichtete Stege zu mehreren Aussichtsplattformen. Aktuell hat er zwei Kalbungsfronten. Die im Canal de los Témpanos ist etwa 2,3 km lang, die im Brazo Rico 2,1 km.  

Mit einem Katamaran näherten wir uns ihm anschließend von der Seeseite aus, vorsichtig, aber doch genug für spektakuläre Bilder der etwa 40 Meter hohen Eisfront. Natürlich könnte man im Nationalpark Los Glaciares Wochen zubringen, aber nach dem Besuch des Perito Moreno, nach dem Höhepunkt der Reise, machte sich doch eine gewisse Erschöpfung breit. Und man registrierte dankbar, dass von El Calafate einen ein Flugzeug die Tausende von Kilometern zurück nach Buenos Aires bringt.

BU: Höhepunkt einer Reise: der Perito Moreno Gletscher im Nationalpark Los Glaciares

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Hans-Herbert Holzamer

Autor Kurzvorstellung:

Freier Journalist und Autor

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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