Kloster Eberbach: Sehnsuchtsort für Weinliebhaber

Das Kloster Eberbach im Rheingau ist ein magischer Ort. Übernachtungen sind dort aktuell zwar noch nicht möglich. Die alljährliche Weinversteigerung fand aber trotzdem statt – wenn auch digital und mit einer Überraschung aus dem Top-Weingut Robert Weil.

by Christian Daniel Euler

Schon im Mittelalter konnten Reisende im Zisterzienserkloster Eberbach Kraft tanken, loslassen oder innere Einkehr finden. Die 1136 von Bernhardt von Clairvaux gegründete Abtei war von Anfang an eng mit dem Wein verbunden. Berühmt ist das Kloster nicht nur als Ort der Einkehr, sondern auch für seine Weinversteigerungen des VDP.Rheingau. Der Hammer fiel erstmals im Jahr 1806, als der Herzog von Nassau erstmals im Kloster Eberbach Wein im Fass versteigern ließ. Glücklicherweise ließ sich diese lange Tradition trotz Corona fortführen – am vergangenen Samstag als reine Online-Veranstaltung mit Live-Übertragung aus dem Laiendormitorium. Versteigert wurden Jungweine, Großflaschen und Raritäten aus Jahrgängen wie 1921, 1961 und 1971.

Ein Highlight war die Los-Nummer 25, der 2018er Monte Vacano aus dem Rheingauer Vorzeige-Weingut Robert Weil in der zwölf Liter großen Balthazar-Flasche. Bei 1.500 Euro gestartet, wechselte die Riesenflasche am Ende für netto 18.000 Euro ihren Besitzer. Damit erzielte der Premieren-Jahrgang des neuen Spitzenweins aus dem Weingut Robert Weil einen Preis, den der Urenkel des Gründers, Wilhelm Weil, in dieser Höhe nicht erwartet hat. Auch die mitversteigerten Magnum-Flaschen des Monte Vacano erreichten – gleich dreifach überzeichnet – mit 520 Euro ein bemerkenswertes Ergebnis. Schon die limitierte Anzahl der 1200 Dreiviertelliterflaschen des 2018er Monte Vacano war kurz nach ihrer Premiere im Sommer vergangenen Jahres ebenso dreifach überzeichnet, so dass die Subskription für diesen Wein frühzeitig beendet werden musste.

Der Riesling aus dieser Parzelle trug fortan den Namen Monte Vacano und blieb als eine „family affair“ ausschließlich den Familien Weil und Vacano vorbehalten. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schlief diese Tradition ein und wurde jetzt mit dem 2018er Jahrgang wieder aufgenommen, nun aber für sämtliche Riesling-Fans zu kaufen. Trotz des erstmals in der 200-jährigen Versteigerungsgeschichte auf den Kopf gestellten Formats gestalteten die im Laiendormitorium persönlich anwesenden Kommissionäre mit dem Auktionator und den Winzern eine erfolgreiche und unterhaltsame Versteigerung, deren Atmosphäre auch im Live-Stream spürbar war. So war beim finalen Zuschlag des Monte Vacano auch das „Tütenknallen“ zu hören, mit dem im Laiendormitorium in langer Tradition außergewöhnliche Höchstpreise gefeiert werden.

 

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