Die neue Bikepacking Tour Tirol führt von St. Anton am Arlberg bis nach Kufstein. Unsere Reise-Stories-Autorin hat drei Etappen der Strecke entlang der deutsch-österreichischen Grenze im Herbst getestet – mit Gipfeln in der Sonne, dem wilden Lech an der Seite und einer mutig-erfrischenden Badepause am türkisblauen Plansee.
Das österreichische Bundesland Tirol ist ein Paradies für Mountainbiker, Rennradfahrer und Gravelbiker – also für alle, die mit einem rennradähnlichen, geländetauglichen Allroundrad unterwegs sind. Die vier Tourismusregionen Tiroler Lechtal, Naturparkregion Reutte, Tannheimer Tal und Tiroler Zugspitz Arena bilden die größte Gravelbike-Region Tirols. Hier warten mehr als 1.000 Streckenkilometer, 22.000 Höhenmeter und 18 Routen darauf, erkundet zu werden.

Neu ist die Bikepacking-Tour Tirol: eine mehrtägige Route, die Tirol von West nach Ost durchquert – von St. Anton am Arlberg über das wilde Lechtal, vorbei an Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze (2.962 Meter), durch das Karwendel bis zum Achensee und weiter durch die Brandenberger Alpen nach Kufstein.
Die Gesamtstrecke umfasst 413 Kilometer und je nach Variante zwischen 3.600 und 6.600 Höhenmeter. Sie lässt sich – abhängig von Fitnesslevel und Streckenwahl – in vier bis sechs Tagen fahren, flexibel planen und mit moderateren Abschnitten kombinieren. Die Tour ist gezielt für Gravelbikes konzipiert, kann aber auch mit dem Mountainbike oder einem E-Bike gefahren werden. Auf losem Untergrund sowie bei längeren Anstiegen und Abfahrten ist etwas Erfahrung hilfreich.
Lassen wir’s rollen
Unsere Tour startet an einem herrlich sonnigen und warmen Herbsttag Ende September in St. Anton am Arlberg. Dort stehen moderne Gravel-Leihräder vom Innsbrucker Radwanderreisen-Spezialisten Inntour bereit – und Rob Heylen. Der Belgier kam einst nach Österreich, um an seine Saisonarbeit eine sportliche Auszeit anzuhängen – das war vor 24 Jahren. Heute lebt Rob in Tirol, arbeitet als selbstständiger Bikeguide und zeigt Gästen seine wunderbare Wahlheimat vom Sattel aus. Er arbeitet unter anderem mit Inntour zusammen. Dieser Anbieter sorgt für genussvolles Bikepacking, indem er unter anderem den Gepäcktransport zu den jeweiligen Unterkünften übernimmt und bei größeren Pannen unterstützt. Das macht die Tour für jene attraktiv, die Bikepacking ausprobieren möchten, ohne gleich in die komplette Ausrüstung investieren zu müssen.



Ich bin auf neuen Routen stets gern mit einem lokalen Guide unterwegs – egal, ob beim alpinen Bergwandern, bei Skitouren oder beim Radeln. Man kommt besser voran und fühlt sich sicherer, erfährt unterwegs viel über die Landschaft – und wenn es darauf ankommt, kennt der Guide eine Abkürzung oder weiß um Extraschleifen für Powerbiker. Apropos: Der Arlbergpass zum Einstieg ist definitiv ein ordentliches Warm-up. Rob lotst uns durch die ersten Kurven hinauf und hinab – und schließlich auf der Landstraße hinein ins Lechtal. Dieses Tal trägt seine Attribute wild und frei nicht zufällig.
Der Lech als ständiger Begleiter
Der Lech gilt als letzter Wildfluss der nördlichen Alpen. Seine breiten Schotterbänke, die ungebremste Dynamik des Wassers und die seltene Flora und Fauna machen ihn zu einem Naturjuwel. Wir erreichen Steeg. Wie wär’s mit einem Snack in der Naturkäserei Sojer? In der Schaukäserei zeigt Geschäftsführer Kurt Sojer, wie aus Milch ein feines Stück Region für den Gaumen wird. 800.000 Liter Milch werden hier pro Jahr zu 95 Tonnen Käse in 40 verschiedenen Sorten verarbeitet. Es riecht nach frischem Heu und echtem Handwerk, und spätestens bei der Jause in der dazugehörigen gemütlichen „Milchstuba“ mit Bauernladen wird klar, dass Bewegung und regionale Spezialitäten in Tirol einfach eine sehr glückliche Verbindung eingehen. Ein Stück würziger Käse mit Steinpilzen oder ein cremiger Ziegenkäse, dazu Brot – viel mehr braucht es nicht, wenn man zuvor einige Kilometer durch die Berge gerollt ist.



Weiter geht’s. Von Steeg aus folgen wir dem Lechradweg durch Holzgau, Schönau, Stockach und Bach bis nach Elbigenalp. Der Fluss liegt mal direkt neben dem Weg, mal etwas tiefer zwischen Bäumen und Kiesbänken. Waldabschnitte wechseln mit offenen Wiesen, dahinter ragen die Gipfel in einen tiefblauen Himmel. Graveln fühlt sich hier besonders stimmig an: Der Untergrund fordert nur wenig Aufmerksamkeit, der Blick auf die Landschaft lässt sich so unbeschwerter genießen.

Noch ein kurzer Stopp auf einen Cappuccino in der „LechZeit“, einem recht neuen Viersternehotel mit Restaurant und Café, eingebettet zwischen zwei Bergkämmen mitten auf grüner Wiese, dann geht es zum Schlussspurt. Am Ende der entspannten Etappe erreichen wir Stanzach. Die Beine sind angenehm müde, der Kopf ist frei. Genau das ist der Reiz einer mehrtägigen Radtour: Man kommt weiter, ohne ständig das Gefühl zu haben, immer gleich ankommen zu müssen.
Bucket-List: Stopp an der Burgenwelt Ehrenberg
Am nächsten Morgen führt die Strecke über Reutte in Richtung Ehrwald. Auf dem Weg liegen die Forchacher Hängebrücke, die Rotlechschlucht und der Riedener See – allesamt echte Fotohotspots.


Zeit, einen Bucket-List-Punkt abzuarbeiten: Als Autofahrer auf der Fernpassstraße B 179 fahre ich immer wieder an der Burgenwelt Ehrenberg vorbei. Mit dem Rad wird dieses Mal ein Stopp eingelegt. Die Schrägaufzüge Top Liner und Ehrenberg Liner (Kombiticket: 18 Euro Erwachsene; 12 Euro Kinder, Vergünstigungen mit der Reutte Aktiv Card) befördern Gäste ganz nach oben zur Festung Schlosskopf (1.250 Meter) beziehungsweise zum Ausstieg an der Klause samt „highline179“: Diese Hängebrücke ist in mehr als 100 Metern hoch über dem Tal gespannt und lässt selbst Hartgesottene respektvoll innehalten, wenn sie von dort auf die wie Matchbox-Autos wirkenden Fahrzeuge auf der Straße schauen (Erwachsene 10 Euro; Kinder günstiger)




Nicht minder spektakulär ist die Aussicht von der Burgruine selbst. Gerade wurde ihr „Hoher Stock“ saniert samt Errichtung eines neuen Dachstuhls nach barockem Vorbild, erzählt Armin Walch, Geschäftsführer der Burgenwelt Ehrenberg, von enormen Mengen an Verschüttmaterial, das über Jahre von Hand ausgegraben wurde. Rund 1.000 Tonnen Steine wurden aufbereitet und wieder vermauert. Von ganz oben bietet sich ein Ausblick über das Reuttener Becken. Im ersten Obergeschoss zeigt die Ausstellung „Gesichter der Macht“ die „Hausherren und -damen“ seit der Gründung im Jahre 1293 bis zur Auflassung 1782.
Wer noch einen Adrenalinkick sucht, kann mit der Dragonfly-Zipline 600 Meter ins Tal fliegen (Erwachsene ab 14 Jahren 20 Euro, Kinder 15 Euro).
Panoramablick und türkisblaues Wasser
Dann wird es wieder sportlich. Die frisch geteerte Panoramastraße zum Plansee steigt durchaus fordernd an – wohl dem, der sich für ein E-Gravelbike entschieden hat. Der Belag macht das Treten leichter, die Steigung entschleunigt – und so lässt sich die atemberaubende Kulisse besser bestaunen.


Oben angekommen, liegt der Plansee in der Sonne: türkisblau, klar und eingerahmt von Gipfeln. In der warmen Herbstsonne wirkt das Wasser des nach dem Achensee zweitgrößten natürlichen Sees Tirols so verlockend, dass ein Sprung hinein einfach sein muss: Erst bitzelt’s ordentlich auf der Haut, dann ist’s einfach nur herrlich!
Danach schmeckt ein Kaiserschmarrn in der Musteralpe in Ufernähe in Breitenwang noch mal so gut. Auf der gemütlichen Terrasse vergisst man beim Geläut der Kuhglocken fast ein wenig die Zeit. Es heißt aufsatteln – durch Wälder geht es nun auf den finalen Abschnitt für den Tag. Nach mehr als 60 Kilometern erreichen wir Ehrwald. Die untergehende Sonne lässt die Zugspitze „brennen“ – malerischer geht’s kaum.


Foto: Daniel Riesen
Mit der Bahn hinauf, durchs Gaistal hinunter
Tag drei im Sattel startet ganz gemütlich: Mit der Ehrwalder Almbahn gewinnen wir zunächst Höhe (Einzelfahrt Erwachsener Sommer:17 Euro plus 4 Euro fürs Fahrrad; Kinder günstiger – bis vier Jahre sogar frei). Mit in der Gondel sind Giovanni Frey und Robin Zimmermann. Beide sind passionierte Biker und arbeiten im Tourismus – beim Tourismusverband Tiroler Zugspitz Arena beziehungsweise den Bergbahnen. Sie erzählen vom neuen Bikepark am Fuße der Zugspitze bei den Ehrwalder Wettersteinbahnen, der Trails für alle Könnerstufen bietet, und dass die Region zum Gravity-Card-Verbund mit Europas führenden Bikeparks gehört. Ein Ticket gilt dabei für 32 Parks (Saisonpreis Erwachsene 680 Euro; Kinder und Jugendliche günstiger). Sie wissen, dass familienfreundliche Talwege stark gefragt sind und der Trend, die erste Steigung mit den Bergbahnen zu nehmen, längst nicht nur bei Genussradlern angekommen ist. Entsprechend stellen sich immer mehr Bergbahnen darauf ein.

Wir rollen auf rund 15 Kilometern durch das idyllische Gaistal in Richtung Leutasch und Seefeld. Die abfallenden Schotterstrecken – umrahmt von mächtigen, schroffen Kalkmassiven des Wettersteingebirges im Norden und der Mieminger Kette im Süden – erfordern bei Einsteigern Konzentration. Im Osten ragt markant die Hohe Munde (2662 Meter) auf, Gehrenspitze, Predigtstuhl und die Ehrwalder Sonnenspitze ergänzen das beeindruckende Panorama. Für Bergblicke ist ein Halt empfehlenswert – am besten in Kombination mit einer Einkehr etwa auf der Gaistalalm. Vielleicht liegt es an der frischen Bergluft, vielleicht an den Kilometern in den Beinen. Sicher ist: Wer behauptet, auf einer Bikepacking Tour müsse man sich kulinarisch zurückhalten, um mehr Leichtigkeit im Sattel zu haben, war noch nicht im Gaistal mit seiner Almenvielfalt. Das Schlemmen könnte allerdings auf den letzten Kilometern bis Seefeld seinen Tribut fordern, denn da gibt es noch einmal ordentliche Anstiege auf Waldwegen zu bewältigen.
Mit leichtem Gepäck unterwegs
Seefeld ist die letzte Station für mich an diesem Wochenende. Für den Rest der Bikepacking Tour Tirol werde ich im Frühsommer 2027 zurückkehren. Die Aussichten in der Tourenbeschreibung klingen grandios: Ab Seefeld geht es hinein ins wildromantische Karwendel mit zwei markanten Anstiegen bis zum höchsten Punkt der Gesamtstrecke auf 1.730 Metern. Anspruchsvolle Passagen am Plumsjoch, teils auf schmalen Trails, treffen hier auf große Naturmomente. Eine weniger anstrengende Alternative führt über Forst- und Asphaltstraßen durch das Karwendelvorgebirge und entlang des Sylvensteinsees. Am Ende wartet jeweils der Achensee als Station. Von dort aus startet die finale Etappe durch das Brandenberger Tal und quer durch die gleichnamigen Alpen mit dem Ziel Kufstein.

Die beste Zeit für die Tour liegt – abhängig von Wetter und Schneelage – zwischen Ende April beziehungsweise Anfang Mai und dem Herbst. Besonders schön sind die Monate Mai/Juni sowie September und Anfang Oktober, wenn die Luft klar ist, die Gipfel oft leicht angezuckert sind und das Licht wärmer wird.
Am Ende bleibt das Gefühl, Tirol auf besonders unmittelbare Weise erlebt zu haben: mit Schotter unter den Reifen, dem Lech an der Seite, einem einzigartigen Gipfelpanorama im Blick und Kaiserschmarrn als süßes i-Tüpfelchen. Viel mehr Appetit lässt sich auf diese erlebnisreiche Bikepacking Tour Tirol nun wirklich nicht machen.
Tipps für die Bikepacking Tour Tirol
- Tour: Die Bikepacking-Tour Tirol verbindet auf 413 Kilometern Tirol von West nach Ost: von St. Anton am Arlberg über das Lechtal, die Tiroler Zugspitz Arena und das Karwendel bis zum Achensee, durch die Brandenberger Alpen und weiter nach Kufstein. Den gesamten Routenverlauf mit Empfehlungen gibt es hier.
- Anreise: Empfohlen mit der Bahn. Es gibt beispielsweise Direktverbindungen von Mannheim nach St. Anton am Arlberg. Die Rückfahrt ab Kufstein ist über München möglich. Tipp: Die Bahnfahrt bis Ehrwald ist mit dem Deutschland-Ticket möglich.
- Mehr Gravelbike-Touren gibt es hier.
- Anbieter: Wer Bikepacking komfortabler angehen möchte, kann den Gepäcktransport und die Leihradlogistik auslagern. INNTOUR active holidays aus Innsbruck organisiert Radreisen, Leihräder, Transfers und Gepäcktransporte in Tirol und der Umgebung. Kontakt: INNTOUR active holidays, Leopoldstraße 4, 6020 Innsbruck, Telefon: +43 660 2144660, info@inntour.at, www.inntour.at

- Tourguide: Rob Heylen ist selbstständiger Bikeguide, Telefon +43 664 54 19 053, bikeguidetirol@gmail.com, www.bikeguide-tirol.at
- Unterkünfte: Wer nicht mit einem Radreisen-Anbieter unterwegs ist, findet Bett & Bike-Unterkünfte hier: www.bettundbike.de. Unsere Empfehlung: St. Anton am Arlberg, Hotel Schwarzer Adler (www.schwarzeradler.com); Stanzach, Hotel Föhrenhof (www.hotelfoehrenhof.at); Ehrwald, Hotel Spielmann (www.hotel-spielmann.com)




Empfehlungen
- Im Lechtal: In Elbigenalp lohnt sich ein Besuch des Museums Wunderkammer, das Geschichte, Traditionen und Persönlichkeiten des Lechtals modern präsentiert. Die legendäre „Geierwally“ wird hier genauso thematisiert wie die „Schwabenkinder“, denen 2026 eine Sonderausstellung gewidmet ist.
- In der Tiroler Zugspitz Arena: Wie wäre es mit einem Sonnenaufgangserlebnis an der Zugspitze samt Frühstück? Mit der Tiroler Zugspitzbahn, die heuer ihr 100-jähriges Bestehen feiert, geht es früh hinauf. Bis 9 Uhr kann im Restaurant gefrühstückt werden. Erwachsene zahlen 105 Euro für die Berg- und Talfahrt inklusive Frühstücksbuffet; Kinder fahren günstiger.
Kontakt für Urlaub in Tirol
- Tirol Werbung GmbH, Maria-Theresien-Straße 55, 6020 Innsbruck, Telefon: +43 512 7272 0, info@tirol.at, www.tirol.at




