Glamping am Gardasee verbindet stilvolle Design-Unterkünfte, transparente Bubble-Suiten und mediterrane Natur zu einem außergewöhnlichen Urlaubserlebnis. Dazu kommen Verona, Salò, Limone und viele weitere reizvolle Orte – eine Auszeit, die Komfort und Natur auf elegante Weise verbindet.
Der Duft von Pinien liegt in der Luft, als wir am frühen Nachmittag das La Rocca Camping Village in Bardolino erreichen. Fast noch schöner ist der Blick: Unter uns glitzert der Gardasee in der Sonne, dahinter zeichnen sich die Bergketten am Westufer ab. Spätestens als wir unser Quartier beziehen, wird klar, dass Camping heute weit mehr sein kann als Zelt, Luftmatratze und Gaskocher. Unsere Glamping-Unterkunft trägt den Namen „Roccalux“ und bietet zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, eine Wohnküche sowie eine lauschige Terrasse, auf der bereits eine Flasche regionalen Weins auf uns wartet. Quasi schräg vor unserer Haustür: ein kleines, idyllisches Kirchlein. Das Setting macht sofort Lust auf die kommenden Tage – und zeigt, warum Glamping am Gardasee immer beliebter wird.








Das La Rocca Camping Village liegt zwischen Bardolino und Garda (C) La Rocca Camping Village / rope
Glamping am Gardasee boomt
Der Gardasee zählt seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen und Österreicher. Verändert hat sich allerdings die Art des Reisens. Immer mehr Menschen möchten die Natur genießen, ohne auf Komfort zu verzichten. Genau hier setzt das Konzept des Glampings an. Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern „Glamorous“ und „Camping“ zusammen. Auch im La Rocca Camping Village lässt sich dieser Wandel gut beobachten. Zwischen klassischen Stell- und Zeltplätzen stehen heute stilvolle Mobilheime, Suiten und andere außergewöhnliche Glamping-Unterkünfte. Trotz der hohen Auslastung wirkt die Anlage gepflegt, großzügig und angenehm unaufgeregt. Dass sich gerade Glamping am Gardasee zu einer besonders beliebten Urlaubsform entwickelt hat, überrascht kaum. Mediterrane Vegetation, historische Orte und eindrucksvolle Landschaften bilden eine formidable Kulisse. Zwanzig Campingplätze haben sich inzwischen unter dem Dach von Lago di Garda Camping zusammengeschlossen, um diese Urlaubsform gemeinsam weiterzuentwickeln.
„Unser Ziel war es, Camping auf ein Niveau zu heben, das den Service eines guten Hotels bietet, ohne dabei die entspannte Atmosphäre und die Nähe zur Natur zu verlieren“, erklärt uns „La Rocca“-Geschäftsführer Riccardo Giommaroni. Das bleibt keine leere Floskel. Hier werden in der Früh auf Wunsch Kaffee, Croissant und andere Raffinessen geliefert und die Betten täglich gemacht.
Herrlich, diese Ruhe
Unser erster Morgen beginnt außergewöhnlich still. Kein Zuschlagen von Türen am Hotelflur, kein Stimmengewirr vom Frühstücksbuffet. Stattdessen rascheln Blätter und zwitschern auch jetzt Anfang Oktober noch Vögel, während sich die Sonne hinter den Bergen gemütlich hervorschiebt. Nach dem Frühstück auf der Terrasse führt uns der erste Weg zum Panorama-Pool, der oben am Fuße des Rocca di Garda liegt und einen herrlichen Blick auf den Gardasee offeriert. Weiter unten wartet der ausschließlich Erwachsenen vorbehaltene Hydropool Bellavista mit Massageliegen, Fontänen und ebenso Blick über den See. Wer es im La Rocca noch ruhiger angehen möchte, kann im Harmonia Spa abtauchen und zwischen Sauna, Dampfbad und einer wohltuenden Massage einfach nur das Leben genießen.
Weil man den Gardasee vom Liegestuhl nur schlecht kennenlernen kann, schwingen wir uns auf die im Resort ausgeliehenen E-Bikes, um die Uferpromenade in nördliche Richtung nach Garda zu pedalieren. Fischerboote schaukeln dort im Hafen, Cafés und kleine Restaurants säumen die Promenade, und zwischen den venezianischen Fassaden pulsiert das Leben ganz ohne Hektik. Kein Wunder, dass Garda bereits in der Römerzeit als „Perle des Sees“ bezeichnet wurde. Seit dem frühen Mittelalter, als die Gemeinde zum Zentrum der Region aufstieg, trägt sogar der gesamte See seinen Namen.
Auch Bardolino, für das wir wieder zurück kurbeln müssen, wollen wir uns noch ansehen. In den engen Gassen des charmanten einstigen Fischerdorfs wechseln einander Boutiquen und Weinhandlungen ab, an der Uferpromenade herrscht bis in die späteren Abendstunden reges Treiben. Der berühmte Bardolino-Wein stammt übrigens aus den sanften Hügeln hinter der Stadt. Der Abstecher ins Hinterland, wo viele Betriebe Verkostungen anbieten, soll sich lohnen, sagt man.
Auch La Rocca fühlt sich dieser Region eng verbunden. Auf dem eigenen Bio-Bauernhof entstehen Wein und hochwertiges Olivenöl, die in der Küche des Resorts Verwendung finden. „Wir versuchen jedes Jahr auf dem Areal etwas Neues zu entwickeln. Unsere Gäste sollen immer wieder überrascht werden und einen guten Grund haben, zurückzukehren“, sagt Giommaroni. Und so gibt es eben einen direkten Zugang zum See, ein Spa, einen Landwirtschaftsbetrieb und einen Tierpark mit Alpakas, Kaninchen und Eseln. Die außergewöhnlichste Unterkunft wartet für uns jedoch am dritten Tag: Dann übersiedeln wir in die „Garda Bubble“ – natürlich geplant.
Die Garda Bubble: Eine Nacht unter Sternen



Abends entfaltet die Garda-Bubble eine sehr besondere Stimmung (C) rope
Die Garda Bubble zählt zu den außergewöhnlichsten Glamping-Unterkünften am Gardasee. Drei verbundene transparente Kuppeln stehen abgeschirmt zwischen knorrigen, Schatten spendenden Olivenbäumen. Von außen erinnert diese Konstruktion an eine futuristische Raumstation, im Inneren dominiert dagegen wohnliche Eleganz. Das stilvoll eingerichtete Schlafzimmer mit seinem Himmelbett gibt den Blick direkt auf Olivenbäume, den Gardasee und das Firmament frei und geht fließend in einen geschmackvoll gestalteten Wohnbereich sowie ein modernes Badezimmer über. Draußen warten eine private Terrasse und ein beheizter Whirlpool. Auf eine Küche wurde bewusst verzichtet – Frühstück und Gerichte aus dem Restaurant Botanika werden auf Wunsch direkt zur Bubble serviert.
Mit Einbruch der Dämmerung verändert sich die Atmosphäre rund um die Bubble vollkommen. Die untergehende Sonne taucht den Himmel erst in Orange-, dann in Violetttöne. Die Olivenbäume zeichnen sich dunkel gegen den Abendhimmel ab, ringsum ist nur noch das Zirpen der Grillen zu hören. Der eigentliche Luxus liegt aber über unseren Köpfen: Diese Perspektive durch die durchsichtige Kuppel direkt in den Sternenhimmel verliert einfach nicht an Faszination. Vom Whirlpool wiederum schweift der Blick über den dunklen Gardasee, dessen Lichter am gegenüberliegenden Ufer langsam zu funkeln beginnen. Trotz der transparenten Architektur fühlt man sich vollkommen geborgen. Kein Wunder, dass die „Garda Bubble“ während der Saison nahezu durchgehend ausgebucht ist.
Verona, ein Freilichtmuseum







Ein Ausflug nach Verona lohnt sich in jedem Fall. (C) rope
Ein paar Tage am Gardasee bieten jedoch weit mehr als außergewöhnliche Unterkünfte. Nur rund 45 Autominuten entfernt liegt Verona, Schauplatz von Shakespeares „Romeo und Julia”. Die Stadt gleicht einem riesigen Freilichtmuseum und ist gleichzeitig erstaunlich lebendig. Auf der Piazza Bra erhebt sich die mächtige Arena – das erhaltene römische Amphitheater, in dem heute Opern, Konzerte und Ballettaufführungen stattfinden. Zwei Steinwürfe weiter pulsiert auf der Piazza delle Erbe zwischen Marktständen, Palazzi und Cafés das Herz der Altstadt. Natürlich darf auch ein kurzer Abstecher zum Balkon der Julia nicht fehlen, unter dem sich jedoch unzählige Touris drängen. Eindrucksvoller finden wir den Spaziergang über die Ponte Pietra. Von Veronas ältester Brücke schweift der Blick über die Dächer der Altstadt, bevor wir zum Castel San Pietro hinaufsteigen. Von dort liegt Verona mit seinen Kirchtürmen, Palazzi und der sich durch die Stadt schlängelnden Etsch wie ein Gemälde vor uns. Danach kehren wir ein letztes Mal ins La Rocca Camping Village zurück. Bei einem Glas Bardolino und hausgemachter Pasta beobachten wir, wie die Sonne langsam hinter den Bergen versinkt und den Gardasee in goldenes Licht taucht.
Perspektivenwechsel am Westufer





Zwischen Olivenbäumen und Zypressen verteilen sich im Weekend Glamping Resort die Unterkünfte. (C) rope
Am nächsten Morgen wechseln wir ans Westufer. Oberhalb der Bucht von Salò schmiegt sich das Weekend Glamping Resort terrassenförmig an den Hang. Zwischen Olivenbäumen und Zypressen verteilen sich darin Mobilheime, Safarizelte und Tiny Houses, fast überall begleitet der Blick über den See den Aufenthalt. „Vor rund zwölf Jahren haben wir begonnen, den Campingplatz konsequent in Richtung Glamping weiterzuentwickeln. Diese Entscheidung prägt unser Angebot bis heute“, lässt uns Geschäftsführer Leonardo van de Loo wissen. Inzwischen stehen in seinem Resort 19 verschiedene Glamping-Unterkünfte zur Auswahl. Unser Mobilheim liegt in der obersten und letzten Reihe der Anlage. Nach der spektakulären Bubble ist dies natürlich etwas unspektakulärer. Doch abends auf der Terrasse wird uns bewusst, dass auch diese Unterkunft ihren eigenen Reiz besitzt.
Das Weekend Glamping Resort eignet sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für Ausflüge entlang des Westufers. Besonders beeindruckt uns der Heller Garden in Gardone Riviera. Zwischen exotischen Pflanzen, Wasserläufen und kleinen Teichen tauchen etwa Skulpturen von Keith Haring, Roy Lichtenstein oder Niki de Saint Phalle auf. Dass der österreichische Künstler André Heller den historischen Garten 1988 übernahm und ihn durch die Verbindung von Botanik und moderner Kunst zu einem Gesamtkunstwerk machte, ist überall spürbar. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Stopp in Salò ein. Die elegante Uferpromenade zählt zu den schönsten am Gardasee. Zwischen Palmen, historischen Fassaden und kleinen Boutiquen geht es hier deutlich ruhiger zu als in vielen anderen Urlaubsorten. Ein Gelato und ein Espresso am Wasser genügen, um den Nachmittag perfekt zu machen.






Der Heller Garden in Gardone Riviera ist ein absolutes Must-see. (C) rope
Mehr als luxuriöses Camping
Je länger wir unterwegs sind, desto deutlicher wird, dass Glamping am Gardasee mehr ist als eine luxuriöse Variante des Campings. Es verbindet Natur und Komfort auf eine Weise, die erstaunlich selbstverständlich wirkt. Morgens frühstücken wir zwischen Olivenbäumen, tagsüber erkunden wir mit dem Fahrrad die Uferorte oder unternehmen Ausflüge in die Umgebung. Abends genießen wir regionale Küche unter freiem Himmel. Während das La Rocca Camping Village mit direktem Seezugang, Panorama-Pool und der außergewöhnlichen Garda Bubble punktet, überzeugt das Weekend Glamping Resort mit seiner familiären Atmosphäre, dem weiten Blick über die Bucht von Salò, seinem Restaurant, das auch richtig anspruchsvolle Gaumen zufrieden stimmt, sowie ebenso mit seiner Poollandschaft. Und obwohl wir keine Kinder im Gepäck haben, fällt uns auf, wie engagiert und herzlich das Animationsteam arbeitet. Während die Jüngsten am Abend mit Maskottchen Spotty tanzen, genießen die Erwachsenen auf der Restaurantterrasse den Tagesausklang.

Am Westufer des Gardasees gelegen, zählt Limone sul Garda zu den schönsten Orten Italiens. (C) rope
Limone sul Garda kennen wir zwar bereits von früheren Reisen. Dennoch gehört der Ort für uns bei jedem Aufenthalt am Westufer einfach dazu. Die spektakuläre Anfahrt entlang der Steilküste, die verwinkelten Gassen und die historischen Zitronengärten verlieren auch beim wiederholten Besuch nichts von ihrem Reiz. Zum Abschluss führt uns die Fahrt hinauf nach Tremosine. Von der berühmten Terrazza del Brivido fällt der Blick rund 350 Meter senkrecht auf den Gardasee. Selbst Vielgereiste werden hier für einen Moment ganz still.
Das, was wirklich bleibt
Am letzten Abend sitzen wir noch einmal im Restaurant des Weekend Glamping Resorts und lassen die vergangenen Tage Revue passieren. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Bergen, vom anderen Ufer klingt das Geläut einer Kirchenglocke herüber. Uns wird klar, dass es nicht die Zahl der Pools oder die Größe einer Unterkunft ist, die in Erinnerung bleibt. Es sind das Frühstück zwischen Olivenbäumen, die Nacht unter dem Sternenhimmel der Garda Bubble, die Radtour entlang des Seeufers, ein Glas Bardolino zum Sonnenuntergang oder der Blick von der Terrasse auf den still daliegenden Gardasee. Vielleicht liegt genau darin das Erfolgsgeheimnis des Glampings am Gardasee: Es rückt nicht die Unterkunft in den Mittelpunkt, sondern all das, was man von ihr aus erlebt.



