Dolomiti Superski: den Kopf im Sulz

Wenn Dolomiti Superski (DS) einlädt, dann weiß die Schar der Experten, es ist Zeit für die Standortbestimmung des alpinen Wintersports. So lud heuer Diego Clara, Medienchef des weltweit größten Skiverbundes, nach Bruneck, am Fuße des Kronplatzes, in Südtirol. Mehr als 1200 Kilometer kann man mit einem Skiausweis von Dolomiti Superski unter die Bretter oder das Snowboard nehmen. Theoretisch. Und da drängt sich natürlich die Frage auf: Geht das auch bei den gegenwärtigen Schneeverhältnissen noch? Und wie wird es weitergehen?

Um es vorweg zu sagen, während des DS-Termins ging es, das Skifahren, auf weißem Band in grau-brauner Landschaft, oft genug jedoch im Sulz.

Aber das große Thema des Treffens war dies nicht, es war die Anreise mit der Bahn. Man kann heute schon mit der Bahn etwa von München aus direkt bis nach Percha im Pustertal und von dort mit der Gondelbahn hinauf zum Kronplatz reisen. Der Bahntransfer nach Vierschach zeigte den Teilnehmer, dass auch die Direktverbindung zum Skigebiet 3 Zinnen in  etwa einer Stunde möglich ist. Mark Winkler, Geschäftsführer der 3 Zinnen AG stellte den Entwicklungsplan des Skigebietes in Richtung Osttirol und Veneto nach Padola vor und betonte den „Mehrwert“ einer direkten Eisenbahn-Lift-Verbindung Helm-Kronplatz.  Mit dem Bahnhof Vierschach rückten die beiden Skigebiete Kronplatz und Drei Zinnen Dolomiten näher zusammen und würden miteinander zu einem „einzigartigen Skikarussell“ verbunden, es sei kein „lästiges Ausziehen der Skischuhe, keine mühselige Autofahrt, keine Parkplatzsucherei“ mehr vonnöten. Auch zum Skigebiet Gitschberg kam die DS-Gruppe mit Bahn nach Mühlbach und Bus nach Meransen. Dort informierte Monica Borsatto über neue Aufstiegsanlagen und Beschneiungssysteme.

Mithin alles gut im weißen Reich der Dolomiten?

Die Idee mit dem Pisten-Bahn-Anschluss stammt aus der Zeit, als Tagesbesucher mit ihren Pkw Parkplätze und Bergdörfer strapazierten. Diese Zeit ist aber eher vorbei. Und wer bei einwöchiger Reisedauer schon einen ganzen Tag braucht, um von Deutschland aus in Franzensfeste den „Ski Pustertal Express“ zu erreichen, der wird sich überlegen, ob er nächstes Jahr nicht doch wieder mit dem eigenen Auto anreist

Das warf die von Diego Clara eingeladene Runde doch wieder auf die Frage nach dem Geschmack von Schnee zurück. Im Journal „Myth“, Ausgabe 3 des Jahres 2023 sagt Gianni Marigo, der umwelttechnische Leiter der Umweltschutzbehörde der Region Veneto: „Wenn man sich den Schneefall in den Dolomiten ansieht, ist der Zehn-Jahres-Durchschnitt konstant. Zwar kommt es zu Abweichungen, doch die gleichen sich dann immer wieder aus.“ Dass wir die Winter unserer Kindheit als weißer empfänden als die aktuellen, folge einer „psychologischen Komponente“. Lediglich die kleineren und niedrigeren Gletscher seien „kaum noch zu retten“, Grund seien die Erderwärmung und die Industrieabgase.

Zynisch könnte man sagen: Fürs Skifahren braucht man die Gletscher ja auch nicht.

Aber andere sehen das mit dem konstanten Schneefall anders. Im gesamten Alpenraum liege auf den Bergen viel weniger Schnee als üblich, sagt Frank Seyfried, Geschäftsführer der Tegelbergbahn,  in einem Interview mit dem BR:  „Im langjährigen Mittel liegt um diese Jahreszeit hier oben in 1730 Meter Höhe rund ein Meter Schnee. Jetzt haben wir gerade einmal die Hälfte – natürlich gibt es Schwankungen, aber die Tendenz zeigt eindeutig, dass es immer weniger wird.“ Die Verantwortlichen am Forggensee bangen darum, dass noch genügend Schmelzwasser für die Stromversorgung von den Bergen kommt, und Thomas Frey, Regionalreferent für den Bund Naturschutz in Schwaben, macht sich Sorgen um das Leben am und im Fluss Lech. Durch Wassermangel würden die Stellen, die das ganze Jahr unter Wasser liegen, immer weniger. Damit werde auch der Lebensraum für Kleinstlebewesen immer kleiner. Die Folgen beträfen alle An- und Bewohner des Flusses.

Und Dolomiti Superski? Sind die Opfer ihres eigenen Mythos´ geworden, dass sie nicht sehen, wie sich die Schneeverhältnisse ändern?

Die Zeitschrift „mei Dahoam“, Heimatmagazin für das bayerische Oberland, hat „reizvolle Aktivitäten ohne Ski und Snowboard“ gefunden. Vom Ballonfahren, über den Skyglider, die Übernachtung beim Iglu-Bauern, Winterwandern, Snow Biken (Schnee-Fahrrad-Fahren), Fahren mit dem Pferdeschlitten oder – ganz abgefahren: Eisschwimmen. Das soll besonders gesund sein.

Wenn das die Alternative sein soll. Dann stecke ich doch lieber den Kopf nicht in den Sand, sondern in den Sulz und genieße den Mythos, solange es ihn noch gibt. Und dann fahre ich zum Trotz dorthin, wo ich noch nie war, nach Comelico, in die letzte Ecke gleichsam, zwischen der Provinz Belluno, der Region Friaul-Julisch Venetien und Südtirol. Es gibt zwei Skilifte und 15 Kilometer Pisten. Dann setze ich mich ins Rifugio Lunelli oder in die Alm Malga Coltrondo und abends lasse ich mich mit dem Motorschlitten zum Monte Zovo bringen, zum Sonnenuntergang.

BU: Nur Schnee ist Schnee. Foto: Ada Oh

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Hans-Herbert Holzamer

Autor Kurzvorstellung:

Freier Journalist und Autor

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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