Breslau beflügelt

Breslau regt die Phantasie an mit Geschichte und Modernität.

Die Metropole an der Oder hat sich rasant entwickelt. Wer Breslau hört, denkt häufig zuerst an die UNESCO-Welterbe-Jahrhunderthalle, das moderne Afrykarium in Breslauer Zoo oder an das Wasser- und Erlebniszentrum Hydropolis. Oder an Zwerge. Wie bitte, Zwerge? Ja, Zwerge, aber davon später.

Breslauer Zwerge können auch Selfies.

Eines sollte man auf keinen Fall verpassen: Breslau und die Oder von oben – zu erleben auf einer Fahrt mit der Gondel Polina, die verschiedene Einrichtungen der Technischen Hochschule miteinander verbindet und die langsam und gemütlich über der Oder schwebt, von einem Ufer zum anderen. Auch eine Fahrt mit einem der zahlreichen Ausflugsschiffe eröffnet neue Perspektiven einer Stadt, die so überraschend modern und lebendig daherkommt, die kreative Aufbruchsstimmung verbreitet und dabei nicht vergisst, ihr kulturelles und geschichtliches Erbe zu pflegen.

Die Breslauer Feuerwehr arbeitet Tag und Nacht.

Dafür sorgen auch die vielen kleinen Helfer, denen man überall in Breslau begegnet und die ihr nächtliches Treiben zum Wohle der Stadt, tagsüber allerdings in erstarrter Form, einsetzen. Lustige Gesellen, aber Vorsicht, man kann sie auch verärgern und dann richten sie mit ihren übernatürlichen Kräften so manches Unheil an.

Das Breslauer Zwergen-Philharmonie-Orchester spielt auf.

„Heute war es wieder besonders nervig. Ganze 493 Mal hat man mir heute die Nase gestreichelt oder was die Erdenmenschen so dafür halten. Wenn das so weitergeht, krieg ich nicht nur Schnupfen, sondern auch eine Plattnase. Was meine Marzenka davon hält, brauch ich dir wohl kaum zu erklären“, beschwert sich Marek, der Feuerwehrzwerg in der Mikolaja-Straße, bei seinem Freund und Kollegen. Außerdem haben wir wichtigeres zu tun als für die Touristen und ihren Fotografie-Wahn zu posieren. Wissen die denn nicht, dass die Elisabeth-Kirche im vergangenen Jahrhundert insgesamt drei Mal gebrannt hat? 1960 kriegen manche gerade so noch hin, aber 1975 und 1976? Natürlich keine Ahnung, diese Banausen!“

Am Salzmarkt gibt es Blumen täglich 24 Stunden lang.

Nur zwei Stunden Fahrt liegen zwischen der deutsch-polnischen Grenze und einer besonderen Stadt: Breslau besitzt das älteste Rathaus Polens, mittelalterliche Sehenswürdigkeiten, sechs Flüsse und hundert Brücken. Die touristische Erfolgsgeschichte Breslaus reicht viele Jahre zurück, denn hier wurde unter anderem das weltweit zweitälteste Reisebüro eröffnet. Ab dem Jahr 1863 boten die Brüder Karl und Luis Stangen Gruppenausflüge mit der Bahn aus Breslau und aus Berlin an. Kaum jemand weiß, dass es das Stangen-Reisebüro war, das einen Grundstein für den heutigen Tourismus gelegt hat.

Auf der Dom-Insel werden die Laternen noch von Hand entzündet.

Märchenhaftes Wrocław: Wer märchenhafte Atmosphäre mag, kommt in Breslau auf seine Kosten. Im ältesten historischen Stadtteil, auf der Dom-Insel, gibt es in den Straßen immer noch Gaslaternen, die jeden Abend durch einen lokalen Laternenmann angezündet werden. Außerdem ist Breslau die Stadt der Zwerge. 239? Oder 400? Sind es sogar 500 oder über 600 sogar? Ihre genaue Zahl, die man in der Stadt antreffen kann, kennt keiner, nur eines steht fest: Es kommen immer mehr dazu. So ist die „Zwerge-Suche“ beliebte Beschäftigung sowohl unter den Bewohnern der Stadt als auch unter den Touristen. Angefangen hat alles mit der „Orangenen Alternative“ in Breslau in den 1980er Jahren mit spontanen Aktionen und Demonstrationen im Zwergen-Kostüm, mit denen Kritik am Regime geübt wurde und ein gusseisernen Zwerg, der „Papa Zwerg“, in der Breslauer Altstadt aufgestellt wurde. Im Sommer 2001 tauchten dann die ersten Zwerge als Projekt von Studenten der Kunstschule  in der Stadt auf. Im Jahre 2004 wurde der Künstler Tomasz Moczek beauftragt zwölf weitere Zwerge zu fertigen, seitdem gibt es die Figuren in verschiedenen Varianten in der ganzen Stadt verteilt. Anfang 2009 gab es bereits 95 Exemplare, im August 2014 wurde der 300. Zwerg in Breslau aufgestellt, im August 2018 waren es bereits über 600 Zwerge. Die Figuren sind aus Bronze gegossen und haben eine Größe von etwa 30 Zentimeter. Soweit die offizielle Version. Was die Zwerge und Zwerginnen allerdings des Nachts so treiben, darüber wird das Mäntelchen des Schweigens gelegt.

Das Breslauer Rathaus ist ein Schmuckstück.

Breslau gewann den Titel der European Best Destination 2018, eine Auszeichnung, die dafür spricht, dass die Stadt in die erste Liga als Ort für einen City-Break gehört, ein idealer Ort für eine Städtereise zu jeder Jahreszeit. Breslau zu erreichen ist, verglichen mit anderen polnischen Regionen, unkompliziert, da es ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt ist. Direkt an der Stadtgrenze befindet sich die Autobahn A4, E40 und E261. Eine sichere und staufreie Anreise ins Stadtzentrum ist auch von jeder polnischen Stadt mit dem Zug möglich, zum Beispiel mit dem Pendolino (EIP) aus Warschau. Wenn man den Zug wählt, wird man bereits beim Aussteigen vom wunderschönen, neogotischen Hauptbahnhof Breslaus begrüßt, von dort geht es zu Fuß in nur zwanzig Minuten zum Marktplatz und in die Innenstadt.

Wunderbarer Ausblick vom Turm der Elisabeth-Kirche über Breslau.

Auch der Flughafen liegt nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Am Abend lohnt sich ein Spaziergang durch die Altstadt Breslaus, bei dem es historische Denkmäler und natürlich auch Zwerge zu sehen gibt. Auf dem Marktplatz mit Blick auf den Springbrunnen kann man ein Abendessen genießen und zwar in einem der vielen internationalen Restaurants, die sich hier in großer Zahl befinden. Danach sollte man unbedingt noch den Boulevard an der Oder besuchen und den Tag in einem der zahlreichen Clubs, Pubs und Diskotheken ausklingen lassen.

Breslau ist auch am Abend äußerst attraktiv.

Am nächsten Tag ist der Besuch des in ganz Polen bekannten Tiergartens zu empfehlen, denn die Attraktionen im Zoo sind bemerkenswert. So kann man unabhängig von der Wetterlage das Afrikarium besuchen, das erste Ozeanarium in Polen mit 21 Becken, in denen über 250 Fischarten leben. Der 1865 gegründete Zoologische Garten zählt an die zwei Millionen Besucher jährlich, ein Hauptanziehungspunkt ist das Afrikarium, das seit seiner Eröffnung im Oktober 2014 schon von mehr als sieben Millionen Menschen besucht wurde.

Der Breslauer Zoo ist einen Tagesbesuch wert.

Der Zoo in Breslau zählt über 1100 verschiedene Tierarten und liegt damit hinter Berlin und Pilsen auf dem dritten Platz der artenreichsten Zoologischen Gärten weltweit. Das Afrikarium in Wrocław ist Polens erstes und das weltweit einzige Ozeanarium, das der Fauna und Flora eines einzigen Kontinents gewidmet ist: Afrika. Hier kann man die vom Aussterben bedrohten Tierarten dieses Kontinents unter einem Dach erleben. Auf einer Fläche von einem Hektar werden die Besucher über eine Kilometer lange Besuchertrasse von den Stränden des Roten Meeres bis in den Regenwald des Kongobeckens entführt. Und in einem Tunnel aus Plexiglas spaziert man durch ein riesiges Becken voller Rochen und Haifische.

Nicht nur durch ihre Ausmaße ist die 1913 fertiggestellte Hala Stulecia, die Breslauer Jahrhunderthalle, der bedeutendste Bau des frühen 20. Jahrhunderts in der Stadt. Ihre Kuppel war mit 65 Metern Durchmesser damals das größte freitragende Bauwerk der Welt. Das auch als Hala Ludowa, als „Volkshalle“ bezeichnete Gebäude am Rande des Park Szczytnicki, wurde im Jahre 2006 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Die Jahrhunderthalle war Teil eines großen Ausstellungsgeländes, das zum 100. Jahrestag der Befreiungskriege im Jahre 1913 in Betrieb genommen werden sollte. Max Berg, der damalige Breslauer Chefarchitekt, sah die Chance, damit seine Vision des Neuen Bauens zu verwirklichen. Er wollte Breslau in eine große Metropole verwandeln mit internationalem Flair.

Die Jahrhunderthalle besitzt noch immer große Anziehungskraft.

Seine 1911 vorgestellten Pläne stießen bei einem Teil des Stadtrats auf Widerspruch. Manche fürchteten, das gigantische Gebäude könne einfach in sich zusammenfallen. Doch keine zwei Jahre später wurde die Halle bereits eröffnet. Zur Eröffnung wurde Gerhart Hauptmanns „Festspiel in deutschen Reimen“ von Max Reinhardt inszeniert. 1920 wurde dort eine vielbeachtete Schau moderner Kunst gezeigt, 1929 bezog man das Gelände in die große Werkbund-Ausstellung „Wohnung und Werkraum“ ein, die modernes Bauen in der Oderstadt präsentierte. Der berühmte Architekt Professor Hans Poelzig, damals Direktor der Breslauer Kunstgewerbeschule, hatte wesentlichen Anteil an dem gesamten Ensemble. Auch er experimentierte mit neuen Materialien und schaffte mit dem Einsatz von Sichtbeton eine Brücke zur Neuzeit.

Einige Nebengebäude wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Halle selbst nahm nur wenig Schaden. Mit einer Ausstellung über die „wiedergewonnenen Westgebiete“ und dem Weltkongress der Intellektuellen für den Frieden wurde sie 1948 erneut in Betrieb genommen. Aus diesem Anlass wurde vor dem Eingang die Iglica, eine von drei schweren Schrauben gehaltene, 86 Meter hohe stählerne Nadel von Prof. Stanisław Hempel, errichtet. Seitdem bietet die Jahrhunderthalle die Kulisse für zahlreiche große Veranstaltungen. Mehr als 10.000 Menschen finden darin Platz. Die Halle wird für Messen, Ausstellungen und Tagungen genutzt. Aber auch große Sportevents, Konzerte, Partys und Mega-Inszenierungen der Breslauer Oper finden darin statt.

Im großen Saal verschlägt es einem die Sprache.

Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit Breslaus ist das Hydropolis, ein modernes, multimediales Zentrum, in dem das facettenreiche Wissen zum Thema Wasser vermittelt wird. Nur dreieinhalb Jahre nach seiner Eröffnung empfing das Hydropolis seinen millionsten Gast. Das interaktive Zentrum befindet sich im historischen Wasserwerk an der Straße ul. Na Grobli. Die Ausstellung ist in neun thematische Zonen gegliedert, vom Ozean des Lebens und den Meerestiefen über die Verbindung von menschlichem Körper und Wasser bis hin zur Geschichte der städtischen Wasserversorgung. Im Zentrum der unterirdischen Anlage steht die Installation „Planet des Wassers“, in der Besucher die Entstehungsgeschichte des Wassers auf unserem Planeten nachvollziehen können. Im Tiefseebereich gibt es unter anderem Fakten über das Leben in der totalen Finsternis. Darüber hinaus können sich Besucher in der Beobachtungsgondel des Batyskaphen „Trieste II“ auf die Spuren von Jacques Piccard und Don Walsh begeben, die in dem Tiefseeboot 1960 mit fast 11.000 Metern einen der tiefsten Punkte unseres Planeten erreichten.

Das Hydropolis Zentrum fasziniert mit großartigen Wasserwelten.

Auch eine der Entdeckungstour zur Breslauer Gastronomie ist angesagt. Auf der Suche nach traditionellen Speisen lohnt es sich, zum Marktplatz zu gehen oder entlang der „Route der Geschmäcker Niederschlesiens“ sich durchzuprobieren. Besonders empfehlenswert sind der Breslauer Bigos, die Breslauer Klöße oder das geheimnisvoll klingende „Schlesische Himmelreich” (Śląskie Niebo), ein traditionelles Fleischgericht aus Schweinefleisch mit Soße aus Trockenfrüchten.

Im Café Blikle servieren Johanna und Domenica leckere Torten.

Auch Breslaus Kaffeehäuser und Konditoreien bieten große Geschmackserlebnisse.

Franek weiß, was Leib und Seele zusammenhält.

Oder man fragt einfach Zwerg Franek, der weiß immer, wo man gerade Hunger und Durst am besten löschen kann, wo und was das Breslauer Zwergen-Philharmonie-Orchester spielt oder Wroclovek die Besucher an der Nase herumführt.

Man verliebt sich sehr schnell in die Oderstadt.

Danach hält man es wie die Sisiphus-Zwerge, die zeitgleich und in entgegengesetzter Richtung drücken und schieben: Soll ich Breslau verlassen oder doch lieber noch ein paar Tage bleiben?

Vor oder zurück? Am besten auf der Stelle in Breslau bleiben.
Der Papa-Zwerg wird es schon richten.

Fragen sie den Papa-Zwerg, sein Grinsen ist Antwort genug.

Und wenn nicht, dann drehen wir uns noch ein bisschen im Kreis . In Breslau natürlich.

Allgemeine Informationen zu Breslau: www.visitwroclaw.eu

Informationen über Polen: www.polen.travel

In der Altstadt übernachten: Art Hotel www.arthotel.pl

Essen und Trinken: Restaurant „Przystań“ www.przystan.wroc.pl

Restaurant „pod Fredrą“ www.podfredra.pl

Modernes Co-working-Center Concordia Design: http://hub.concordiadesign.pl

Tierpark Breslau: www.zoo.wroclaw.pl

Jahrhunderthalle: www.halastulecia.pl

Hydropolis Breslau: www.hydropolis.pl

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Geschrieben von
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