Brenninger auf der Wiesn

Brenninger hatte zwei Maß. Zwei Maß waren gerade richtig. Ausreichend, um lustig genug zu sein. Und zu wenig, um den Bestand der Trunkenheit zu erfüllen. Auf alle Fälle aber verliehen die zwei Maß, die er auf der Wiesn konsumiert hatte, dem Brenninger genügend Mut, um den Vis-a-vis-Mann in der U5 Richtung München-Neuperlach zu fragen: „Sie ham ja auch a lange Lederhosn bis zu de Fiaß runter. Woher denn?“ Denn der Brenninger trug selbst eine bis zu den Knöcheln hinab und wäre gerne los geworden,  dass die seine maßgefertigt sei und damals 1 200 Mark gekostet habe. Und hätte etwas gscheithaflerisch hinzu gefügt, dass es sich um eine Lederhose der Sautreiber handele, welche deshalb die Waden schütze, damit das Horn des Ebers daran abgleite.

Doch Brenningers Vis-a-vis ging gar nicht auf das Woher seines hirschledernen Beinkleides ein, sondern verkündete nur ihr Alter: „Die is schon dreiß’g Johr!“ Brenninger nickte anerkennend und wies auch gleich auf den Vorteil einer „Langen“ hin: „Do konn ma seine Wadln verstecka – wenn ma koane hot!“ Und er erinnerte sich an Rudi Sailer, den Bruder des verstorbenen Toni. Denn dem Rudi hatte der Brenninger mal nach einem Golfturnier sein Leid geklagt,  dass ihn nun die Waden schmerzen würden, woraufhin der Rudi an ihm und seinen Shorts hinab geschaut und trocken gefragt hatte: „Wos für Wadln?“

Der U5-Gegenüber-Mann seufzte: „Ja, ja, die Wadln. Früher hob i wirklich super Wadln g’habt!“ Aber als ihm beim Fußball der Meniskus und auch noch dies und das gerissen sei und er die Karriere beenden hatte müssen – seitdem sei es mit den Wadln vorbei.

Wo er denn gespielt habe, wollte Brenninger wissen.

„Bei Trudering“. Beim TSV.

„Ohje“, stöhnte Brenninger, „ein Feind…“

„Wieso – bist Du von Dreistern?“

„Naaa, aber als Kind war i bei Gartenstadt“

Trotzdem streckte er ihm die Tüte mit den gebrannten Mandeln hin. Der TSV-ler griff hinein. Und sie nickten sich freundlich zu. „San ja gor net so“, dachte sich der Brenninger, „die Truderinger“. Und dass das Oktoberfest halt selbst die unerbittlichsten Sport-Grenzen überwinde.

Wahrscheinlich hatte auch der andere zwei Maß gehabt. Das gerade richtige Maß.

 

 

 

 

 

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was er unterwegs und zu Hause erlebt, lesen Sie jeden Dienstag hier.

* Niedergeschrieben von Jupp Suttner.

Geschrieben von
Mehr von Jupp Suttner

Wenn Menschen-Herzen so weich wie Hundeschnauzen werden

Der Brenninger ist ein typischer Freizeitsportler – und oftmals auf Reisen. Was...
mehr lesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.