Bourazani in Epirus: Seele einer übersehenen Region

Bourazani in der nordwestgriechischen Region Epirus zeigt, wie sanfter Tourismus gelingen kann. Giorgios Tassos, Inhaber des Bourazani Wildlife Resort bei Konitsa, führt seine Gäste voller Leidenschaft durch eine Landschaft, in der Natur, Wildtiere, Klöster und Bergdörfer den Rahmen bilden. Für Menschen, die ihre Heimat mit großer Herzlichkeit und sichtbarem Stolz mit anderen teilen.

Kaum ist Giorgios Tassos mit der kleinen Journalistengruppe vom Flughafen von Ioannina in die Berge Richtung Bourazani Wildlife Resort gestartet, hält er schon zum ersten Mal an. Vor uns öffnet sich das Tal des Aoos, dahinter ziehen sich bewaldete Bergrücken bis zur albanischen Grenze. Giorgios steigt aus, geht ein paar Schritte bis zur Brüstung und zeigt auf die Berge am Horizont. „Dort drüben beginnt schon Albanien“, sagt er. „Und hier unten fließt der Aoos – einer der letzten frei fließenden Flüsse Europas.“

Es ist der erste von mehreren Stopps auf dem Weg nach Bourazani. Mal weist Giorgios auf einen Bergrücken, mal erzählt er von einem kleinen Dorf, mal von einem der vielen Klöster der Region. Dann wieder spricht er von seltenen Greifvögeln, von Bauern, die Wein, Honig oder Bohnen erzeugen, und von Menschen, die ihre Heimat einst verlassen hatten und inzwischen zurückkehren.

Der Aoos ist einer der beiden prägenden Flüsse der Region; Foto: Heiner Sieger

Kein Satz klingt auswendig gelernt. Giorgios spricht nicht wie ein Reiseleiter, der sein Programm abspult, sondern wie jemand, der vor lauter Begeisterung, anderen sein Zuhause zeigen zu dürfen, nicht an sich halten kann. Wer mit ihm unterwegs ist, merkt schnell: Er bringt seine Gäste nicht einfach in ein Hotel. Er führt sie in seine Heimat ein.

Vom Jagdrevier zum Wildlife Resort

Die rund 350 Hektar Wald rund um Bourazani – in der nähe des kleinen Städtchens Konitsa – gehören seit Generationen der Familie Tassos. Giorgios’ Großeltern legten hier das erste private Jagdrevier Griechenlands an, zu einer Zeit, als Jagdtourismus in Europa weithin akzeptiert war. Giorgios selbst studierte Tiermedizin und übernahm später Verantwortung für das Familienunternehmen.

In den 1990er-Jahren bemerkte er, dass sich die Erwartungen der Gäste verändert hatten. Sie kamen weiterhin wegen der Tiere, doch sie wollten sie nicht länger erlegen. Im Gegenteil: „Unsere Gäste wollten die Tiere in der Natur erleben“, erinnert er sich.

Im Bourazani Wildlife Rsort leben mehr als 800 Wildtiere; Fotos: Bourazani

Die Familie stellte die Jagd ein und schuf Schritt für Schritt ein Wildlife Resort, in dem heute rund 800 Wildtiere leben. Damhirsche, Rothirsche, Mufflons, Wildschweine und weitere Arten bewegen sich in einer weitgehend natürlichen Umgebung. Wo früher Abschusslisten geführt wurden, beobachten Besucher die Tiere heute mit Fernglas und Kamera.

Am frühen Morgen liegt noch leichter Nebel über den Hügeln gegenüber dem Hotel, dort wo das Wildschutzgebiet liegt. Zwischen den Bäumen zeichnet sich zunächst nur die Silhouette eines ersten Damhirsches ab. Wenig später treten weitere Tiere aus dem Wald, äsen ruhig am Rand einer Lichtung und verschwinden schließlich wieder zwischen den Bäumen. Nichts erinnert daran, dass sie hier früher Jagdbeute waren.

Für Giorgios war die Umwandlung dennoch weit mehr als eine touristische Neuausrichtung. Aus ihr entwickelte sich eine Vorstellung davon, was ein Hotel in einer abgelegenen Region leisten kann: Natur nicht nur als Kulisse zu nutzen, sondern sie zu schützen, zu erklären und gemeinsam mit den Menschen der Umgebung erlebbar zu machen.

Borurazani_Wildpark

Natur verstehen, bevor man sie schützt

Mitten im Resort hat er deshalb ein Informationszentrum erreichtet. Hier wird sein Anspruch sichtbar: Zu sehen gibt es nicht nur Präparate heimischer Wildtiere. Fotos und Schautafeln zeigen seltene Reptilien, Schmetterlinge, Insekten, Pflanzen und die außergewöhnliche Artenvielfalt rund um Bourazani. Das Gebäude erinnert auf den ersten Blick an ein kleines Naturmuseum, dient aber ebenso als Lern- und Veranstaltungsort.

Schulklassen entdecken hier die Tier- und Pflanzenwelt ihrer Heimat. Hotelgäste bereiten sich auf den Besuch des Wildtierreservats oder der umliegenden Nationalparks vor, während Naturfreunde und Experten das Zentrum für Vorträge und Austausch nutzen. Giorgios möchte nicht, dass die Besucher die Natur nur bestaunen. Sie sollen verstehen, was sie sehen und warum diese Lebensräume schützenswert sind. „Wir haben Abmachungen mit außergewöhnlichen Naturfotografen, die uns Ihre Fotos seltener und neuentdeckter Tiere und Pflanzen zur Verfügung stellen“, erzählt er. „Unter einer Bedingung: Die Bilder dürfen nicht abfotografiert werden.“

Turquoise Blue (Polyommatus dorylas) male Butterfly Lycaenidae

Künftig soll das Zentrum noch stärker in die Ausbildung von Fachleuten eingebunden werden. In Bourazani entsteht unter Mitwirkung von Giorgios das National Center for Outdoor Activities in Greece. Vorgesehen sind verschiedene Qualifizierungen, unter anderem für Wander-, Berg-, Höhlen- und Paraglidingführer.

„Wir sind kein reines Schlafhotel“, sagt Giorgios. „Wir möchten unseren Gästen Erlebnisse ermöglichen.“ Viele Besucher bleiben deshalb fünf bis sieben Tage. Sie erhalten individuelle Empfehlungen für Wanderungen, Flusstouren, Klöster, kleine Restaurants und Produzenten. Giorgios markiert persönlich Orte auf einer Karte, erklärt die Wege und erzählt von den Menschen, die dort arbeiten. Sein Resort endet für ihn nicht an der Grundstücksgrenze. Es dient als Ausgangspunkt, von dem aus die Gäste die Region kennenlernen.

Gemütliches Ambiente im Bourazani Wildlife Resort

Die Landschaft auf dem Teller

Auch die Küche im Bourazani Wildlife Resort folgt diesem Gedanken. Giorgios hat dem Hotel bewusst einen Charakter gegeben, der sich an der Welt des Waldes und der Wildtiere orientiert. Verarbeitet werden nach seinen Angaben ausschließlich regionale Lebensmittel, die nicht mit Chemikalien in Berührung gekommen sind. Viele Produzenten kennt er persönlich.

Besonders stolz ist er auf die Wildschweinwurst des Hauses. Sieben Jahre habe er an dem Rezept gearbeitet, bis Geschmack und Konsistenz seinen Vorstellungen entsprachen. Was denn alles drinsteckt, möchte ich wissen. „Meine Rezepte sind meine Geheimnisse“, sagt Giorgios, blickt stolz in die Runde und lächelt.

Spezialität des Bourazani Wildlife Resorts: Damhirsch-Carpaccio; Foto: Heiner Sieger

Beim Abendessen zeigt sich, wie ernst er diese Verbindung von Landschaft und Küche nimmt. Den Auftakt bildet ein hauchdünn geschnittenes Carpaccio vom Damhirsch mit Rucola, feinen Käsespänen und Apfelscheiben. Anschließend serviert die Küche eine Schulter vom Damhirsch, die 24 Stunden bei lediglich 87 Grad im Ofen gegart wurde. Auf Selleriepüree zerfällt das Fleisch beinahe von selbst und entwickelt eine Zartheit, die eher an Sahne als an Wild erinnert.

Lorbeer, griechischer Bergtee und Aromen, die an gekochte Eichenblätter erinnern, geben den Gerichten ihre regionale Handschrift. Die Landschaft dient hier nicht nur als Kulisse. Sie bestimmt den Geschmack.

Der Tsipouro, der viele Familien trägt

Zu den Orten, die Giorgios seinen Gästen empfiehlt, gehört die Kooperative von Vasilis Kravaris nahe dem Kloster Theotokos Molyvdoskepastos bei Konitsa. Vasilis gründete sie 1977 im Alter von 18 Jahren. Familien aus den Dörfern der Region sollten ihre Früchte und Erzeugnisse gemeinsam vermarkten und sich damit ein zusätzliches Einkommen sichern.

Vasilis im kleinen Laden seiner Kooperative; Foto: Heiner Sieger

Fast fünf Jahrzehnte später stehen in den Regalen traditioneller Tsipouro mit 34 Prozent Alkohol, Liköre aus Walnüssen, Minze, Sauerkirschen, Granatapfel, Bergamotte und Waldfrüchten sowie Marmeladen, Kräutertees, Honig und Bohnen. Vor rund zehn Jahren kam mit „Cero“ eine weitere Spezialität hinzu: ein im Eichenfass gereifter Tsipouro, dessen bernsteinfarbene Farbe und Holznoten an Whisky erinnern.

Viele Familien aus dem Raum Konitsa und bis hinunter nach Ioannina liefern ihre Produkte an die Kooperative. Selbst die kleinen, mit Weinreben überdachten Terrassen der Häuser tragen dazu bei. Diese „Klimataria“, erklärt Gästeführer Christos, spenden im Sommer Schatten und liefern im Herbst Trauben.

Fast alle Häuser haben ein “Klimateria”, eine mit Reben bewachsen Terrasse; Foto: Heiner Sieger

Für Giorgios ist der Laden deshalb weit mehr als eine Einkaufsmöglichkeit. Wer hier Tsipouro, Honig oder Kräutertee kauft, unterstützt unmittelbar Familien aus der Region. Genau darin erkennt er eine der Grundlagen sanften Tourismus: Ein Teil des Geldes, das Besucher ausgeben, soll bei den Menschen bleiben, die vor Ort leben und arbeiten.

„Ich bin der Verrückte aus dem Dorf“

Im Dorf Molivdoskepastos, das nur noch elf Einwohner zählt, lebt Mannis Ilias. Er ist Weinbauer und Mitinitiator einer kleinen Gemeinschaft von Produzenten. Vor einigen Jahren schlossen sich Bewohner zusammen, um Wein, Tsipouro, Honig, Bohnen und weitere regionale Erzeugnisse gemeinsam an Hotels, Geschäfte und Besucher zu verkaufen. „Ich bin der Verrückte aus dem Dorf“, sagt Mannis und lacht. „Ich liebe mein Dorf und diese Region. Es ist ein Lebensstil, den ich erhalten möchte.“

Noch betreiben die Beteiligten das Projekt nebenberuflich. Große Mengen können sie nicht herstellen, denn die Rohstoffe wachsen in den Bergen und lassen sich nicht beliebig vermehren. Trotzdem soll das Angebot behutsam erweitert werden, etwa um Nudeln aus heimischem Weizen und Hartweizen.

Die Nachfrage ist nach Angaben von Mannis größer als seine derzeitigen Möglichkeiten. „Ich könnte deutlich mehr produzieren“, sagt er. „Allein – mir fehlen die Arbeitskräfte dazu.“

Mannis und Christina vermarkten einheimische Produkte; Foto: Heiner Sieger

Deshalb kann er sich vorstellen, für einige Tage oder Wochen Urlauber auf seinem Hof aufzunehmen, die gegen Kost und Logis mitarbeiten. Sie könnten bei der Weinlese helfen, Bohnen ernten oder Einblicke in die Verarbeitung regionaler Produkte gewinnen. Nicht als günstige Ersatzkräfte, sondern als Menschen, die das griechische Bauernleben aus unmittelbarer Nähe kennenlernen möchten.

Reise-Stories-Tipp: Interessenten können sich bei Reise-Stories melden. Wir stellen den Kontakt zu Mannis Ilias her und klären mit ihm, wie sich ein solcher Aufenthalt organisieren lässt.

Wenn Giorgios über Initiativen wie diese spricht, wird deutlich, warum sie ihm so wichtig sind. Die Zukunft der Region entsteht für ihn nicht durch große Investoren oder spektakuläre Bauprojekte, sondern durch Menschen, die bleiben, zurückkehren oder aus den begrenzten Möglichkeiten ihrer Heimat etwas Eigenes entwickeln.

Vertrauen wächst von Mensch zu Mensch

Eine dieser regionalen Anlaufstellen betreibt Christina Nikopoulou. In ihrem kleinen Laden am Ortsrand von Konitsa verkauft sie Honig, Kräutertees, Bohnen, Marmeladen, Liköre und weitere Spezialitäten aus Epirus.

Begonnen habe sie mit Produzenten aus dem Ort und der unmittelbaren Umgebung, erzählt sie. Da das Angebot dort begrenzt war, erweiterte sie ihr Netzwerk Schritt für Schritt auf die gesamte Region. Neue Erzeuger findet sie auch über das Internet. Entscheidend bleibt jedoch der persönliche Test.

„Bevor ich etwas in mein Sortiment nehme, probiere ich die Produkte natürlich selbst“, sagt Christina. Viele Hersteller kennt sie persönlich. Vertrauen entsteht für sie nicht allein durch Etiketten oder Zertifikate, sondern durch Begegnungen, Erfahrungen und die Kenntnis der Herkunft. Wer Giorgios’ Empfehlungen folgt, kauft deshalb nicht irgendwo regionale Ware. Er trifft auf Menschen, die für die Qualität ihrer Produkte mit dem eigenen Namen einstehen.

Der Aoos: Ursprüngliche Wildnis vom Wasser aus erleben

Nicht alle Wege, die Giorgios empfiehlt, führen zu Produzenten oder kleinen Geschäften. Einige führen hinaus an den Aoos. Der Fluss zieht unverbaut durch die Berglandschaft und gilt als einer der letzten frei fließenden Flüsse Europas. Auf seinem rund 220 Kilometer langen Lauf durchquert er Täler und Schluchten, in denen seltene Vogelarten wie Schwarzstorch und Bartgeier vorkommen.

Flußtrekking am Aoos

Alexandros Nikolopoulos organisiert von Mitte Juni bis Mitte September Wildwasser-Kajakfahrten und Flusstrekking. Ein Tagesausflug dauert mindestens vier bis fünf Stunden. Daneben bietet er Wanderungen über acht bis fünfzehn Kilometer sowie fünf- bis sechstägige Touren zu Fuß oder mit dem Fahrrad an. Übernachtet wird in einfachen Berghütten, Mehrbettzimmern oder kleinen Biwaks.

Für Alexandros ist der Aoos nicht bloß ein Sportrevier. Er möchte möglichst vielen Menschen ermöglichen, den Fluss und seine Schönheit unmittelbar kennenzulernen. Gerade im heißen Sommer wird das kühle Wasser zu einem ebenso eindrucksvollen wie erfrischenden Erlebnis.

An einer historischen Steinbrücke zeigt er auf eine kleine Glocke, die in der Mitte unter dem Bogen hängt. Sie erfüllte früher einen lebenswichtigen Zweck. Die Region ist windreich, das Geländer der Brücke niedrig. Wenn der Wind so stark wurde, dass die Glocke läutete, wussten die Bewohner, dass sie die Brücke besser nicht überquerten.

Die Glocke unter dem Brücken-Bogen warnt bei starkem Wind vor dem Überqueren; Foto: Heiner Sieger
Die Steinbrücken, wie die von Konitsa prägen das Landschaftsbild in Zagori; Fotos: Heiner Sieger

Solche Details erklären diese Landschaft besser als jede Jahreszahl. Sie zeigen, wie eng das Leben der Menschen mit den Kräften der Natur verbunden war und wie viel praktisches Wissen darüber bis heute weitergegeben wird.

Zwischen Natur und Spiritualität

Giorgios’ Empfehlungen enden auch nicht bei Landwirtschaft, Küche oder Outdoor-Erlebnissen. Immer wieder spricht er von den Klöstern rund um Konitsa, die für ihn ebenso zur Identität der Region gehören wie Wälder, Dörfer und Flüsse.

Das Kloster Stomio wurde 1944 von deutschen Soldaten niedergebrannt. Zwischen 1958 und 1962 baute der spätere Heilige Paisios es mit Hilfe der Einheimischen wieder auf. Heute führt ein Wanderweg durch die Aoos-Schlucht hinauf zum Kloster. Naturerlebnis und religiöse Geschichte lassen sich auf diesem Weg kaum voneinander trennen.

Das Kloster Stomio, hoch über dem Aoos.

Das Wirken des Paisios zieht inzwischen Pilger aus ganz Griechenland an. Eine Fernsehserie über sein Leben machte Konitsa einem breiten Publikum bekannt und gab dem Religionstourismus neuen Auftrieb. Rund um Konitsa verteilen sich ohnehin Dutzende Klöster und Kirchen aus byzantinischer und nachbyzantinischer Zeit. Sie machen die Bergregion zu einem der bedeutendsten Zentren des Religionstourismus in Epirus und erklären, warum Giorgios Tassos seine Gäste immer wieder auf Wanderungen schickt, die Natur- und Kulturerlebnis miteinander verbinden.

Die Zahl der Gästebetten stieg nach Angaben des Vizebürgermeisters Dimitris Kotiaftis innerhalb von zehn Jahren von etwa 100 auf rund 700. Für Konitsa eröffnet diese Entwicklung neue wirtschaftliche Chancen. Kotiaftis betont jedoch, dass Wachstum allein nicht genüge. „Wir wollen unsere Tradition und die Ursprünglichkeit der Region bewahren.“

Die Region Epirus ist gesprickt mit historischen Klöstern; Foto: Heiner Sieger

Historische Gebäude werden restauriert, neue Wanderwege entstehen, und manche lange geschlossenen Cafés öffnen wieder. Zugleich bleibt die Abwanderung sichtbar. Gästeführer Christos erinnert sich an eine Zeit, in der Konitsa rund 5.000 Einwohner zählte. Heute sind es nach seinen Angaben noch etwa 1.300. Inzwischen kehrten vereinzelt Menschen aus Athen, Thessaloniki oder Ioannina zurück und gründeten kleine Betriebe. Noch ist daraus keine große Trendwende entstanden, wohl aber eine neue Zuversicht.

Gastgeber für eine übersehene Region

Als Giorgios Tassos seine Gäste nach einigen Tagen verabschiedet, spricht er nicht über Zimmer, Auslastung oder neue Hotelprojekte. Stattdessen ist er neugierig, ob ihnen die Wanderung gefallen hat, ob sie den Tsipouro von Vasilis probiert oder den kleinen Laden von Christina gefunden haben. Er möchte wissen, ob das Kajakfahren auf dem Aoos geklappt hat und ob noch Zeit für das Kloster Stomio blieb.

Giorgios Tassos lebt für seine Heimat; Foto: Heiner Sieger

Vielleicht beschreibt genau das den Charakter des Bourazani Wildlife Resort am besten. Es versteht sich nicht als Endpunkt einer Reise, sondern als Ausgangspunkt, um eine Region kennenzulernen, die ihre Ursprünglichkeit nicht als touristische Kulisse inszeniert. Und die von vielen Reisenden bislang – zum Glück? – übersehen wurde. Die Menschen hier bewirtschaften ihre Weinberge, stellen Honig, Tsipouro oder Marmeladen her, führen Gäste durch die Berge und bewahren die Geschichte ihrer Dörfer. Besucher dürfen daran teilhaben – nicht als Zuschauer, sondern als willkommene Gäste.

Während vielerorts immer neue Attraktionen entstehen, setzt Bourazani auf das, was längst vorhanden ist: eine außergewöhnliche Natur, regionale Produkte, gewachsene Traditionen und Menschen, die ihre Heimat mit sichtbarem Stolz und großer Herzlichkeit mit anderen teilen.

Als wir uns verabschieden, bleiben weniger einzelne Aussichtspunkte , Brücken oder Klöster besonders in Erinnerung. Es sind die Begegnungen mit Giorgios Tassos, Vasilis Kravaris, Mannis Ilias, Christina Nikopoulou, Alexandros Nikolopoulos und vielen anderen, die dieser Reise ihren Charakter geben.

Vielleicht ist genau das das größte Kompliment, das man einer Region machen kann: Wer nach Bourazani reist, erinnert sich nicht zuerst an die Sehenswürdigkeiten. Er erinnert sich an die Menschen.

Der Voidomatis ist der zweite prägende Fluß der Region; Foto: Heiner Sieger

Reise-Stories-Service für die Region Konitsa in Epirus

Die beste Reisezeit

Von Mai bis Oktober zeigt sich Epirus von seiner schönsten Seite. Im Frühjahr verwandeln Wildblumen die Berghänge in ein Blütenmeer, während der Sommer ideale Bedingungen zum Wandern, Kajakfahren und Flusstrekking bietet. Im Herbst leuchten die Wälder in kräftigen Farben, gleichzeitig beginnt die Erntezeit vieler regionaler Produkte.

Anreise

Zielflughafen ist Ioannina, von dort sind es mit dem Mietwagen rund eine Stunde bis zum Bourazani Wildlife Resort. Alternativ bieten sich Flüge nach Korfu oder Thessaloniki an. Von Korfu erreicht man Epirus nach der Fährüberfahrt über Igoumenitsa, von Thessaloniki führt die Autobahn Egnatia Odos quer durch Nordgriechenland.

Übernachten

Das Bourazani Wildlife Resort ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge nach Konitsa, in die Nationalparks Nord-Pindos und Vikos-Aoos sowie in die Zagori-Dörfer. Wer die Region wirklich kennenlernen möchte, sollte mindestens fünf bis sieben Nächte einplanen.

Diese Ausflüge lohnen sich

  • Wildtierbeobachtung im Bourazani Wildlife Reserve
  • Wanderung zum Kloster Stomio durch die Aoos-Schlucht
  • Besuch der Tsipouro-Kooperative von Vasilis Kravaris nahe dem Kloster Theotokos Molyvdoskepastos
  • Spaziergang durch die historische Altstadt von Konitsa
  • Kajak- oder Flusstrekking auf dem Aoos
  • Tagesausflug in die Zagori-Dörfer mit Vikos-Schlucht, Steinbrücken und Papigo
  • Besuch regionaler Produzenten für Honig, Wein, Kräuter und Liköre

Kulinarischer Tipp

Probieren Sie im Bourazani Wildlife Resort unbedingt die 24 Stunden bei 87 Grad gegarte Damhirsch-Schulter, das Wild-Carpaccio sowie die hausgemachte Wildschweinwurst. Viele Zutaten stammen direkt von Erzeugern aus der Region.

Gut zu wissen

Epirus gehört zu den ursprünglichsten Regionen Griechenlands. Viele Straßen sind schmal und kurvenreich. Planen Sie deshalb ausreichend Zeit ein und verstehen Sie den Weg als Teil des Reiseerlebnisses. Gerade die schönsten Dörfer, Klöster und Aussichtspunkte liegen bewusst abseits der Hauptstraßen.

Verhalten

Wer bei regionalen Produzenten einkauft oder in familiengeführten Tavernen einkehrt, unterstützt unmittelbar die Menschen, die diese Kulturlandschaft erhalten. Fragen Sie nach den Geschichten hinter den Produkten – oft entstehen daraus die schönsten Begegnungen der Reise.

Reise-Stories-Tipp

Lassen Sie sich nicht nur von Navigationsgerät oder Reiseführer leiten. Fragen Sie Gastgeber wie Giorgios Tassos nach ihren persönlichen Empfehlungen. Oft führen gerade diese kleinen Umwege zu den eindrucksvollsten Erlebnissen – zu einem Kloster hoch über dem Tal, einer Taverne am Fluss oder einem Produzenten, dessen Familie seit Generationen Honig, Tsipouro oder Kräuter verarbeitet.

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Heiner Sieger

Autor Kurzvorstellung:

Als Chefredakteur von Reise-Stories bewege ich mich aus München, so oft es der Beruf erlaubt, Richtung Berge und Meer, entdecke interessante Menschen und ihre Geschichten hinter Hoteltresen und Kochherden. Meine persönliche Leidenschaft gilt als ausgebildeter Mentaltrainer den Themen innere Gesundheit, Entspannung und Longevity.
Seit 40 Jahren Journalist, schreibe ich über aktuelle und brisante Themen in den Bereichen Digitalisierung, Wirtschaft, Gesundheit und Reise. Nach Stationen bei renommierten Tageszeitungen und Magazinen in Deutschland und der Schweiz bin ich heute hauptberuflich beim WIN-Verlag in der Vogel Communications Group Chefredakteur der Magazine Digital Business und e-Commerce-Magazin.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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