Berchtesgaden: Eine Sahneschnitte zwischen Sisis heiler Welt und der des 1000jährigen Reichs

Mitten im historischen Stadtkern Berchtesgadens nimmt das Hotel Edelweiß breiten Raum ein. Umrundet man es, meint man, man habe schon die ganze Altstadt gesehen. Eine Sahneschnitte unter den Hotels, was Lage, Ausstattung, Frühstücksbuffet und Gourmet-Gerichte angeht. Noch dazu kann es sich einer so riesigen Dachterrasse rühmen, dass auf ihr ein „Panorama“-Restaurant, ein Steingarten mit echten Edelweißblüten und einem Strandkorb, ein Panorama-Hallenbad, eine Saunalandschaft, eine Beauty- und Vitalresidenz, ein Whirlpool und Sonnenliegen Platz haben. Von dort oben schweift der Blick aufs Schloss, den Rosengarten und – den Watzmann.

Foto oben:
Blick vom Panoramarestaurant des Edelweiß auf den Watzmann

Von Elke Backert

Der Watzmann ist das Wahrzeichen des Berchtesgadener Landes und zugleich der höchste Berg. Imposant thront er über dem Berchtesgadener Talkessel. Nicht nur seine Höhe von 2.713 Metern, sondern vor allem seine außergewöhnliche Form machen ihn so berühmt. Das Kalksteinmassiv ist nämlich eine Gruppe von Bergen, die man liebevoll „ER, seine Frau (2307 m) und seine Kinder“ betitelt. Mal zeigt ER sich in gleißendem Sonnenlicht, mal von stürmischen Wolken verhangen. Immer aber sieht man, dass ER es ist. Von vielen wird er als der schönste Berg der Welt bezeichnet. Dem Maler der deutschen Frühromantik Caspar David Friedrich (1774-1840) war er es wert, in Öl festgehalten zu werden. Mit 136 auf 170 Zentimeter ist es sogar eines seiner größten Werke, das in der Alten Nationalgalerie Berlin ausgestellt ist. Allerdings war der Künstler nie vor Ort, er malte nach einem vorhandenen Aquarell, weshalb auch der Vordergrund nicht stimmt.

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Die Wallfahrtskapelle St. Bartholomä aus dem Jahr 1134 spiegelt sich im Königssee

Den nahen Königssee im Herzen des Nationalparks Berchtesgaden überwacht der Watzmann ebenfalls, auch wenn man als Besucher dort auf andere Dinge achtet, die es zu sehen und zu hören gibt. Schiffsbegleiter Martin erzählt während der Fahrt im Elektroboot zur Halbinsel St. Bartholomä mit der gleichnamigen Wallfahrtskapelle aus dem Jahr 1134. Bereits seit 1909 führen die Passagierboote der Bayerischen Seenschifffahrt mit umweltfreundlichen und leisen Elektromotoren. Ansonsten sind nur Ruderboote erlaubt, und es sind viele unterwegs. Die grüne Farbe des Sees, einer der saubersten Deutschlands, rühre von der Lichtbrechung, die die im Wasser gelösten Kalkteilchen verursachten. Renken, Hechte, Flussbarsche, Seeforellen fische man heraus. Eine 1976 gefangene 7,5 Kilo schwere und 1,24 Meter lange Seeforelle ist in einer Gaststätte auf St. Bartholomä ausgestellt. Obwohl der See sehr kalt sei – und er empfiehlt den Männern: „Nix hängen lassen, sonst ham` Se `nen Eiszapfen“ -, sei er nicht oft zugefroren. Allerdings im Winter 2013/2014 drei Monate lang. 15.000 Besucher seien am ersten Tag zum Gucken gekommen, insgesamt eine Viertel Million. „Vorausgeschickt ham` se immer die Schwiegermutter, damit die prüft, ob`s Eis hält.“
Aber dann wird Martin ernst. Er holt seine Trompete hervor und bläst hinein. Zurück kommt das berühmte Echo des Königssees. Unglaublich schön und deutlich. Als er nach dem Blasen, was schon seit 100 Jahren Tradition hat, Spenden sammelt, meint er: „Tun Sie nur ordentlich was rein, das Geld wird ja geteilt, denn es ist meine Schwester, die zurück bläst.“

 

Von der Schiffsanlegestelle auf St. Bartholomä führt ein halbstündiger Rundwanderweg über die Nationalpark-Infostelle mit gut erklärendem Museum – auch hier eine halbe Stunde einplanen oder mehr – durch die Pflegezone des Nationalparks, wo wunderschön das Motto zu sehen ist: Natur Natur sein lassen, bis es am Seeufer entlang zurück geht. Noch ein Blick in die Wallfahrtskapelle, auch einkehren ist angesagt, und irgendwann fährt das letzte Schiff zurück.

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So liebt man sie doch…
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Engelbert Aigner gehört noch zu denen, die die Lederhosen in Handarbeit fertigen. Sein Atelier und sein Geschäft befinden sich im Hotel Edelweiß

 

Zurück in Berchtesgaden, denkt man an die erste umfangreiche Ausstellung „Romy Schneider – Ein Weltstar kehrt heim“ in 2014. Ab Mai 2015 wird sie erneut zu sehen sein, dann in Schönau im historischen “Alten Bahnhof” direkt am Hauptzugang zum Königssee.

Romy (1938–1982) verbrachte die ersten elf Jahre ihres Lebens in ihrem Elternhaus „Haus Mariengrund“ in Schönau am Königssee und kehrte auch später immer wieder nach Schönau zurück, um ihre Mutter Magda Schneider zu besuchen, die dort bis zu ihrem Tod im Jahre 1996 lebte.

„Als ‚Die letzte Kaiserin’, ‚Die Göttin des Jahrhunderts’, ‚Die Spaziergängerin vom Königssee’, oder wie auch immer sie genannt wurde, verzauberte sie die ganze Nation“, so die ambitionierte Sammlerin G. Schubert, die all das sammelte, was mit dem Leben von Romy Schneider zusammenhängt und die mit dazu beitrug, dass die Ausstellung zustande kam.
Wer ebenso fasziniert von Romy ist, könnte durch die 200 Quadratmeter auf zwei Etagen wandern…

Eine heile Welt – oder doch nicht?

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1838 Meter hoch liegt das Kehlsteinhaus
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Edelweiß im gleichnamigen Hotel
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Ein Edelweiß darf auch auf dem Gedenkkreuz nicht fehlen.

Berchtesgaden ruft aber auch eine andere Welt hervor. Da gibt es den Obersalzberg. Auch wenn die Bildungseinrichtung Dokumentation Obersalzberg, die die Geschichte des Obersalzbergs während der Zeit des Nationalsozialismus und die Verbindungen zur gesamten nationalsozialistische Politik darstellt, seit 1999 von weit über zwei Millionen Besuchern gesehen wurde, reizt es noch an die 500.000 Besucher jedes Jahr, von dort den Bus zum Kehlsteinhaus zu besteigen. Und der kostet 16,20 Euro pro Person.

Auf Anregung Hitlers ließ Martin Bormann auf dem Bergrücken des Kehlstein das Kehlsteinhaus errichten. Und jetzt zitiere ich wikipedia: „Die Partei schenkte es Adolf Hitler zum 50. Geburtstag, der es selbst jedoch nur etwa zehn Mal besuchte, da ihm die Ausflüge dorthin zu riskant gewesen sein sollen. An der Errichtung des Kehlsteinhauses, von den Amerikanern später Eagle’s Nest genannt, zu deutsch Adlerhorst, waren vor allem deutsche, später auch tschechische und italienische Facharbeiter beteiligt. Der Bau des Aufzugssystems innerhalb des Berges hat zwölf von ihnen das Leben gekostet. Die reinen Baukosten beliefen sich wegen seiner aufwendigen Gestaltung inklusive der fünf Tunnel, des Aufzugssystems und der Zufahrtsstraßen damals auf rund 30 Millionen Reichsmark, was heute ungefähr 120 Millionen Euro entspricht.“

An der Endhaltestelle der 15-minütigen Busfahrt müssen die Besucher zuerst zum Ticketschalter, um die Uhrzeit ihrer gewünschten Bus-Rückfahrt zu nennen. Ist die schon ausgebucht, gibt es nur noch den (oder die) letzten Bus(se). Ein langer karg beleuchteter Tunnel liegt vor einem, dessen Ende nicht zu sehen ist. Aber dort öffnet sich dann ebenjener Aufzug. Man staunt nicht schlecht, alles Gold, was glänzt, alles verspiegelt, eine wahre Pracht. Oben angekommen, steht man in luftiger Höh` in einer von Sträuchern, Bäumen, Gras und Alpenblumen durchsetzten Steinwüste auf 1834 Meter mit weitem Blick, auch auf den Königssee – wäre da nicht das Kehlsteinhaus, heute gut besuchte Gaststätte mit Biergarten und Foto-Dokumentation über den Bau der Anlage.

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Die Autorin auf dem Rundweg über der Roßfeld-Panoramastraße

Lässt man aber bei einer Autofahrt auf den Obersalzberg die Dokumentation rechts liegen, erreicht man eine Mautstelle und nach Zahlung von sieben Euro die 15,4 Kilometer lange Roßfeld-Panoramastraße, die höchstgelegene Deutschlands, die die einmalige hochalpine Bergwelt des Berchtesgadener Landes zeigt. Ein unvergessliches Erlebnis.

Unterkunftstipp:
Vier-Sterne-Superior-Hotel Edelweiß der Familie Hettegger, Maximilianst. 2 in 83471 Berchtesgaden, Tel. 08652/97990
edelweiss-hotels.com

Fotos Elke Backert

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