Sagres – Lebenslust am Ende Europas

Roman lächelt entspannt und blickt zusammen mit seiner Frau Chitra hinaus auf das Meer vor dem Ort Sagres, zum kleinen Fischerhafen auf der anderen Seite der Bucht, hinweg über die Ilhotes do Martinhal und das gleichnamige Ressort, das er und seine Frau vor über 20 Jahren hier erworben haben. Roman und Chitra haben sich hier einen Traum erfüllt. Einen Traum, den sie gerne an ihre kinderreichen Gäste weitergeben möchten.

Das Paar hat selbst vier Kinder und suchte stets nach einer Möglichkeit, unkompliziert auf hohem Niveau, mit einem Hauch von Luxus Urlaub zu machen mit Kindern, ohne dabei in einen Animations-Club zu müssen, ohne in einem steifen Hotel Rücksicht auf kinderlose Besucher nehmen zu müssen. Das ist schwer zu finden. Noch dazu, wenn es um einen Ort geht, an dem Entspannung per se wegen seiner Lage zum Programm gehört.

Sagres ist so ein Ort. In kleinen oder großen Häusern oder Villen, Design Hotelzimmern für Paare auch ohne Kinder, mit oder ohne Meerblick lässt es sich für den Reisenden hier herrlich leben und entspannen. Mehrere Pools, Kinderspielplätze, Kinderclubs, Restaurants und Bars, einen Supermarkt, Fahrradverleih, Wellness-Bereich, alles ausgerichtet auf klein und groß, findet sich in diesem großen Areal direkt am Meer. Gelebter Luxus ohne Zwang. Das passt gut in die Gegend, denke ich bei mir, während ich die Anlage durchstreife.

Sagres – wo Europa endet beginnt die Ruhe

Und die Umgebung? Ich wandere am Strand entlang Richtung Hafen, Die gelb-orangenen Klippen der Steilküste liegen hinter mir, den Nationalpark am Meer abschneidend. Der Ort Sagres mit seinen heute knapp 200 Einwohnern ist berühmt, eine Seefahrtsakademie hat Prinz Heinrich der Seefahrer hier einst gegründet im 15. Jahrhundert. Zwar war es nicht der Ort, an dem Christoph Kolumbus studierte, denn der lernte im nahegelegenen Lagos, aber dennoch steht Sagres für die Seefahrt. Und bevor bewiesen wurde, dass die Erde keine Scheibe ist, war an dem nahe Sagres gelegenen Cabo de São Vicente und seinem markanten Leuchtturm tatsächlich die Welt zu Ende.

Malerisch mutet der Hafen an, in dem die Fischer ihre Netze reparieren, der Fisch täglich fangfrisch von den Booten in die nahegelegenen Hallen zur Versorgung und zum Weitertransport gebracht wird, etwa in die Markthalle Mercado 25 de Abril, der lokale Markt in Sagres, in dem Bewohner und Köche der umliegenden Hotels, wie etwa meinem Ressort, den Fang des Tages einkaufen.

Es hat etwas romantisches, die Einsamkeit am Zipel Portugals, am Ende Europas, hier im Südwesten des Kontinents, überspielendes. Friedlich geht es hier zu, als ob es nie anders gewesen wäre und alle Sorgen der Welt weit weg sind. Ein Ort zum Verweilen.

Lebendiges Dorf und bodenständige Küche

Ich suche den Kontakt zu den Einheimischen. Im Hafenrestaurant tummeln sich Touristen, es geht rustikal zu, an einem Tisch in der Sonne draußen vor dem Lokal sitzen die Fischer des Ortes. Bärtige Männer mit krummen Zähnen, sonnengegerbter Haut und einem rauen Lachen, das von salziger Seeluft geprägt ist. Man trinkt das Bier, das den Ortsnamen trägt und genießt den eigenen Fang. Seebrasse, Dorade, Oktopus und andere Meeresbewohner sehe ich in der Vitrine im Lokal, das einer Fischhalle gleicht und den Charme des Hafens widerspiegelt.

Doch ich entscheide mich, in das Dorf oberhalb des Hafens zu spazieren. Die Häuser sind hier eingeschossig, klein, bunt und typisch für die Gegend. Eine Tür steht auf, der Duft von frisch Gekochtem strömt mir entgegen. Noch ein Lokal. Hier gibt es Fleisch vom Schwein, Gemüse aus dem Garten und Wein aus der Region. Wieder Männer an den Tischen, Arbeiter aus dem Dorf, aus dem Hafen, aus der Gegend, die hier Mittag machen. Es gibt ein Tagesgericht, das kann man bestellen oder nicht. Ich setze mich an einen der Tische. Rosalinda, die Wirtin kommt auf mich zu und nimmt meine Bestellung auf. Das Gleiche wie alle hier. Und in der offenen Küche sehe ich Vitalina stehen, die in den Töpfen rührt. Vitalina ist eine portugiesische Mama, wie man sie sich vorstellt. Und so kocht sie auch. Bodenständig, Hausmannskost, keine Schnörkel, alles deftig und lecker. Die Stimmung ist gut, lebhaft, man lacht und freut sich über die winterliche Sonne mit ihrer Wärme im angehenden November. Hier scheint es immer so zu sein. Die Zeit steht still und doch spüre ich die Wärme der Menschen, der Atmosphäre, die Lebenslust.

Meine Gedanken schweifen zu Roman und seiner Frau. Das ist es, was er hier gefunden hat und weitergeben möchte. Den einfachen Luxus, ohne viel Drum herum. Die Nähe zur Natur, zu den Menschen der Region, der Natur.

Cabo de São Vicente – Naturgewalten am Landesende

Noch ein Stück weiter hinaus zieht es mich, dorthin, wo die Welt zu Ende zu sein scheint. Das Cabo de São Vicente, benannt nach Vinzenz von Saragossa, eigentlich Vinzent von Valencia, dem Schutzpatron der Seefahrer, erhebt sich mit seinem markanten, rot-weißen Leuchtturm, dessen Licht den Seefahrern noch 32 Seemeilen hinaus auf das Meer leuchten soll. Das Kap ist ein heiliger Ort, um den sich zahlreiche Mythen ranken. In der Umgebung sind einige Monolithen zu sehen. Zur Zeit der Phönizier, dem griechischen Seefahrer-Volk, soll das Kap der Gottheit Melkhart geweiht gewesen sein. Die Griechen nannten diesen Ort Ophiussa und bei den Römern war es das Promontorium sacrum, das Heilige Vorgebirge, dort wo die Sonne im Meer versinkt. Ich blicke auf die gewaltigen Wellen, die sich in mächtigen Wogen aufschwingen, gegen die steilen, rauen Felswände zu donnern. Menschen stehen auf dem Plateau und beobachten das Spektakel. Ein Regenbogen formt sich auf dem Meer an der Klippe endend, als spende Gott seinen Segen an diesem friedlichen Ort der Naturgewalten. Ich beobachte eine Gruppe gedrungener Fischer, die sich an der Klippe der Mühe hingibt, eine Angelschnur von ganz unten im Meer hinaufzuziehen. Mit vereinten Kräften gelingt es, zum Vorschein kommt ein kleines Netz mit einem Fisch. Eine mittelgroße Seebrasse, die sogleich von einem der Fischer behandelt wird. Mühsam mutet das Unterfangen an, das Netz wandert wieder ins Meer, Vielleicht lässt sich heute noch ein Fisch überzeugen, an die Luft zu gehen.

Und obwohl die See recht rau und das Land mit seinem flachen Gras und Heidekraut so unwegsam ist, herrscht hier an diesem nun menschenleeren Ort eine Ruhe, Windstille und Ausgeglichenheit, die ob der Farben und natürlichen Gegebenheiten etwas Sakrales mit sich bringt. Was für ein Luxus.

Zwischen Wellness und Wellbeing – Lebensart zwischen Kunst und Kultur

Noch mehr möchte ich an diesem Ort genießen und bin dankbar, dass Roman und Chitra ihren Gästen neben dem Luxus der Umgebung einmal jährlich und schon seit elf Jahren ein besonderes Erlebnis an diesem Ort angedeihen lassen.

Kunst, Design und Wellbeing stehen auf dem Programm und das bedeutet für den Gast, dass er junge Unternehmer aus ganz Portugal und deren Idee, Handwerk oder künstlerische Ader kennenlernen kann. Jedes Jahr sind es andere Menschen, die sich einer Sache verschrieben haben und sie an diesem schönen Ort, in dieser stilvollen Umgebung präsentieren möchten.

In diesem Jahr treffe ich auf Gin-Destillateure, einen Hutmacher, der die Tradition seiner Vorfahren pflegt und weitergibt, einen Schuhproduzenten, einen asiatischen Floristen, der sich der Ikebana-Kunst verschrieben hat und einige Kosmetik-Manufakturen, die mein äußeres Wohlbefinden mit meiner inneren Ausgeglichenheit anpassen möchten. Natürlich dürfen in so einem Rahmen auch Künstler und Designer nicht fehlen, die für das Wohlbefinden in Auge und Interieur sorgen. Wie gut, dass dieses gut durchdachte Erlebnis von einem kreativen Koch abgerundet wird, der sich mit seiner Kunst in der Küche bereits einen Namen in Portugal erarbeitet hat.

Entspannt genieße ich am Ende des Tages bei einer Massage im Wellness-Bereich die Erlebnisse am Ende Europas. Genuss kann so einfach sein und Luxus so wenig aufwendig.

Grund genug, diesen Teil des Kontinents wieder zu besuchen, sich zu erholen, zu wandern, Wassersport zu betreiben, Land und Leute zu erleben oder einfach nichts zu tun.

Kurz notiert

Wie kommt man hin?

Sagres erreicht man am besten mit dem Flugzeug nach Faro und dann mit dem Mietwagen in etwa 1,5 Stunden Fahrt.

Von Deutschland aus bestehen zahlreiche Verbindungen nach Faro von vielen Flughäfen.

Unterkunft

Gut und stilvoll wohnt man mitten im Nationalpark im Ressort Martinhal

Restaurants

Speisen außerhalb des Ressorts kann man bodenständig und gut wie die Einheimischen im

Café Pinóquio in Sagres, Adresse: R. Jaime Conde, 8650-368 Sagres, Portugal, +351 938 788 444

Wer lieber Fisch mag, geht ins Fischrestaurant A Sereia direkt am Hafen von Sagres

Am Cabo de Sao Vincente lässt es sich gut speisen im São Vicente Spot, Adresse: 22HC+F3, Sagres, Portugal.

Teilnehmer des Wellbeing Wochenende in Martinhal 2023

Künstlerin Henriette Arcelin

Schuhhersteller Hirundo, Sneakers

Modedesigner Fairly Normal, clothing

Further Ther, Keramik & Möbel

Cambridge Distillery

Claus Porto, Seifenmanufaktur

David Jesus, Sterne-Koch im Restaurant Seiva

Maraus Hats

Comporta Perfumes

Kokuga Flower Studio

Diese Reise wurde durchgeführt mit freundlicher Unterstützung von Martinhal Family Hotels & Resorts

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Philip Duckwitz

Autor Kurzvorstellung:

Der „Journeylist“ Philip Duckwitz arbeitet als freier Journalist und Autor in Remscheid, vormals in Köln. Auf seinen Reisen um den Erdball, die er am liebsten in wenig bekannte Länder und Regionen unternimmt, öffnet er seinen Lesern Türen zu unerschlossenen Blickwinkeln. Bekanntes neu entdecken und Neues bekannt zu geben, unter dieser Prämisse reist der Journeylist auf der Suche nach den Schätzen dieser Welt und berichtet darüber, um seine Leser für einen einzigartigen Urlaub in der Ferne zu begeistern.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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