Sohn Josef musiziert mit Vater Franz für die Gäste ihres Traditionsgasthofs Hotel „Stern“ in Elbigenalp. Diese Abende mit Tiroler Musik finden stets großen Gefallen. Bild: Bauroth

Wenn die XXIV. Olympischen Winterspiele an diesem Freitag in Peking beginnen, werden bei Franz Kapeller aus dem Tiroler Lechtal sicher wieder viele Erinnerungen geweckt. Der Österreicher hat nämlich nicht nur Winterspiele im eigenen Land miterlebt, er hat sogar dafür auf besondere Art und Weise die Werbetrommel gerührt. Es geht dabei um die Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck. Für die ließ er sogar seine frisch angetraute Johanna zwei Tage nach der Hochzeit allein im Lechtal zurück.

Wie es dazu kam, erzählt der leidenschaftliche Gastwirt und Musiker im gemütlichen Restaurant seines Traditionsgasthofs Hotel „Stern“ im Elbigenalp. Der Seniorchef steht hier mit der Gattin Sohn Josef und dessen Frau Andrea zur Seite, die das Viersterne-Haus in dem idyllischen Ort auf 1040 Metern Seehöhe mit viel Liebe und Herzblut betreiben.

Schöne Tradition: Kommt eine größere Gästegruppe an, spielen Vater oder Sohn (hier Josef Kapeller, l.) ein Begrüßungsständchen für die Urlauber. Bild: Bauroth
Schöne Tradition: Kommt eine größere Gästegruppe an, spielen Vater oder Sohn (hier Josef Kapeller, l.) ein Begrüßungsständchen für die Urlauber. Bild: Bauroth

Und nicht nur das: Gemeinsam musizieren Vater und Sohn auch gerne für die Gäste – sei es direkt bei der Ankunft von Gruppen vor der Haustür oder am Abend nach dem feinen Mehrgang-Menü mit regionaler Note, welches Josef zubereitet.

Bekanntschaft mit schönen Folgen

Die Musik – das ist seit Kindheitstagen die Leidenschaft von Franz Kapeller. Und genau die brachte ihn auch zu den Olympischen Spielen 1976 nach Innsbruck. „Mit 15 Jahren habe ich meine erste Gruppe gegründet“, erzählt der heute 74-Jährige, der unter anderem Klarinette und Akkordeon spielt und gerne singt – Platten- und CD-Aufnahmen zeugen davon. Damals habe die Band 80 Prozent Volksmusik gespielt, aber eben auch Angesagtes wie die Beatles.

An der Wand im Hotel "Stern" hängt ein Foto, das die "Sternbuabm" zeigt, eine Band mit Franz Kapeller. Bild: Bauroth
An der Wand im Hotel „Stern“ hängt ein Foto, das die „Sternbuabm“ zeigt, eine Band mit Franz Kapeller. Bild: Bauroth

Mit dem Postauto (Bus) sei man zu den Auftritten gefahren – samt Solo-, Bass- und Rhythmusgitarre sowie Schlagzeug im Schlepptau.
Nach den „Sternbuabm“ spielte Franz Kapeller im „Alpenquintett“, eine Formation, die sich schnell einen guten Namen über die Grenzen der Region hinaus machte.

„Im Sommer kamen damals immer Wiener Kinder zur Sommerfrische ins Tiroler Lechtal. Darunter war ein gewisser Walter Pötsch“, erzählt Franz Kapeller von einer Begegnung und langjährigen Bekanntschaft mit schönen Folgen. Denn dieser Walter Pötsch hat für die Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck das Maskottchen designt: einen Schneemann mit rotem Tiroler Hut, liebevoll „Schneemandl“ genannt.

Und Walter Pötsch stellte den Kontakt zu den Olympia-Verantwortlichen in Österreich her, die Franz Kapeller und dessen „Alpenquintett“ anheuerten – genauer gesagt: „Die 5 wilden Mander“ (Die 5 wilden Männer).

„Die 5 wilden Mander“: Das Cover dieser Platte – von Koch-Records – zeigt die Formation, die 1976 bei den Olympischen Winterspielen ins Innsbruck auftrat.
„Die 5 wilden Mander“: Das Cover dieser Platte – von Koch-Records – zeigt die Formation, die 1976 bei den Olympischen Winterspielen ins Innsbruck auftrat.

„Uns wurde geraten, den Namen der Band zu ändern“, erklärt Franz Kapeller. Sieben Wochen lang tingelte die Gruppe dann 1975/76 durch Österreich, um für die zweiten Winterspiele ins Innsbruck nach 1964 zu werben.

Unterm „Goldenen Dachl“ gespielt

Der 74-Jährige erzählt mit leuchtenden Augen, als sei es gestern gewesen: „Wir fuhren im Olympiakonvoi mit Minis mit. Die Autos haben wir damals gestellt bekommen.“ Die Wagen waren für die Winterspiele mit Werbung beklebt, „Schneemandl“-Figuren wurden bei den Stopps auf den Autodächern aufgeblasen. Studenten aus Innsbruck waren dabei und Hostessen „in so Papieroveralls, die damals in Mode waren“.

Franz Kapeller trug den Heroldstab und verkündete die Olympischen Spiele in den österreichischen Städten und Gemeinden, die Marketenderinnen verteilten Schnaps. „In Wien war sogar Kanzler Bruno Kreisky da.“

Drei Auftritte pro Tag habe er mit der Gruppe „Die 5 wilden Mander“ damals gehabt – ein ordentliches Pensum. Als Olympia-Kapelle – neben Gitarrist Kapeller noch aus Emil Moll (Bass), Franz Huber (Akkordeon), Konrad Scheiber (Klarinette) und Egon Pichler (Trompete) bestehend – habe man dann in Innsbruck bei der Eröffnung gespielt, unterm „Goldenen Dachl“, dem Wahrzeichen der Stadt, und im Kommunikationszentrum. „Dort haben die Sportler am Boden und auf Polstern gesessen und uns zugehört.“ Sogar einen eigenen Olympiamarsch haben die Musiker komponiert und aufgeführt.  Auch im „Aktuellen Sportstudio“ sei Franz Kapeller mit seiner Gruppe aufgetreten. An den langjährigen deutschen Moderator und Sportjournalisten Harry Valérien (1923 – 2012) kann er sich gut erinnern: „Der war sehr nett.“

Aus dem Album: Familie Kapeller, die das Hotel Gasthof „Stern“ führt, mit Johanna und Franz (sitzend, mit den Enkeln Marie und Emma) sowie Josef und Andrea. Bild. Bauroth
Aus dem Album: Familie Kapeller, die das Hotel Gasthof „Stern“ führt, mit Johanna und Franz (sitzend, mit den Enkeln Marie und Emma) sowie Josef und Andrea. Bild: Bauroth

Diese Erinnerungen nimmt Franz Kapeller niemand mehr. Auch nicht die an europaweite Auftritte in Folge der Winterspiele und dem dadurch gewachsenen Bekanntheitsgrad. „Wir waren sogar einen Monat lang professionell in Liechtenstein angeheuert“, berichtet er von vollen Häusern während dieser Zeit. In Belgien sei er sicher um die 180 Mal aufgetreten, auch in Deutschland kennen viele Franz Kapeller als Musiker.

Er ist froh, dass seine Frau Johanna dafür Verständnis aufbrachte. Immerhin „verflüchtigte“ sich der Gatte im Oktober 1975 genau zwei Tage nach dem Ja-Wort, um auf Werbetour in Sachen Sport zu gehen. Dass die Ehe in Folge glücklich war, belegen nicht nur die drei Kinder Anja, Michael und Josef, sondern auch das bis heute andauernde Miteinander der Eheleute im Gastbetrieb.

Familienbetrieb früh übernommen

Apropos: Seit 1726 ist der Traditionsgasthof Hotel „Stern“ familiengeführt. Und es hat schon einiges erlebt. So brannte das Gebäude 1973 ab. Nachdem der Vater mit nur 55 Jahren verstarb, übernahm Franz Kapeller das Haus. Der gelernte Koch entwickelte es über die Jahre weiter, „wir waren damals mit die ersten, die Dusche und WC im Zimmer hatten“, erzählt er.

Geräumig, gemütlich und mit Balkon samt Bergblick ausgestattet: ein Doppelzimmer im Traditionsgasthof Hotel „Stern“ in Elbigenalp. Bild: Bauroth
Geräumig, gemütlich und mit Balkon samt Bergblick ausgestattet: ein Doppelzimmer im Traditionsgasthof Hotel „Stern“ in Elbigenalp. Bild: Bauroth

Heute glänzt das Hotel mit 54 großen Suiten und Zimmern, dem dazugehörigen Jagdschlösschen, einem neu gestalteten Wellnessbereich mit Sauna, Sanarium, Dampfbad und Zirbeninfrarotliegen sowie Schwimmbad – alles zu einem tollen Preis-Leistungs-Verhältnis (ab 67 Euro pro Person mit Halbpension).

Das Tiroler Lechtal bietet ganzjährig ein schönes Aktivprogramm: Wanderer entdecken hier die Weitwanderroute Lechweg. Umliegende Berghütten sind vom Hotel aus gut zu Fuß erreichbar, etwa die Hermann-von-Barth-Hütte im Sommer oder auch die Kasermandl-Hütte (zirka eine Stunde, auch im Winter).

Vom Hotel „Stern“ ist die Loipenrunde Elbigenalp nur drei Fußminuten entfernt. Das Foto entstand am 23. Januar 2022. Bild: Bauroth
Vom Hotel „Stern“ ist die Loipenrunde Elbigenalp nur drei Fußminuten entfernt. Das Foto entstand am 23. Januar 2022morgens. Bild: Bauroth

Die Langlaufloipe beginnt praktisch vor der Haustür und Skitourenfans treffen mit den Lechtaler und Allgäuer Alpen ein wahres Paradies an.

Wenn die XXIV. Olympischen Winterspiele an diesem Freitag in Peking beginnen, werden bei Franz Kapeller sicher wieder viele Erinnerungen geweckt. Wer weiß, mit wem er sie dann in der Gaststube teilt . . .

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