ALGARVE EIN WENIG ANDERS

Neben den Bettenburgen in Albufeira, Lagos oder Portimão hat sich an Portugals wunderschöner Algarve-Küste längst schon der Turismo rural, ein ländlicher Tourismus entwickelt. Sowohl in der touristischen Westhälfte der Algarve, aber vor allem auch in dem nicht so zugebauten, östlich von Faro gelegenen Küstenstreifen bis hin zur spanischen Grenze.

Bild oben: Quinta da Marco | (c) Quinta da Marco
VON CHRISTOPH GIESE

Casa Modesta | (c) Casa Modesta

Das zwischen Olhão und Fuseta gelegene „Casa Modesta“ ist dafür ein wunderbares Beispiel. Schon nach wenigen Metern, die man von der Bundesstraße N 125 wegfährt, taucht man ein in ein ländliches Gebiet. Und nach wenigen Minuten Fahrt steht man vor dem „Casa Modesta“. Das heißt nicht etwa aus Bescheidenheit so, sondern weil der Großvater des heutigen Betreibers Carlos Brito Fernandes tatsächlich das portugiesische Wort für Bescheidenheit im Namen trug. Und das Haus seit Beginn im Familienbesitz ist. Mehrere Generation sind dort aufgewachsen, Carlos auch. Und noch immer ist der Geist der Familie in dem Haus. Schwester Vânia, inzwischen Architektin, hat das Interieur gestaltet, der Bruder bietet Massagen an, die Mutter backt den Johannisbrotkuchen und bereitet die Brotaufstriche fürs Frühstück zu.

Casa Modesta
Casa Modesta | (c) Casa Modesta

Nur acht Zimmer befinden sich in den zwei Gebäuden, maximal kann auf zehn aufgestockt werden. Das garantiert Individualität und Ruhe. Herrlich der Blick von den Terrassen oben auf den Naturpark Ria Formosa, der sich über viele Kilometer an der Küste entlang zieht. Die Zimmer sind nicht zwingend groß, aber sehr stylish eingerichtet. Die Bettlampen etwa, gestaltet mit heimischem Kork, der Fußboden mit Ziegelsteinen gemauert, die Armaturen im Bad blinken goldfarben. Man muss es allerdings mögen, dass sich der Nassbereich nur mit Schiebetüren vom Schlafbereich abtrennen lässt.

Casa Modesta | (c) Casa Modesta

Das Frühstück wird im „Casa Modesta“ erst ab 9 Uhr serviert. Aber das Warten lohnt sich. Man sitzt an einem langen Tisch, bei schönem Wetter kann man auch nach draußen, und genießt Tee aus Kräutern des Gartens zubereitet, jede Menge frische Früchte, Käsesorten oder getrocknete Thunfischscheiben.

Casa Modesta | (c) Casa Modesta

Einen Fernseher gibt es im Haus nirgends, natürlich auch nicht auf den Zimmern. Die Gäste sollen mal richtig abschalten. Am liebsten hätte Carlos Brito Fernandes auch Internet und Mobiltelefonie abgeschafft, aber natürlich kann das Hotel selbst nicht offline funktionieren. Ansonsten ist man sehr im Einklang mit der Natur, Nachhaltigkeit ist hier das Zauberwort. Und Vertrauen. So gibt es die immer offene „Honesty Bar“, ein stets mit köstlichen Weinen aus dem eigenen Weinkeller, der früher mal eine Zisterne war, und anderen Getränken gefüllter Kühlschrank. Da darf sich jeder Hotelgast herausnehmen, was er möchte. Und dann aber bitte die Getränke in ein kleines Heft eintragen, die konsumiert wurden. Dieses System scheint bestens zu funktionieren. Wer würde bei soviel Gelassenheit und in einem so netten Ambiente auch schon schummeln wollen!

Quinta do Marco
Quinta do Marco | (c) Quinta da Marco

In der „Quinta do Marco“ gibt es Fernseher auf den Zimmern. Und die Aussicht ist noch spektakulärer. Kein Wunder, liegt das Landhotel in der Nähe der kleinen Ortschaft Santa Catarina do Fonte do Bispo im Bezirk Tavira doch in den Bergen. Wunderbar die Aussicht auf die grünen Hügel ringsum. Und das Meer, das sieht man am Horizont auch. Noch auch beim Frühstück, mit Eiern von den eigenen, auf dem großzügigen Gelände des Hotels herumlaufenden Hühnern. Einen Esel gibt es,  Schafe, Gänse und Schildkröten. Die Gäste dürfen sich Feigen vom Baum pflücken und sollen sich einfach wie daheim fühlen. Für Hélder Martins, Direktor und Besitzer der „Quinta do Marco“, ist das sehr wichtig. Und man spürt es auch schon beim Einchecken. Denn die Rezeption gleicht mit mehreren Sofas, Sesseln, Schränken und einem Kamin mehr einem Wohnzimmer. 24 Zimmer hat das Hotel bislang. Und über 20 Angestellte. „Wir möchten die Gäste rundherum betreuen“, betont Martins, der das 2008 erstmals eröffnete Hotel 2015 übernahm. Dazwischen gab es turbulente Jahre, das Hotel lief gar nicht gut, die Bewertungen waren schlecht. Hélder Martins, der aus der Region kommt, mal Vizebürgermeister seiner Heimatstadt Loulé war und auch länger im Tourismus gearbeitet hat, der dann die Wahl zum Bürgermeister verlor und einen Strich unter seine politische Karriere zog und schließlich das Hotel übernahm, dieser Hélder Martins hat Visionen. Auch die, Personal aus der Umgebung zu rekrutieren. Dieses Personal fühle sich eben mit der Region und dem Haus persönlich verbunden.

Quinta do Marco | (c) Quinta da Marco

Die 24 Zimmer sind fein ausgestattet. Kein übertriebener Luxus, aber sie haben alles, was man braucht. Bequeme Betten, ein großzügiges Badezimmer. Und sie haben Stil. Etwa eine feine Designerlampe auf dem Schreibtisch. Der Hotelpool ist angenehm beheizt, überall gepflegte Pflanzen. es gibt draußen ein paar fest installierte Sportgeräte zur Körperertüchtigung vor einer fantastischen Kulisse. Aber es fällt in der „Quinta do Marco“ auch nicht schwer einfach nur zu relaxen.

 

ALGARVE EIN WENIG ANDERS Portugal Casa Modesta Quinta do Marco
Quinta do Marco | (c) Quinta da Marco

Das hat sich herumgesprochen. Inzwischen läuft das Hotel gut. So gut, dass Hélder Martins ein größeres Restaurant braucht. Aus dem jetzigen wird er Suiten kreieren. Und die derzeitige Rezeption wird das neue Restaurant. Im nächsten Frühjahr soll alles fertig sein. Für Verbesserungen hat der umtriebige Hotelchef sowieso ein Ohr. Denn es gebe immer was zu tun und zu verbessern. Und dafür spricht der sympathische Hoteldirektor auch mit seinen Gästen, von denen viele gerne wiederkommen. Er hört zu, ist offen für Anregungen. Aber schon jetzt ist die „Quinta do Marco“ ein wunderbar Ort, um die Seele ein wenig baumeln zu lassen.

 

Info:
Casa Modesta
www.casamodesta.pt
Preise: ab 120 € im DZ mit Frühstück
Quinta do Marco
www.hotelquintadomarco.com
Preise: ab 90 € im DZ mit Frühstück

 

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