Mae-Hong-Son-Loop: 4088 Kurven durch Nordthailand

Mit tausenden von Kurven schlängelt sich der Mae-Hong-Son-Loop durch dicht bewaldete Bergketten, vorbei an Wasserfällen, Tropfsteinhöhlen, heißen Quellen, Reisterrassen und Bergdörfern. Die Strecke im äußersten Nordwesten Thailands ist eine der spektakulärsten Motorradstrecken Asiens und auch mit dem Pkw ein großartiges Erlebnis. Ein Reisetagebuch in sechs Etappen.

„Wenn ihr einen Unfall habt, zahlt ihr der Polizei nichts. Ihr rechnet nur mit uns ab!” Mit diesem wohlmeinenden Ratschlag verabschiedet uns die Mitarbeiterin des Autovermieters am Flughafen von Chiang Mai in Richtung Mae-Hong-Son-Loop. Wir fädeln unseren Nissan Almera auf den Highway Richtung Norden ein und werden noch froh sein, einen Automatikwagen gewählt zu haben. Rund 700 Kilometer liegen vor uns, unzählige Bergpässe und Abstecher abseits der Route. Am Ende werde ich „insgesamt 4088 Kurven” in mein Reisetagebuch notieren. Kein Wunder, dass ich nachts davon träume.

Unterwegs auf dem Loop

Etappe 1: Chiang Mai – Pai (rund 140 km)

Im Norden von Chiang Mai biegen wir links auf die Straße 1095 in Richtung Pai ab. Durch dichte Laub- und Nadelwälder klettert unsere Straße auf 1.400 Meter Höhe. Die Ausblicke sind atemberaubend. Auf halber Strecke legen wir einen Stopp bei den Thermalquellen Pong Duet im Huai-Nam-Dang-Nationalpark ein. Überall dampft und zischt es, Schwefelgeruch brennt uns in den Nasen. Kleine Geysire schießen kochend heißes Wasser in die Höhe. In einer heißen Quelle kochen wir ein halbes Dutzend Eier in einem Bambuskörbchen. Unser Mittagessen! So macht Erdwärme Spaß.

Rast im Witch Coffee Shop nach den ersten 300 Kurven

Dank Erdwärme: Eierkochen in den Pong-Duet-Thermalquellen

Backpacker-Flair in Pai

Die World-War-II-Memorial-Bridge über den Fluss Pai

Kurz vor Pai überqueren wir die Tha-Pai-Memorial-Brücke, auch World-War-II-Bridge genannt. Sie wurde 1942 von japanischen Truppen gebaut, um den Waffennachschub nach Burma zu sichern. Ich schlendere über die Brücke und höre den Fluss friedlich gurgeln. Es ist kaum vorstellbar, dass Hochwasser die Brücke mehrfach mitgerissen hat und dies bereits die dritte Rekonstruktion ist. Danach ein Stopp am Pai Canyon: Dort geht es über faszinierende Sandsteinformationen und durch enge Schluchten. Romantik pur, als das Gestein im Abendlicht rotgolden zu leuchten beginnt. Schließlich rollen wir auf Pai und seine Walking Street mit Burger-Buden, Tattoo-Studios und zahlreichen Cannabis-Shops zu. Auf dem Nachtmarkt genießen wir ein scharfes Curry und das Backpacker-Flair.

Backpacker-Flair in der Pai Walking Street
Das Wichtigste auf einen Blick
Anreise & Startpunkt
> Start und Ende in Chiang Mai
> im oder gegen den Uhrzeigersinn starten
> mindestens vier bis fünf Tage einplanen
Auto oder Motorrad
> Linksverkehr
> Automatikwagen mieten, zum Beispiel über Check24
> Vollkasko versichern (thailändische Standardversicherungen oft unzureichend)
> Bei Unfall: zuerst Vermietung anrufen  
Mit dem Bus
> regelmäßige Verbindungen Chiang Mai – Pai – Mae Hong Son
Beste Reisezeit
> November bis Februar
> Regenzeit Juni–Oktober: Passstraßen teils rutschig oder gesperrt
Übernachtungen
> Pai
und Ban Rak Thai: Hotel unbedingt vorher reservieren
> Hochsaison besonders an Wochenenden schnell ausgebucht  

Touristisches Wunder Pai

Unsere Unterkunft, das Pai Smilehouse, liegt am Ortsrand zwischen Reisterrassen und Bambushainen. Pai war früher ein abgelegenes Dorf im thailändischen Hinterland – und früher, das ist nicht lange her. Heute gilt es als das Tourismuswunder Thailands. Auslöser war im Jahr 2009 der Liebesfilm „Pai in Love”. Er wirkte wie ein Magnet. Seither kommen pro Jahr bis zu 300.000 Besucher aus aller Welt in das Dorf, und viele bleiben hängen. „Einer meiner Gäste wollte nur zwei Tage hier sein, schließlich blieb er ein halbes Jahr”, erzählt mir unsere Wirtin lachend beim Frühstück.

Auf Bambusstegen durch die Reisfelder bei Pai

Etappe 2: Pai – Ban Rak Thai (ca. 120 km)

Eine Kooperative sichert den Flößern in der Tham-Lot-Höhle ein Einkommen.

On the road again! Am nächsten Morgen wartet auf halber Strecke nach Ban Rak Thai die Tham-Lot-Höhle nahe Pang Mapha. Das Höhlensystem mit seinen gewaltigen Stalaktiten und Stalagmiten besteht aus drei Kammern, durch die der Nam-Lot-Fluss strömt. In den Kuppeln hängen Millionen Fledermäuse, ein leises Rascheln erfüllt das Dunkel, überall der Geruch von Guano. Unsere Führerin Long leitet uns mit einer Petroleumlampe über glitschige Stege und steile Treppen. Zurück geht es mit unserem Fährmann Kamon auf einem Bambusfloß. Sanft gleiten wir durch die Stille. Der Fluss scheint zu kochen, als sich Hunderte Karpfen um unser Fischfutter drängen. Kamon erzählt uns, dass er und Long zu einer Dorfkooperative gehören. Diese organisiert die Führungen, verkauft Fischfutter und sichert so den Menschen in dieser abgelegenen Gegend ein Mindesteinkommen.

Chinesisches Flair in Ban Rak Thai

Bootstour im Morgennebel

Der kurvenreiche Mae-Hong-Son-Loop führt weiter durch spektakuläre Berglandschaften. Schließlich erreichen wir am späten Nachmittag auf fast 1.800 Metern Höhe Ban Rak Thai, das nur rund 700 Meter vor der Grenze zu Myanmar liegt. Der malerisch um einen See gelegene Ort hat eine faszinierende Geschichte, die sich auch in seinem Namen widerspiegelt: „Dorf, das Thailand liebt”. Gegründet wurde das Dorf in den 1950er Jahren von Soldaten der Chinesischen Nationalistischen Armee, die nach ihrer Niederlage im Bürgerkrieg aus China geflohen waren. Der thailändische König beauftragte sie später mit der Mission, in Ban Rak Thai ein Bollwerk gegen den Kommunismus zu etablieren.

Unser gemütliches Hotel mitten im Bambushain

Ihre Nachfahren sind heute fest in das thailändische Leben integriert, sie haben sich aber, auch aus touristischen Motiven, ihre chinesischen Traditionen bewahrt. Die Straßen säumen Souvenirläden, die chinesische Spezialitäten verkaufen, und Kostümverleihe für historische Trachten. Thailändische Touristen gleiten als chinesische Prinzessinnen und Edelmänner verkleidet in Ruderbooten über das spiegelglatte Wasser. Wir genießen Hotpot, Barbecue und Yunnan-Tee. Lampions sorgen für eine romantisches Stimmung.

Etappe 3: Ban Rak Thai – Mae Hong Son (ca. 70 km)

Die vielen Eindrücke auf dem Mae-Hong-Son-Loop und Kurven der letzten Tage waren kräftezehrend. Umso schöner, dass heute eine entspannte, kurze Etappe auf uns wartet. Während sich die morgendlichen Nebel über dem See lichten, genießen wir eine chinesische Frühstückssuppe. Gestärkt geht es bergab in das Städtchen Mae Hong Son. Auf dem Weg dorthin liegt der Pang-Tong-Stausee. König Bhumibol ließ das Areal in den 1980er Jahren im Rahmen seines „Royal Development Project” umgestalten. Was einst ein berüchtigtes Opiumanbaugebiet war, ist heute ein Vorzeigeprojekt ökologischer Erneuerung. Wir wandern gemeinsam mit thailändischen Familien durch die idyllische Gegend mit grünen Wiesen, Blumenbeeten und hohen Bergen. Aus urigen Restaurants duftet es nach gebratenem Gemüse und Thai-Curry, und der See funkelt in der Sonne.

Mae Hong Son – Stadt der drei Nebel

Das aktuelle Bild hat keinen Alternativtext. Der Dateiname ist: IMG_20251123_180025_DXO-scaled.jpg
Die Zwillingstempel von Mae Hong Son

Die Stadt schmiegt sich in eine weite Ebene, ringsum erheben sich bewaldete Berge. „Ihr seid hier in der Stadt der drei Nebel”, erklärt uns die Gastgeberin unseres kleinen Airbnb mit einem Lächeln. Die „drei” bezieht sich auf die drei Jahreszeiten Thailands: Trockenzeit, Regenzeit und die kühle Jahreszeit. In allen drei Jahreszeiten hüllen Nebel die umliegende Bergwelt in eine neblig-rauchige Atmosphäre. Wahrzeichen des Städtchens sind die Zwillingstempel Wat Jong Kham und Wat Jong Klang. Wir haben Glück: Es ist Sonntagabend, und der Nachtmarkt verwandelt die Stadt in ein duftendes Freiluftrestaurant. In den Töpfen dampft Khao-Soi-Nudeleintopf, daneben locken frittierte Reisbällchen, Mango Sticky Rice und andere Köstlichkeiten. Wir sitzen auf Strohmatten und genießen unser Abendessen.

4. Etappe: Mae Hong Son – Khun Yuam (ca. 60 km)

Am nächsten Morgen machen wir nach einem Marktbesuch noch schnell einen Abstecher zum Wat Phra-that-Tempel. Mit seinen beiden weißen Chedis (Türmen) thront er auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Vor mir entfaltet sich ein einmaliges Panorama. Die umliegenden Berge reihen sich wie Wellen hintereinander, die Gipfel von Nebel umspielt. Es geht weiter Richtung Khun Yuam. Gottlob gibt es kaum Kurven. Unsere Unterkunft Baan Rai Suea Krong (Garten der Kirschblüte) liegt am Ortsrand mit Blick auf die Berge in der Grenzregion zu Myanmar. Am Abend genießen wir das Farbenspiel der letzten Sonnenstrahlen. Perfekt, um die Seele baumeln zu lassen.

Abendstimmung im Homestay nahe Khun Yuam

5. Etappe: Khun Yuam – Mae Chaem (ca. 100 km)

Unsere Wirtin Pear weckt uns mit einem einfachen, aber feinen Frühstück: Mango, Toast und Rühreier. Der Start in den vorletzten Tag auf dem Mae-Hong-Son-Loop fühlt sich an, als neige sich die Reise bereits langsam dem Ende zu. Pear empfiehlt uns einen spontanen Abstecher zu den wilden Sonnenblumenfeldern um den Gipfel des Doi Mae U-Kho nahe Khun Yuam. Sie blühen gerade. Christliche Missionare sollen die Pflanzen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Mexiko mitgebracht haben. Im November und Dezember erstreckt sich der goldene Blütenteppich über mehrere Hügel.

Sonnenblumen soweit das Auge reicht

Was folgt, ist eine der eindrucksvollsten Bergstrecken des gesamten Loops, die Passstraße 1263. Wir sind fast allein unterwegs: kaum Verkehr, weite Ausblicke, dichte Wälder und wieder mal unzählige Kurven. Nächste Station ist Mae Chaem, ein kleines Marktstädtchen. Unsere Unterkunft entdecken wir durch einen Wegweiser am Straßenrand. Es ist ein einfaches Homestay, das in keinem Buchungsportal auftaucht.

Etappe 6: Mae Chaem – Chiang Mai (ca. 140 km)

Auf der letzten Etappe Richtung Chiang Mai
Unterwegs zum Markttag

Wir brechen früh auf, denn ein letztes Highlight wartet: der Doi Inthanon, mit 2.565 Metern der höchste Berg Thailands. Er ist bekannt für kühle Temperaturen, dichte Nebelwälder und Wasserfälle. Oben empfangen uns dicke Wolken und null Weitblick. Vielleicht gerade deswegen entsteht eine magische Stimmung. Nebelschwaben wabern durch die Bäume, die Königspagoden tauchen aus dem Grau auf wie Traumbilder. Auf dem Gipfel begegnen wir Peter aus Bamberg. Er hat den Mae-Hong-Son-Loop in drei Tagen mit dem Motorrad absolviert, dauernd im Sattel, kaum Pausen, schnell weiter. Wir lachen. Jedem seinen Loop.

Dann der Abstieg Richtung Chiang Mai. Die Kurven werden weniger, die Straßen breiter, der Verkehr dichter. Die Stadt empfängt uns mit ihrem vertrauten Chaos. Wir rollen auf den Parkplatz beim Hotel, stellen den Motor ab und schauen uns an. Geschafft! 4088 Kurven. Eine Woche. Ein Loop, der alles hatte: Nebel und Sonnenschein, Thermalquellen und Tempel, Tee und Hotpot, die Plauderei mit einem Bamberger und die berührende Stille der Berge.

Zurück im Trubel von Chiang Mai

Bilder: Hans Nagel

Titelbild: Mystische Stimmung in Ban Rak Thai, sobald die Morgennebel aufsteigen.

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Constanze Mauermayer

Autor Kurzvorstellung:

Constanze liebt es, auf Reisen die Welt zu entdecken, Menschen zu treffen und Geschichten zu erzählen. Die Journalistin freut sich, ihre Erlebnisse auf den Reise-Stories zu teilen. Bei der Auswahl ihrer Ziele hält sie es mit der Schriftstellerin Susan Sontag, die einmal gesagt hat: „Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste."

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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