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Der Schlern, gesehen und gezeichnet von Ada Oh

Wer sein Land liebt, der schützt es. Der macht es unliebsamen Fremden schwer, es zu betreten. Die Seiser Alm und der Schlern in Südtirol, die haben es gut, die haben ihre Hexen, die hohe Hürden aufgerichtet haben für alle, die da kommen wollen. Da ist die kleine Hexe Curadina, die oberhalb der Tirler Alm im Bosch (Wäldchen) Curasoa mit ihren Schwestern lebt. Es ist eine friedliche Hexe – unter der einen Bedingung, dass man sie in ihrem Lebensbereich in Ruhe lässt. Und das hat man, wie allgemein bekannt ist, nicht getan. Der Tourismus nahm keine Rücksicht, pflasterte die Almen mit Skianlagen zu, Karawanen von Menschen ziehen des Sommers und des Winters zwischen Langkofel, Plattkofel, Puflatsch und Schlern über Pisten und Wege. Und neben der Hexe Curadina gibt es noch die Hexe Nix. Ihr Name kommt nicht von „nix“ wie nichts, sondern von „na“, was Wasser in einer sehr alten Sprache hieß. Sie will auch dem Ötzi auf dem Tschon Stoan begegnet sein, vor 4500 Jahren. Und sie hat gemeinsam mit Curadina Regeln aufgestellt. Und die haben es in sich. Aber immerhin ist es so geregelt besser als im Winter 2020/21, als bei bestem Schnee die Hotels und Aufstiegsanlagen geschlossen blieben.
In diesem Winter ist es bislang so, dass der Besucher neben dem Personalausweis mitführen muss: eine Bescheinigung über einen negativen Test auf SARS-CoV-2-Virus, eine EU Digital Passenger Locator Form und einen Green Pass, so heißt in Italien der CovPass, die Sammlung von zwei, besser drei absolvierten Impfungen. Aber die Italiener haben an der Grenze nicht kontrolliert. Die waren zufrieden, dass der Druck aufgebaut war, die nötigen Unterlagen dabei zu haben, und dass man die Maut für die Autobahn gezahlt hat. Streng waren dagegen die Einheimischen, die Südtiroler. In jedem Lokal, auf jedem Weihnachtsmarkt wurde der Green Pass plus Personalausweis streng kontrolliert, auf den Weihnachtsmärkten des Landes bekam man zusätzlich ein Band ums Handgelenk. Nur auf dem von Kastelruth nicht, er besteht auch nur aus einem Stand vor der Kirche, der jedoch bei der Jugend des Städtchens regen Zuspruch fand.
Für die Gastronomie ist die Lage nach einem guten Sommer jetzt im Winter nicht lustig, wie uns einige Wirte erzählten. Etwa Werner Rabensteiner vom Binderhof in Völs am Schlern sagt: „Es ist schwierig, eine Gastronomie auf unserem Niveau aufrechtzuerhalten, wenn es nur wenige Lokale gibt, mit denen wir uns empfehlungstechnisch austauschen könne, wie etwa mit dem Zum Turm oder der Tschötsch Alm.“ Da habe etwa St. Kassian einen großen Vorteil, da reihe sich Gourmet-Tempel an Hauben-Stube. Was die Klasse seiner Küche ausmache, verrät Werner Rabensteiner uns auch: „Wir benutzen keine Geschmacksverstärker, nur Tomaten, Salz und Pfeffer.“ „Und Peperoncino“, ergänzt seine Frau Monika. Trotz Corona waren an dem Abend unseres Besuches alle Tische reserviert, so dass wir an der Bar Platz nehmen mussten. Beide hatten Recht, was sie uns an Pasta, Fisch und Wein auf den Tresen stellten, war vorzüglich, wenn auch zu fast norwegischen Preisen. Preislich moderater erlebten wir einen Abend im Völser Gasthof zum Schlern bei Margot Kompatscher. Getauft wurde sie auf den Namen Margarethe, aber die italienischen Behörden machten daraus, als sie in Bergamo zur Schule ging, Margot. Jetzt benutzt sie beide Namen. Im Wirtshaus waren nur wenige Gäste, ein Ehepaar, eine Viererrunde, die lautstark Watten oder Perlaggen gespielt haben, wir haben nicht stören wollen und nicht gefragt. Sie habe, sagt sie, den Vorteil, dass sie mit dem Gschiederhof auch noch Hotelgäste zu bewirten habe. Aber leicht sei die Zeit nicht.
Dass nicht nur die Gastronomie sondern auch die Hotelerie unter der Pandemie leidet, bestätigte uns Verena Marmsoler, die in Völs die Residence Konstantin führt. Und da ein Wellness-Angebot heute in Südtirol Standard ist, kommen nicht nur die Kosten für die Apartments sondern die für den Betrieb der Saunen-Landschaft hinzu. Und die Marmsolers haben einen Parcours gezaubert, den auch viele große Hotels nicht schöner haben.
Natürlich haben wir nicht nur Saunen und Restaurants gesehen und haben mit den Leuten geplaudert, wir waren auch in der Natur – und zwar auch dort, wo Skifahrer, Snowboarder oder Wanderer nicht hinkommen. Wir waren auf Schneeschuhen unterwegs, und die Hexen hätten bestimmt ihre Freude an uns und unserem respektvollem Verhalten gegenüber der Natur gehabt. Aber, Curadina und Nix mögen es verzeihen, der Grund dafür waren zum einen die Lust, dorthin zu gehen, wo keiner ist, und die Risiko-Minimierung. Gut, nach einer Regel, die Nix aufgestellt hat, sollen auch Schneeschuhwanderer nur auf den Wegen gehen. Aber einen Ausgleich dafür, die Skier daheim zu lassen, musste es schon geben. Und mit der eigenen Risiko-Minimierung ist das eine ernste Sache. Als Skifahrer ist man selbst auf den blau-flachen Pisten der Seiser Alm nicht gefeit davor, von irgendwem umgenietet zu werden. Und die Krankenhäuser hat die Pandemie mit Corona-Patienten gefüllt, und zwar, wie mir der Tourismus-Experte Günther Werth bestätigte, überwiegend mit Corona-Leugnern, die anderen den Platz wegnähmen und dazu zwängen, notwendige Operationen aufzuschieben. Das sei geradezu Hexenwerk, obwohl ich die Schlern-Hexen von diesem Verdacht ausnehmen möchte.
Da wir erst gar nicht in die Versuchung kommen wollten, uns mit irgendwelchen Ignoranten um ein Bett im Krankenhaus zu streiten, beehrten wir zu Fuß den Puflatsch, natürlich die Hexenbänke und dann auf der Seite, die zum Langkofel weist, unberührte Hänge. Das klassische Angebot für Schneeschuhwanderer ist indes das Tschamintal mit Rundkursen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades. Aber wir wollten die Einsamkeit.
Vermutlich haben wir damit doch die Hexen verärgert, denn die nächtliche Wanderung zum Völser Weiher war auf eisesglatter Wegstrecke ein ziemliches und dazu noch gefährliches Desaster. Obwohl der Blick auf den Schlern bei Vollmond dieses Risiko lohnte.
Ist egal, das nächste Mal kommen wir wieder mit Skiern, und dann probieren wir den neuen Bambylift hinter der Paradiso-Bahn und weihen die Cabrio-Seilbahn Tiers ein, die ab 15. Januar das Tierser Tal mit dem Rosengarten, und zwar von St. Zyprian zur Frommer Alm, verbindet. Und von dort geht’s mit der neuen Umlaufbahn König Laurin zur Kölner Hütte.
Den Hexen dürfte das überhaupt nicht gefallen.

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Hans-Herbert Holzamer

Autor Kurzvorstellung:

Freier Journalist und Autor

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