WER HAT‘S ERFUNDEN Oder SCHWARZWÄLDER SKIGESCHICHTEN

Woher Kuckucksuhr, Kirschtorte und Bollenhut stammen, weiß wohl jeder. Aber der Schwarzwald ist auch die Heimat der von Albert Einstein geprüften „Aufzugsbahn für Rodler und Skifahrer“, des legendären „Köpfer-Ski“ und des in den 20er Jahren in New York populären Films „Das Wunder des Schneeschuhs“.

Text: Beate Hitzler
Fotos: Archiv Winterhalder, Hochschwarzwald Tourismus
Foto oben:  Hochschwarzwald Tourismus GmbH Damen auf Ski

Auch sie sind – wie der S-Dübel und die Dauerwelle – Erfindungen und Werke findiger Schwarzwälder. Und weil es in der aktuellen Wintersaison 125 Jahre her ist, dass ein paar sportlich-aufgeschlossene Landsmänner 1891 am Feldberg im Hochschwarzwald zum ersten Mal Ski gefahren sind, ist man rund um und auf Deutschlands höchstem Mittelgebirgsgipfel in Feierlaune.

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Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH Christl Cranz

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Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH Menzenschwand

Genaugenommen beginnt die Skisport-Geschichte im Schwarzwald schon in den 1880er Jahren.  In Todtnau praktiziert Dr. Tholus, als früherer Schiffsarzt hat er in Norwegen Schneeschuhe kennen gelernt. 1888 lässt er sich ein Paar zuschicken, im Winter will er seine Patienten in den entlegenen Höfen besser erreichen. Doch die 2,5-Meter-Holzski enden auf dem Speicher – Schuld sind das Material,  mangelnde Fahrtechnik und Tholus‘ Leibesfülle. Im Winter 1890/91 quartiert sich im Hotel Feldberger Hof der französische Konsul, Globetrotter und Abenteurer Dr. Pilet ein. Mit seinen norwegischen Schneeschuhen besteigt er, wie er in das Gästebuch des Hotels schreibt, den 1495 Meter hohen Feldberg. Manch ein Einheimischer lacht über seine seltsame Kleidung und die „Holzscheit“ am Fuß. Andere reagieren neugierig, lassen sich schließlich im Frühjahr 1891 um den Todtnauer Prokuristen Fritz Breuer auf dem Feldberg von Pilet das „sachgemäße“ Skilaufen zeigen. Die jungen Fans um den Todtnauer Prokuristen Fritz Breuer haben von der Grönland-Durchquerung des norwegischen Polarforschers Fridtjof Nansen gehört, dessen Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ zu jener Zeit ein viel beachteter Reisebericht ist.

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Foto: Hitzler,  Detail aus dem Archiv Winterhalder

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Foto: Hitzler, Skimuseum Hinterzarten Georg-Thoma-Stube

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Foto: Archiv Winterhalder

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Foto: Archiv Winterhalder

In den Weihnachtstagen des Jahres 1891 gründen Breuer und seine Gefährten Rudolf Thoma, Carl Thoma II, Carl Thoma III, Carl Schlimbach und Oskar Faller im Hotel Ochsen den Ski-Club Todtnau. Nansen bitten sie per Brief um seine Ehrenmitgliedschaft. Aktenkundig machen sie die Gründung nicht – doch Nansens Antwortschreiben mit der Zustimmung vom 5. Januar 1892 belegt die frühe Clubgründung.

Auch wenn in München 1890 der Ski-Club München (mit nur vier Jahren Bestand) und im Harz zu Jahresbeginn 1892 der Ski-Club Braunlage entsteht, so sind es doch die sportlichen Vorreiter aus dem Schwarzwald, die dem Skisport eine Art ersten alpinen Boom zum Jetset-, aber auch Volks- und Schulsport verpassen. Infolge dessen wird der Feldberg zu Deutschlands erstem Skigebiet. Zu Beginn zieht die Ski-Begeisterung – auch dank Höllentalbahn und Straßenerschließung – rasch interessierte Läufer aus den Universitätsstädten Freiburg und Straßburg in das bewohnte Gipfelgebiet. Der Feldberger Hof mit dem weitblickenden Hoteliers Carl Mayer wird zur wichtigen Kontaktstelle. Im November 1892 holen dort die Skipioniere die formelle Vereinsgründung mit Urkunde nach und laden zu einer der ersten Skiausstellungen ein.

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Foto: Hitzler – Feldberg

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Foto: Hitzler – Feldberg

Bereits zwei Jahre zuvor, im Winter 1890, kommen in Bernau im Schwarzwald einige norwegische Schneeschuhläufer am Fenster der Schule vorbei. Der zwölfjährige Ernst Köpfer folgt nach Schulschluss ihren Spuren, bis er die langen Holzbretter beim Gasthof Schwanen entdeckt. “Vater, ich hab‘ was gesehen“, berichtet er zu Hause, „das hat mir gefallen, das wird ganz bestimmt mal ein Geschäft”. Der Vater, der in Bernau Krauthobel und Blasebalge herstellt, leiht sich Tholus‘ Ski, grübelt und optimiert. „Anders als die langen Tourenski mit flachen Skispitzen fürs skandinavisch-sanftere Bergland, werden Köpfers Ski nur noch zwei Meter lang, und an der Spitze höher gebogen“, erklärt Walter Strohmeier. Ernst Köpfers Enkel zeigt in seinem Museum Meisterwerke dieser Schwarzwälder Skibau-Pioniere. Schon ab 1892 produzieren sie als eine der ersten Skifabriken in Mitteleuropa in Serie, verkaufen an Sportler, Hebammen, Briefträger, Metzger und Förster.

Strohmeier ist sich sicher: Als die Freiburger Arnold Fanck und Sepp Allgeier 1919/1920 am Feldberg Szenen zum Film „Das Wunder des Schneeschuhs“ drehen, trägt der Schwarzwälder Protagonist Dr. Ernst Baader, eine deutsche Skisprung- und Geländeski-Größe, bei seinem legendären „Baader-Sprung“ Ski der Marke Feldberg. Der Streifen löst einen Hype aus und füllt sogar in New York für dreieinhalb Jahre die Kinosäle.

k-Foto Walter Strohmeier im Ski-Köpfer-Museum (Bild Köpfer WT)

Foto: Walter Strohmeier im Ski-Köpfer-Museum (Bild Köpfer WT)

Weitere Erfindungen folgen

Ganz Schwarzwälder Pioniergeist, überqueren 1894 einige Todtnauer Skiclub-Mitglieder die Alpen – auf Ski. 1895 schließen sich die Vereine Todtnau und Freiburg zum Ski-Club Schwarzwald zusammen. Als stetig neue Vereine dazukommen, entsteht der heutige Skiverband Schwarzwald, auf dessen Anregung hin 1905 schließlich der Zusammenschluss zum Deutschen Skiverband.

Für Schlagzeilen sorgt bald darauf ein weiterer Tüftler aus dem Schwarzwald: Robert Winterhalder, Bauer und Wirt des Schneckenhofs im Schollachtal. Viele seiner Kurgäste, die im 1000 m hoch gelegenen „Schnee-Eck“ absteigen, sind zu schwach, um seinen Weidehang mit Schlitten oder Ski zu besteigen. Lange bastelt Winterhalder, von den Nachbarn belächelt, an seinem Transportsystem für Mehlsäcke herum, bis er im Jahr 1908 seinen rundum-laufenden, mit Klammern und Bügeln versehenen Seillift, regenerativ mit Mühlrad und Wasser antreiben und Personen befördern kann. Er lässt seine Erfindung in fünf Ländern patentieren. „Technischer Prüfer für das Patent in der Schweiz war ein junger Herr namens Albert Einstein“, erzählt Roberts Enkel Klaus Winterhalder. Ob es an diesem klugen Kopf lag sei dahingestellt; der erste Bügelskilift der Schweiz läuft ab 1934 am Bolgen in Davos – seine Technologie erinnert an das Schwarzwälder Urmodell.

„Winterhalders Lift folgte 90 Jahre später sein ‚großer Bruder‘ die Feldbergbahn, als erste Sechsersesselbahn Deutschlands“, erzählt Stefan Wirbser, Bürgermeister der Gemeinde Feldberg und Präsident des Skiverbands Schwarzwald. „Übrigens auch zu 100 Prozent mit Strom aus Wasserkraft betrieben!“ Zum Jubiläumswinter hat sich Deutschlands drittgrößte Ski-Region, die mit schwarzen und Weltcup-Pisten ebenso glänzt wie mit Anfängerstrecken, gut vorbereitet: Mit einem 15 Millionen-Euro teuren Parkhaus für über 1200 Autos beenden Württemberger Investoren das Parkchaos unter dem Feldberggipfel. Auch das Ski-Ausziehen, Ski-Tragen und Schlangestehen am Zeiger-Schlepper ist passé. Eine Sechser-Sesselbahn überwindet nun den neuralgischen Punkt an der Passstraße. Damit wachsen die beiden Skigebiete Seebuck und Zeller/Grafenmatt/Fahl endlich zusammen.

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Foto: Hochschwarzwald Tourismus GmbH Felddberg, Mende

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Fotomontage Hochschwarzwald Tourismus GmbH, Parkhaus Feldberg

Skigebiet Feldberg – Jubiläumswinter

* Infos Skigebiet:
950 – 1400 m, 55 km Pisten (7 rote, 5 blaue, 3 schwarze Abfahrten), 14 Lift-Anlagen. Saison: Mitte Dez. bis 3. März 2016.
www.liftverbund-feldberg.de
u.a. mit Veranstaltungs-Tipps. Schneetel. 07676 / 1214

* Neu:
Sechser-Sesselbahn, verbindet Seebuck und Zeller/Grafenmatt/Fahl. Länge 1.170 m, Kapazität 2.400 Pers./Std. Parkhaus für rund 1.200 Autos und 45 Busse.

* Hochschwarzwald Card:
gibt es kostenlos bei über 300 Gastgebern ab 2 Übernachtungen. Damit freie Nutzung der Lifte des Liftverbund Feldbergs und Lifte im Hochschwarzwald.
www.hochschwarzwald.de/card

* Anreise
Per Auto über die B 31 bis Titisee-Neustadt, weiter über die B 317 zum Feldberg.
Per Zug mit der Höllentalbahn nach Titisee od. Bärental.
Bus auf den Feldberg: Linie Nr. 7300 und SGB FreizeitBus Linie Nr. 9007, Tel. 07622/2360.

* Kostenloser Shuttlebus Passhöhe:
Sa., So., Ferien entlang der B317, alle 20 Min. von den Parkmöglichkeiten ins Skigebiet.

* Kostenfrei parken:
Talstation Rothausbahn, Feldbergpasshöhe, Seebuck, entlang B 317 zw. Feldbergpass und Caritashaus und an der Straße von der B317 zum Seebuck.

* Reise-, Wohn-Tipps, Incentives, Events, Touren:
u.a. über  Eventmanagement & Reisen, Menzenschwand, Tel.: 076 75/359 9868
www.schwarzwald-incoming.net

* Unbedingt besuchen:

Ski-Köpfer-Museum, Bernau, Tel. 076 75 / 1088,
www.ski-koepfer.de.

Schwarzwälder Skimuseum Hugenhof, Hinterzarten, Tel. 076 52/982 192, www.schwarzwaelder-skimuseum.de.

Feldberg Haus der Natur
www.naz-feldberg.de

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