Waterloo ist mehr als ein Lied – ein Ausflug in die Vergangenheit mit hohem Gegenwartsbezug

Es war die größte Schlacht, die in Europa in dieser Zeit geschlagen wurde. Damals, am 18. Juni 1815 nur 15 Kilometer südlich von Brüssel. Es gab zu dieser Zeit noch kein Belgien. Das Gebiet gehörte zu den Niederlanden. Diese Schlacht nahe dem Ort Waterloo sollte dem Feldherrn, selbsternannten Kaiser und Despoten Napoleon Bonaparte den Garaus machen. Heute wissen wir, dass dieses Vorhaben erfolgreich war.

Der Löwenhügel – Symbol und Wahrzeichen einer Gedenkstätte

Ich erklimme die 226 Stufen des 1820 von König Wilhelm I. Der Niederlande errichteten Löwenhügels, der einen Umfang von 520 Metern hat. Errichtet wurde er zum Gedenken an den Mut seines Sohne Wilhelm von Oranien, der sich in der Schlacht bei Waterloo erfolgreich hervortat. Der Blick auf 40 Metern Höhe ist atemberaubend rundum in das weiter Land er Wallonie mit seiner Beschaulichkeit und den kleinen Häusern, Höfen und Feldern ringsum. Kaum zu glauben, dass hier einst die größte Schlacht Europas ausgetragen wurde. Über mir auf der Plattform thront der mächtige Löse, weithin sichtbar auf einem Sockel. Er soll an jene Schlacht erinnern. Der Legende nach wurde er aus den Waffen der Franzosen gegossen. „Bataille de la Waterloo“ nennen die Franzosen jenen Ort, an dem Napoleon nach seiner Rückkehr aus Elba das Ende seiner erneuten, 100-tägigen Herrschaft fand, indem er auf ein Heer von Briten und Preußen und unterstützenden Einheiten zahlreicher, kleinerer Länder traf. 205.000 Mann waren aufgeboten. Für damalige Verhältnisse eine unglaubliche Anzahl an Soldaten unter der Führung der Generäle Arthur Wellesley, dem Duke of Wellington, und Generalfeldmarschall Gebhard von Blücher. Napoleon konnte sich selbst nur noch auf 130.000 Mann stützen. Die Schlacht bei Waterloo dauerte nicht mal einen Tag und zwang den einstigen Eroberer des europäischen Kontinents am 22. Juni 1815 zur endgültigen Kapitulation. Napoleon wurde diesmal weit genug entfernt verbannt, nach St. Helena in der Karibik, damit er nicht noch einmal zurück kommen konnte.

Auf dem Gelände der Domäne Waterloo, auf dem sich auch der Löwenhügel befindet, besuche ich das Panorama, ein rundes Gebäude, in dessen Inneren die Schlacht animiert und aufgemalt auf die Wände rundum sichtbar ist für die Besucher, die in der Mitte stehen und bei permanenter Geräuschkulisse der Schlacht folgen können. 22.000 Soldaten starben in dem Gemetzel.

Die Domäne Waterloo – Gedenkstätte und Historien-Schauplatz

Mit einem kleinen Zug auf dem Gelände kann ich zu dem etwa 1,5 Kilometer entfernten Hougoumont Bauernhof fahren und den Hauptort der Schlacht von Waterloo besichtigen. Hier war Wellingtons Reserve stationiert. Der Ort mutet heute genau gegenteilig zu einem Schlachtfeld an. Beschaulich mit einer von gelbem Löwenzahn übersäten, grünen Wiese kommt der einstige Schlachtort daher. Paare machen Stimmungsbilder von sich in der fast romantisch wirkenden Szenerie. Ein verkleideter Mitarbeiter in historischer, britischer Uniform läuft auf dem Gelände umher und steht für Fotos zur Verfügung. Nichts erinnert an das Treiben von damals. Fast tiefenentspannt trete ich den Rückweg zum Hauptgebäude der 20 Hektar messenden Domäne Waterloo an, dessen Besucherzentrum spektakulär unter die Erde versenkt wurde.

Stunde der Wahrheit oder die Erkenntnis der Aktualität von Waterloo

Auf dem Vorplatz des Panorama-Gebäudes schickt sich jetzt ein Mitarbeiter verkleidet als napoleonischer Soldat an, die umher schlendernden Besucher eilends zu rekrutieren. Männer, Frauen, Kinder werden in barschem Ton zusammengetrieben, es soll eine Demonstration werden, wie Soldaten-Rekrutierung damals funktionierte. Alles in Reih und Glied aufgestellt. Der Größe nach geordnet, so steht der neu gebildete Trupp nun da in der Sonne unterhalb des Hügels. Holzgewehre werden ausgeteilt, die ersten Instruktionen zum Präsentieren, Marschieren und Anlegen des Gewehrs erteilt. Der Soldat raunzt einen Jungen an, er solle gerade stehen. Ein Kindersoldat, schießt es mir ungemütlich durch den Kopf.

Dieses lustig gedachte Spiel hat weitaus ernsthafteren Charakter, als es wohl die Teilnehmer, wie auch der verkleidete Truppen-Kommandant vermuten. Bereits nach wenigen Minuten gewinnen die neuen Soldaten sichtlich Vergnügen an ihrer Aufgabe, sind erwartungsvoll, endlich schießen zu dürfen. Die Belohnung ist dann tatsächlich auch ein echter Schuss aus der Waffe, stellvertretend abgegeben von der Assistentin des Kommandanten in die Luft. Und die Begeisterung der Teilnehmer über einen Schuss ist groß. „Vive la France“ ruft die Menge aus Besuchern verschiedener Nationen am Ende.

So schnell geht es mit der Gruppenbildung, dem Zusammengehörigkeitsgefühl, der Zielformulierung denke ich bei mir. Unverhofft kommt mir das Buch und er Film „die Welle“ von Morton Rhues in den Sinn. Wie aktuell und psychologisch spannend dieses nur 10 Minuten dauernde Szenario auf dem Gelände der Domäne doch ist. Menschen funktionieren in bestimmten Situationen doch immer gleich, denke ich beschämt und erschrocken.

Wie sehr an der Gegenwart orientiert ist doch der Ort Waterloo und das Schlachtfeld, das über Europas damaliges Schicksal entschied. Zu jener Zeit wollte man Napoleon, den größenwahnsinnigen und machtbesessenen Feldherrn loswerden, weil er eine Gefahr für Europa bildete. Das gelang, weil sich die führenden, europäischen Länder und Herrscher zusammenschlossen. Auf Napoleon folgten noch einige, die gleiches Ansinnen hatten und haben. Mal hießen sie Adolf, mal Wladimir. Die Aktualität der Stätte ist in heutiger Zeit unverkennbar. Waterloo ist trotz oder gerade wegen seiner Grausamkeit an diesem Ort ein Besuch wert. Anschaulich und hautnah geht es hier zu. Das überrascht mich selbst am Ende meines Besuchs.

Waterloo und die Band der vier Buchstaben – das 50. Jubiläum eines Liedes

Wie gut, dass es auf der Domäne zeitweise noch andere Attraktionen zu sehen gibt, als den Kriegsschauplatz. Als sich vor 50 Jahren die schwedische Band ABBA aufmachte, um für das Melodiefestival 1974 ein fröhliches, schnelles Lied zu komponieren, entschieden sich die Bandmitglieder für das dreisilbige Wort „Waterloo“ als Titel. Es wurde ein flotter Song, der von einer Liebesbeziehung handelt und an die Schlacht Napoleons anknüpft. Der Kampf in der Beziehung zweier Menschen wird darin mit dem Kampf und er Niederlage des Feldherrn an diesem Ort verglichen. Zweifellos eine leichte Kost im Vergleich zu den Hintergründen des Original-Schauplatzes.

Ich lasse mich auf den Ausflug in die Musik ein und begebe mich in die Ausstellungsräume im Besucherzentrum unter dem Schlachtfeld. Das Leben und Wirken der vier Schweden-Stars wird hier in Bild, Ton und Animation für Fans zum Verzücken anschaulich dargestellt. Das Lied „Waterloo“ steht im Zentrum des Geschehens, die Noten werden präsentiert. Interviews und Liedausschnitte dieses und anderer Werke gezeigt. In einer halben Stunde kann man das Leben und Wirken der Band in sich aufsaugen und nach dem Besuch des Schlachtfelds an der Oberfläche auf andere Gedanken kommen. Noch bis Ende Mai 2024 ist das möglich. Eine nette Idee und eine Schöne Abwechslung.

Viel habe ich an diesem Ort der Wallonie an einem Tag erfahren und gelernt. Mehr als anfangs vermutet. Tatsächlich ist Waterloo mehr als ein Ort der Historie, es ist auch ein Ort der Erkenntnis, den man bei einem Besuch der Wallonie nicht versäumen sollte.

Kurz notiert

Wie kommt man hin?

Nach Waterloo gelangt man von Deutschland aus am schnellsten mit dem Auto über Namur und die E42.

Die Domain e La Bataille Waterloo:

Der Besuch kostet für Erwachsene derzeit in der Nebensaison 19,50 € und 23.50 € in der Hauptsaison. Daneben gibt es Kombi-Tickets für das Ausstellungsgelände und Sonderausstellungen (Stand April 2024)

Die ABBA-Ausstellung alleine kostet 16 Euro für Erwachsene.

Restaurant und Unterkunft in der Gegend

Gut und preiswert essen kann man im Ort Waterloo im Restaurant „Be Burger“

Auf etwas gehobenerem Niveau auch im Restaurant Le Boucher du Maximus unweit der Domaine, es gehört zu dem sehr stilvoll eingerichteten und thematisch amüsant ausgerichteten Hotel 1815, bei dem jedes Zimmer nach einem anderen General der Schlacht von Waterloo benannt ist.

Diese Reise wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung der Domain de La Bataille Waterloo

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Philip Duckwitz

Autor Kurzvorstellung:

Der „Journeylist“ Philip Duckwitz arbeitet als freier Journalist und Autor in Remscheid, vormals in Köln. Auf seinen Reisen um den Erdball, die er am liebsten in wenig bekannte Länder und Regionen unternimmt, öffnet er seinen Lesern Türen zu unerschlossenen Blickwinkeln. Bekanntes neu entdecken und Neues bekannt zu geben, unter dieser Prämisse reist der Journeylist auf der Suche nach den Schätzen dieser Welt und berichtet darüber, um seine Leser für einen einzigartigen Urlaub in der Ferne zu begeistern.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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