Warum Sachsen wie die Toskana sein kann

Unterwegs an der Elbe von Weingut zu Weingut

Genussradeln ist derzeit der ganz große Trend in Bikerkreisen. Da denkt man spontan natürlich an italienische Weinberge in der Toskana, im Veneto oder Piemont. Es geht aber auch ganz anders und vor allem auf deutsch und auf sächsisch. Der Sachse an sich hat auch erstaunliche Genussqualitäten. Wer das entdecken und vor allem goutieren will, der muss an die Elbe. Wir haben es getan. Unser Base Camp war das Hotel Moritz an der Elbe. Ein familiengeführtes Dreisternesuperior-Hotel auf halbem Weg zwischen Leipzig und Dresden und vor allem direkt am Elbufer östlich von Riesa. Von der Elbe trennten uns nur eine Obstwiese und der Damm. Und dort oben verläuft der Elbradweg. Die perfekte Ausgangsstation für Radtouren entweder Richtung Leipzig flussabwärts oder Richtung Dresden flussaufwärts. Wir wählten Letzteres, nachdem uns Michael Sauer von der Inhaberfamilie mit einigen guten Tipps versorgt hatte. „Ihr könnt auf dem Radweg ganz gemütlich Richtung Dresden fahren. Da gibt es viele schöne Weingüter und Lokale und wenn ihr müde werden, dann könnt ihr ab Meißen die S-Bahn nehmen oder zurück von Dresden mit der Regionalbahn bis Glaubitz zurück fahren.“ Und Glaubitz ist vom Hotel keine zwei Kilometer entfernt. Unsere Tour verspricht viele reizvolle Plätze. Immerhin passieren wir eine bekannte Weinregion und geschichtsträchtige Orte wie Meißen, Radebeul und natürlich als Ziel Dresden mit seiner weltberühmten Altstadt. Genug Material also für die rund 50 Kilometer, die vor uns liegen.

Von Moritz bis zum Schloss Seußlitz: Die erste Etappe radeln wir zunächst auf dem Damm, dann am flachen Ufer entlang vorbei am wenig romantischen Ort Nünchritz mit den Industrieanlagen von Wacker Chemie bis nach Seußlitz. Dort wird es ganz anders. Das herrliche Barockschloss mit seinem weitläufigen Park lockt für einen Spaziergang. Nebenan residiert eine ehemalige Weinkönigin. Katharina Lai chauffiert heute mit ihrem Oldtimerbus der Marke Robur Weinliebhaber zu verschiedenen Produzenten, hat in ihrem historischen Gemäuer aber auch önologische Spezialitäten aus der Region zu bieten darunter vor allem Riesling, Müller-Thurgau, Spätburgunder und Dornfelder. Die Elbregion ist eine Weißweingegend, 80 Prozent ist der Weißweinanteil hier, erzählt sie.

Viele schöne Weingüter bis Meißen: Der Radweg bringt uns weiter elbaufwärts bis zu einem weiteren bekannten Namen. Direkt vor uns steht das Weingut von Jan Ulrich, der natürlich nicht der Radsportler ist sondern eine sächsische Weininstitution. Hinter dem großen Parkplatz geht es hinauf zu der Aussichtsterrasse des Weinlokals von Ulrich. Langsam ist Disziplin angesagt, denn alle paar hundert Meter begegnen wir einem Weingut oder einer Besenwirtschaft, werden Weinverkostungen angeboten. Und wir haben ja noch einiges vor. Zunächst gibt uns die Elbe ein großes S vor bis Kleinzadel, bevor wir in Zadel das Schloss Prosswitz besuchen. Für Genussradler fast ein Pflichttermin, schließlich ist das Schloss aus dem frühen 18.Jahrhundert das älteste private Weingut in Sachsen. Zur berühmten Porzellanstadt Meißen sind es dann nur noch wenige Kilometer. Viel Kultur gibt es in Meißen zu sehen: Bischofsschloss, Dompropstei, das Schloss Siebeneichen und die gotischen Bürgerhäuser in der Altstadt etwa. Über die Altstadtbrücke geht es ins historische Zentrum und dann wieder zurück am nördlichen Ufer weiter Richtung Dresden.

Zu Besuch in Radebeul und Dresden: Am Südrand von Meißen wäre das Weingut am Mariaberg noch ein verlockender Zwischenstop. Nach einer Linkskurve der Elbe kommen wir schließlich nach Radebeul. Ein vornehmer Vorort von Dresden, könnte man meinen. Elegante Villen und das einstige Domizil von Karl May sind bekannte Sehenswürdigkeiten. Karl Mays Villa Shatterhand und Villa Bärenfett sind heute ein Museum. Fast genauso bekannt ist das Sächsische Staatsweingut im herrschaftlichen Schloss Wackerbarth. Das Restaurant Dampfschiff direkt an der Elbe bietet viel Nostalgie, eine bodenständige sächsische Küche und dazu Biergarten und Elbterrasse. Nur wenige Kilometer trennen uns noch vom Zielort. In Dresden radeln wir bis zum Palaisgarten, wechseln dann über die Augustusbrücke auf die andere Seite in die Altstadt. Und auch in Dresden warten viele spannende Sehenswürdigkeiten, von denen Residenzschloss, Frauenkirche, Semperoper und Zwinger zum Glück recht nah beieinander stehen. Und von dort sind es nur wenige Minuten mit dem Rad zum Hauptbahnhof und zum Zug zurück nach Moritz.

www.elberadweg.de
www.hotel-moritz.de

Geschrieben von
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