Vulkane, Küsten, Regenwälder, Kontraste im Bundesstaat Washington der USA

Wer die meisten Landsschaftstypen der West-USA während einer Reise kennenlernen möchte, durchquert den Nordwesten, den Staat Washington: Prärien, schier endlose Getreidefelder, Hochgebirge, Canyons, Regenwälder und einsame Küsten. Innerhalb einer Tagesreise gelangt man in verschiedene Klima- uind Vegetationszonen. Eine Rundreise durch eine verlockende Region der USA.

Ruby Beach an der Pazifikküste

Täglich frische Blumen im gesamten Hotel, das Wechselgeld gewaschen und gebügelt bis es wieder in Umlauf gebracht wurde – strenge Sitten herrschen im Jahre 1914, als das Davenport Hotel in Spokane seine Pforten öffnet. Mr. Davenport ist Perfektionist. Anders kann man sich diese eigenartigen Vorschriften auch nicht vorstellen. 1945 verkauft er das eindrucksvolle Gebäude mit der pompösen Ausstattung, mit Ballsälen, die Hunderten von Gästen gerecht werden. Leider verliert das Hotel danach seine Ausstrahlung. Versuche die einstige Beliebtheit wieder aufleben zu lassen scheitern. 1985 stellt es den Betrieb ein und man erwägt sogar es abzureißen. Als die Unternehmer Walt & Karen Worthy sich 2000 des Gebäudes annehmen erwecken sie hoffnungsvolle Erwartungen.

Heute, fast 100 Jahre später, bietet das einstige Hotel nach der Renovierung eine gelungene Kombination aus altem Charme und zeitgemäßer Einrichtung. Im neu entstandenen Tower herrschen in den Zimmern und Suiten Motive aus Afrika vor. Vielleicht gehörte die Erkundung dieses Erdteils zu Herrn Davenports besonderem Interesse. Er selbst begrüßt heutzutage als Bronzefigur auf einer Bank sitzend die Gäste im Foyer des Hotels. Gekleidet in einen exakt gebügelten Anzug, die neueste Zeitung in der Hand, auf deren Titelblatt zu lesen ist: “Hope for the Davenport“. Diese Hoffnung hat sich zwischenzeitlich erfüllt. Spokane, östlich nahe der Grenze zu Idaho gelegen, gehört neben den Metropolen Seattle, Tacoma und der Hauptstadt Olympia zu den größeren Städten des Bundesstaates Washington.

Nur wenige wissen, dass man in diesem Teil der USA ganz verschiedene Landschaftstypen vorfindet: Ruhende Vulkane, eine durch sanft rollende Hügel geprägte Prärie mit fruchtbaren Lößböden im Südosten, verstepptes Gelände mit eingestreuten Obstplantagen rund um Yakima im Süden, Regenwälder mit uralten riesigen Bäumen und natürlich die dramatische Pazifikküste, wo kleine, schroffe Felsinseln zwischen endlose Sandstrände herausragen.

Getreidefelder im Osten Washingtons

Blockhausträume – Sun Mountain Lodge Winthrop

Die Straße ist in der Karte als landschaftlich besonders schön eingetragen. Sie führt durch den Okanogan National Forest. Wir folgen vertrauensvoll dem Navi, obwohl uns manchmal Zweifel kommen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Die Umgebung hat sich völlig verändert. Ging es zuvor kilometerlang durch künstlich bewässerte Obstanlagen, findet man sich plötzlich auf kargen Hügeln bis man wieder in Wald eintaucht. In der Dämmerung gerade noch erkennbar ein beeindruckendes Blockhausgebäude, unser Domizil für die nächsten Tage. Unweit des interessanten Ortes Winthrop wird die Sun Mountain Lodge mit Recht als eine der besten Unterkunftsmöglichkeiten Washingtons genannt. Weinkenner loben den Weinkeller. Unter 600 verschiedenen Sorten die richtige Wahl zu treffen dürfte schwierig sein. Im Winter liegen Skiabfahrten fast vor der Haustüre. Im Sommer ist die Lokalität bei Golfspielern sehr gefragt. Gut ausgeschilderte Wanderwege führen direkt in die Wildnis. Das Hotel befindet sich übrigens in deutscher Hand.

Whidbey Island –wo Kunst und Küste sich treffen

Nach einer Tagesfahrt erreicht man die Küste. Würde das Wasser nicht salzig schmecken, könnte man sich eher einen großen See vorstellen. Die Wellen schwappen stetig über den Sand, ein paar Kinder sammeln Muscheln und Steine, auf den riesigen angeschwemmten Stämmen habe sich Fotografen niedergelassen, um das Spektakel des herrlichen Sonnenuntergangs in ihren Kameras zu bannen. Nirgends ein Zeichen von Hast und Eile. Vielleicht war es gerade das was die bekannte amerikanische Autorin Elizabeth George bewog hier einen Platz zu suchen, wo sie eingebunden in die wunderbare Natur genügend Stoff für ihre Romane fand und immer noch findet.

Viele Künstler und Andersdenkende fühlen sich auf Whidbey Island im Nordwesten Washingtons wohl. Mit 436 Quadratkilometern ist sie das größte Eiland des Bundesstaates. Etwa 56.000 Menschen wohnen hier.

Der Blick wandert über zahlreiche Ausstellungsstücke aus aller Welt, während wir von Jan und Marshall mit einem fürstlichen Frühstück verwöhnt werden. Dabei geht es richtig vornehm zu mit Silbergeschirr und feinstem Porzellan. „Das stammt aus unserem früheren Leben“, erklärt Jan lachend. Er und seine Frau Marshall waren lange Jahre im Diplomatischen Dienst auf der ganzen Welt tätig bis sie hier in Coupeville auf Whidbey Island sesshaft wurden. Das Denkmal geschützte Haus hat zwei elegante Gästezimmer, ausgestattet mit Antiquitäten und Kuriositäten, gehört sicher zu den besonders sehenswerten Bed & Breakfast Unterkünften der Insel.

Das Atelier hat schon am frühen Morgen geöffnet. Im schlichten Raum kommen die Kunstwerke besonders gut zur Geltung. Kim ist eine vielseitige Künstlerin. Sie ist Fotografin, Malerin und Metallbearbeiterin. Besonders angetan haben es ihr alte verrostete Fahrzeuge die sie überall entdeckt: überwachsen von üppigem Grün im Wald, versteckt in einer halb zerfallenen Scheune oder auch entsorgt auf dem Schrottplatz. Für sie wie für viele Künstler auf der Insel gilt: aus Vorhandenem Neues schaffen.

Das südliche Ende der Insel hat seine ländliche Atmosphäre behalten. Ackerland, Wälder und Parks prägen die Landschaft. Zum Teil dient es auch als Schlafstätte für Pendler die in Seattle auf dem Festland arbeiten, wo sich das Hauptwerk von Boeing befindet.

Die Gegend um den idyllischen Ort Langley zieht im Sommer viele Touristen an. Vom Wasser aus hat man einen guten Blick auf die schneebedeckten Berge der Kaskadenkette und Olympic Mountains. Außerdem existieren auf der Insel mehrere durch den Staat Washington ausgewiesene Schutzgebiete, wie Fort Casey State Park und Fort Ebey State Park. Eine Fähre bringt uns nach Port Townsend auf die Olympic- Halbinsel.

Wo Sprösslinge Wurzeln schlagen – Lake Crescent Lodge

Es ist schon dunkel bei der Ankunft an der historischen Lodge. Im Scheinwerferlicht konnte man den See und riesige Baumstämme erkennen. Die Lodge ist eine der Übernachtungsmöglichkeiten im Olympic -Nationalpark und wird von den dort ansässigen einheimischen Indianern betrieben. Der im westlichen Teil Washingtons gelegene Nationalpark auf der Olympic-Halbinsel wird 1938 gegründet. Seit 1978 ist er auch Biosphärenreservat der UNESCO, die ihn 1981 zum Weltkulturerbe erklärt. Nur an wenigen Orten in Nordamerika findet man auf so engem Platz Berge, von alten Gletschern bedeckt, üppige Regenwälder und einen Küstenstreifen entlang des Ozeans. Anfang des 20. Jahrhunderts gebietet Theodore Roosevelt dem Holzeinschlag auf der abgelegenen Halbinsel Einhalt, ebenso der Jagd auf Wapitis. Leider findet er nicht viele Unterstützer seiner Idee das Waldgebiet als Mount Olympus National Monument auszuweisen und unter besonderen Schutz zu stellen. Große Flächen bewachsen mit riesigen uralten Bäumen werden gerodet. Nach Jahrzehnte langem Kampf kann Präsident Franklin Roosevelt das Gesetz zur Errichtung des Nationalparks unterzeichnen. Heute ist der Park von Naturschutzgebieten umringt. Dazu gehören auch 77 Kilometer geschützte Küstenlinie.

Hoh Rain Forest im Olympic National Park

Hier herrschen beinahe tropische Verhältnisse. Der Regenwald auf der Olympic-Halbinsel gehört zu den regenreichsten Teilen der USA, abgesehen von Hawaii. Nur in diesem feuchtwarmen Klima gedeihen Moose, Farne und Flechten im Überfluss. Auf umgestürzten Bäumen haben junge Sprösslinge Wurzeln geschlagen. Oft vermodert das tote Holz unter einer dicken Decke aus Moos und bildet dadurch Lebensgrundlage für neues Leben.

Den Weg säumen vorwiegend Sitka-Fichten und Westamerikanische Hemlocktannen. Viele über 100 Jahre alt, 90 Meter hoch und mit einem Stammumfang von bis zu 20 Metern. Dieses Chaos in der Natur bietet zahlreichen kleinen Säugetieren, Amphibien und Insekten Schutz. Aber auch Puma, Luchs, Schwarzbär und der Roosevelt-Wapiti, der die Größe eines Pferdes erreicht fühlen sich in diesem Durcheinander wohl. Außerdem konnte man über 300 verschiedene Vogelarten in dieser Biodiversität ausfindig machen.

Die höchste Erhebung des Parkes ist Mount Olympus, 2432 Meter hoch, umgeben vom Eiskranz zahlreicher Gletscher.

Versteckt zwischen Rhododendronbüschen führt der Weg zum Strand. Ruby Beach ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Doch das Gebiet ist so weiträumig, dass man sich fragt wo die Besitzer der geparkten Autos geblieben sind. Es ist Ebbe. Zwischen den „Sea-Stalks“ in Felsennischen sind kleine Tümpel zurück geblieben. Lila Seesterne klammern sich ans Gestein. Grüne Seeanemonen wedeln mit ihren Armen im immer weniger werdenden Wasser. Leichter haben es die Barnacles, die Rankenfußkrebse. Kommt eine Welle geht ihre Kalkkruste auf, die sich danach wieder automatisch schließt. So bleiben sie vor Austrocknung verschont. Angeblich soll es 1120 Arten dieser Krebse geben.

Hoch oben auf der Klippe thront die Kalaloch Lodge. Noch einmal genießen wir den spektakulären Sonnenuntergang bevor es am nächsten Tag ins Landesinnere geht.

Die am gleichnamigen See gelegene Quinault-Lodge ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen in den hier am Rande des Nationalparks bereits gemäßigten Regenwald.

Die Verwaltung der Unterkunft obliegt der Quinault Indian Nation.

Mount Rainier, der schlafende Riese

Heiße Glut unterm Eis – Mount Rainier

Am nächsten Tag ändert sich das Wetter. Verschwunden der blaue Himmel mit seinen Schäfchenwolken. Der Wind bläst Wolkenfetzen über die Baumwipfel. Nebel behindert die Sicht und wir kommen nur langsam voran. Wenigstens regnet es nicht mehr. Nur wenige Besucher sind bei dieser Witterung im Sunrise Visitor Center im Mount Rainier Nationalpark anzutreffen. Und dann passiert es. Wie von Geisterhand wird der Wolkenschleier auseinander gerissen und gibt den Blick auf den 4392 Meter hohen vereisten Vulkan frei. Das Ganze dauert Sekunden dann ist wieder nichts zu sehen. Der kurze Moment vermittelt den Eindruck wie es wohl sein muss bei strahlendem Sonnenschein den Eisriesen zu bestaunen. Der 953 Quadratkilometer große Nationalpark wurde 1899 eingerichtet. Über 500.000 Jahre lang spuckte der Berg Asche und Lava aus seiner Tiefe, die erkaltete und ständig neue Schichten bildeten. Der letzte große Ausbruch war vor Tausenden von Jahren. Fumarolen und gelegentliches Austreten heißer Dämpfe deuten darauf hin, dass der Vulkan noch heute tätig ist. Sollte es zu einem Ausbruch kommen, könnte sich eine ähnliche Katastrophe ereignen wie 1980 beim Mount St. Helens. Mount Rainier ist die höchste Erhebung der Kaskadengruppe und ist von der nur 100 Kilometer entfernten Metropole Seattle gut zu sehen.

Seinen Namen verdankt er Captain George Vancouver von der britischen Marine, der als einer der ersten Europäer 1792 durch den Puget Sound segelte und dabei die verschneiten Kuppen entdeckte. Er gab der eindrucksvollsten Erhebung den Namen seines Kollegen Admiral Peter Rainier.

Yakima – Paradiesgarten von Menschenhand

Regenwald und Vulkane liegen hinter uns. Es ist Markttag in Yakima, östlich der Gebirskette. Angeboten sind nicht nur allerlei Lebensmittel sondern auch Kunsthandwerk. Und selbstverständlich wird auf offener Straße gekocht. Einkaufen macht hungrig. Die im gleichnamigen Tal liegende Stadt hat ca. 90.000 Einwohner und profitiert von dem milden Klima Zentral-Washingtons. Erzeugung und Verarbeitung von Agrarprodukten ist somit das Haupteinkommen. Aber auch unter den Herstellern von Wein ist Yakima kein unbekannter Name mehr.

Vulkane Küsten Regenwälder Bundesstaat Washington USA

Auf dem Markt in Yakima

Welch ein Unterschied zu der regensatten Vegetation, die uns Tage zuvor begleitete. Doch fast 300 Sonnentage im Jahr fordern ihr Tribut. Das Yakima-Valley wäre ein verstepptes Trockengebiet würde man nicht mit viel Bewässerung den Boden fruchtbar machen. Vielleicht sollte man auf dem Markt einige typische Andenken erstehen. Auf jeden Fall muss man noch einen Teller Gemüsesuppe probieren, die mit großem Eifer in der Outdoor-Küche gekocht wurde. Es wird Zeit aufzubrechen, zurück nach Spokane, wo wir unseren Jeep wieder abgeben müssen. Während der letzten Nacht in diesem Bundesstaat, wieder im Davenport Hotel, geht draußen ein Gewitter nieder. Die glasklare, frische Morgenluft, der weite Horizont und Countrymusik in einer Bar begleiten uns auf dem Weg zum Flughafen.

Informationen

Anreise und Reisezeit: mehrere Airlines fliegen nach Seattle mit Anschlussflug nach Spokane. Beste Reisezeit ist von Ende Mai bis Ende September.

Veranstalter: der Spezialist für Kanada und USA CRD International GmbH bietet die ganze Bandbreite voin Reisebausteinen für die Region mit Flügen, Mietwagen und Unterkünften, sowie ausgeardbeitete Reisen wie z. B.

www.crd.de/mietwagenreisen-und-pkw-rundreisen-im-nordwesten-der-usa/vulkane-regenwaelder-und-inseln/  ab/bis Seattle pro Person im DZ ab 1990 Euro.

Literatur: im  Kunth Verlag der umfangreich bebilderte Reiseführer “Unterwegs in den USA, 512 Seiten, 805 Abbildungen; 26,6 x 18,5 cm; Flexobroschur für Euro 29,95; https://www.kunth-verlag.de/unterwegs-in-den-usa

Allgemeine Informationen:

www.visittheusa.de/state/washington
www.experiencewa.com (auf Englisch)

Auskunft in Deutschland gibt Lieb Management in München: 089 – 689063843

Text: Monika Hamberger; Fotos Rainer Hamberger und State of Washington_Dixon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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