Verschwendung auf dem Mars : Ein Luxury Camp im Wadi Rum, Jordanien, und sein ökologisches Pendant weiter im Norden.

Diese Landschaft ist nicht von dieser Welt; oder doch?

Wadi Ram Luxury Camp

Was aussieht, wie wir uns den Mars vorstellen, und auf Aufnahmen von Mars-Sonden Aufnahmen gesehen haben, ist das Ram Tal („Wadi Rum“) in Jordanien. Mit seinen schroffen, rot-braunen Bergen und dem gleichfarbigen flachen Talboden hat schon etlichen Filmen als Kulisse gedient: The Martian, Lawrence of Arabia, Star Wars-Rogue One, The last days on Mars, nur um einige zu nennen. Pflanzliches Leben ist nur spärlich zu finden.

Wadi Ram

Die Landschaft ist Teil eines Nationalparks, der von vielen Tagestouristen gerne besucht wird. Sensationelle Fotos sind garantiert, sei es mit, sei es ohne Kamele im Vordergrund. Die meisten Reisenden sind spätestens nach Sonnenuntergang wieder auf der Rückfahrt in ihr Hotel in Aqaba oder Petra, oder gar im weiter gelegenen Jerusalem oder Amman.

Wadi Ram

Einige verwegene kommen zum Wandern und Übernachten in eigens dafür markierten einsamen Zeltplätzen. Das ist wahrhaft einsam. Andere übernachten – und das wird oft empfohlen – in einem sogenannten „Beduinencamp“, oder neuerdings auch in einem „Luxury Camp.“

Was für einige vielleicht der Höhepunkt ihrer Reise ist und unvergessliche Erlebnisse bietet, war für mich die grösste Enttäuschung auf meiner 12-tägigen Jordanienreise. Denn in einer solchen Landschaftskulisse, in einer Umgebung, die unberührt anmutet und die nur nach Zahlung eines Eintrittsgeldes zu betreten oder zu befahren ist, erwartete ich ein Minimum von ökologischem Bewusstsein.

Zugestanden, auf ersten Blick wirkten die in zwei Reihen angeordneten zeltähnlichen Gebäude, deren rotbraune Farbe gut zum direkt dahinter aufragenden Berg passen „comme il faut“; und einige weisse Plastikkuppeln vermitteln, für sich allen genommen, dein Eindruck einer futuristischen Mond- oder halt Mars-Station. Aus der Nähe betrachtet sind diese Kuppeln auch Gästezimmer, deren Wand teilweise durchsichtig ist und so wohl vom Bett aus den Blick auf Sterne und Felswände ermöglicht. Also alles in allem durchaus abenteuerlich und fotogen.

Die in Jeeps für zumeist nur eine Nacht angefahrenen Gäste staunen und zücken so wie ich ihre Kameras. Wohin man auch blickt, nirgends sieht man jenseits der Zeltanlage ein anderes Haus oder gar echtes Beduinenzelt.

Aber der Teufel liegt wie immer im Detail. Das Trink und Brauchwasser wird jeden Tag per Lastwagen angeliefert und in etwas höher gelegte Tanks gepumpt. Doch nirgends ein Hinweis, sparsam mit Wasser umzugehen. Immerhin wird es per Solarkollektoren geheizt bevor es durch die gross-dimensionierten Duschköpfe auf die Gäste herabprasselt. Aber der Strom für die Klimaanlagen – und die vielen schönen Lämpchen, und die grün-gelbe Aussenbestrahlung der als „Zelt“ verkleideten Holz-oder Metallkisten, die in den kalten Winternächten gut beheizt werden müssen, kommt von einem diskret etwas abseits gelegenen grossen Dieselgenerator. Die Anlage ist so stark beleuchtet, dass man sich abends einige Minuten Fussmarsch vom Wüstencamp entfernen muss, um die Sternenhimmel ungestört auf sich wirken zu lassen.

Das Abwasser soll, so wurde mir gesagt, nach Schmutz- und Brauchwasser getrennt sein, so dass das Brauchwasser für die Irrigation einiger kleiner Pflanzen gebraucht werden kann. Doch ich fand, trotz langen Suchens, nur einen Klärtank, der, wie ich später erfuhr, ca. einmal in der Woche von einem Tankwagen leergepumpt wird.

Der grosse Speiseraum ist ein einer weiteren weissen hallenartigen Plastikkuppel untergebracht und mit schönen Echtholzmöbeln versehen; grosse Teppiche schmücken den Boden; das Buffet: reichhaltig, schmackhaft, und mit dem besten Lamm der ganzen Reise; wahrhaft sehr gutes Essen. Im Sommer muss es hier knallheiss sein. Nun, Klimaanlagen schaffen da Abhilfe. Jetzt im Winter heizten Gasbrenner mehr schlecht als recht den Raum in dem viele Gäste in Jacken und dicken Pullovern ihren Tischen sassen. Da die Kuppel keine Fenster hat, musste die stickige Luft mit Hilfe offener Türen zirkuliert werden, und draussen war es bitterkalt.

Da freuten sich einige wohl auf einen Tee unter einem Felsenvorsprung oberhalb der Speisekuppel. In der hatten hier die Hoteldesigner etwas „lokales Flair“ hingezaubert, bunte Sitzkissen an langen Bänken und zwei Feuerstellen. In diese Feuerstelle warfen die Angestellten „tonnenweise“ Brennholz, so als ob es Wald in Hülle und Fülle gäbe. Das Brennholz wird natürlich auch per Lastwagen aus dem Norden des Landes herbeigeschafft. Doch so wohlig die Wärme auch war und gut zu den Klängen des Oud-spielenden und singenden Musikers (das lokale Pendant zum Hotelbarpianisten) es hinterliess bei mir ein mulmiges Gefühl, dass für die vielleicht 6 dort versammelten Gäste zwei recht grosse, viel zu grosse Feuer entfacht wurden. Und es gibt mir zu denken, was die laute Diskomusik, die den sanften Beduinenmusiker ablöste, wohl mit der einsamen Wüste zu tun hat.

Das recht junge Luxury Camp schien noch auf der Suche nach seiner Formel, seinem Image zu sein, und für so manchen Gast sind Verschwendung und Luxus halt zwei verschiedene Paar Schuhe.

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Feynan Ecolodge

Feynan Ecolodge

Ganz anders die Feynan Ecolodge in der bergigen „Dana Biosphäre Reserve“. Hier stimmte für mich alles. Die Natur bot den Luxus, die Lodge das „Feeling“: Abends nur von Kerzen beleuchtet, kein Handy-Empfang, keine Klimaanlage. Das Essen ist vegetarisch – Fleisch wäre wohl schwerer frisch zu halten – auch wenn die Küche der Lodge natürlich viele Kühlschränke hat. Der Strom dafür kommt aus einer neuen grossen Photovoltaik-Anlage mit einem Batteriepuffer, der fast den ganzen Fussboden der „Elektrozentrale“ belegt. Immerhin ist in den Bädern der spartanisch aber adäquat eingerichteten Zimmer elektrisches Licht.

Feynan Lodge

Die überaus netten Angestellten kommen von den Beduinenfamilien, die unweit des kleinen, in lehmfarben gehaltenen Hotels, ihr Winterquartier aufgeschlagen haben. Hier hält die Hektik und die Zeit ein wenig inne. Da es „nichts“ zu tun gibt, begeben sich alle gerne auf einen kleinen Spaziergang, um von einer Anhöhe aus, den Sonnenuntergang zu bewundern, steigen nach dem Essen aufs Dach, um sich unter dem Sternenteppich klein zu fühlen und den Mond durch ein gutes Teleskop gross zu sehen.

Weder durch Fernsehen oder Handys oder Internet abgelenkt, geschieht am Abend ein Wunder: um den wärmenden Kamin versammelt kommen die Gäste, Jordanier und Ausländer, ins Gespräch. Jeder lernt etwas vom anderen. Die Flammen werden von gepresstem Abfall aus Olivenernten genährt. Nachts stört kein Generator die Ruhe und wem es jetzt im Winter unter der dicken Decke immer noch zu kalt ist, kann zwar keine Heizung anmachen, aber sich an Wärmflaschen erfreuen.

Das Wasser wird auch hier per Solarmodul erwärmt, wird aber nicht per Lastwagen herangekarrt sondern kommt aus einer Quelle etwas weiter oben. Und das Abwasser? Das ist noch weitgehend ungenutzt, aber in diesen Monaten wird eine neue, von der deutschen GIZ finanzierte Biogasklärgrube fertiggestellt. Mit dem Gas wird dann gekocht, mit dem geklärten Wasser die neu gepflanzten Bäume bewässert.

So macht die Wüste Spass. Alle verlassen mit glänzenden Augen und bereichertem Herzen die Lodge, und diejenigen, die noch einen weiteren Tag bleiben, haben ein interessantes Action-Programm zu Auswahl: Wandern im Flusstal, oder einen Tag mit der Ziegenherde, oder halt einfach die Seele baumeln lassen.

 

Fotos/Text: Gregor Heinrich.

 

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1 Kommentar

  • Ein interessanter Artikel, der einem eine Alternative zur typischen Wadi Rum – Petra – Aqaba Tour gibt. Feynan Ecolodge klingt nach einer eindrucksvollen Erfahrung! Danke

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