Unterhosengespenster und fünf Ster­ne

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Text und Bilder: Johanna Stöckl

„The first impression takes a long way“, heißt es. Mein erster Eindruck im Adler Dolomiti Spa  & Sport Resort in St.Ulrich im Grödnertal ist ein mehr als guter. Auf der Terrasse des Haupthauses tummeln sich zahlreiche Gäste. Alle gut gelaunt und sehr entspannt. Viele davon sind sportiv gekleidet und sitzen in Berg- oder Wanderschuhen an den Tischen, wo sie am späten Nachmittag ein Glas Wein oder einen Espresso genießen.

Lauscht man den Gesprächen, erfährt man, dass die meisten nicht zum ersten Mal hier sind. Sie kommen mehrmals im Jahr, um die Bergwelt und die Annehmlichkeiten des Hotels zu genießen. Ein gutes Zeichen: Hier wimmelt es von Stammgästen. Ich erspare mir hier ausführlich über das Essen, die Wellnessabteilung, die Bar, das Frühstück und die Zimmer zu schwärmen, möchte es in einem Satz auf den Punkt bringen: Alles Tipp-Topp, mehr noch: vom Allerfeinsten. Das Beste: Hier gibt man sich leger und zwanglos. Trotz fünf Sternen.

Es gibt Bergmassive, die ziehen einen in den Bann. Man kann sich nicht an ihnen satt sehen. Die Drei Zinnen gehören sicherlich dazu, aber auch die Langkofelgruppe, vor der ich jetzt gerade stehe. Imposant türmen sich die einzelnen Gipfel auf und formieren sich doch zu einer Einheit. Beeindruckend die filigranen Spitzen. Schwierige Kletterrouten führen durch die abweisenden Wände. Und da, die Langkofelscharte! Wie gut kann ich mich noch an die anspruchsvolle Skiabfahrt von dort erinnern. Das ist zwar Ewigkeiten her, hat sich aber als besonders spektakulär in mein Gedächtnis eingebrannt.

Eigentlich möchten wir heute der Langkofelgruppe mit etwas Abstand begegnen und sie in einer Wanderung umrunden. Laut Tourenbeschreibung sollte die 16 Kilometer lange Trekkingroute in sieben Stunden zu bewältigen sein. Der Wetterbericht ist allerdings für den Nachmittag alles andere als gut. Mein Begleiter ändert daher den Plan: Über den Friedrich-August-Weg „mal eben schnell“ auf einen Gipfel im Massiv, den 2.969 Meter hohen Plattkofel. Also Gas geben bevor der Regen kommt.

Die ersten Stunden werden bombig. Erst Sonne, dann bedeckter Himmel, phasenweise etwas Nebel, angenehme Temperaturen. Ab der Plattkofelhütte allerdings ändern sich die Bedingungen. Es wird kälter, Wind kommt auf, Wolken in unterschiedlichsten, bedrohlich dunklen Farben brauen sich zusammen. Man könnte jetzt auch einfach umkehren und es sich im Hotel gemütlich machen. Muss man aber nicht! Wir sind nur eine knappe Stunde vom Gipfel entfernt und haben gute Regen- und warme Fleecejacken dabei. Im Stechschritt geht es ohne Pause weiter. Wir wollen trocken ganz oben stehen, was uns auch gelingt. In Rekordzeit.

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Auf dem Gipfel bin ich – nomen est omen – richtig platt. Ich habe mich total verausgabt. Der Wind pfeift derart, dass ich nicht entspannen kann. Von einer gemütlichen Gipfelbrotzeit ganz zu schweigen. War es ein Fehler die Tour fortzusetzen? Ein Blick genügt: Bald wird es richtig krachen. Ein paar Fotos noch und los. Runter! Möglichst rasch. Die alpinen Passagen schaffen wir ­– ein Glück – noch ohne Regen, aber dann: Als wir wieder im leichten Wandergelände auf dem Friedrich-August-Weg ankommen, schüttet es aus Eimern. Unaufhörlich. Innerhalb von Minuten weicht der Weg auf. Er mutiert zu einer glitschig-rutschigen, unebenen, braunen Unterlage, die man nur noch sturzfrei bewältigen kann, wenn man sich fest an die Wanderstöcke klammert.

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Erst bin ich muffig, dann richtig sauer, fluche über unsere eigene Dumm- und Hartnäckigkeit. Nach etwa einer Stunde im sintflutartigen Regen allerdings muss ich nur noch lachen. Hose nass, Schuhe nass, kalte Finger, klamme Zehen … Nur die gute Gore-Jacke hält meinen Oberkörper trocken. Und so rutschen wir Richtung Auto, fallen mehrmals auf den Hintern und sehen schlussendlich aus wie nach einer kräftigen Schlammschlacht. Nach insgesamt fünf Stunden erreichen wir den Parkplatz wieder. Mission completed. Aber wie! Wir müssen sofort aus unseren triefnassen Hosen raus. Heißt? In Unterhosen und Wechselshirt ins Auto steigen. In diesem ungewöhnlichen Outfit betreten wir wenig später auch das Hotel. Wir ernten belustigte, erstaunte Blicke. Innerhalb von Sekunden reicht man uns große Handtücher und begleitet uns stilvoll zum Lift. Was ein Auftritt!

Tags darauf lassen wir es gemütlicher angehen und schließen uns Bergführer Thaddäus an. Seit vielen Jahren arbeitet er als Wanderführer für das Spa- und Sporthotel Adler und animiert mit großem Erfolg Hausgäste dazu, gemeinsam mit ihm die Grödner Bergwelt zu erkunden. Die Tour zum Raschötzer Kreuz wird überaus kurzweilig, weil die Gruppe richtig nett und bunt gemischt ist und Thaddäus den Normalweg bald verlässt. Stattdessen führt er uns über kleine Pfade und Wildsteige ans Ziel. Außerdem weiß er viele interessante Geschichten aus der Region zu erzählen. Und Tourentipps hat er auf Lager! Ohne Ende. Ganz egal, wofür man sich in der Region interessiert: Ob Klettersteig, Wanderung, Hochtour, Skitour im Winter, stramme Bergtour im Sommer, Kletterroute oder Eisfall. Thaddäus weiß Bescheid. In seiner Freizeit praktiziert er nämlich alle Spielarten des Alpinismus. Die Wanderung mit ihm ist einfach großartig, informativ und wirklich amüsant. Fünf Sterne verleihen wir auch dem Wanderführer!

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Unsere Unterhosen-Story wird natürlich zum Running Gag innerhalb der Gruppe. Beim köstlichen Abendessen in der Tiroler Stube des Hotels kommt Carmen, sie war tagsüber mit uns beim Wandern, zu uns an den Tisch und flüstert mir ins Ohr: „Ab jetzt trage ich auch beim Wandern nur noch richtig schicke, sportive Unterwäsche. Man weiß ja nie …!“

 

Hotel Adler Dolomiti Spa und Sport Resort
Tel: +39 0471 775 001
E-Mail: info@adler-dolomiti.com
I-39046 St Ulrich – Gröden (BZ)
www.adler-dolomiti.com

 

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