Torres del Paine, Chiles patagonische Türme

Auf chilenischem Hoheitsgebiet ist der Torres del Paine Nationalpark eines dieser „Traumziele“ im Süden Lateinamerikas. Man erreicht ihn von Santiago de Chile mit dem Flugzeug nach Puerto Natales. Und entweder man schlägt dort sein Lager auf, oder man begibt sich direkt in den Nationalpark. Dort gibt es Camping-Plätze und auch recht teure Hotels. Denn Torres del Paine gehört zu den bekanntesten der insgesamt 36 Nationalparks in Chile. Er umfasst im südlichen Patagonien die Berggruppe Cordillera del Paine, die bis zu 3.000 Meter in die Höhe ragt und von jedem Winkel aus, zu jeder Uhrzeit und fast bei jedem Wetter ein beliebtes Fotomotiv ist. Im Norden grenzt er an den Nationalpark Los Glaciares. Der liegt schon wieder in Argentinien. Eine Straßenverbindung zu dem Hauptland Chiles gibt es nicht. Wir befinden uns in der XII Region de Magallanos y  de la Antartica Chilena. Und wollte man nach Santiago, müsste man das Eisfeld der Kordilleren, das drittgrößte der Welt nach dem der Antarktis und dem Grönlands, durchqueren. Der Name des Parks adaptiert  aus der Sprache der Tehuelche paine, gleich himmelblau. Und torres sind die Türme auf Spanisch.

Wir wollten nicht durch das Eisfeld, nur etwas wandern, und kamen aus dem argentinischen Feuerland, hatten in San Sebastian die Grenze, dann die Magellanstraße überquert, in Punta Arenas Halt gemacht und den Friedhof besucht. Man sagt, dass dies die schönste Grabstätte Südamerikas wäre. Nun gut, an diesem Ranking beteilige sich, wer will.  Interessant ist dieser Campo Santo allemal.  Nicht wegen der rosa Plastikblümchen, die hier die weißen Steine zieren. Sondern wegen einiger Menschen, die hier zur Ruhe gebettet wurden. Da findet sich ein Gedenkstein für die Deutschen des Schlachtschiffs Admiral Graf Spee, „gefallen für das ferne Vaterland zum ehrenden Andenken“.  Das war im Ersten Weltkrieg und geschah bei den Falklandinseln. Da finden sich die Mausoleen der Estancia-Barone, allen voran José Menendez. Das beeindruckendste Denkmal indes ist dem unbekannten Indianerjungen gewidmet, dem Indiecito Desconocido. Es erinnert einerseits an den Völkermord an den Ureinwohnern, andererseits legen hier viele Menschen ihre Dankesplaketten ab, wenn der Junge aus dem Jenseits wieder ein wohltätiges  Werk vollbracht hat. Dass die mordenden Schafs-Barone neben ihrem Opfer liegen. Indiecito hat es wohl verziehen.

Der nächste Stopp dann in Puerto Natales, der Hauptstadt der Provinz Última Esperanza. Hier war die letzte Chance, sich für die Tage im Paine-Nationalpark zu verproviantieren. Gezahlt wird in chilenischen Pesos, er ist ungefähr so viel Euro wert wie ein argentinischer Peso, etwa 0,001, gilt aber als stabiler als der lateinamerikanische Bruder. Wie die Chilenen als die Deutschen der Region gelten, so die Argentinier als die Italiener. Wer sich das ausgedacht hat? Dann haben wir der Milodon-Höhle einen Besuch abgestattet  und schließlich im Paine Nationalpark einen Campingplatz aufgesucht.  Das Milodon, ein Riesenfaultier, war in seiner  200 m langen Unterkunft nicht zu Hause, da ausgestorben. Der deutsche Abenteurer Hermann Eberhard hatte von dem prähistorischen Tier ein Stück Haut gefunden und daraus eine Geschichte gemacht. Immerhin steht am Eingang der Höhle ein Milodon in seiner ursprünglichen Größe.

Im Park gibt es eine Vielzahl von Wandermöglichkeiten. Allen gemeinsam ist, dass sie vor der grandiosen Kulisse der Torres an Seen und Bergen vorbeiführen, an erhaben ruhigen Guanakos und durch dornenbewehrte Sträucher, in die man sich besser nicht durch den oft extrem starken Wind blasen lässt. Dafür bietet die Pyracantha, das Feuerlicht,  im Vordergrund schöne Aufnahmen von gletscherbedeckten Bergen und eisblauen Seen.

Experten und Reisende empfehlen unterschiedliche Routen, je nach Kilometer, Schwere und Dauer. Wir liefen den Lago Pehoe entlang zum Salto Grande, einem kleinen, aber wilden Wasserfall, und zum türkisfarbenen Lago Nordenskjöld , wanderten den Sendero Mirador Grey mit Ausblick auf den Greygletscher und zum Kondoraussichtspunkt, wo der Wind einige, die keine Flügel wie ein Kondor hatten, fast in die Tiefe gewirbelt hätte. Da hatte sich die Wind-Warnampel, die sich an einigen Wegen befindet, wohl nicht rechtzeitig auf rot gestellt.

Viele waren nach den Touren dankbar, sich in dem Restaurant des Parkes, das ansonsten geschlossen war, zumindest aufwärmen zu können.

Der Paine Nationalpark ist ein UNESCO-Biosphärenreservat.  Im Westen ist er vergletschert. Ansonsten besteht er aus Fjorden, Seen, lilafarbenen Sümpfen und Graslandschaften. Torres sind drei Granitberge, die fast 3000 Meter hoch sind. Der höchste Berg im Park ist der Cerro Paine Grande mit 3.050 m.

Auf unserem Campingplatz trafen wir „Packpacker“, die mehrtätige Touren unternehmen wollten, auf dem  Circuit W und dem Circuit O. Für die 77 km lange Strecke des W hatten sie fünf Tage veranschlagt. Der O ist 130 km lang, überwindet 4.500 Höhenmeter. Acht Tage plant hierfür derjenige, der´s mag, gemeinsam mit den Verwaltungen des Parks, welche die Belegung der Rast- und Schlafplätze regeln und streng auf Umweltstandards achten. Schon zweimal hat es verheerende Brände gegeben. Wir haben viel Glück und wenig Wind gewünscht.  Zu der Zunge des Grey-Gletschers kann man auch mit dem Schiff, in die Graslandschaft mit dem Pferd, über die Seen mit Kajak. Fauna und Flora kann man überall zu Fuß beobachten.

Traumziele sind eben, wenn wach geworden, oft nur noch strapaziöse Ecken, durch die die Wind, der Besen Gottes, wie die Einheimischen sagen, fegt. Und die Drei Zinnen sind in der Nähe und auch sehr schön.

BU: Die Torres des Paine-Nationalparks; Foto: hhh

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Hans-Herbert Holzamer

Autor Kurzvorstellung:

Freier Journalist und Autor

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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