Sound of Silence

Silent Travel findet immer mehr Freunde. Auch in der Adler Lodge am Ritten wird fündig, wer im Urlaub die Stille sucht. Das eigenwillige alpin-skandinavische Ambiente der Holz-Chalets, der still da liegende Naturteich, der majestätische Wald und die von Gegenüber grüßenden Könige der Dolomitengipfel schaffen hier eine Stimmung, in der Geist und Seele wie von selbst zur Ruhe kommen.

Lautlos öffnet sich das rostfarbene, doppeltürige Eisentor. Gleich dahinter führt ein Schotterweg zwischen duftenden Tannen und Fichten hindurch auf eine große Lichtung. Vor der Postkarten-Kulisse der Dolomitengipfel Langkofel, Schlern, Latemar und Rosengarten rückt beim Weitergehen ein imposanter Holzbau in den Blick: Das mächtige, aus Holz gebaute Haupthaus des Resorts Adler Lodge. Auf dem weitläufigen Gelände einer früheren Pension am Bozener Hausberg Ritten hatte die Hotelier-Familie Sanoner aus St. Ulrich im Grödnertal das Fünf-Sterne-Klimahotel 2019 auf eröffnet. Entstanden ist ein einzigartiges architektonisches Ensemble, bestehend aus der Main Lodge, zwei Suiten-Häusern und 20 Holz-Chalets – von denen rund die Hälfte an einem großen Naturteich liegt. Der gewachsene Baumbestand wie etwa eine prächtige, mehr als 100 Jahre alte Lindenallee, wurde dabei erhalten. Nicht von ungefähr hat sich das Resort zum Refugium für all jene entwickelt, die hier in alpinem Ambiente wahrhaftige Stille erleben möchten.

Ikonische Holzarchitektur und Rehe vor der Terrasse

An den Sound of Silence hier auf rund 1600 Höhenmetern gewöhnt man sich schnell. Fernab vom Straßenverkehr ist nur das Zwitschern der Vögel oder hin und wieder das Läuten einer Kirchturm-Uhr oder Kuhglocke zu vernehmen. Hier zu sich selber zu finden, geht erstaunlich schnell.

Dazu trägt neben der einzigartigen Umgebung auch die reine Holzarchitektur der Resort-Gebäude im schlichten, aber dennoch beeindruckenden alpin-skandinavischen Stil bei: Im Haupthaus eine Architektur mit luftiger Raumhöhe, die – teilweise mit alten Teppichmustern bedruckten – Holzbalken aus heimischem Lärchenholz, die riesigen zur wahrhaft erhabenen Natur gerichteten Wandhohen Fensterfronten, die Lounge mit offenem Kamin sowie die rundum liegenden Terrassen.

Eine Besonderheit ist zudem das Dachfenster des Restaurants: Es kann im Sommer geöffnet werden und man speist unter freiem Himmel. Die ikonische Holzbauweise hat der Architekt Hugo Demetz gezielt eingesetzt. Sein Unternehmen setzt auf innovative Konstruktionsmethoden für eine optimale Wohnqualität und maximale Nachhaltigkeit in puncto Baumaterialien. Das Verfahren, alte Teppichmuster auf einem Teil der Wände und Stützpfeiler aufzudrucken, wurde eigens für die Adler Lodge in Gröden entwickelt. 40 einheimische Zimmermänner haben das Haus und die Chalets schließlich errichtet.

Die ausschließlich heimischen Hölzer finden sich auch in den Chalets und Suiten wieder: Außen gebrannte Tanne, innen deftige Eichenböden und Wände aus Fichte, in den Zimmern beruhigende Zirbe, bis zu sechs Meter hohe Decken.

Der Stil ist durchaus luxuriös, aber einfach, es gibt nichts Überflüssiges. Die Natur ist der Höhepunkt und wächst durch die überdimensionalen Fensterfronten und Dachfenstern geradezu in die Zimmer hinein. Im angrenzenden Wald begegnet man mit etwas Glück und Stille tatsächlich Hasen, Füchsen und Eichhörnchen, sogar vor der Terrasse der Wohnhäuser äsen hin und wieder Rehe.

Mit dem E-Bike zu Südtiroler Naturwundern

Zur Naturverbundenheit des Resorts gesellt sich die Möglichkeit, die Adler Lodge komplett nachhaltig zu erreichen: Nur wenige hundert Meter vom Bozener Bahnhof Bozen entfernt startet die Seilbahn. In zwölf Minuten schwebt man einem Adler gleich über die Landeshauptstadt und das benachbarte Wein-Dörfchen St. Magdalena mitsamt dem Eisacktal auf 1127 Meter Meereshöhe zum Sonnenplateau Ritten, während die Gipfel von Schlern und Rosengarten immer näher rücken.

Oben angekommen, steigt man für rund zehn Minuten mit der Rittner Schmalspur-Bahn, einer mehr als hundert Jahre alten Straßenbahn, die kurvenreich gemütlich die Orte auf dem Ritten miteinander verbindet und natürlich auch an der Adler Lodge hält. Dort erhält der Gast übrigens die „RittenCard“, mit der alle öffentlichen Verkehrsmittel Südtirols kostenlos genutzt werden können. Und nicht nur das: Die Karte garantiert auch freien Eintritt in sämtliche Museen (inkl. Ötzi-Museum) und Kultureinrichtungen des Landes.

„Ich habe immer wieder den Eindruck, dass die Gäste hier schon nach wenigen Tagen sehr viel ruhiger, stiller und vertrauter mit sich und ihrem Partner umgehen“, sagt Hannes Pignater, der Resort-Manager. „Wir sind ja auch nicht die Dolomiten und nicht die Weinstraße, sondern ein weniger bekanntes Mittelgebirge. Hier kommt eigentlich niemand her, der sich gerne auspowern möchte. Hier sieht man weit und fühlt auch weit. Und es gibt sehr viele schöne kleine Eckelen, wie den Kräutergarten oder die beiden versteckten Sonnenliegen beim geheimen Sonnenaufgangs-Platzl. Das richten wir nicht her und verraten es auch niemanden. Das dürfen die Gäste selbst entdecken hinter dem zweiten Apartmenthaus.“

Statt sich auszupowern, nimmt man hier oben einfach die Beine in die Hand und macht sich auf Schusters Rappen auf eine gemütliche Wanderung, zum Beispiel auf dem kontemplativen Siegmund-Freud-Weg, der direkt hinter dem Resort zwischen Wiesen, Wäldern und zünftigen Bauernhöfen verläuft. Insgesamt gibt es am Ritten 300 Kilometer sehr gut gepflegte und ausgeschilderte Wanderwege, auf denen sich niemand verlaufen kann.

Oder man schnappt sich eines der kostenlosen E-Mountainbikes vor dem Hotel und macht sich auf zu einem der lokalen Naturwunder: In nahegelegenen Lengmoos, Oberbozen und Unterinn lassen sich die über 25.000 Jahre alten und sowohl schönsten als auch höchsten Erdpyramiden Europas mit ihren eindrucksvollen Strukturen besuchen und bewundern.

„Reise der Stille“ auf den Mars

Zum Angebot der Adler Lodge gehört ein bis zweimal die Woche eine ganz spezielle „Reise der Stille“. Reiseleiter ist hier der Einheimische „Wald-Bademeister“ Paul Göller aus Unterinn. Über ein Stück des Siegmund-Freund-Weges führt er seine Gruppe in den Wald, nicht ohne zuvor einige Tipps und Hinweise zu geben: „Achtsam Gehen, wenig sprechen, den Wald wirken lassen und genießen. Die würzige Luft mit den ätherischen Ölen, dem Kommunikationsmittel der Waldpflanzen, genießen. Sich oanfach ebbes guads tian“, sagt Paul mit einem gewinnenden Lächeln. „Einmal mit mir selber allein sein und die Zahl der 60.000 bis 80.000 Gedanken, die einem täglich durch den Kopf schießen, reduzieren. Die Sinne schärfen für Kleinigkeiten, Konzentrieren auf Wesentliches, die Pulsvariabilität erhöhen, den Parasympaticus stärken, den Nervenstrang, der für die Beruhigung zuständig ist. Und die Achtsamkeit schärfen, lernen Dinge die wieder bewusster wahrzunehmen, und den Wald als Kunstwerk sehen.“

Wie das am besten gelingt, dafür hat er auch eine Hinreichung parat: „Stellt Euch vor, Ihr seid auf dem Mars gelandet und seht alles zum ersten Mal. Wie fühlt sich eine Rinde, ein Baum, ein Moos, ein Farn, ein Pilz an? Wie riecht es? Ist es vielleicht gefährlich oder eher freundlich?“ Zum Abschluss der etwa dreistündigen Erfahrung serviert Paul, passend zum Thema, noch einen selbstgebrauten Tee aus getrockneter Eichenrinde und Lindenblüten.

Ein intensives Du und Du mit der Natur ist in der Adler Lodge aber auch im

Wald-Spa möglich. Inmitten der schützenden Aura des Waldes liegen zwei Sauna-Häuser, die den Gast mit ihren duftenden Hölzern und Heilkräutern empfangen: Eine finnische Sauna und eine weniger heiße Heu-Sauna im Stil eines Heu-Stadls. Während man sanft schwitzend den Heu-Duft genießt, schweift der Blick durch die große Fensterfront zu den Dolomitengipfel, die zwischen den Bäumen hervorlugen. Nach dem Saunaaufguss ist der Panorama-Ruheraum eine von vielen Möglichkeiten, um seine innere Mitte zu finden und sich gänzlich im Hier und Jetzt zu fühlen. Alternativ sinniert man am offenen Feuer zwischen den Saunahäusern oder unternimmt einen achtsamen Spaziergang über den Barfußweg, der rund um die Saunahäuser durch den Wald führt. Als zusätzliches Angebot helfen meditative Yoga-Kurse dabei, sich in völliger Stille gesund und fit zu halten und in Achtsamkeit zu üben.

Regionale Produkte auf dem Teller

Zum gastronomischen Konzept der Adler Lodge gehört unter anderen das Lodge-all-inclusive Arrangement: Nicht nur die Getränke in der Mini-Bar sind frei, sondern alles, was Küche und Keller zu den Mahlzeiten von früh bis spät bereit halten ebenso – vom „Guten-Morgen-Erlebnis“ in Form eines Frühstückbuffets, über vielfältige Snacks der mediterranen Küche, reichhaltige Südtiroler Speisen beim Nachmittagsbuffet bis zum abendlichen Gourmet-Dinner im Panoramarestaurant.

Insgesamt eine genussvolle Rund-um-die-Uhr Verpflegung der Gäste, die auch eine vielseitige Auswahl an Getränken wie frische Säfte, Aperitifs, erlesene Weine und erfrischende Cocktails an der Bar einschließt. Und eine ganz besondere Köstlichkeit: das frische Bergquellwasser aus der eigenen Quelle.

Die Köche selber sind mit dem Gast fast auf Tuchfühlung: „Wir pflegen bewusst eine offene Küche. Das ist auch für den Gast sehr transparent. Die Köche werden gesehen und spüren Wertschätzung“, sagt Resort Manager Hannes Pignater. Seit Februar 2024 steht Cristian Cinquemani am Herd im Open Kitchen der Lodge. Der auf Elba gebürtige Chefkoch ist bekannt für seine innovative und doch einfache Verwendung reionaler Produkte, um Gerichte mit dem „gewissen Etwas“ zu kreieren. Nach dem Prinzip „farm to table“ kommen viele Zutaten direkt vom eigenen Gemüsegarten, Kartoffelacker, Sommerweizenfeld oder aus dem Gewächshaus. Zudem versucht er so viel und so nahe wie möglich bei benachbarten Produzenten für die Küche einzukaufen.

Zu den kulinarischen Höhepunkten zählen zum Beispiel kalte Vorspeisen wie Schwarzwurzeln mit Birne, Spinat und Rosinen und warme Vorspeisen wie eine sehr bekömmliche Buchweizen-Spaghetti „Chitarra“ mit Saiblingskaviar, geräucherter Butter und Majoran oder ausgefallenen Hauptspeisen wie Schattenfischfilet mit gegrillten Frühlingszwiebeln und Erbsencreme oder schwedische Hasselback-Kartoffel mit Trüffelmayonaise und Paprika-Panko-Brot. Die Weine werden zu den Speisen angepasst, jeder Gang auf der Speisenkarte enthält auch ein Weinempfehlung. „Wir bieten hier bewusst eine Bühne auch für kleine Produzenten aus Südtirol“, beschreibt Resort Manager Hannes Pignater die Philosophie der Adler-Lodge.

So gepflegt, wie es beim Abendtisch zugeht, so lässig-zünftig ist die Mittagsjause. Die wird beim in Südtirol meist schönen Wetter zum Teil in der Regel auf der großen Terrasse zelebriert. Zu den Highlights gehört es hier, wenn Alois, die gute Seele des Hauses, im Bauerschurz vor der Dolomiten-Kulisse frische Apfelkiachl zubereitet. Sein Geheimnis für den sensationellen Geschmack verrät er sogar: „Ich macheden Bierteig mit Hefeweißbier. Da braucht man kein Backpulver und keine Hefe. Dazu eine Prise Salz, 2-3 Eidotter und das geschlagene Eiweiß darunter heben“, schmunzelt er. „Und der Teig eignet sich auch für Zucchini- oder Holunderblüten.“

Einmal pro Woche präsentieren auch regionale Produzenten sich und ihre Produkte. Wie zum Beispiel der längst über Südtirols Grenzen hinaus für seine Apfelsaft-Kreationen bekannte Thomas Kohl. Der wagte vor knapp 30 Jahren einen eigenen Weg. „Eigentlich hat der Apfelanbau am Ritten keine Tradition. Meine Eltern waren zwar Landwirte, aber mit Wein und Vieh. Dann bin ich auf den Apfel gekommen, dessen Anbau in Südtirol etabliert ist und der hier auch geregelte Betriebsstrukturen hat.“

Er wollte aber nicht dasselbe machen wie 7000 andere Apfelbauern, sondern ein Produkt, das er unter seinem Namen verkaufen kann. „Die Idee war ein Apfelsaft, allerdings orientiert am Wein, der Sortenweise verkauft wird. Ich habe mich dann auf die Suche begeben nach alten Südtiroler Sorten wie Gravensteiner, Jonagold, die beide am Verschwinden waren und Rubinette, eine Kreuzung aus Cox und Golden Delicius sowie den rotfleischigen Bergapfel, der unter dem Namen Rouge vermarktet wird. Der Rouge hat einen Geschmack Richtung Rhabarber, und der Jonagold schmeckt überraschend nach Birne.“ Zusätzlich entwickelte er Cuvees aus Apfelsaft mit Säften anderer Früchte wie Holunder, Mango oder Mandarine. Die Säfte sind allesamt so konzipiert, dass man sie ohne schlechtes Gewissen neben einen guten Wein auf den Tisch stellen kann.

Für besonders erhabene und stille Momente gibt es in der Adler Lodge übrigens noch einen Ort: Wer frühmorgens, kurz nach Sonnenaufgang, einen Sprung ins Wasser nicht scheut, hat den dampfenden Infinity-Pool und den grandiosen Blick auf die Dolomiten-Gipfel ganz für sich alleine.

Fotos: Heiner Sieger, Patrick Stricker, Thaddäus Salcher, Hannes Niederkofler

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Heiner Sieger

Autor Kurzvorstellung:

Seit 40 Jahren Journalist schreibe ich über aktuelle und brisante Themen in den Bereichen Digitalisierung, Wirtschaft, Gesundheit und Reise. Nach Stationen bei renommierten Tageszeitungen und Magazinen bin ich heute hauptberuflich beim WIN-Verlag in der Vogel Communications Group Chefredakteur der Magazine Digital Business Cloud, E-Commerce-Magazin und Digital Health Industry. Meine private Leidenschaft gehört dem Thema Reisen. Und irgendwann wurde ich dann auch Chefredakteur von Reise-Stories. So oft es der Beruf erlaubt, bewege ich mich Richtung Berge und Meer, stelle Restaurants und Hotels auf die Probe und entdecke Entertainment ebenso wie ruhige und unendeckte Fleckerl.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

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