Serbien kulinarisch entdecken – und viel mehr finden!

Text und Fotos © Wolfgang Grüner

Vom Tisch auf dem “Kapitän Mischa Hügel” mit Speisen wie Medovaca, Proja, Maisbrot, frittierte Nesseln, Lamm Sarmice, Salat Bašta, Hühnersuppe, salziger Pita und mehr, geht der Blick über den Tellerrand hinaus auf grüne Berge und die breite Donau. Land und Küche Serbiens wollen entdeckt werden.


Doch auf den Hügel kommen wir später, bevor wir richtig starten geht es vom Flughafen an das Donau-Ufer im Stadtteil Zemun, etwas außerhalb von Belgrad. Im Restaurant/Kaufladen „Talas“ gibt es zur Stärkung einen “Club Salad” mit gegrilltem Hühnchen und knusprigem Brot, dazu ein einheimisches Bier, lecker. Später noch Kaffee und Blaubeer-Käsekuchen.

Jetzt kann es losgehen, gut 80 km in nordwestlicher Richtung, dort liegt die „Vojvodina“, das „große Nichts“. Vor vielen Millionen Jahren war das mal ein riesiger flacher See, der irgendwann verlandete. Es ist immer noch alles flach, schnurgerade Straßen, nur Felder und Feldwege, Kanäle, Obstgärten, eine Bahnstrecke, kleine Straßendörfer.


Durchzogen von der Donau und den Flüssen Tisa, Save, Tamiš, Begej, Nera sowie den Wasserläufen der Fruška Gora. Eigentlich schrecklich langweilig, aber das war es aber nie und ist es auch heute nicht, allein schon von der Bevölkerung her.

Hier leben Serben, Ungarn, Roma, Rumänen, Kroaten, Bunjewacer Slowaken, Bulgaren, Kosovo-Albaner, Russen, Deutsche, Bulgaren und noch ein paar andere. Die multikulturellen Wurzeln liegen zwei Jahrhunderte zurück, entstanden als Region in einem Vielvölkerreich. Nach dem Zerfall des osmanischen Reiches kamen Bauern von überall her und blieben. Die Fläche der Vojvodina ist so groß und so fruchtbar, man könnte halb Europa mit den landwirtschaftlichen Erzeugnissen ernähren.


Dementsprechend bietet die traditionelle Küche der Vojvodina ein reichhaltiges Angebot verschiedenster Speisen. Zu den kalten Vorspeisen gehören zum Beispiel „domaca šunka“ regionaltypischer Schinken, „banatska slanina“ Banater Speck, „paorski cvarci“ Bauernkrustenbraten, „švargla“ Presskopf – Sülze aus Schwein- oder Kalbskopf, „sremske kobasice“ Srem-Würstchen, „slovacki kulen“ slowakische würzige Würstchen und „Sombor Käse“, „Švapsk Käse“ ‘deutscher Käse’ weißer Hüttenkäse oder „Banat Käse“. Auch die typischen warmen Vorspeisen bieten allerlei kulinarische Genüsse, „gibanica“ herzhafter Kuchen aus Eiern und Käse, „proja“ Maisbrot mit Käse, Suppen und Brühen mit hausgemachten Nudeln oder „flekice“ kleine Pasta-Stücke. Die Variationen der Hauptspeisen sind nahezu unbegrenzt – gekocht, gebraten, paniert oder einfach ein bisschen von allem – das kommt ganz auf den Gastgeber an. Und natürlich darf etwas Süßes zum Dessert nicht fehlen, Strudel mit Mohn, Walnüssen oder Kirschen, Kürbis- oder Apfelkuchen, Vanillekekse mit Marmelade oder „šnenokle“ Schneebälle aus geschlagenem Ei. Die lokalen Weine und „Rakija“, Brandwein, können auch begeistern. „Sremski Karlovci Bermet“ ist auch heute noch ein bekannter Wein der Region Fruška Gora und wurde schon am Wiener Hof hoch geschätzt. Aber noch fahren wir, Essen kommt später. Hin und wieder halten wir, versuchen die Weite der Vojvodina fotografisch zu erfassen, eigentlich gelingt das aber nicht.


Dann doch eine kleine Sensation, es tauchen flache Hügel auf und da liegt die Stadt Vrsac, ganz oben auf 170 m Höhe das Hotel „Villa Breg“ (Villa Hügel), das sehr zu empfehlen ist. Wir bummeln durch die Straßen, staunen über einen prächtigen Bischofspalast mit giftgrünem Dach, eine große Kathedrale, eine Fußgängerzone mit der Statue eines Weinbauers, überall sitzen ältere Männer herum die freundlich grüßen. Konditoreien und Restaurants an fast jeder Ecke, keine Hektik, eben Kleinstadt.

 


Abendessen gibt es dann im Ethno-Haus-Restaurant „Dinar“. Hier ist auch alles typisch Balkan, Einrichtung, Essen und Getränke. Zu Wein oder Bier beginnt es also folgerichtig mit einem Serbischen Salat mit Käse, danach Rindfleisch, lange in einem Tontopf, der mit glühender Kohle bedeckt wurde,

gekocht „Teletina ispod Saca“, dazu Bratkartoffeln mit Zwiebeln, mit Käse gefüllte Champignons und Gemüse. Das Fleisch schmilzt förmlich auf der Zunge, auch weil es nicht ganz mager ist, herrlicher Geschmack, schwer, davon nicht zu viel zu essen. Schließlich kommen noch gefüllte Pfannkuchen mit reichlich Creme und Marmelade.


Im schönen Hotel mit den eleganten und geräumigen Zimmern könnte ich es ein paar Tage aushalten, es gibt viele Sportmöglichkeiten, Fitnessstudio, Massagen und Kosmetik, Innen- und Außenpool. Die in einem klassisch-eleganten Stil eingerichtete Villa Breg bietet eine große Marmorlobby und eine gemütliche Bar mit Kamin, ringsum große Gärten und ganz in der Nähe zahlreiche Weinberge und renommierte Weinkeller. Rings um die Stadt stehen Millionen Pflaumenbäume, Nachschub für den leckeren Sliwowitz.

Auf dem Weg zurück nach Belgrad, noch in der Ebene des südlichen Banats, besuchen wir in Kovacica das Zentrum der naiven Malerei. Dieses vorwiegend slowakische Dorf ist weltbekannt für seine naiven Maler. Hier hat fast jeder Haushalt seinen eigenen Maler, die Bilder der Künstler von Kovacica sind in vielen Museen auf der ganzen Welt zu finden.

Besonders die Farbscala erinnert an die rhythmisch-grelle Gebundenheit slowakischer Folklore. Vielleicht ist die Geschlossenheit dieses Landkreises stärker und widerstandsfähiger, weil sich die Bevölkerung dieses Dorfes als ethnische Gruppe von der Umwelt unterscheidet. Die naive Kunst dieser Bauern hat die freudige und lebenskräftige Sprache der einfachen Seelen, die geradeazu aussprechen, was sie erleben.


Viele der Bilder kann man hier in den verschiedenen Sammlungen und Ausstellungen, z.B. in der Galerie der naiven Kunst oder im Ethno-Zentrum Babka besichtigen und natürlich auch kaufen. 

Bei der weltweit erfolgreichen Malerin Zuzane Veresky erleben wir in ihrem Wohnzimmer wie die Bilder entstehen, zur Begrüßung gibt es erst Mal einen kräftigen Schnaps. Wir sind nicht die einzigen Interessenten, gerade geht eine Gruppe aus den USA. Aber beim Malen bleibt die moderne Welt draußen, kommt nicht in ihre, eben naive, Bilderwelt.

 

Zurück in Belgrad sind wir am rechten Donauufer wieder im Stadtteil Zemun, diesmal im Restaurant „Saran“, ein Fischrestaurant mit vier Sternen. An der Donau gibt es ein reichhaltiges Angebot an traditionellen oder speziellen Speisen aus Süßwasserfischen. Im Saran haben jahrelange Erfahrung und Begeisterung zusammen mit einem ehrgeizigen, eingespielten Team, zu einem einzigartigen Angebot und profunder Qualität geführt. Das wird direkt erlebbar mit einer grandiosen Fischsuppe, egal, was danach kommt, mein tiefer Teller muss nochmal gefüllt werden, damit könnte ich den Rest des Tages verbringen.


Wein kommt und es folgt eine mächtige Portion gebackenes Karpfen-Filet mit karamellisierten Zwiebeln und Pflaumen, ungewöhnlich, aber sehr lecker, alles schaffe ich nicht. Auf den Nachtisch „Orasnica“, eine Art Kuchen aus Eiweiß, Walnüssen und Zucker verzichte ich, soll aber ebenfalls sehr gut gewesen sein.


Eine Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt Serbiens macht wenig Spaß, wenn es regnet. Der stört die gut 1,7 Millionen Einwohner aber nicht weiter, Betrieb herrscht hier immer, nicht umsonst heißt es, Belgrad schläft nie. Das merke ich in meinem Zimmer im Hotel „Metropol Palace“, Fenster auflassen geht hier im Stadtzentrum nicht, einfach zu laut, Tag und Nacht. Das Hotel wurde 1957 eröffnet, 2012 renoviert und ist eigentlich immer voll. Das merkt man besonders morgens beim Frühstück, da wuselt alles durcheinander, sehr viel Betrieb. Dafür sind die 236 Zimmer in Ordnung, haben Standard und Komfort eines guten 4-Sterne-Hauses. Der 1200 m² große Wellnessbereich des Hotels umfasst eine Sauna, einen Whirlpool, ein Dampfbad, einen Fitnessraum, einen Übungsraum und einen Ruhebereich. Das Parlamentsgebäude und die St.-Markus-Kirche befinden sich in der unmittelbaren Umgebung. Weniger als 10 Gehminuten sind es bis zur Prachtstraße Knez Mihailova ulica mit den zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, der historischen Kalemegdan-Festung und dem Künstlerviertel Skadarlija. Ich freue mich aber auf den Abend und auf ein ganz besonderes kulinarisches Erlebnis.

Das soll es geben im Restaurant „Iris New Balkan Cuisine“, Sarajevska 54/1 in Belgrad, wenn man es denn findet. Draußen an einem gewöhnlichen Wohnhaus ein kleines Schild, auf dem Hof stehen wir dann dumm rum, bis zufällig jemand aus dem Treppenhaus kommt und uns zur ersten Etage schickt, da ist es. Untergebracht in einer unscheinbaren Altbauwohnung, die Wände sind bewusst kahl gehalten, das Raumkonzept simpel, die Gäste sollen sich auf das Geschmackserlebnis konzentrieren, nicht auf das Interieur. Zubereitet werden die Speisen in der offenen Schauküche. Jeden Monat wechselt das Menü, es gibt eine Version mit Fleisch und eine vegetarische Variante. Anstelle von Unmengen von Fleisch, wie eigentlich in ganz Serbien üblich, bietet das erst 2016 gegründete Start-up moderne Balkanküche in kleinen, minuziös vorbereiteten Häppchen: Haute-Cuisine-Küche auf hohem Niveau. Der Chef Vanja Puškar, der auch einige Zeit in Krefeld gearbeitet hat, sagt dazu: “Die Balkanküche hat sich einfach nicht weiterentwickelt, sie blieb 20 Jahre lang auf demselben Niveau, mein junges Team und ich entdecken die serbische Küche neu, nach alten, abgewandelten Rezepten. Und es funktioniert.

Das Essen als wichtiger Teil der Kultur spiegelt sehr deutlich die Einflüsse und den Zustand der Gesellschaft in der Geschichte wider. Es ist von allen Aspekten des Lebens beeinflusst. Das neue Konzept der Balkanküche verändert das Essen, die Art und Weise wie es wahrgenommen und konsumiert wird. Wir möchten es den gegenwärtigen Erwartungen und Bedürfnissen anpassen. Unser Wissen und unsere Erfahrung ermöglichen es uns, die Grundwerte zu verstehen. Wir respektieren diese und modifizieren Nahrung und Essenskultur entsprechend, indem wir ihre Form verändern. Auf diese Weise kreieren wir eine völlig neue Erfahrung aus bereits bekannten Geschmacksrichtungen, welches die Hauptaufgabe des New Balkan Cuisine Konzeptes ist“. Die Zutaten und auch so manche Rezeptidee holt sich Puškar bei Bauern und kleinen Produzenten im Umland von Belgrad.

Es beginnt mit einem Gruß aus der Küche, etwas gegrilltes Brot mit einem kleinen Löffel gemischten Schmalz, es folgt ein salzig gefülltes Macaron, „Buša terin Lešnik“ eine Art Rindfleisch-Terrine vom speziellen Busa-Rind mit Haselnussgarnitur, „Smokva Grilovan sir“ ein Häppchen gegrillter Käse mit Feigen und Gewürzen, „Listici bifteka“ ein Streifen rohes mariniertes Rindfleisch mit Öl, „Badem“ ein Schlückchen Mandelsuppe, „Pasta Orah“ Nudelstreifen mit Schaumsoße und fein faschiertem Fleisch, „Odležala junetina“ zwei Stücke Dry-aged-beef mit grobem Salz, Pürree und kräftiger Soße, „Maticnjak granita“ eine gefrorene Süßspeise mit einer Sorbet-ähnlichen Konsistenz und schließlich als Abschluss „Šljiva Žalfija Crni caj“ Pflaumen in schwarzem Tee gekocht mit Eis. Die Weine und Getränke dazu: Tamjanika, Weinkeller Ivanovic, Misija, Weinkeller Janko, Chardonnay, Weinkeller des Klosters Bukovo (Manastir Bukovo) Burja aus Slowenien, Cabernet Franc, Weinkeller Radovanovic und Prosecco mit schwarzem Tee.

Fast müßig zu sagen, das das insgesamt geschmacklich und optisch interessant und sehr gut gelungen war, nicht unbedingt eine überwältigende Offenbarung und nicht jedes Teil fand bei jedem Zustimmung, aber das ist ja völlig normal. Ich jedenfalls war begeistert, kann das „Iris“ uneingeschränkt empfehlen, vielleicht sollten die einzelnen Portionen doch ein wenig umfangreicher sein. Vom Preis her sehr günstig.

Der nächste Morgen sieht uns auf dem Weg nach Südosten wieder hin zur Donau, zu deren vielleicht schönsten und spektakulärsten Teil, die Länge des Flusslaufes durch Serbien beträgt immerhin 588 Kilometer. Unterwegs halten wir in der Nähe von Kostolac, besichtigen die Ausgrabungen einer riesigen antiken römischen Stadt “Viminacium“. Viel zu sehen, auch noch viel ältere Mammutskelette, doch mehr steckt unausgepackt im Boden, Arbeit für Generationen, aber die Braunkohlebagger nähern sich unaufhaltsam.

Unser Ziel ist das sogenannte „Eiserne Tor“, so wird die Durchbruchsstelle der Donau durch die Karpaten genannt. Die „Djerdap-Schlucht“ ist die längste und größte Flussschlucht in Europa, hier verengt sich die Donau stellenweise bis auf eine Breite von 150 Meter, die Uferfelsen sind zwischen 50 und 800 Meter hoch. Zwei Staudämme, die in den 60er und 70er Jahren im damaligen Jugoslawien gebaut wurden, zähmen die Wasserstrudel. Die und Untiefen waren früher für die Schifffahrt gefährlich, heute ist der Fluß bis zu 90m tief. Der sogenannte „Veliki Derdap“, die „Große Enge von Kazan“, trägt ihren Namen völlig zurecht, das türkische Wort bedeutet „Kochkessel“. Der Nationalpark Djerdap erstreckt sich entlang der Donau und der Grenze zu Rumänien über eine Länge von 100 km und zeichnet sich durch eine große Tier- und Pflanzenvielfalt, historische Monumente und archäologische Funde aus. Die wilden Wälder bieten reichlich Rückzugsgebiete für Braunbären, Wölfe, Luchse, Gämsen, Schakale, Seeadler, Uhus, Schwarzstörche und Adler. Der ausgedehnte Park ist eigentlich noch völlig unberührt, Touristen sind hier sehr selten anzutreffen, da gibt es noch viel zu entdecken.

 


Alles beginnt bei der Stadt Golubac, wo sich eines der beliebtesten Fotomotive Serbiens befindet: die auf einem hohen Felsen um ca. 1330 erbaute „Festung von Golubac“. Die Geschichte der Burg und der Umgebung erfährt man ausführlich und bequem im gerade erst eröffneten Besuchszentrum mit Ausstellung und Gastronomie. Ringsherum gibt es einen Archäologischen Park und diverse Sonderausstellungen. Die Restaurierungsarbeiten an der Burg selbst sollen 2018 beendet sein, dann kann man sie auch wieder betreten.

Nicht weit vom Örtchen Donji Milanovac finden wir einen hochmodernen Glasbau mit Blick auf die Donau und besichtigen die Ausgrabungen von „Lepenski Vir“. Die bis zu 8.000 Jahre alten Funde dokumentieren eindrucksvoll die jungsteinzeitliche Besiedlung der Donauregion. Schon Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung gruppierten sich hier Behausungen um eine Art zentralen Platz. Beim Bau der Donau-Staustufen konnten die Archäologen im Ausgrabungsfeld Gräber und Skulpturen zu Tage fördern, die von Kultur und Kunstfertigkeit der damaligen Menschen zeugen.Ihr Dorf wird als eine der größten und komplexesten Siedlungen der Mittelsteinzeit (Mesolithikum) und der Jungsteinzeit (Neolithikum) betrachtet. Diese Fundstätte war über 2000 Jahre dauernd bewohnt, und wohl sehr friedfertig, Waffen wurden nicht gefunden. Die am besten erhaltenen Artefakte dieser Fundstätte sind Steinaltare und -skulpturen, welche wohl Götter darstellen. Diese Artefakte gehören zu den ältesten Exemplaren dieser Art in Europa. Wahrscheinlich gab es in jedem Haus eine Skulptur aus Sandstein, eine Kombination aus Mensch und Fisch, nimmt man jedenfalls an. Sollten aber die damaligen Leute so ausgesehen haben, hätten sie echt ein Problem gehabt.

 


Mittagessen verschiebt sich etwas in den Nachmittag, dazu führt uns eine landschaftlich reizvolle Fahrt hoch auf den „Kapetan Mišin breg“ -Kapitän Mischa Hügel-, eine über der breiten Donau thronende Anhöhe, von der sich ein herrlicher Panoramablick auf einen Teil des „Eisernen Tores“ bietet. Miša Anastasijevic (1803-1885) war Kaufmann und Reeder, seinerzeit einer der reichsten Männer Serbiens, allerdings mit einer für reiche Leute eher seltenen Attitüde, er war äußerst wohltätig. Oben finden wir ein großes Grundstück mit einigen kleinen Holzhäuschen, dazwischen ein Froschteich, Pflaumenbäume und Lauben, eine Art ethnologisches und ökologisches Freilichtmuseum. Und überall Holzskulpturen, mehr als 400 bevölkern den ganzen Garten, geschaffen vom freundlichen Künstler Stefanovic Zika.

Der begrüßt uns mit einer Flasche Honigschnaps und ist barfuß, seit einem traumatischen Kindheitserlebnis hat er nie wieder Schuhe angezogen und dabei soll es auch bleiben. Er vermietet ein paar einfache Zimmer, ganz billig, auch eine schöne Wiese für Camping ist da, alles mit einem überwältigenden Blick auf die Donau.


Sehr viele Gäste aus aller Welt waren schon da, irgendwann brachten die dann jeweils eine Flasche Wein mit. Den trinkt Žika aber nicht, sondern sammelt die Flaschen in einer Hütte, sind inzwischen schon extrem viele. Seine Frau und er bieten aber auch feines, bodenständiges Essen an. Wir gehen rein ins „Restaurant“ und staunen über die Vielfalt. 

Es biegt sich geradezu der Tisch mit: „Medovaca Rakija“ Schnaps mit Honig, „Proja“ Maisbrot, verschiedene Sorten Käse, im Teig frittierte Brennnesseln, zwei Arten von salziger Pita, Blätterteigkuchen, geschmorte Hühnerleber, Hühnersuppe, gegrillte Pilze, gegrillte Kartoffeln, gegrilltes Huhn, Lamm „Sarmice“ Lammbraten bzw. -Koteletts, Salat „Bašta“ gemischter Gartensalat, diverses sauer eingelegtes Gemüse, „Ajvar“ Paprikamus, „Vanilica“ kleine Küchlein, Obst, „Pogaca“, ein großes typisches Bauernbrot, hausgemachte Brötchen und vielleicht noch einiges mehr.

In der Mitte der großen Platte viel Fleisch, meist recht fettig, rund um einen Schweinekopf drapiert. Das Fleisch hätte sicher besser geschmeckt, wenn es einigermaßen warm gewesen wäre. Aber insgesamt alles sehr lecker, natürlich viel zu viel, warum kann man eigentlich nicht dauernd essen? Hier sind mal die Medizinforscher gefragt! Übernachten werden wir wieder am Donauufer in Kladovo, kommen da spät an. Das leckere Buffet im Hotel-Restaurant kann, nach der Völlerei oben auf dem Berg, nicht so richtig locken. Dafür aber ganz sicher noch ein kräftiger Rakija.

 


Zurück in Richtung Belgrad geht es über die gleiche -schöne- Donauuferstrecke, ganz interessant, wie die von der anderen Seite aussieht, ständige Fotostopps sind obligat, was den Fahrer nervt. Auf der rumänischen Seite der Donau schaut uns ein riesiger Kopf an, heraus gehauen aus dem Felsen: Das Decebalus-Relief, 55m hoch, 2004 fertig gestellt, erinnert an den letzten König von Dakien (heute Rumänien), bevor es römische Provinz wurde. Er war ein ernst zunehmender Widersacher Trajans, unterlag aber im Zweiten Dakerkrieg den römischen Legionen. Trajan präsentierte das abgeschlagene Haupt von Decebalus in Rom.

Das monumentale Werk am Eisernen Tor finanzierte der rumänische Multimillionär Iosif Constantin Dragan, der seine Landsleute an die eigene Geschichte und einen großen König erinnern wollte. Dann, nur wenige Kilometer von der Donau entfernt, bei dem kleinen Kupfer-Bergbau-Städtchen Majdanpek stößt man auf eine weitere Sehenswürdigkeit – die Tropfsteinhöhle von Rajkova. Hier soll der berühmte und sehr erfolgreiche Räuber Rajko seinerzeit imense Schätze versteckt haben, aber niemand hat sie bislang gefunden.

400 Meter der Höhle sind für die Besucher zugänglich, viel viel mehr Höhle ist noch da, besonders sehenswert die auffälligen schneeweißen Stalaktiten und Stalagmiten. Will man die Höhle besichtigen, muss man sich rechtzeitig vorher anmelden. Und dann dauert das auch schon etwas, bis die Frau mit dem Schlüssel kommt.

Auf dem Weg zurück nach Belgrad halten wir bei einem Schnellrestaurant in der Kleinstadt Kucevo und nehmen serbisches Fastfood auf die Hand: Pleskavica. Eine Art Hamburger aus gehacktem Fleisch, Gemüsesuppe, Eier, Knoblauch, Zwiebel, Paprikapulver, Salz, Pfeffer und Semmelbrösel, dann gegrillt zwischen Brötchen, auch mal gefüllt mit Schafskäse und dazu Krautsalat oder Djuvec Reis, gehobelte Zwiebelringe und Ajvar. Kein großer Aufwand aber sehr lecker, ein Bier geht gut dazu.


Oberhalb des Zusammenflusses von Jezava und Donau halten wir in der Ortschaft Smederevo. Dort ist das letzte und gewaltigste Beispiel der serbischen, mittelalterlichen Militärbaukunst zu besichtigen. Die Smederovo-Festung wurde im 15. Jahrhundert beim Kampf gegen den Vormarsch der Türken erbaut und zeugt von der wechselhaften Geschichte der Kriege und Besiedlungen durch die Jahrhunderte. Mit ihren vier Meter dicken Schutzwällen und den 25 Türmen ist sie die größte mittelalterliche Flachland-Festung Europas. In den beiden Weltkriegen hat sie erhebliche Schäden erlitten, insbesondere 1941 bei einer gewaltigen Munitionsexplosion, durch die die Südfront fast gänzlich zerstört wurde. Die noch bestehenden und teilweise restaurierten kolossalen Mauern und Innenhöfe zeigen eine beeindruckenden Anlage, die oft für Filmaufnahmen genutzt wird.

Unser Hotel für die letzte Nacht ist das „Radisson Blu Old Mill Hotel“, Bulevar vojvode Mišica, Beograd 11000, eine sehr gute Wahl. Es befindet sich im Stadtzentrum von Alt-Belgrad, nur wenige Minuten von den Regierungsgebäuden und den Unternehmenssitzen von Neu-Belgrad entfernt. Die von beliebten Geschäften und Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert gesäumte Knez Mihailova-Straße liegt ganz in der Nähe und eignet sich perfekt für einen Bummel. Im Frühjahr 2011 sah es hier noch ganz anders aus, ein Ort in Schutt und Asche, die Überreste einer alten Dampfmühle, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts an dieser Stelle ihren Dienst verrichtete. Der Designer und Architekt Konstantin Buhr hat die Überreste wie alte Ziegel- oder Pflastersteine harmonisch in den Neubau integriert, schön, die wellenförmigen Lamellen aus Gipsbeton in der Lobby. Das im Dezember 2015 eröffnete Designhotel mit 236 Gästezimmern bietet so ziemlich alle Annehmlichkeiten eines guten 4-Sterne-Hotels: kostenloses W-Lan, Business-Center, großzügiger Fitness-Raum, finnische Sauna und einen Limousinen-Service vom und zum Flughafen, unbedingt mit Frühstück buchen.

Am Abend wird es wieder kulinarisch, aber eher einfach, mit viel Bier und Häppchen. Dazu geht es in eine der vielen kleinen Straßen in Skardarlija, dem alten Boheme-Viertel Belgrads. Die Ausgehmeile ist nicht nur bei Touristen beliebt, auch Einheimische lassen sich gern in einem der zahlreichen Restaurants nieder, drinnen und draußen.

Wir nehmen Platz zur Bierverkostung im „Endorfin“, zwischendurch gibt es auch etwas zu essen. Erstmal bekommen wir einen kleinen Vortrag über eine neue Bierphilosophie, zum Glück auf englisch.

Es beginnt mit einem “Ziveli!” – “Prost!” und einem „Shatzi lager“, helles lager, love at first sight. 5.2%“ und hausgemachten Nachos mit Guacamole. Es folgen: „Brkaa“, Refreshing apa, citrus aroma. 5.0%“, „Wanna bee lee“, Ipa with a little bit of ginger. 5.3%“, „Citra“, Citra pale ale, with lemon aromas. 5.2%“ „Mozaik“, Pale ale, a combination of candy malts. 5.2%“, „Kabinet Plavo“, Belgium style, sweet, less bitter. 6.0%“, „Supernova“, Ipa with melon, mango, tangerine, and flowers aromas. 6.8%“, „Mikkeler Vista 2“, Ipa by Danish virtuoso done for Serbia. 7.5%“, „Olga“, Baltic porter, imagine a drink, tasting like coffee and chocolate. 7.5%“.

Zwischen den vielen Gläsern die sich rund um meinen Platz sammeln, denn nicht jedes Bier will ausgetrunken sein, kommen auch noch: knusprige Linsen, gebackene Champignons, vegetarische “pulled” Pilz-Häppchen, kleine pulled pork Sandwichs, Sirloin Steak und getoastete Brioche mit geräucherter Butter.

Das ist alles viel, da muss man mal zwischendurch raus auf die Straße, zwecks Bewegung, auch, weil drei Männer nun versuchen, Musik zu machen. Es gibt viele kleine Restaurants rund um den Block, die sehen interessant aus, auch was da so auf den Tellern ist. Haben aber meist einen gewaltigen Nachteil, es hängen zwar Speisekarten aus, aber durchweg nur auf serbisch. Damit aber fängt man keine ausländischen Kunden, auch auf Nachfrage in einigen Restaurants verstand man keine Fremdsprache. Schade, gute Chancen einfach vergeben.

Zurück im Endorfin ist sicher noch die eine oder andere Biersorte dazu gekommen, schließlich umfasst die präsente Bierauswahl mehr als 50 Sorten, von vielen anderen Alkoholika ganz abgesehen. Auch die sonstigen kulinarischen Möglichkeiten sehen ordentlich aus. Ich aber mag nicht mehr, auch weil mir die wenigsten Kreationen schmecken. Das gilt aber nur für mich, von Anderen höre ich begeisterte Zustimmung.

Einen kleinen Ausschnitt serbischer Kultur auf vielen Gebieten konnte ich genießen, ein wenig vom Land sehen, durchweg freundliche Menschen kennen lernen und dadurch ein Résumé ziehen: Das reicht ganz und gar nicht, da muss man nochmal hin und mehr entdecken!


Die Recherche für diesen Beitrag wurde ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von NTOS-Nationalen Tourismus Organisation Serbien und Partnern.

Mehr Informationen unter: 
www.serbia.travel

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