Schwarze Bären im roten Canyon – Überraschungen im Süden Albertas in Westkanada

Alle Autos schleichen. Selbst die für uns Mitteleuropäer gigantischen amerikanischen Geländefahrzeuge zügeln ihre Pferdestärken. Schließlich ist das Gebiet rechts und links entlang der Straße zum Red Rock Canyon im Waterton Nationalpark die Heimat zahlreicher Bären. Die Landschaft wechselt zwischen dichtem Gebüsch zu offenen Wiesen, die hinauf in die raue Gebirgsregion reichen, wo nur noch vereinzelte Baumgruppen Halt finden. Dann entdecken auch wir den schwarzen Kopf, der sich aus den Zweigen schält. Die Neugierde besiegt den Hunger. Gemütlich zieht er fressend weiter. Erst jetzt sehen wir, dass er nicht alleine ist. Der Nachwuchs, zwei tollpatschige Bärenkinder, folgt der Mutter bei ihrer Futtersuche.

Foto oben: Schwarzbär in den Rocky Mountains

Wie einfach gestaltet sich doch bei uns die Nahrungsaufnahme. Bei der nächsten Picknickbank, idyllisch an einem Bach, legen wir Rast ein. „Wir bekommen Besuch.“ Vorsichtig drehe ich mich um und traue meinen Augen nicht. Über die Straße trottet „unser“ Bär vor vorhin mit Anhang. Schnell alle Lebensmittel zurück in die Kühlkiste und ab ins Auto. Der Adrenalinspiegel steigt. Doch die Bärin würdigt uns keines Blickes. Ihr Interesse gilt der Wiese hinter dem Rastplatz. Nur die Jungen heben witternd ihre Köpfchen, doch dann folgen auch sie schnell ihrer Mutter.

k- Weißkopfadler

Weißkopfadler

k-einsamer Bergsee in Alberta

einsamer Bergsee in Alberta

Einer der fünf Nationalparks der Provinz  Alberta ist der Waterton Nationalpark im Südwesten. Er grenzt an den Glacier National Park in den USA. Dort befindet sich der weitaus größere Teil des gemeinsamen Friedensparks. Neben einer Vielfalt an Flora und Fauna ist er einer der windreichsten Plätze Albertas. Windstärken von über 100 km/h sind nicht ungewöhnlich.

k-Abendstimmung am Waterton Lake Alberta

Selen für die Elche

Alberta ist zahlreichen Naturschönheiten gesegnet. Die wohl am häufigsten besuchten, weltbekannten Nationalparks Banff und Jasper liegen in diesem Teil der Rocky Mountains. Aber auch ausgedehnte Prärien prägen das Landschaftsbild. Funde von Dinosauriern bei Drumheller weisen auf eine lange Vorgeschichte hin.
Es ist noch kühl am Morgen. Doch die Gäste sind schon längst auf den Beinen, gewappnet mit Fernglas und Kamera. Die Mount Engadin Lodge im Kananaski-Tal hat eine besondere Lage. Direkt hinter der Lodge auf der Ebene befindet sich ein kleines Moor. Der Morast ist stark selenhaltig. Am Morgen und abends kommen Elche und schlürfen den gesunden Schlamm. Gerade ist eine Elchkuh mit Nachwuchs vor Ort. Noch eine ist unterwegs. Gleich spitzt das Muttertier die Ohren. Nein, so schnell wird sie das Feld nicht räumen. Während sich die beiden Mütter misstrauisch beäugen, äsen die Jungen friedlich weiter. Doch dann geht die erste zum Angriff über. Sie keilt aus und vertreibt die andere mit ihren Hufen. Dabei gäbe es genug für alle. Doch da zeigen die Elche recht menschliche Züge.

k-Die Rocky Mountains am Spray Lake Alberta
k-Einsames Blockhaus vor den Rocky Mountains

Während wir gemütlich frühstücken, gibt es schon die nächste Aufregung. Eines der Zimmermädchen hat einen Luchs entdeckt. Das Tier mit seinem braun gesprenkelten Fell ist kaum erkennbar zwischen den fast gleichfarbigen Büschen. Nur wenige Sekunden zeigt es sich und ist dann im Wald verschwunden. Ungefähr 65 Kilometer entfernt von Canmore in 2000 Meter Höhe im Spray Valley Provinz-Park ist diese fantastisch gelegene Lodge die einzige Unterkunft entlang der landschaftlich schönen Smith-Dorrien-Road.

Der Guide von Yamnuska Mountain Adventures packt den Rucksack. Wasserflasche, Sonnencreme, Verbandsmaterial, Wollmütze, winddichte Jacke und Handschuhe zuerst, dann folgen die Kleinteile und das Seil für eine Klettertour. Gerade die steilen Wände rund um Canmore unweit von Banff bieten gute Gelegenheiten für Kletterkurse und Wildnistraining. Nach einer halbstündigen Wanderung vom Parkplatz am Spray Lakes Trail  stehen wir unterhalb der fast senkrechten Felswände. Mit der notwendigen Seilsicherung und Konzentration geht es schließlich langsam hinauf. Zwischendurch reicht es für einen Blick ins Tal wo der Bow River sich unweit der Hauptstraße seinen Weg im breiten Geröllbett sucht. Noch ein letzter Klimmzug und wir haben es geschafft. Canmore und seine wilde Umgebung ist ein Eldorado für zahlreiche sportliche Aktivitäten sommers wie winters.

k-Ausritt am Waterton Nat. Park

Ausritt am Waterton Nat. Park

k-wir treiben Rinder auf eine andere Weide

wir treiben Rinder auf eine andere Weide

k-Randy und Ginny in ihrer Wildwestbar

Randy und Ginny in ihrer Wildwestbar

Sierra West Cabins – daheim auf der Ranch

„Lasst uns heute die Rinder auf die andere Weide treiben. Das Wetter ändert sich,“  schlägt Randy vor. Ihm und seiner Frau Ginny gehört die Sierra West Ranch, 15 km entfernt von Lundbreck  am Highway 22 im südlichen Teil Albertas, nur ein kleiner Umweg auf der Fahrt in den Waterton Nationalpark. Gleich hinter dem Haus beginnen die Weiden. Ungläubig sehen uns die schwarzen Angus an, als sie von den Pferden und unserem lauten Hoho aufgescheucht werden. Ferien auf einer Ranch findet immer mehr begeisterten Anhänger. Auf dem weitläufigen Gelände der Donahues stehen zwei urgemütliche Blockhäuser. Die Gäste dürfen auch schon mal Hand anlegen bei den täglich anfallenden Arbeiten. Meistens wollen sie jedoch auf dem Pferd die Natur erkunden. Das Ranchhaus gleicht einem Museum. Es ist nicht nur mit Möbeln im Westernstil ausgestattet, sondern mit vielen Souvenirs aus dem Leben der Beiden. Da hängt noch der Mantel aus Büffelfell vom Großvater, alte Waschzuber mit Pflanzen dekorieren die Zimmer. Ginny ist mit Kochen beschäftigt. Heute ist ein besonderer Tag. Ein junges Paar lässt sich auf der Ranch trauen. Randy ist nicht nur Cowboy sondern auch Standesbeamter. Als er dann in seinem Anzug vor uns steht staunen wir: Ist das noch derselbe Mann, der gestern wild gestikulierend in forschem Galopp die Rinder auf die Weide trieb?  Randy zwinkert: „Hier im wilden Westen muss man flexibel sein!“ Dabei lacht er spitzbübisch.

k-Transcanadahighyway zwischen Calgary und Banff

Transcanadahighyway zwischen Calgary und Banff

Text: Monika Hamberger
Fotos: Rainer Hamberger

Informationen:

Anreise und Reisezeit:
mehrere Fluggesellschaften fliegen nonstop von Deutschland nach Calgary, dem Tor zu den Rocky Mountains. Die beste Reisezeit ist zwischen Ende Mai und Ende September.

Unterkünfte: eine breite Palette von Quartieren bietet z. B. die Waterton Lakes Lodge  im Nationalpark
www.watertonlakeslodge.com
in der Bergwelt Kananaskis mit fast garantierter Elchbeobachtung liegt die Mount Engadine Lodge
www.mountengadine.com
originelle Cabins, Blockhäuser, Pferde usw. bei den Sierra West Cabins; www.sierrawestcabins.com
geräumige Zimmer am Rande Camores die Rocky Mountain Ski Lodge
www.rockyski.ca

Abenteuerprogramme für Aktive: in Canmore die Yamnuska Mountain Adventures www.yamnuska.com

Veranstalterangebote:
z. B. CRD International hat sich auf Kanadareisen spezialisiert und bietet von Flügen über Mietwagen bis zu Unterkünften alles Notwendige; darunter sind auch vorgebuchte Strecken zu den schönsten Zielen in Westkanada
www.crd.de

Literaturhinweis: im Kunth Verlag in München sind mehrere informative Bände überKanada erschienen; darunter neu „Die letzten Wildnisse USA/Kanada“, diese Reiseziele verdienen solche eine beispielhafte Darstellung in Text und Bild. Ein ausführliches Reisekapitel bietet u. a. darin praktische Reiseinformationen und Tipps zu Anreise und Unterkunft in den hier vorgestellten Naturschutzgebieten auf insgesamt 544 Seiten, Format 23,1 x 29,5 cm; gebunden im Schutzumschlag zu € 39,95, weitere Bücher zu Nordamerika unter
www.kunth-verlag.de

Allgemeine und detaillierte Auskünfte über Alberta gibt es unter www.travelalberta.de

Geschrieben von
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