Abseits der Loipen erwarten die Gäste reichlich Angebote – von Almkulinarik über Schneeschuh- und Winterwanderungen bis hin zum Gletscherabenteuer.
Es ist erst kurz vor neun Uhr an diesem sonnigen Wintertag. Doch die Übungsloipen im Ramsauer WM-Stadion sind schon gut gefüllt. Schulklassen tummeln sich hier genauso wie Urlaubsgäste und ausgewiesene Könner des nordischen Sports. „Wir betreuen pro Jahr etwa 3.000 Skischüler. 70 Prozent von ihnen sind Anfänger oder mittlere Fahrer“ , sagt der Leiter der Langlaufschule fit & fun, Reinhold „Reini“ Kaurzinek. Sie ist eine von vier derartigen Schulen vor Ort.
3.000 Skilanglaufschüler im Jahr bei fit & fun in Ramsau
Schnupperkurse , Langlauf- und Skatingkurse einzeln oder in der Gruppe sowie Laser-Biathlon stehen zur Auswahl. „Für die meisten reichen zwei Tage Unterricht im klassischen Stil und vier Tage Skating aus. Sehr beliebt sind unsere Ferienkurse für jüngere Schülerinnen und Schüler“ , erklärt der mehrfache österreichische Meister im Langlauf. Eine internationale Jury verlieh ihm und seinem Team den Titel „Beste Langlaufschule Europas“ .

© Peter Redlich

Um das rund 220 Kilometer umfassende Loipennetz (125 km klassisch, 95 km Skating) auf dem Sonnenplateau am Dachstein in der Steiermark kümmern sich Thomas Glaser, Geschäftsführer der Ramsauer Verkehrsbetriebe GmbH, und seine Mitarbeiter. „Seit 20. Oktober 2025 stehen sie unter Strom, produzieren Kunstschnee und machen einen guten Job. Etwa 35.000 Kubikmeter Schnee stellen wir jeden Winter her, decken ihn mit Hackschnitzeln und einer Plane ab, damit er sich den Sommer über hält. Snowfarming wird das genannt“, so der Geschäftsführer, der selbst begeisterter Langläufer ist.
Snowfarming, Speicherteich und 16 Schneekanonen
Nach seinen Worten reichen 15 bis 20 Zentimeter der weißen Pracht für den Sport auf den langen, schmalen Brettern. 16 Schneekanonen stehen bereit, wenn auf Frau Holle kein Verlass ist. In der Wintersaison sind täglich fünf Fahrzeuge im Einsatz, um die Loipen perfekt zu präparieren.
Eigens für das Beschneien gibt es einen Speicherteich, der 17.000 Kubikmeter Wasser fasst. Eine Tageskarte für die Loipennutzung kostet 20,50 Euro (mit WinterCard 17,50 Euro), eine Wochenkarte 67,50 Euro (mit WinterCard 54 Euro). Wer nach oben strebt, kann die Höhenloipen am Dachstein sowie am Hallstädter und Schladminger Gletscher nutzen, muss aber Mehrkosten für die Seilbahnfahrt und die Maut der Dachsteinstraße einplanen.

Regelmäßig bereiten sich Skilanglauf-Nationalmannschaften in der Ramsau auf die kommende Saison vor, auch die deutschen Damen und Herren unter Bundestrainer Peter Schlickenrieder. Hier sogar heimisch geworden ist eine aus Sachsen stammende Spitzenathletin: Claudia Nystad, ehemals Künzel.
Olympiasiegerin Claudia Nystad ist jetzt hier zu Hause
Die gebürtige Zschopauerin, die einst für den WSC Erzgebirge Oberwiesenthal startete, gewann in ihrer Karriere sechs olympische Medaillen, davon zweimal Gold, und fünf bei Weltmeisterschaften. Damit ist sie die erfolgreichste deutsche Langläuferin der Gegenwart. Heute gibt sie als Trainerin Gästen eines ortsansässigen Hotels Privatunterricht in ihrer Sportart. Mit etwas Glück kann man ihr im Stadion dabei zuschauen.
Ihr norwegischer Ehemann Trond Nystad gilt als Experte für Trainingsmethoden und Athletik. Mit seinem Unternehmen MYRA betreut und berät er Athleten sowie Verbände in aller Welt, auch den Österreichischen Skiverband.
Almkulinarik von Haubenkoch Richard Rauch auf 16 Hütten
Thomas Glaser treffe ich in der „Ederstube“ – und das aus gutem Grund. Gemeinsam mit 15 weiteren Almhütten beteiligt sich der Bauernhof mit Pension und Lokal an der Schladming-Dachstein Almkulinarik. „2019 rief Haubenkoch Richard Rauch dieses kulinarische Angebot gemeinsam mit damals neun Almhütten ins Leben. Traditionelle regionale Gerichte mit Zutaten von Lieferanten aus der Nachbarschaft werden dabei auf moderne Weise interpretiert. Jede Hütte spezialisiert sich auf ein solches Gericht – eine Vorspeise, einen Hauptgang oder ein Dessert“, so der Geschäftsführer.


Im Falle der „Ederstube“ ist es ein Rindsragout vom Pustertaler Sprinzen mit Tagliatelle. „Die Pustertaler Sprinzen sind eine seltene Rinderrasse, die wir züchten und für das Gericht nutzen“ , erläutert Wirtin Christine Pitzer. „Natürlich stehen bei uns aber auch regionale Spezialitäten wie Steirischer Käse, ein Graukäse, oder süße Krapfen aus Weizenmehl und Hefe mit Preiselbeeren auf der Speisekarte.“
Kutschfahrt in der pferdefreundlichsten Gemeinde Österreichs
Eine weitere Zuchtspezialität des Bauernhofes sind Noriker-Pferde, wegen ihres schwarzen Hauptes auch Mohrenköpfe genannt. Dem kräftigen und ausdauernden Gebirgskaltblut begegne ich am Abend wieder, als Kutscher Florian Hutegger vom Angererhof mit seinem Pferdeschlitten vorfährt.
Lady (17 Jahre) und Rüster (11 Jahre) haben wenig Mühe, unsere Gruppe – warm eingepackt in eine kuschlige Decke – durch die schneebedeckte Berglandschaft den Obertalbach entlang von der Wippacher Stube bis zum Hinteren Obertal und zurück zu bringen. Hier leben Gemsen und Hirsche, die aber wohl schon schlafen.

© S. Redlich

Für diese romantische Fahrt können die Gäste unter 25 Anbietern auswählen. Ramsau am Dachstein gilt als pferdefreundlichste Gemeinde Österreichs. „Bis zu vier Fahrten am Tag übernimmt unser Familienbetrieb in dritter Generation. Dabei wechseln sich die Pferde ab“, sagt Florian Hutegger, der von Beruf Zimmermann ist. Die einstündige Fahrt kostet 19 Euro, die 1,5-Stunden- Fahrt 23 Euro pro Person. Reicht der Schnee nicht aus, kann der Schlitten statt auf Kufen auf Rädern rollen.
Keine Stunde, sondern nur zehn Minuten dauert die Fahrt mit der Gletscherbahn Dachstein bis zur Bergstation „Energiekristall“. Das Ausblick von der Gondel auf die Bergwelt mit Torstein, Mitterspitz und Hohem Dachstein ist atemberaubend. Noch spektakulärer wird es oben in 2.700 Metern Höhe. Zunächst betrete ich die Aussichtsplattform Sky Walk und genieße bei strahlendem Sonnenschein das Panorama.
Von der Himmelsleiter zur Brücke ins Nichts
Auf der Dachstein-Himmelsleiter führen zwölf schmale Stufen hinauf auf ein Glaspodest mit freiem Blick auf den Dachstein, der zu den eindrucksvollsten Gipfeln der Alpen zählt. Ein klein wenig Überwindung kostet es mich schon, die 100 Meter lange Hängebrücke entlang zu laufen, die sich über die Felswände spannt. An ihrem Ende folgt die Brücke ins Nichts: ein Glasplateau 400 Meter über dem Wandfuß.

Und dann geht es hinein in den Eispalast: eine faszinierende Welt aus glitzerndem, gefrorenem Wasser sechs Meter unter dem Gletscher. Zu den kunstvoll gestalteten Skulpturen in den stollenartigen Gängen gehört auch die des Geografen und Alpenforschers Friedrich Simony (1813 – 1896). Am 14. Januar 1847 erklomm er den fast 3.000 Meter hohen Dachstein-Gipfel erstmals im Winter.
Seilbahn überwindet 1.000 Meter Höhenunterschied
Wesentlich bequemer ist da die Fahrt mit der Gletscherbahn. 1969 wurde die Seilbahn gebaut und seitdem immer wieder modernisiert. 2.200 Meter beträgt die Fahrstrecke, 1.000 Meter der Höhenunterschied. Für Kontrollen und Reparaturen sind Seilbahntechniker Markus Schiefer und seine Kollegen zuständig.


„Unsere gilt als eine der längsten frei schwebenden Seilbahnen Österreichs, das Tragseil ist 2,5 Kilometer lang und hält etwa 50 Jahre. Die beiden Motoren haben eine Leistung von jeweils 350 Kilowatt, die Antriebsscheibe stammt noch von 1969“, so der Fachmann. „Der Arbeitstag beginnt immer mit einer Revisionsfahrt um 7.30 Uhr. Von 8 bis 16 Uhr befördern wir die Gäste, aber auch Wasser oder Lebensmittel. Im Winter sind es 30 bis 35 Fahrten, im Sommer 80 bis 90 Fahrten pro Tag. “ Die Berg- und Talfahrt für Erwachsene kostet 57,00 Euro, für Kinder 28,50 Euro. Eine Vorab-Reservierung der Gondel ist erforderlich (2,90 Euro Buchungsgebühr). 54 Personen passen in eine Gondel.
Bergstation mit Photovoltaikanlage und Gletscherrestaurant
Jedes Jahr prüft der TÜV Sicherheit und Funktionstüchtigkeit der Gletscherbahn. Eine Photovoltaikanlage an der Fassade der modernen Bergstation wird für die Eigenversorgung mit Strom genutzt. Regionale Spezialitäten stehen im nagelneuen Gletscherrestaurant auf der Speisekarte. Den umwerfenden 280-Grad-Panoramblick durch die großen Glasscheiben gibt es gratis. Von der „Himmelsbar“ aus sind die imposanten Südwände des Dachsteins zu sehen.
Wieder zurück im Tal macht Elisa Royer vom Tourismusverband Schladming-Dachstein auf die rund 300 Kilometer gut präparierte Winterwander- und Schneeschuhwege aufmerksam. Erfahrene Bergführer wie Herbert Raffalt oder Walter Walcher begleiten Wanderwillige regelmäßig zu den schönsten Orten der Region. Einer davon sind die Wilden Wasser. Die Wasserfälle an den Felswänden der Schladminger Tauern sind im Winter vereist.



Gut 90 Minuten dauert die Schneeschuhtour durchs Ramsauer Almgebiet. Zwischendurch gönnen wir uns auf der Walchalm eine kleine Stärkung – ein wunderbarer Platz, um den Blick auf die Bergwelt ringsum schweifen zu lassen.
Weitere Informationen: http://www.derdachstein.at/de
Beitragsfoto: Tourismusverband Schladming-Dachstein/Peter Burgstaller



