Pistenwelt der Verliebten – Dolomiti Superski

Die Herrin der Dolomiten, die Marmolada
Es gibt eine Welt, da bewegt man sich gleitend, schwebend, wie im Fluge, sie umfängt einen weiß, hat ein blaues Firmament, da strahlt die Sonne

Bild oben: Die Herrin der Dolomiten, die Marmolada; Foto: Ada Oh

Es gibt eine Welt, da bewegt man sich gleitend, schwebend, wie im Fluge, sie umfängt einen weiß, hat ein blaues Firmament, da strahlt die Sonne über traumhafter Landschaft, da begrenzen Berge den Horizont. Es ist die Welt von Dolomiti Superski. In ihr geht die Sonne zwar unter, das Reich ist ja auch nur 3000 Quadratkilometer groß, aber wenn sie versinkt, dann lässt sie die Dolomitfelsen erröten und nimmt der Nacht die Ängste. So verwundert nur den Fremden, dass am San Pellegrino – Pass eine Piste aufgemacht hat, welche Pista degli Innamorati, Piste der Verliebten, heißt. Sie ist 11 Kilometer lang und führt von der Bergstation am Col Margherita (2.514 m) bis nach Falcade (1.100 m). Verliebt, nicht in den Rausch der Tiefe, sondern in das langsame Skifahren, wo der Genuss der Berge und Felsformationen, der beschneiten Fläche, ja auch der Aufenthalt in den Hütten wichtiger ist als eine sich abhetzende Zeit. Wir haben hierher gut 4 und eine halbe Stunde von München gebraucht, bis Bozen, dann über Welschnofen und Moena. Von 1875 auf 2514 Meter Höhe brachte uns der Col-Margherita-Lift zu einer Station, die man futuristisch nennen mag, aber wohl nicht schön, die aussieht wie eine riesige braune Hutschachtel aus Blech. Oben, im Stehen an der Holzhütte gab es einen Cappuccino für 2 Euro, die Aussicht auf ein spektakuläres 360-Grad-Panorama, der Pale di San Martino als kostenlose Zugabe. Und dann ging es die 650 Höhenmeter hinab, auf der roten Variante, es gibt auch eine schwarze. Erste Rast im historischen Rifugio Capanna Passo Valles auf 2032 Metern Höhe. Eine Speckplatte und ein Knödel-Tris, zu gut, zu viel, dann weiter durch einen Lerchenwald bis zur Skibar Caverson des Hotels Dolomiti.
Ja, es stimmt, ähnliche Abfahrten gibt es einige im 3.000 km² großen Winterreich von Dolomiti Superski, und die Saison verspricht Schneesicherheit auf dem fast 1200 präparierte Pistenkilometer und 450 offene Lifte in allen 12 Skigebieten. Wir haben auch die Herrin besucht, die Marmolada. Der Sessel vom Fedaia Joch hinauf ist abgebaut worden, nur von der auf 1450 Meter liegende Talstation geht es hoch zum Punta Rocca auf 3265 Meter über dem Meer. Der Blick ist atemberaubend und lässt die leicht wackligen Knie vergessen. Da unten liegt die Dolomitenwelt, der Sellastock, die Langkofelgruppe – und im Südosten ahnt man das Meer. Und dann fahren wir die „Bellunese“ hinunter, 12 km lang, 1810 Meter Höhenunterschied, eisig und bucklig im dramatischen Mix, aber zum Glück nicht sonderlich voll.
Der andere Berg, dessen dramatischer Geschichte unsere Ehrerbietung gebührt, ist der Lagazuoi mit seinen Bergdohlen und den beiden Abfahrten, die eine zurück zur Gondel, die andere mit Stopp in der Scotoni-Hütte und finalem Pferde-Schlepp nach Armentarola.
Jedes Skigebiet im Marketing-Verbund hat seinen eigenen Charakter, man hat die Wahl von familienfreundlich (Seiser Alm, Civetta, Karersee) über mondän (Cortina d`Ampezzo), sportlich (Kronplatz, Cinque Torri) und betont gastronomisch (Alta Badia). Dabei ist jedes einzelne in sich so vielseitig, dass sich eine Kategorisierung eigentlich verbietet. Wem es darum geht, möglichst viel zu sehen, der macht sich an die Sellaronda oder wagt die Kaiserjägertour.
Die Dolomiti-Skiwelt hat jetzt ihre optimale Ausdehnung erreicht. Die 90 Millionen Euro, die im Sommer 2018 investiert wurden, dienten nicht der Schaffung neuer Skigebiete, sondern dem Ausbau und der Modernisierung bestehender Anlagen. Sicherheit und Komfort sollten erhöht und die Verbindungen für „Skireisende“ attraktiver werden.
Ein neuer Schwerpunkt für den Skipassverbund Dolomiti Superski sind mobile Dienste, Internetfeatures (dolomitisuperski.com) und Social Networks. Auf der Webseite „MyDolomiti“ findet eine Community ihren Treffpunkt.
Bei den Skipässen gibt es inzwischen so viele Varianten, dass man sich entweder vorher im Internet schlau gemacht und festgelegt hat, oder man sagt am Kassen-Schalter, was man will. Sinnvoll ist es, vorher zu checken, welche Wintersportereignisse anstehen, denn entweder will man genau dahin oder genau sie vermeiden. Die Alpen sind ein sensibles Sportgerät, auf den Punkt gebracht von Alessandro Marzola, dem Präsidenten der Plose AG: „Wenn es den Skisport nicht gäbe, gäbe es auch kein Drumherum. Nur die Skifahrer sorgen für die Auslastung.“ Auch Thomas Mussner, Chef von Dolomiti Superski will von klimawechselverträglicheren Sport- und Vergnügungsbetätigungen am dann wohlmöglich schneefreien alpinen Gerät nichts mehr hören. Recht hat er, solange es Pisten für Verliebte gibt, kann nichts passieren.

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