Neuerscheinung im Knesebeck-Verlag: Die letzten Nomaden der Arktis

Alles beginnt dabei mit einem sehr persönlichen Kapitel, mit einem Kuss der Mutter an den damals noch kleinen Erik Orsenna, einem Kuss wie ihn die Inuit pflegen, dem gegenseitigen Reiben der Nase. Es war im übertragenen Sinne seine erste Begegnung mit dem hohen Norden

Auch ein erfahrener Geograph und Berufsreisender kommt anhand dieses neuen Bandes vom Knesebeck-Verlag ins Staunen. Da begegnet man Völkern mit weitgehend unbekannten Namen, wie z. B. Korjaken, Jakuten und Organen.  Die jahrelange Auseinandersetzung des Autors in diese ferne und eigentlich lebensfeindliche Welt mündet schließlich in aktuelle Bestandsaufnahmen mit der unverblümten Warnung: „Es geht noch weiter, noch schlimmer.“ Gemeint ist neben der Gletscherschmelze u. a. auch das Austreten von Methangasen nach dem Auftauen der Permafrostböden.

Wer im polaren Winter mit Schlittenhunden, Rentierschlitten oder auch modernen Schneemobilen unterwegs war kann sich kaum vorstellen, anschließend auf Fellen über dem Schnee unter einem provisorischen Dach zu hausen. Zu verwöhnt sind wir doch und genießen eher die heiße Dusche im Hotel.

Aber in diesem außergewöhnlichen Buch wird durch gekonnte bildnerische Wiedergabe von Alltagsszenen gegenwärtig, unter welch nahezu unvorstellbaren Umständen die Nomaden der Arktis überleben. Nach uralter Tradition ziehen sie umher und leben in Harmonie mit der rauen Natur des hohen Nordens.

Es sind beeindruckende Details, wie etwa ein zusammen genähtes Robbenfell aufgeblasen wird, damit es bei der Robbenjagd als Schwimmer dient, oder wie eine alte Nomadin in einer eher primitiven Hütte Tee kocht. Doch neben dem eher Gewöhnlichen sehen wir die Naturvölker auch bei der Bergung von Mammutstoßzähnen. Immer wieder treten diese aus dem Permafrost zutage.

Im Anhang finden sich 17 Protraitseiten, Nomaden beiderlei Geschlechts in verschiedenem Alter in Alltagskluft. Anschließend folgt eine Übersicht der dargestellten Volksgruppen, sowie ein denkwürdiges Nachwort: „Arktische Perspektiven oder der Optimismus indigener Völker“. Damit ist als teils positiver Ausblick gemeint, dass der Klimawandel für die Arktis alleine betrachtet nicht nur Nachteile mit sich bringt, sofern Anpassung und Innovationen damit Schritt halten.

Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprodukt vieler erfahrener Spezialisten, übersetzt aus dem Französischen. Der französisch-amerikanische FotografFrancis Latreillebegleitet die letzten Nomaden unserer Zeit bereits seit 30 Jahren und hält diese von gesellschaftlichen und klimatischen Veränderungen bedrohte Welt als eine Welt voller Menschlichkeit in fantastischen Bildern fest.

Rentierzüchter, Trapper, Jäger, Nomaden – in der Arktis leben viele Menschen noch immer auf traditionelle Art und Weise, auch wenn gesellschaftliche Veränderungen, Umweltprobleme und der globale Klimawandel ihre Lebensgrundlage und ihre Kulturen bedrohen. Seit 30 Jahren bereist Francis Latreille die Arktis, um die dort lebenden Menschen zu besuchen und zu fotografieren: die Dolganen und die Nenzen im Norden Russlands, die Tschuktschen und die Jakuten im fernöstlichen Sibirien, die Korjaken auf Kamtschatka, die Sami im Norden Skandinaviens und die Inuit in Kanada und auf Grönland. Er folgte ihnen auf ihren Herdenwanderungen durch die Tundra, ging mit ihnen auf die Jagd und zum Fischen und teilte den Alltag mit ihnen. So bildete sich eine enge Bindung, aus der die eindrucksvollen und emotionalen Bilder über das naturverbundene Leben dieser Menschen entstanden sind.

Francis Latreille wurde bereits mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Er spezialisierte sich früh auf die Fotografie in der Arktis und im hohen Norden. Seine Fotografien wurden bereits in namhaften Magazinen wie LifeTime und Newsweek veröffentlicht.

Kommentiert wird der wunderbare Bildband im Anhang von Experten des französischen naturgeschichtlichen Nationalmuseums. Diese wunderbare Dokumentation vermittelt das Bild der letzten Nomaden des hohen Nordens, die mit der Natur leben und der Moderne trotzen.

Knesebeck-Verlag: Die letzten Nomaden der Arktis; von Francis LatreilleErik OrsennaYann Borjon-PrivéKaren Hoffmann-SchickelDominique Samson Normand de Chambourg

23.0 x 28.5 cm, gebunden, 232 Seiten mit 250 farbigen Abbildungen

Übersetzt von: Holger Fock, Sabine Müller

ISBN 978-3-95728-351-1

Das Buch erscheint am 15. 10. 2019

https://www.knesebeck-verlag.de/die_letzten_nomaden_der_arktis/t-1/831

 

Geschrieben von
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