Mit Major Tom auf dem Planetenweg: Traumtrails beim Rosadira Bike Festival

Im Südtiroler Eggental sind Genussfahrer, aber auch Freaks goldrichtig. Hier gibt es auf Trails jeder Schwierigkeitsstufe mitten in der Natur knackige Downhills, grandiose Ausblicke und immer wieder Neues zu entdecken. Und für alle, die an ihrer Technik feilen wollen, ist das Skilltraining beim Rosadira Bike Festival der ideale Einstieg.

geschrieben von Birgit Werner                                         mit Fotos von Andreas Bienert

Meine Pedale stehen waagrecht. “Jetzt den Körperschwerpunkt nach hinten verlagern”, ruft mir Florian der Mountainbiketrainer zu. Mit Zeige- und Mittelfinger ziehe ich dosiert an der Bremse. Jetzt nur nicht das Hinterrad blockieren, schießt es mir durch den Kopf, als ich auf dem steilen Übungstrail über den trockenen Schotter Richtung Tal rolle. „Arme leicht anwinkeln, nicht nach unten schauen, sondern immer das Ziel anvisieren“, weiß Florian. Das klappt super. „Wer diese Technik gut beherrscht, wird im Gelände später keine böse Überraschung erleben“, betont er. Irgendwie runtergekommen bin ich ja immer, aber eben nur irgendwie. Die Profitipps von Florian rüsten mich auf jeden Fall für die ausgewählten Touren in den nächsten Tagen.

Bis die Berge glühen

Das Geniale am Rosadira Bike Festival ist, schon vor dem Besuch kann online aus dem umfangreichen Kursangebot ausgewählt werden. „Bei der Zusammenstellung haben wir darauf geachtet, dass sowohl Anfänger und Kinder, als auch versierte Fahrer ein abwechslungsreiches Programm genießen können“, erklärt Florian Eisath, Geschäftsführer von Carezza Dolomites und Initiator des Bikefestivals. Damit auch alle ihren individuellen Fahrspaß haben, wurde an Trails für Genussfahrer mit und ohne E-Antrieb getüftelt. Technikkurse für sicheres Biken auf den Naturtrails, Forststraßen oder Mulden ergänzen das große Angebot. Kids dürfen sich nicht nur über extra Kurse, sondern auch über Wettkämpfe, Geschicklichkeits-Parcours und Schnitzeljagd freuen.

Dreh- und Angelpunkt des Festivals ist die Bergstation der Kabinenbahn Welschnofen: Hier gibt es das neueste Material beim Test-Center, hier startet der Carezza-Trail. Etwa 550 Höhenmeter geht es bergab, mit einem durchschnittlichen Gefälle von ca. 11 Prozent, auf bis zu 70 Meter langen Northshores und mehr als 45 Anliegern und Steilkurven. „Der Trail wird sehr gut angenommen und kurbelt die weitere Entwicklung zur Bikeregion an“, weiß Florian Eisath, der das Terrain von Kindesbeinen an kennt und in den bikegerechten Ausbau der Region viel Herzblut steckt.
Das nagelneue Fahrtechnik-Übungsgelände liegt gleich gegenüber. Der Carezza-Trail, der mehr als vier Kilometer lang mit Wellen und Sprüngen wieder zurück zur Talstation führt, ist das ideale Gelände, um Bikes und Fahrkönnen zu testen.

Dieses Jahr ist der Flow-Trail übrigens erstmals, genauso wie Welschnofen, ein Streckenabschnitt der Bike Transalp 2019.

Immer den Sternen nach

Zu den Highlights während des Rosadira Bike Festivals zählt für mich als Genussbiker der Trail zu Pluto, Mars & Co. Der Einstieg ist gleich auf 1.700 Höhenmeter bei der Frommer Alm und nicht nur mit dem Bike, sondern auch mit der Kabinenbahn Welschnofen, gut zu erreichen.

Auf dem Planetenweg den Mars rechts liegen lassen und hinter der Kurve links am Jupiter vorbei.

Was sich wie eine Anweisung für Astronauten anhört, ist die Wegbeschreibung der Planetentour, die sich auf 35 Kilometer erstreckt. Zu bewältigen ist der Sternentrail in 5-6 Stunden. Mit an Bord: Tom Major unser Bikeguide. „Bis auf zwei kurze Schiebepassagen erleben wir abwechslungsreiche Trails auf idyllischen Waldwegen“, weiß der gebürtige Eggentaler, der das Gebiet zwischen Latemar und Rosengarten bereits schon als kleiner Junge erforscht hat. Früher mit Rucksack, jetzt mit dem Bike. Bevor wir sehr entspannt am Nigerpass vorbei auf der Route Nummer 1 zum Schillerhof rollen, erinnert uns Tom noch daran, dass „alle Wege, die wir mit dem Rad befahren, ursprünglich Wanderwege sind. Deshalb solltet ihr den Wanderern immer respektvoll begegnen.”

Die Aussicht auf diesem Abschnitt ist grandios: Im Westen erhebt sich das charakteristische Schlern-Plateau mit der fast 2.500 hohen Santnerspitze. Im Süden, zum Greifen nah, erspähen wir den Rosengarten, der mit 2.600 Metern mehr als imposant ist. Nächster Stopp ist die Wolfsgrube. Hier wurden bis zum 18. Jahrhundert die letzten Wölfe gefangen gehalten, weiß Tom. Bald biegen wir links ab und folgen auf einem größtenteils flowigen Trail zuerst den Wegweisern “N” zum Buschenschank Unteregger, bis wir das erste Schild mit dem “P” für Pluto sehen.

Der Buschenschank liegt direkt bei der Sternwarte, die Mittelpunkt des Planetenweges ist und die Sonne symbolisiert.

Auf der Sonnenterrasse genießen wir Tiroler Schlutzkrapfen mit zerlassener Butter und wieder den Blick auf die Türme und Zinnen des Latemarmassivs, erblicken den Bozener Talkessel und den Penegal, den 1.737 Meter hohen Gipfel im Mendelkamm.
Hinter dem Haus geht’s sanft bergauf über softe Waldtrails vorbei an den Tafeln der sonnennahen Planeten Mars, Erde, Venus und Merkur. „Der Planetenweg führt im Maßstab 1:1 Milliarde durch Wiesen, Wälder und Biotope, also von Planet zu Planet durch unser Sonnensystem“, erklärt Tom, während unser Trail Jupiter, Saturn und ein Moor streift, in dem Lurche und Libellen leben. Überquert wird es auf einem Bretterweg, der am Ende richtig knackig über einen kurzen Wurzeltrail nochmal die gesamte Konzentration fordert und auf die Hauptstraße führt.

Mountainbike Glück mit grandiosen Aussichten

Nach diesem Traum-Trail folgen in den nächsten Tagen weitere Panoramafahrten: Herausragende landschaftliche Genüsse gehören zum Mountainbiken in den Dolomiten einfach dazu, und davon erleben wir an den Festival-Tagen mehr als unser Fahrrad Gänge hat. Absolutes Highlight neben der klassischen Latemarumrundung, die mit ihrem 5 km langen Traumtrail nach Moena ein Muss für jeden ambitionierten Biker ist, ist die 25 Kilometer lange Stradivaritour. Auf sanften Trails geht’s durch den schönsten Fichtenhochwald Europas, wo das bekannte Instrumentenholz herkommt, zum Karer See. Wie ein grüner Smaragd liegt er eingebettet in wildromantischer Landschaft und verführt mit seinem imposanten Panoramablick auf den Rosengarten. Nach einigen Steigungen ist es eine reine Wohltat, unsere Beine in den kühlen Bergsee zu tauchen, während sich der Rosengarten im sanften Abendlicht in einen tiefrot leuchtenden Riesen verwandelt, der im stillen See Kopf steht.

Damit wird das Eggental seinem Motto gerecht: Viel Fahrspaß in allen Schwierigkeitsgebieten. Vom Anstieg im alpinen Gelände bis zur kinderfreundlichen Variante der Latemarumrundung finden alle Mountainbiker ihre Traumtour. „Wir haben hier auch viele breite Forstwege, die das Hochplateu sehr gut erschließen und mit wenig Höhenmeteraufwand machbar sind“, so Florian Eisath. Dabei macht nicht nur die landschaftlich einmalige Lage inmitten des Dolomiten UNESCO Welterbe das Biken zum besonderen Erlebnis, auch die perfekten Rahmenbedingungen wie spezialisierte Hotels in allen Kategorien, Verleihstellen, Biketaxis und kundige Guides tragen dazu bei.

Check in:
Hotel Rosengarten***, www.hotelrosengarten.it
Rosengartenstraße 43, I-39056 Welschnofen

Check out:
Eggental Tourismus, www.eggental.com, info@eggental.com
Dolomitenstraße 4, I-39056 Welschnofen

Rosadira Bike Festival, www.rosadira-bike.com, info@rosadira-bike.com
Das Festival findet jedes Jahr im juni statt.

TrailXperience, www.trailxperience.com
Karwendelstraße 27, 83661 Lenggries

Sport Laurin, www.sportlaurin.com
Karerseestraße 12, I-39056 Welschnofen

Gasthaus Untereggerhof, www.untereggerhof.it
Learn 13, I-39053 Gummer (BZ)

Alpengasthof Frommer Alm, www.frommeralm.it
Nigerstrasse 14, I-39056 Welschnofen

Schiller Hof, www.schillerhof.it
Zischglweg 16, 39056 Welschnofen

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