Mach´s noch einmal Ehrhard – neunmal Kreuzfahrt durch Französisch Polynesien

Philip Duckwitz///

Da sitzt er oben auf der Brücke, neben dem Steuerraum des Kapitäns und wartet gespannt auf den Sonnenaufgang. Wie jeden Tag, wie jedes Mal auf dieser ganz besonderen Reise, die Ehrhard von Tahiti aus zu den weit entfernten Marquesas-Inseln unternimmt mit dem Schiff Aranui. Ein Frachtschiff, dass im hinteren Teil Passagiere in teils sehr vornehmen Kabinen transportiert. Das gibt es nun schon in der 4. Version als Nummer 5. Als ein Schiff chinesischer Eigner wurde die Nummer 4 ausgelassen, weil diese Zahl Unglück bringen soll. Mit den Jahren ist das Schiff immer luxuriöser geworden. Und Ehrhard ist nun schon das sechste Mal dabei, als ich ihn auf „seinem“ Schiff kennenlerne. Neun Reisen werden es insgesamt noch werden. Und auf Tahiti, aber ohne Kreuzfahrt, war er schon 13 Mal. Viele Zahlen, aber Erhard bringt nichts durcheinander.

Ehrhard ist Rentner, heute ist der ehemalige Erzieher aus dem brandenburgischen Zeuthen 72 Jahre alt. 2004 hat alles angefangen mit dem Kreuzfahren in Polynesien. Damals noch mit der Aranui 3, die Ehrhard geliebt hat, weil sie noch mehr ein Frachtschiff war als die heutige Aranui 5. Viermal, so erzählt er mir, ist er mit dem alten Schiff gefahren. Und als es 2015 ersetzt werden sollte, aber das neue noch nicht fertig war, da hat er sich gefreut wie ein Kind, dass er entgegen aller Planung noch mal auf seinem geliebten, alten Schiff Aranui 3 fahren durfte. Er war damals einer der Wenigen, die das als Glück empfanden.

Auf dem Schiff hat er nie luxuriös gewohnt, immer in den Schlafsälen auf Deck C, einmal bekam er ein Upgrade in eine Einzelkabine, ein kaum zu begreifendes Glück für ihn. Und das hausen mit mehren Menschen auf einem Raum für eine so lange Fahrt war für Ehrhard nie ein Problem. Er erinnert sich „eigentlich waren wir eine große Familie mit Problemen, wie sie in jeder Familie vorkommen. Die unterschiedlichen Sprachen fand ich hinderlich, aber dafür bin ich selbst verantwortlich. Es war für die meisten Reisenden und auch für mich ein großes Abenteuer“.

An seine erste Reise mit der Aranui erinnert er sich noch genau, sogar an das Datum, vom 16. September bis 1. Oktober 2004. „Meine erste Reise, nun das ist ja nun lange her“, beginnt er im Licht der aufgehenden Sonne hier an Deck. „Es war ja für mich alles neu, nicht nur das Schiff. Es war meine erste Reise mit einem Schiff überhaupt und dann waren die vielen Menschen, auf engem Raum und die Besatzung, unsere Betreuung, das tolle Essen. Ich war überwältigt von allem. Es war für mich nicht die reale Wirklichkeit, ich glaubte anfangs zu träumen.

Schmunzelnd fügt er hinzu, „ich war wohl eher der einzige Reisende, der mit einem „Schlabberlook“ auf dem Schiff war. Mein Wahrzeichen oder Erkennungsmerkmal war ein stets weißes T-Shirt mit kurzer, meist blauer ehemaliger Badeshorts und Birkenstock-Schuhen“. Heute kommen meist Menschen an Bord, die viel Geld haben, weniger das Abenteuer als die Exklusivität suchen, erläutert Ehrhard mit Blick auf die Veränderungen auf der Aranui, auch beim Wechsel von Version 3 auf 5.

Die Sonne erhebt sich langsam aus dem Meer und beleuchtet die markanten „Zuckerhüte“ der Insel Ua Pou. Zwei Säulen – daher der Name – die das Fundament des irdischen Glaubens bilden, so der polynesische Glaube. Ach ja, Ua Pou, erinnert sich Ehrhard. 2007 fand hier das „Festival des Arts des iles Marquises“ statt. Er erinnert sich „diese Reise war für mich ein besonderes Erlebnis auch wenn es diese an sich schon war. Es war wohl eher die Krönung, denn das Weihnachtsfest fiel mit dem noch heute üblichen „polynesischen“ Abend zusammen statt. Diese Veranstaltung auf der Aranui 3 war was Besonderes, es war traumhaft. Die Besatzung hatte sich was einfallen lassen und das war, so hatte ich den Eindruck, auch eine Herzensangelegenheit von ihr.”

Überhaupt ist Ehrhard jemand, der sich schnell freut über alles, was er auf der Reise an Bord und beim Landgang erlebt. Nicht immer ist er dabei, manchmal bleibt er auch einfach auf dem Schiff, er kennt die Ausflüge ja schon genau nach so vielen Reisen. Er macht dann „sein Ding“ wie er seine zurückhaltenden Aktivitäten nennt, meist lesen und in die Landschaft schauen, während auf dem Schiff der Betrieb weiter läuft und die Passagiere auf Entdeckungstour sind. „Da bin ich dann „unsichtbar“, erklärt er und holt wieder aus in seinen Erinnerungen.

Gelegentlich ist es auch vorgekommen, dass Reisende mitbekommen haben, dass ich schon öfter mitgefahren bin, mich fragen, was sich verändert hat, oder was schlechter geworden ist. Ich werde den Teufel tun und den Touristen irgendetwas zu erzählen, was sie verunsichern könnte. Alle freuen sich inzwischen auf Bora Bora, ich zum Beispiel nicht mehr, weil ich die Zeit lieber noch für die Marquesas hätte. Da will ich ihnen selbstverständlich nicht die Vorfreude verderben in dem ich sie darauf hinweise, dass es auch schlechtes Wetter geben kann und dann ein von Bord gehen, wegen möglichem starken Regen und Sturm sinnlos oder gar nicht möglich ist. Das hatten wir schon und die Reisenden haben von ihrem Traum nichts erlebt. Ich habe sie bedauert, denn wann kommen sie denn nochmal in ihrem Leben nach Bora Bora? Nur die wenigsten. Ich habe unter anderem auf Bora Bora schon alles erlebt, das herrlichste Wetter mit der schönsten Lagune und deshalb ist für mich ein Tag mit viel Sturm und Regen kein Problem“ erzählt Ehrhard, noch nicht ahnend, dass wir auf unserer Reise in eben so einen Sturm, einen Zyklon geraten werden, der Bora Bora vom Paradies zum Regenloch werden lässt.

Die Einheimischen hat er auf seinen Reisen immer als sehr freundlich empfunden. „Ich kann für mich nur davon reden, dass ich immer mit einer oder mehreren Muschelketten verabschiedet wurde. Das hat, wie mir Berichtet wurde eine gute bis schöne Bedeutung so etwa wie: Komm wieder.“ Natürlich gibt es eben wegen dieser Offenherzigkeit der Bewohner auch viele unschöne Erlebnisse mit Touristen. Unverschämtes Verhalten, Zechprellerei und andere Dinge hat er bei Mitreisenden gesehen, die zu Misstrauen und Ablehnung in der Insel-Bevölkerung führten. Das wundert ihn nicht.

Auf dem Schiff pflegte Ehrhard immer eine besondere Nähe zur Besatzung und erzählt „ich hatte oft sogar ein vielleicht „kumpelhaftes“ Verhältnis zur den Seeleuten, die meisten kannten mich ja schon von den vorangegangenen Reisen. Das sprach sich ja dann auch herum, dass „der“ wieder da ist. Das fand ich sehr schön. Einmal haben wir auch „Armdrücken“ gemacht, aber da hatte ich gegen diese „Muskelpakete“ selbstverständlich keine Chance.“ Solche Anekdoten halten seine zahlreichen Erinnerungen an dieses Schiff am Leben.

Und wieder schweift er ab zu einem seiner Insel-Ausflüge. Ich frage ihn, welches Insel-Erlebnis denn für ihn das Großartigste war. „Als eine der Höhepunkte der Reise mit der Aranui 3 war und ist noch immer eine mehrere Stunden lange Wanderung auf Fatu Hiva. Bei meiner ersten Wanderung habe ich mit meiner Leica sehr viel fotografiert. Nach dem 37. vermeintlichen Foto wurde ich stutzig und musste feststellen, dass der darin befindliche Film überhaupt nicht transportiert worden war, weil ich zu geizig war und den Film nicht weit genug eingelegt hatte. Für mich stand spontan fest, dass ich diese Reise wohl wiederholen müsste, wenn ich diese für mich verlorenen Aufnahmen noch machen möchte. Ich habe die Reise wiederholt aber nicht aus diesem Grund und nicht wie sich ja herausgestellt hat, nicht nur einmal“ lacht er. Alle Inseln haben ihren Reiz, fügt er hinzu. Aber Fatu Hiva und Ua Pou sind für ihn die schönsten, wohl weil er mit ihnen ganz besondere und persönliche Eindrücke verbindet. Aber auch schmerzliche Erfahrungen musste er eben dort einstecken, gesteht Ehrhard, doch auch das sind Erinnerungen, die bleiben. „Meine letzte, leider missratene Wanderung auf Fatu Hiva war ein einschneidendes Erlebnis für mich. Nach acht vergangenen Jahren machte ich mich mit voller Überzeugung, die Wanderung zu schaffen, auf den Weg. Die bittere Erfahrung, dass es nicht mehr geht, vorbei ist mit der Wanderung macht mir noch heute zu schaffen. Ich schaffte mit Müh und Not und der Unterstützung von einem sehr hilfsbereiten Menschen von der Besatzung gerade noch die Hälfte des Weges. Die andere Hälfte der Wanderung hat mir der vorhandene Schiffsarzt erspart“ .

Doch dann fährt er mit leuchten Augen weiter „ein denkwürdiger Abend war dann der vorletzte Abend, bevor die Aranui 3 ihre letzte Heimfahrt antrat. ich fühlte mich inzwischen mit „meinem“ Schiff verbunden.“

Das ist für Reisende, die nur ein- oder zweimal diese abenteuerliche Reise unternommen haben, wohl schwer zu verstehen. „Ich war sehr skeptisch, was für ein Schiff die Aranui 5 denn sein wird und was sich dann verändern wird. Reisende, die die Aranui 3 nicht kennen, können die auch mich entfachten Gefühle nicht verstehen. es war noch ein Frachtschiff mit Reisenden.“

Er schaut mich an und erklärt mir ob meines fragenden Gesichts „heute ist es umgekehrt, an den Reisen für die Gäste hat sich nicht großartiges verändert, sie haben weiterhin eine super schöne Reise und dafür sogen nicht nur ihre Betreuer-innen. Da sind ja noch die Menschen in der Küche und die, die uns so fleißig bedienen, und die von der Rezeption und die , die uns in der „Freien“ Zeit mit viel Engagement beschäftigen, die unsere Schlafräume reinigen und herrichten und der verantwortungsvolle Kapitän und seine Männer und manchmal ja auch eine Frau und noch viele andere, die ihre Kraft für uns einsetzen. Ihr Tun ist mehr als ihr Job.“

Lange höre ich Erhard, dem reisenden Rentner zu, der seine Liebe gefunden hat in Südsee, in eben diesem Schiff Aranui und der Fahrt durch Polynesien. Ich glaube ihm nicht, dass 2019 tatsächlich seine neunte und letzte Reise gewesen sein soll, auch wenn er heute älter ist. Schon mehrfach hat er beteuert „das war es jetzt“. Aber schelmisch fügt er hinzu: „Ich habe mich sogar oft „wie zu Hause“ gefühlt. Vielleicht auch einer der Gründe, immer wieder zu kommen?“

Mehr zur Aranui und zu den Möglichkeiten und Erlebnissen einer Reise durch Polynesien sind hier zu finden:

https://www.dieneuereiselust.de/artikel-ozeanien-ansehen/im-frachter-durchs-paradies-franzoesisch-polynesien.html

My location
Routenplanung starten
Mach´s noch einmal Ehrhard – neunmal Kreuzfahrt durch Französisch Polynesien
5 (100%) 1 vote

More from Philip Duckwitz

Lebendiges Langeland – aktiv in Dänemarks Region Syddanmark

Lebendiges Langeland – aktiv in Dänemarks Region Syddanmark5 (100%) 1 vote
Read More

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn − sieben =