Liebesschwur beim Heiligen Valentin Umbrien und Toskana – Region der Liebe und Romantik

Valentinstag – der Tag der Liebenden? Brauchen Liebende einen Tag? Von vielen wird der Valentinstag-Tag am 14. Februar deshalb scherzhaft als aktiver Tag des Blumen- und Süßwarenhandels bezeichnet. Zunehmend beteiligen sich am Tag der Liebenden auch andere Branchen wie Juweliere, Restaurants und Tourismus. Dabei hat Valentin, der Bischof aus der frühen Zeit der christlichen Kirche seine historische Bedeutung. In der italienischen Stadt Terni, in Süd-Umbrien garantieren die sterblichen Überreste des Heiligen Lebendigkeit im Tourismus.

 

Valentino
Liebesschwur am Glassarg vom Heiligen Valentino

Text & Foto: Harald Schmidt

„Der Heilige Valentin ist der Patron unserer Stadt.“, erklärt stolz Omero Mariani, der Tourismus-Marketingmanager von der Provinzhauptstadt Terni in Süd-Umbrien. Über Valentin, der nicht nur als Patron der Liebenden, sondern auch der Jugend, Reisenden und Imker gilt, gibt es gleich mehrere Geschichten. Verbürgt sein soll, dass Valentin in der Stadt Terni etwa 80 Km von Rom entfernt geboren wurde. Der Überlieferung nach soll er als Bischof zwischen Paaren Frieden gestiftet und erfolgreich nach christlichen Geboten auch Soldaten trotz Verbot von Kaiser Claudius II. verheiratet haben. Das war damals ein Gesetzesverstoß und wurde geahndet. Am 14. Februar 273 köpften die Römer den Bischof Valentin. Heute liegen seine Gebeine in einem gläsernen Sarg in der Basilika San Valentino in Terni.
Der heutige Kirchenbau aus dem 17. Jahrhundert steht in einem relativ nüchternen Teil der Stadt. Im Mussolini-Italien war die Rüstungsstadt Terni im Krieg von alliierten Bombern stark zerstört worden. Die Barockkirche blieb nahezu unzerstört. Mit offenen Türen empfängt sie ihre Gläubigen und Gäste an jedem Tag – nicht nur am Valentinstag. Das überdimensionale Altarbild umrahmt von kräftigen Säulen zieht zunächst die Blicke an. Überall stehen Vasen mit Blumenschmuck – weiße Lilien. Erst beim allmählichen Nähern fällt der Kristallsarg mit der kräftigen goldenen Umrahmung auf. Geschützt von oben wird er durch einen großen Baldachin. Im Schneewittchen-Sarg liegen die sterblichen Überreste des Heiligen. Sie sollen es sein. Frage des Gastes: „Sind sie es?“ „Aber wer glaubt, der zweifelt nicht“, antwortet Omero. Er wird Recht haben. Es sind die Gebeine von Valentino. Basta!
Absolute Stille erfüllt den Raum. Lediglich ein verlorenes Hüsteln wie in einer Konzertpause stört sie. Ein Brautpaar aus Asien schiebt sich aus einer Seitentür auf den schachbrettartigen weiß-schwarzen Fliesen vor den Altar ans Kopfende des Heiligen, der Paare unterschiedlicher Konfession und Herkunft getraut haben soll. Festlich als Brautpaar sind sie westlich gekleidet: Sie in Weiß, Er in Schwarz – „Sie sind schon verheiratet. Sie geben bei uns nur ein zusätzliches Ehe- oder Liebesversprechen ab“, raunt mir Omero zu. „Zu uns kommen Paare aller Altersgruppen. Es kommen Paare zu ihrer Silber- oder gar Gold-Hochzeit oder Liebespaare. Es kommen Paare verschiedener Konfessionen. Sie heiraten ja bei uns nicht, sondern legen nur einen Liebesschwur mit dem ‚Zeugen‘ Valentin ab. „Was heißt ‚nur‘? Das ist schon etwas Romantisches, Liebe vor dem Heiligen der Liebenden zu schwören. Doppelter Schwur hält vielleicht auch besser. Soziologische Befragungen gibt es zu diesen Liebestouristen noch nicht“, denkt der Gast. „Vorher oder anschließend machen sich die Liebeserklärer ein paar schöne Tage bei uns. Es gibt ja viel zu sehen und zu genießen“, setzt Omero fort. „Übrigens, wenn du mal im Februar zu uns kommst. Im gesamten Februar gibt es bei uns Angebote mit Herz. Da kannst du in die Geschichte von Valentino voll eintauchen. Am 19. Februar startet z.B. der Marathon ‚Run for Love‘, bei dem sich – wie kann es anders sein – alles um das Herz kreis-läuft. Start- und Zielbogen sind in Herzform. Entlang der Strecke feuern die Zuschauer die Teilnehmer mit hunderten Herzluftballons an. Diese Marathon-Liebes-Strecke verläuft durch Terni und die Valnerina, das idyllische Nera-Tal sowie vorbei an den Cascate delle Marmore. Das ist das Stichwort für noch mehr: Umbrien liegt zwar nicht am Meer, hat aber hat jede Menge Wasser. Umbrien wird geografisch gern als das ‚Grüne Herz‘ Italiens

bezeichnet“, so wirbt der Freund. Na, da muss der Gast doch wirklich mal im Februar wieder kommen …

Wasser, Wasser, Wasser fällt

Wasserfall in Süd-Umbrien
Der längste von Menschenhand geschaffene Wasserfall

Sie sind bis zu acht Kilometer entfernt zu hören – fallende Wassermassen. Der Gast denkt zunächst an ein Wasserkraftwerk, das Wassermassen aus dem Stausee fluten lässt. Ein weißer Berg aus winzigen Wassertropfen steigt aus den grünen Hügeln hervor und bewegt sich Richtung blauer Himmel. Einer der längsten Wasserfälle Europas stürzt unweit der Provinzhauptstadt Terni 165 m in die Tiefe – Cascate delle Marmore. Er stürzt in mehreren Stufen, teilt sich am Rande in kleine Ströme und führt sie wieder zusammen. Wir nähern uns per pedes. Die obere Kaskade wird bald sichtbar. Nach zweihundert Metern zu Fuß steht der Gast am Fuße, wo nichts mehr fällt und die Wassermassen ruhiger werdend ihren Weg ins Tal finden. Ein Schauspiel, das beruhigend bis zur Hypnose wirkt. Nur ein paar Teenager albern herum. Aber auch sie sind von ihrem Standpunkt mit Bella Vista auf das Wasser nicht wegzubringen. Wasser beeindruckt alle Altersgruppen.
Diesen künstlichen Wasserfall – es soll der längste von Menschenhand geschaffene auf der Welt sein – haben die Römer, besser gesagt ihre Sklaven, bereits 271 vor unserer Zeitrechnung angelegt, in dem sie den Fluss Velino in den Fluss Nero fallen ließen. Sie wollten damals die Versumpfung der fruchtbaren Ebene vermeiden. Was für eine Leistung auf dem Gebiet der Wasserkunst haben unsere Ahnen in der Antike vollbracht?! Seit 1924 wird die Kraft des Wassers auch für die Energieerzeugung genutzt. Deshalb wird das Wasser teilweise umgeleitet. Besagtes Naturschauspiel bleibt aber erhalten. Das Wasser wird zu bestimmten Zeiten einfach wieder in antike Bahnen gelenkt.
Übrigens, kann vor dieser Kulisse geheiratet werden. Dann rauscht es kräftig und das Paar spart, weil es keine rauschende Hochzeit mehr braucht. Kleiner Scherz – aber eine interessante Idee, denkt der Gast. Rauschen statt Orgelmusik. Die Natur spielt auf.
Omero bemerkt den staunenden Blick des Gastes und setzt noch Wasser darauf: „Der Marmore-Wasserfall gehört mit dem idyllischen Piediluco See zum Naturschutzgebiet der Valneria. Hier kannst du auf vielerlei Art relaxen: Spazierengehen oder Wandern auf Pilger-, Wald oder Höhlenwegen. Extremsportarten wie Canyoning, Rafting, Klettern oder Mountainbike bieten sich hier mit dem vielen Grün und dem klaren Wasser geradezu an.“
Der Gast muss schmunzeln: „Ob das Liebende alles verkraften. Na, klar, Liebe verleiht doch Flügel.“

Liebe und Süßes…

Piediluco See
Erholung mit Vielfalt am Piediluco See in Umbrien.

Doch Süd-Umbrien hat viel Kunst und – bei vielen Deutschen begehrt – viel ’ursprüngliches’ Italien, zu bieten. 250 antike oder mittelalterliche Städte und Siedlungen gibt es in der kleinen Provinz, also Romantik pur. Restaurants mit einer Spitzenküche – u.a. mit frisch in den Wäldern Süd-Umbriens geernteten aphrodisierenden Trüffeln – gehören dazu.
20 Autominuten von Terni entfernt führt die Familie Piermarini ein gleichnamiges Spitzenrestaurant im kleinen Ort Ferentillo, im Tal der Nerina, in den Ausläufern der Apenninen. Mit frischen Naturprodukten der Region und nach alter italienischer Hausmacherart wird sanft und schnell gekocht.
Süß ist die Liebe… Vorzügliche Spitzen-Gebäckspezialitäten gibt es in vielen kleinen Konditoreien der Provinz für Liebende und andere Gäste. Eine der besten Adressen in der Geburtsstadt von Valentino ist das 100jährigen „Café Pasticceria Pazzaglia“ von Stefano Amici. Sogar aus Rom kommen Gäste ausschließlich wegen des originellen und leckeren Gebäcks.
Doch damit nicht genug – Italiener lieben Süßes und vieles was wir Deutschen lieben, kommt von dort. Omero wirbt gleich noch für den Liebesmonat im Herzen Italiens: Wenn du mal im Februar kommst …“ „ Ja, doch – mache ich.“ „…dann solltest du dir ‚Cioccolentino‘ nicht entgehen lassen. Von 11. bis 14.Februar verwandelt sich die Piazza della Republica zum Schokoladenparadies. Bei der Schoko-Messe dreht sich dieses Jahr alles um das Motto „Baustelle: Liebe“, angelehnt an das Verkehrsschild ‚Bauarbeiten‘. An dutzenden Ständen in der Innenstadt gibt es Kunst aus Schokolade wie Brautschuhe in Originalgröße, Trend-Süßigkeiten wie Schoko-Döner oder klassische Pralinen.“ Liebe und Naschen passen gut

zusammen. Letzteres sollte allerdings dosiert erfolgen. Sonst könnten Liebe und Herz leiden.

Süße Schuhe zum Fest Cioccolentino

Mit den Augen Liebe genießen

Genuss für die Augen gibt es in Süd-Umbrien ebenso reichlich: Romantische mittel-alterliche Städte wie Orvieto, Narni oder Amélia mit wertvollen Bauwerken und Denk-mälern der Architekturgeschichte von den Etruskern bis in die Moderne. Dazu gehört unbedingt der Dom Santa Maria Assunta in Orvieto mit seiner hell-dunkel quer gestreiften Fassade und der Mosaik-Pracht. Im Innern des Doms warten wahre Meisterwerke. Ein Muss nicht nur für Kunstinteressierte sind z. B. die Fresken aus der Frührenaissance in der Kapelle Nuova. Die Maler Angelico und Gozzoli, Spitzenkünstler der Frührenaissance, hatten sie 1447 begonnen und der Maler Signorelli hatte sie Jahrzehnte später beendet. Die Fresken zeigen nicht nur religiöse Themen wie der „Antichrist“ oder das „Ende der Welt“. Erstmals seit der Antike wurde hier der nackte menschliche Körper exakt in verschiedenen Positionen dargestellt. Auch Michelangelo, der Star der Renaissance, lernte von diesen nackten Körpern. Signorelli hat einige Personen seiner Zeit wie z. B. seine verflossene Geliebte als Sünderin verewigt. Signorelli liebte nackte Körper. Allerdings „bekleidete“ er auf Druck einige wieder mit seinem Pinsel.

Spitzen-Kuchen im Café von Stefano Amici
Da kommen sogar die Römer: zu Stefano Amici in sein Cafe in Terni

Als Honorar soll der Maler tausend Liter Weißwein ’Orvieto Classico’ – ein Spitzenwein bis in die Gegenwart – bekommen haben. Diesen edlen Tropfen können Paare und Singles anschließend im so genannten ’Palast des Genusses’ probieren. In diesem ehemaligen Haus der vermeintlichen Keuschheit – einem Kloster – werden heute genussvolle Spitzenprodukte aus Umbrien präsentiert. Aber auch in jedem besseren Restaurant kann dieser Spitzenwein bestellt werden.
In der Kapelle mit den kunsthistorisch sensationellen Nacktbildern wird heute gern geheiratet. Ein Problem: die Warteliste ist lang – eine Bewährung für die Liebe.

Epilog

„Weißt du!“, meint Anette, die Begleiterin des Gastes: „Liebe ist nicht nur Thema Nummer ‚1‘ in Umbrien. Ich komme aus der Nachbarregion Toskana.“ „Ich weiß. Du wohnst im Traumurlaubsziel vieler Deutscher.“ „Ja, viele kommen im Sommer und Frühherbst zu uns. Doch wir können auch in der kühlen Jahreszeit Liebestourismus anbieten. Die Voraussetzungen für Romantik haben wir.“ „Ja, gutes Essen und Trinken“, unterbricht der Gast. „Und noch mehr: Es gibt doch noch viele romantische, unentdeckte Orte. Zum Beispiel das Gebiet der Lunigiana hinter Massa-Carrara birgt eine wunderbare Perle. Bei den Apuanischen Alpen liegt der kleine Ort Pontremoli. Durch ihn führt die alte Frankenstraße. Der malerische Ort mit seinen zahlreichen Brücken ist von paradiesischen

Wäldern umgeben, deren Bäume die Zutaten für viele typische Süßspeisen der Lunigiana liefern, darunter auch ‚Gli Amor di Pontremoli‘, süß wie die Liebe, deren Rezept bis heute geheim blieb. Eine weitere Liebesperle findest du in Lucignano im Chiana-Tal bei Arezzo Dort steht der 2,60 Meter hohe ‚Baum der Liebe‘, ein Meisterwerk gotischer Goldschmiedearbeit. Der Legende nach gilt er als Glücksbringer für Paare und Verliebte. Viele Paare geben deshalb im Stadtmuseum von Lucignano vor dem ‚Albero dell´Amore‘ ihr Ja-Wort. – Oder denke an das bekannte Florenz. Hier wird eine der berühmtesten Liebesgeschichten dem Dichter Dante und seiner großen Liebe Beatrice zugeschrieben. Mit 9 Jahren will er sie das erste Mal in Florenz im Portal der Kirche Santa Margherita dei Cerchi erblickt haben. Ob Fiktion oder Wahrheit, der mittelalterliche Charme der Gassen von Florenz lädt ohnehin zum Träumen ein. Heute hinterlassen Liebende in der Kirche von ‚Dante und Beatrice‘ Zettelbotschaften vor Beatrices Grab, um ihre eigene Liebe von ihr schützen zu lassen.“
Es gibt viele Ideen für eine romantische Liebespause im stressigen Alltag. Na dann – es lebe die (süße) Liebe, aber bitte nicht nur im Februar!

Information
www.umbriatourism.it/de
www.turismo.intoscana.it

 

Orvieto
Orvieto die alte Stadt mit der hohen Kunst – Kapelle der Nacktheit für Liebende

© Harald Schmidt

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