Kitzbühel kann auch anders

Auf urigen Hütten regionale Schmankerl schlemmen, beim Eisstockschießen mit den Einheimischen auf Tuchfühlung gehen und im weltbesten Skigebiet einsam seine Spuren ziehen: zauberhafter Winter in der legendären Sportstadt

Text Birgit Werner                       Fotos Andreas Bienert

Ach so! Kitzbühel ist nicht nur Adrenalin-Abfahrtsrausch auf der legendären Streif, Hahnenkammrennen-Mega-Event im Januar, Luxushotels, Edelrestaurants und dazwischen Schickimicki-Auflauf im Schnee?
Die Stadt kann Beides und ist dabei weltoffen, traditionell und voller Kontraste. Wir wollen mehr darüber erfahren. Bei einer Stadtführung durch seine geliebte Heimat entlocken wir dem Kitzbüheler Urgestein Pepi Treichl ein paar Wahrheiten. Wie etwa, daß die Bergbaustadt Kitzbühel bis ins 19. Jahrhundert das nördliche Alpenvorland mit Kupfer versorgte. “Der Skizirkus ging erst los”, betont der Berg- und Stadtführer Pepi Treichl, “als sich der Kupfer-Boom legte und 1893 die ersten Skifahrer kamen.” Franz Reisch machte den Anfang, als er mutig mit seinen Brettern vom Kitzbüheler Horn die erste hochalpine Abfahrt wagte. “1902 wurde dann der Kitzbüheler Ski Club gegründet”, erklärt Pepi. Der gehört auch heute noch zu den berühmtesten und größten Ski Clubs der Welt. Die Organisation des Hahnenkamm-Rennens und die Jugendsportförderung zählen zu seinen wichtigsten Aufgaben.
Und weiter geht es auf verschlungenen Wegen vorbei an all den adrett bunt gestrichenen Häusern und Luxusboutiquen.


Kitzbühel royal
Kein anderer Skiort kann auf eine derart lange und erfolgreiche Skitradition zurückblicken. „Wir verstehen uns als Sportstadt und sind den Tourismus ja schon seit eintausend Jahren gewohnt”, betont Pepi. Immer wieder weiß der quirlige Mittsechziger interessante Geschichten von damals zu erzählen. Schließlich hat er sich als Bub schon die ersten Dollar dazu verdient, indem er für englische Touristen Caddy auf dem Golfplatz spielte. „Ist das nicht nervig, wenn so viele Touristen in die Stadt kommen“, frage ich. „Nein, wir leben unsere Dienstleistung.“ Schließlich kommen und kamen die Briten seit den dreißiger Jahren in Scharen hierher. Edward Windsor, Prince of Wales, der 1935 zwei Wochen in dem kleinen Städtchen in Tirol urlaubte, machte es vor und ebnete den Weg für Jetset und Schickeria, die noch heute regelmäßig aus London, Wien oder München hierher stürmen. „Du musst deine Gäste mögen und die Heimat mit Ihnen teilen wollen, was manchmal nicht einfach ist“, erklärt Pepi und betont mit Nachdruck, „eines aber verkaufen wir in Kitzbühel nicht: uns selbst.” Deshalb sind die Kitzbüheler abends in Wirtshäusern unter sich, trinken Bier, spielen Karten und hören Zithermusik. Nicht weil die Touristen das mögen, sondern weil sie es seit jeher so kennen.

Hotel Kitzhof Mountain Design Resort: mit Herzlichkeit und Stil
Mittlerweile ist auch Frau Holle aufgewacht und schüttelt kräftig ihre Betten. Es schneit und Eiskristalle glitzern in der Wintersonne. Schnee knirscht unter unseren Füßen: Romantik pur in dieser stillen Naturlandschaft. Wir machen uns von der Innenstadt auf in Richtung Hotel Kitzhof. Das Kitzhof Mountain Design Resort ist nur 5 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Dieses Hotel ist keine Unterkunft mit plumpem Alpenkitsch, was der Name vermuten lässt. Alles nicht zu rustikal – hier kontrastieren gekonnt moderne und traditionelle Elemente: Knisternde Kamine, flauschige Felle und große Glasfassaden bestimmen das Ambiente. Heimelig ist es hier.

Fotos Hotel Kitzhof

Durch die Wahl der verarbeiteten Materialien bleibt trotz moderner Geradlinigkeit die Tradition immer präsent. Das gilt für die Fußböden aus Gebirgslärchenholz wie für den grauen und roten Loden der eleganten Möbel. Schwarzweiß-Fotografien von der „guten alten Zeit“ zieren die Wände. Sehr cool: immer wieder der Blick durch bodentiefe Fenster oder Glasfronten. Sogar von manchen Zimmern, wie zum Beispiel den Suiten im Dachgeschoß –  auf das Kitzbüheler Horn und den Hahnenkamm. Apropos Suiten: Die sind nicht nur unterschiedlich gestaltet, sie bieten auch Luxus mit Loftcharakter und Panoramasicht auf das streifsche Skispektakel im Januar. „Wir möchten unseren Gästen ausreichend Platz und den größtmöglichen Komfort bieten. Deshalb haben wir für unsere Junior-Suiten sogar Räume zusammengelegt und damit unsere Zimmeranzahl etwas reduziert“, erklärt Hoteldirektor Johannes Mitterer.

Total entspannt im Kitz Spa
Nach dem Geschichtsausflug lässt es sich im Wellnessbereich wunderbar entspannen. Zuerst mit ein paar Schwimmzügen im Indoor-Pool. Anschließend habe ich einen Termin zur Relax-Treatment Body Massage mit warmen Aromaölen. Im Spa verwöhnt Veronika mich und meinen müden Körper mit Jojobawachs-Peelingpartikeln, die sie sanft auf Armen, Beinen und Rücken in kreisenden Bewegungen einmassiert. Sie sollen die Durchblutung anregen und die Entgiftung des Körpers fördern. Nach 50 Minuten bin ich bereits unglaublich tiefenentspannt. Weil so viel Relaxen Appetit auf mehr macht, träume ich noch ein bißchen weiter – in der neuen Zirbensauna und beim zweiten Gang im Sanarium. Das Sole Dampfbad ist morgen dran. Erst in der Ruhezone mit plätscherndem Wasserfall gestatte ich mir und meinen Gliedern wieder ihre Funktion aufzunehmen.

Kulinarik mit Charakter im Hotel Kitzhof
Wunderbar relaxt, freue ich mich jetzt auf die Schmankerln von Küchenchef Martin Reiter. Schlemmen ist angesagt: Auf der Speisekarte gibt es neben ausgewogener und gesunder Küche auch Kulinarisches auf Gourmetniveau. Ein klassisches Hauptrestaurant? Gibts nicht. Lieber verwöhnt man die Gäste in einem der vier stylischen Restaurantsbereiche. Im Weißen Hirsch wird zum Beispiel jeden Morgen ein reichhaltiges Champagner-Frühstücksbuffet mit Blick über den Garten geboten. Abends geht’s in der Kitz Alm dann schonmal kulinarisch zu: bei wechselnden Gourmet-Menüs.

Fotos Kitzhof/Andreas Bienert

Ein Highlight ist die Vinothek mit dem angrenzendem, begehbarem Weinkeller, in der der Sommelier während wöchentlicher Degustationsmenüs die passende Weinbegleitung ausschenkt. Am Ende eines spannenden Tages genießen wir in der Kitz Lounge am offenen Kamin noch einen letzten Drink.

Spuren im Schnee
Am nächsten Tag geht’s mit der Hahnenkammbahn, die unweit des Hotels liegt, Richtung Starthaus Streif. Ausgerüstet mit Schneeschuhen, lassen wir uns mit der 1929 erbauten, ersten für das Skifahren konzipierten Seilbahn der Welt, in luftige Höhe bringen. Alle Gondeln tragen die Namen der Hahnenkammsieger. Vor uns hält Alberto Tomba, der Slalomsieger von 1995. Seine Gondel transportiert uns direkt zur Bergstation mit dem Restaurant Hochkitzbühel. Oben angekommen, grüßt uns von einer riesigen Plakatwand das Ski-Wunderteam von Kitzbühel. Das sind die sechs Top-Skirennläufer aus den 1950iger Jahren, bekannt als Dream-Team. Insgesamt 19 Medaillen bei olympischen Spielen konnten die Skilegenden einheimsen. An der Spitze der charismatische Toni Sailer.

Bei 50 cm frischem Neuschnee und Schneegestöber transportiert uns der Märchenlift direkt zum Starthaus der Streif.

Von hier sind es rasante 3.312 Meter bis zum Ziel … was für eine Abfahrt. Die höchste Beschleunigung erlebt man unmittelbar nach dem Start. Die ersten 160 Meter bis zur “Mausefalle” absolvieren die Skiprofis in 8,5 Sekunden. Den Mythos Streif selbst erleben? Nein … heute sind wir nicht mutig. Ein anderes Mal. Wir schnuppern nur Weltcupskirennen-Luft und lassen die berüchtigte Mausefalle liegen. Die Aussichten auf einen köstlichen Einkehrschwung auf der nächsten Hütte sind schon eher verlockend. Auf gehts zum Berghaus Tirol.

Mittlerweile ist es richtig zapfig geworten. Eisiger Wind pfeift auf 1.600 Metern Höhe, der Schneefall hat zugenommen. So könnte es auf einer Polar-Expedition sein. Nur noch 40 Minuten, versprechen uns Bettina und Dorle vom Fremdenverkehrsverein. Zwischen Fleckalm und Hahnenkammbahn gelegen, erreichen wir auf Schneeschuhen querfeldein stapfend , die mit Schindeln gezierte urige Hütte auf 1.750 Metern Höhe. Im Sommer dürfte der Blick auf das bezaubernde Bergpanorama sehenswert sein. Jetzt heißt es nur, rein in die warme Stube und bei traditionellen Schmankerln tiroler Gastfreundschaft genießen und die kalten Füße enteisen.

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Sooooo lecker  – der selbst gemachte Kaiserschmarrn im Berghaus Tirol.  Er schmeckt genau so, wie er aussieht.


Kuscheliges Kitzbühel
Ein Erlebnis für alle Sinne ist der Himmlische Advent am Rasmushof. Tausende rote Christbaumkugeln, ein ganzer Wald voller Tannenbäume erstrahlt in hellem Schein. Diese Romantisch-besinnliche Adventsstimmung mit viel Nostalgie, Streichelzoo für die Kleinen frisch gebackenen Kekse und  herrlich duftendem Glühwein ist eine wundervolle Art, Kitzbühel von der beschaulichen Seite kennen zu lernen.

Weihnachtsstimmung am Rasmushof

Check in
Hotel Kitzhof Mountain Design Resort, www.hotel-kitzhof.com
Übernachtung im Doppelzimmer im Winter ab 247 Euro, inklusive Champagnerfrühstück
Schwarzseestraße 8-10, A-6370 Kitzbühel

Check out
Kitzbühel Tourismus, www.kitzbuehel.com
Advent auf dem Rasmushof: www.rasmushof.at
25.11.-23.12., täglich 17-19 Uhr, Sa/So 16-19 Uhr
Berghaus Tirol: www.berghaustirol.at
Am Hahnenkamm, Öffnungszeiten: Abhängig vom Bergbahnbetrieb der Hahnenkammbahn
Stadtführer Pepi Treichl:  info@kitzevents.at
Bergbahnen Kitzbühel:  www.bergbahn-kitzbuehel.at

Autorin:
Birgit Werner, bw-reportagen@web.de

 

 

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