Kies, Schilf und schlechte Wege Bei einer Radtour um den Ammersee braucht man guten Spürsinn


Eigentlich wollte ich diese Tour nicht mehr machen. Aber irgendwie reizte es mich, nach fünf Jahren wieder einmal auf dem Rad den Ammersee zu umrunden. Vielleicht ist der Weg ja mittlerweile allein schon wegen des boomenden Radtourismus besser ausgebaut und eindeutig als Ammerseeradweg beschildert?

Foto: Tourismusverband Starnberger Fünf-Seen-Land
Kleine Pause (Foto: TV Starnberger Fünf-Seen-Land)

Gegen zehn Uhr morgens stellte ich mein Auto in Stegen auf dem großen, noch leeren Parkplatz ab, bezahlte die vier Euro Parkgebühr, schwinge mich frohgemut bei herrlichem Sonnenschein aufs Rad. Der Wegweiser Eching gegenüber vom Parkplatz zeigt mir, wo’s lang geht. Doch bereits nach wenigen Metern das erste Problem: Der Weg gabelte sich. Kein Hinweis. Links abbiegen oder durch die Autobahn-Unterführung? Zwei junge Damen kenne sich aus. Links geht’s weiter. Schondorf ist bald erreicht, dann Setting. Der Weg führt meisten nahe am See entlang, mal kiesig, dann asphaltiert. In Diessen, am südwestlichen Ende, lockt nahe der Anlegestelle ein Kiosk mit einem kühlen Weißbier. Nach Fischen fünf Kilometer – so steht es auf dem nächsten Wegweiser. Der Radweg wird jetzt ganz schmal, eher provisorisch. Dann endet der Pfad abrupt an einer viel befahrenen Straße – ohne Radweg. Es hilft nichts: Um auf die Ostseite des Sees nach Vorderfischen zu gelangen, muss ich auf die Straße. Glücklicherweise endet der Horrortrip bereits nach etwa drei Kilometern. Ein Schild zeigt auf den Radweg nach Herrsching. Doch zu früh gefreut – bereits nach rund zwei Kilometern lande ich im Kies vor einem Biergarten. Ein Einheimischer bremst sein Mountainbike ab. „Du musst jetzt ein kurzes Stück zurück auf die Straße“, meint er. Ich folge ihm. Nach ein paar Minuten lenkt er sein Rad wieder hinunter zum See. Das muss man wissen. Ein entsprechendes Schild habe ich nicht entdeckt. Der Uferweg ist kiesig und eher für Strandgänger geeignet. „Wenn’s Dir zu blöd wird, musst halt hinauf auf die Straße,“ meint mein Helfer und bleibt zurück. Ich bleibe unten am See, auch wenn das Radon wenig Spaß macht. Plötzlich stehen drei Stahlpfosten im Weg. Ein Bach rauscht in den See. Dicke Felsbrocken im Wasser fordern Fußgängern heraus, hinüber zu balancieren. Ich schaffe es mit meinem Rad auf der Schulter. Kurz vor Herrsching wird’s eng; auf matschigem Pfad durch dichtes Schilf gelange ich auf die Uferpromenade. Behutsam schlängele ich mich, immer mal wieder klingelnd, durch die Spaziergänger, Wanderer, Radfahrer, Mütter mit Kinderwagen. „Da brauchst net zu klingeln, du Kasper,“ meint ein spürbar gereizter älterer Mann. In mir steigt Ärger hoch. Weniger wegen dieser Bemerkung, eher wegen der Radwegweiser; sie zeigen in alle Richtungen, nur nicht in meine nach Rausch, Breitbeinig und Buch. Wieder kommt mir ein Ortskundiger zur Hilfe, diesmal ein Briefträger, ohne den ich den Weg, der nun bis Buch weitab vom See durchs Land führt, wohl kaum gefunden hätte.

In Buch suche ich erneut vergeblich nach dem weiterführenden Schild. Wieder habe ich Glück; ein freundlicher Einheimischer erklärt mir den Weg ohne auf die Bemerkung zu verzichten, die im Tourismusamt schon öfter auf die miserable Wegweisung hingewiesen zu haben. Na ja, irgend wie schaffe ich es zurück nach rund 52 Kilometern auf den jetzt vollen Parkplatz in Stegen. Und muss mich nicht mehr fragen, ob es mittlerweile einen durchgehenden Radweg mit dem Namen Ammerseeradweg gibt. Nein – den den gibt es wirklich nicht.

Henno Heintz

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