Im Moor und auf der Dübener Heide  

Mit dem Begriff » Geheimtipp« sollte man vorsichtig sein. Der Naturpark Dübener Heide gehört allerdings in diese Kategorie, ist er doch ein Kleinod für Naturfreunde und Großstädter zugleich. Eingebettet in den natürlichen Flusslandschaften von Elbe und Mulde, verströmt der größte Mischwald Mitteldeutschlands die Frische einer eiszeitlich geprägten Hügellandschaft. Hier kann man Naturerlebnis und Vitalurlaub bestens kombinieren.

„Achtung, bitte nicht auf das Geländer klettern, da unten fließt der Schleifbach durch den Obermühlenteich. Immer wieder muss ich die jüngeren Besucher davon abhalten, Unfug zu machen. Dabei haben wir hier im Museumsdorf Obermühle auch einen großen Klettergarten, in dem sie sich austoben können. Wer gar nicht hören will, bekommt von mir einen Kirschkern zugeworfen, von hier oben ist das ein Kinderspiel. Meistens sitze ich hier unterm Dach im Gebälk, so habe ich alles im Blick. Ich bin übrigens der Hans aus Bad Düben. Viele halten mich für eine schnöde Holzfigur, wenn die wüssten …

Schon mein Namensvetter hat hier in der Gegend im Oktober 1532 für Furore gesorgt, als er bei Düben mit zwei Pferden die Mulde überquerte. Des Pferdediebstahls bezichtigt, bekam der angesehene Kaufmann dann im Laufe der Zeit so richtig viel Ärger mit den Mächtigen in Brandenburg und Sachsen. Seine rebellische Ader gegen die Ungerechtigkeit, sein Fehdebrief gegen das ganze Land Sachsen und seine Unnachgiebigkeit führten am Ende zu seinem Tode. Kommt euch bekannt vor? Heinrich von Kleist hat das mit seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ weltberühmt gemacht.

Der Fehdebrief des Hans Kohlhase von 1534 wird im Turm der Burg Düben als Kopie gezeigt.

Also denkt dran, nicht zu viel Unfug treiben und nach dem Mühlenbesuch auch den Turm der Burg Düben besuchen, denn dort könnt eine Menge über diese berühmte Erzählung und ihren Ursprung lernen. Und denkt dran, benehmt euch beim Besuch Bad Dübens und des schönen Naturparks Dübener Heide, denn im Turmdurchgang befindet sich noch heute ein Verlies, in dem 1669 die der Hexerei verdächtigte Elisabeth Mann ihr Leben ließ. Und die Ohren und Augen auf, der Naturpark Dübener Heide ist etwas ganz Besonderes. Denn Heide ist nicht gleich Heide. Ja, es gibt in einigen Lichtungen auch blühende Erika, das Heidekraut, aber vor allem ist der Naturpark eine Wald- und Moorheide. Seine Attraktivität gründet sich vor allem auf einer abwechslungsreichen Kombination aus Fauna und Flora. Damit genug vom Hans aus der Obermühle, der euch einen spannenden und lehrreichen Aufenthalt hier in Nordsachsen wünscht.“

Das Turmzimmer veranschaulicht die wilden Zeiten des 16. Jahrhunderts.

Attraktiver Dübener Heidesonntag

Im 75.000 Hektar großen Naturpark Dübener Heide kreisen Kranich und Seeadler über romantischen Teichen und Seen. An ihren Ufern liegen zahlreiche Biberburgen unter mächtigen Buchen und Eichen, glänzt das Moos an sprudelnden Quellen und an feuchten Wiesen. In der reinen Luft kann man richtig durchatmen und am Wochenende lockt die Heidezeit zu Ausflügen in die Natur. Die Vielfalt der Dübener Heide lässt sich am besten an einem Heidesonntag erleben. Jeweils am ersten Sonntag eines Monats haben die „Heidemagneten“ geöffnet, das sind über ein Dutzend Ausflugsziele mit besonderem Charakter und Erlebnisangeboten.

Im Naturpark Dübener Heide gibt es mystisch anmutende Waldgebiete.

Ein verträumtes Wasserschloss, ein Fürstenhof der Renaissance und eine Stadt aus Eisen sind nur drei Ausflugsziele, die Besucher im Naturpark Dübener Heide im Herzen Mitteldeutschlands entdecken können. Diese Ausflugsorte sind vor allem für Menschen aus Leipzig, Halle, Dessau und Wittenberg sowie aus dem Raum Berlin und Dresden beliebte Ziele, die einen Sonntag lang die Heide mit allen Sinnen erlebbar machen. Die Dübener Heide ist somit eine klassische Ausflugs- und Naherholungsregion für Naturinteressierte, Wanderer und Radfahrer. Die Idee dahinter ist so einfach wie praktisch: An jedem Heidemagnet findet man einen attraktiven Rundwanderweg, Sehenswürdigkeiten, eine typische Heidegastronomie und eine Auswahl von regionalen Produkten wie Heidelbeerwein, Schafskäse vom Biohof oder deftige Wurstspezialitäten des Anbieterverbundes „Bestes aus der Dübener Heide“ vor. Auch wer lieber mit dem Fahrrad unterwegs sein will, kommt im Naturpark Dübener Heide auf seine Kosten. Ob Mulde- und Elberadweg oder der Lutherweg, sie alle laden zu landschaftlich schönen Touren ein. Empfehlenswert sind zudem Radausflüge um die Seenlandschaft der Goitzsche und den Seelhausener See, die für Naturentdecker ideale Bedingungen für einen Kurzurlaub bieten.

Dem Gesundbrunnen nördlich von Bad Düben werden heilende Kräfte nachgesagt.

Mit Rangern in der Dübener Heide unterwegs

Wer sich lieber zu den Schönheiten begleitet führen lassen will, ist bei den Naturparkführern gut aufgehoben. Sie nehmen die Gäste mit auf Wildtier-Erlebnis-Touren, bei denen Kraniche und Hirsche in der Brunftzeit beobachtet werden können. Für Natur- und Wildnis-Ausflüge bietet sich insbesondere das Presseler Heidewald- und Moorgebiet an. Es ist nahezu einzigartig in Deutschland und hat als Naturschutzgroßprojekt internationale Bedeutung erlangt. Das Kerngebiet ist stolze 7000 Hektar groß. Von 1790 bis 1850 und von 1946 bis 1951 wurde in diesem Sumpfgebiet Torf für Heizzwecke gestochen. Imposantes Zeugnis ist der Zadlitzbruch mit seinen seltenen Pflanzen wie Sumpfdotterblume, Wiesenstorchschnabel, Wollgras, Alderfarn, Seerose, Sonnentau, blauer Enzian und breitblättrige Kuckucksblume. Der Wildenhainer Bruch ist Rastplatz für Kraniche. Eine weitere, 30 Kilometer lange Tour folgt von Bad Düben bis nach Bad Schmiedeberg als „Heide-Biber-Tour“ den Spuren des Wappentiers des Naturparks Dübener Heide, dem Biber.

Die Holzskulpturen der Bank am Gesundbrunnen stammen von Raik Zenger.

Der Holzkünstler Raik Zenger ist auch Diplom-Mineraloge und setzt sich für die Reaktivierung der Arteser Brunnen ein.

Charmantes Bad Düben

Ziegenböcke und schlafende Riesen: Bad Düben ist nicht nur ein charmantes, frisches und modernes Kurstädtchen, man bewegt sich hier auch auf einem sagenreichen Boden. Da sind zum Beispiel die Ziegenböcke an der Rathausuhr zu nennen. Am Rathausturm in der historischen Altstadt erfreut ein hübscher Blickfang die Gäste der Stadt. Es sind zwei Ziegenböckchen, die zur vollen Stunde aus den Türchen oben am Rathausturm heraustreten und zum Stundenschlag der heute mehr als 300-jährigen Glocke mit ihren Hörnern zusammenstoßen.

Bad Düben war einst bekannt für seine artesischen Brunnen. auch der Marktbrunnen spendet heute gesundes Wasser.

Die Stadtchronik berichtet, dass im Jahr 1716 Düben von einem großen Feuer heimgesucht wurde, Apotheke, Rathaus, 57 Häuser und 18 Scheunen brannten damals nieder. Beklagt wurde aber auch die Vernichtung der Rathausuhr mitsamt dem besonderen Uhrwerk und den zwei Ziegenböcken mit ihren goldenen Hörnern. Im Jahre 2002 hat die Rathausuhr wieder zwei neue Ziegenböckchen bekommen, samt einer Inschrift an ihrer Rückseite: „Möge in diesem Haus kein Bockmist gemacht werden.“

Arteser Brunnen in Bad Düben

Bekannt ist Bad Düben auch für seinen Arteser Brunnen. Schläft unter der Stadt etwa ein Riese? Recht gruselig kann es einem werden, wenn man um Mitternacht am artesischen Brunnen an der Kirche vorbeigeht. Sobald man näherkommt, hört man das Geräusch eines schlafenden Schnarchers. Der Lautstärke nach müsste es sich um einen Riesen handeln, der dort irgendwo unter der Erde schläft. In Wirklichkeit kommt das Geräusch aber von dem stoßweise durch das Rohr laufenden Wassers. Man könnte wirklich an einen Riesen glauben, der im Brunnen eingeschlafen ist. Früher sprudelten in Bad Düben 14 öffentliche artesische Brunnen im Zentrum der Stadt. Nach 1974 versiegten die Brunnen aufgrund der Braunkohlegewinnung in den umliegenden Tagebauen und der Wasserentnahme durch das Wasserwerk.

Auch das Museumsdorf Obermühle mit dem Moorlehrpfad ist einen Besuch wert, auch Mühlen haben hier eine große Tradition.

Seit 2008 sprudelt wieder ein Arteser am Kur-Stadt-Weg, seine Brunnenfassung entspricht natürlich historischen Vorlagen. Auch heute wird das Wasser aus der Tiefe vielseitig genutzt, etwa durch das örtliche Wasserwerk sowie verschiedene Erdwärmesysteme. Seinen Ursprung hat das Wasser in den eiszeitlichen Aufstauchungszonen der Dübener Heide. Sie reichen von Radis bis Bad Schmiedeberg und südlich bis zum Eisenhammer. Das Wasser hat eine vorzügliche Trinkqualität und besitzt nur einen leicht erhöhten Eisengehalt. Früher war die Stadt für ihre charakteristischen Artesischen Brunnen weithin bekannt, sind sie doch eine geologische Besonderheit, die nur in wenigen Regionen vorkommt. Aus ihnen tritt gespanntes Wasser unter eigenem Überdruck zu Tage.

Von Natur aus Gesundheit in Bad Düben

Im Bad Dübener Kurpark kann man ausgiebig flanieren und die Ruhe genießen.

Natur und gute Luft gibt es hier zur Genüge, aber auch weitere Gesundheitsangebote gehören dazu: Vom Kräuter-Entspannungs-Wochenende, Medical Wellness und Kneipp-Kursen im Eisenmoorbad über Heilfastenkurse nach Buchinger, die der Landgasthof in Pressel anbietet, bis hin zu homöopathischen Angeboten nach Dr. Hahnemanns, die in Torgau zu bekommen sind, finden gesundheitsbewusste Menschen die passenden Angebote in der Naturparkregion. Ebenso können Besucher bei Rad- und Kanurundreisen etwas für Muskulatur sowie das Herz- und Kreislaufsystem tun. Inzwischen haben sich die vielfältigen naturheilkundlichen Angebote im Naturpark Dübener Heide zu einem Markenzeichen der Region entwickelt.

In der Burg Bad Düben übernachtete schon Napoleon. Das Landschaftsmuseum in der Burg ist äußerst sehenswert.

Heide-Biber-Tour durch die Dübener Heide

Wer sich lieber auf Schusters Rappen begeben möchte, ist auf der Heide-Biber-Tour genau richtig. Denn die Dübener Heide ist mittlerweile eine Art Geheimtipp für Wander- und Naturfreunde. Viele Menschen finden hier, vor allem am Wochenende, auf der Suche nach Ruhe und Bewegung in der Natur geeignete Möglichkeiten, dem oft hektischen Alltag einer Großstadt zu entfliehen.

Im Naturpark Dübener Heide gibt es zahlreiche Bäche und Seen, die mit traditioneller Technik reguliert werden.

Über 500 Kilometer Wander-, Fahrrad- und Reitwege sind in der Heide ausgeschildert und führen zu ruhigen Rastplätzen, stillen Seen und in idyllisch gelegene Heideorte. Die Heide-Biber-Tour zum Beispiel, ein 27 Kilometer langer Wanderweg zwischen den Kurstädten Bad Düben und Bad Schmiedeberg, trägt zu Recht das Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Eine Klassifizierung, die auch dem gesamten Naturpark Dübener Heide im Jahre 2020 als „Qualitäts-Naturpark“ zuerkannt wurde.

Zwischen Tornau uns Söllichau findet man diese schöne Heidelichtung.

Lila Blütenmeer in der Dübener Heide

Und wo kann man die blühende Heide am besten fotografieren? Viele Menschen, die oft jahrelang von üppig blühenden Heidekrautflächen träumen und dieses Erlebnis endlich einmal vor Ort zu Gesicht bekommen wollen, machen sich meistens auf den Weg in die Lüneburger Heide und wissen oft nicht, dass auch in der Dübener Heide dieses besondere Kraut mit der starken Anziehungskraft wächst und blüht.

Rund um den Presseler Weiher liegt ein großes Heide- und Moorgebiet.

Im Sommermonat August beginnt auch hier die Blüte des Heidekrautes, große Flächen leuchten dann in der typischen zartlila Farbe. Eine große Blühfläche befindet sich zum Beispiel entlang der L130 am Parkplatz »Reinharzer Weg« zwischen den Heidedörfern Tornau und Söllichau, rund fünf Kilometer nördlich von Bad Düben. Die dortige Rasthütte lädt zum Picknicken ein und der lila Farbteppich eignet sich bestens für ein Fotomotiv. Sind die Bilder für zu Hause gemacht, bietet sich eine Erkundung der Dübener Heide auf Schusters Rappen an. Wer vom Parkplatz aus in Richtung Tornau wandert, erreicht nach wenigen Metern den Qualitätswanderweg „Heide-Biber-Tour“.  

Die Dübener Bockwindmühle ist Teil der 12 Kilometer langen Mühlen-Radtour.

WEITERE INFORMATIONEN

Reiseland Sachsen, www.sachsen-tourismus.de

Leipzig Region, https://www.regionleipzig.de/

Naturpark Dübener Heide mit Naturparkhaus, www.naturpark-duebener-heide.com

Kurort Bad Düben, www.bad-dueben.de

Museumsdorf Dübener Heide, www.museumsdorf-duebener-heide.de

Übernachten

Heide Spa Bad Düben, www.heidespa-hotel.de

Essen & Trinken

Mühlenstube & Biergarten, www.heidespa.de/gastronomie

Hotel Restaurant National,https://hotel-national-bad-dueben.de/restaurant

Aktivitäten/Sehenswürdigkeiten

In Bad Düben gab es vor über 100 Jahren noch zwölf Mühlen. Heute sind fünf davon zu besichtigen: www.bad-dueben.de/tourismus-freizeit/stadt-entdecken/unsere-muehlen

Holzkunst Dübener Heide, Raik Zenger, www.holzkunst-duebenerheide.de

Verein Mühlenregion Nordsachsen, www.muehlen-nordsachsen.de

Landschaftsmuseum der Dübener Heide Burg Düben, www.bad-dueben.de/tourismus-freizeit/landschaftsmuseum

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Jörg Berghoff

Autor Kurzvorstellung:

Jörg Berghoff führt als freier Autor und Journalist seit 1998 ein Pressebüro für Tourismus, Kultur und Sport. Als Reisejournalist spezialisiert auf Irland, Großbritannien, Europa und Australien. Studium der Kunstgeschichte und Ethnologie, Winzermeister und Buchhändler.

Hinweis: Dieser Beitrag wird regelmäßig von Mitgliedern der Reise-Stories Redaktion wie Heiner Sieger, Gerhard Fuhrmann und Jupp Suttner auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft. Falls Sie Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, kontaktieren Sie bitte direkt hier die Redaktion.

Dieser Beitrag enthält möglicherweise Inhalte, die im Rahmen einer bezahlten Kooperation mit Marken, Hotels oder Partnern entstanden sind.

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