Hawaii: Die wilden Küstenstraßen von Maui

Weithin sichtbare Landmarke: Kahakuloa Head.

Die Road to Hana auf Maui ist weltbekannt, denn sie gilt als eine der schönsten Küstenstraßen überhaupt. Doch auf Maui gibt es mehr davon (Text/Foto: Markus Tischler)

Vom Ort Hana auf Maui heißt es, dass es das letzte Paradies auf dieser Hawaii-Insel sei. Das klingt nach hübsch, nach traumhaft schön. Sicher ist, dass Hana ziemlich abgeschieden liegt und in Sachen Paradies vermutlich eher der Weg dorthin das Ziel vieler Besucher ist als der Ort selbst. Wie bekannt wäre Hana also ohne den Hana Highway? Besser gesagt: die Road to Hana? Und warum heißt die Road to Hana, die zu den schönsten Küstenstraßen weltweit gezählt wird, nicht Road to Kipahulu? Schließlich endet der Hana Highway, der über 103 Kilometer von Kahului um die Nord-und Ostküste von Ost-Mau führt, in dieser einstigen Zuckerrohrstadt, von der allerdings kaum mehr als einige schöne Anwesen, kleine Häuschen und der eine oder andere Biobauernhof übriggeblieben ist.  Wer es bis hier geschafft hat, darf sich selbst beglückwünschen angesichts von angeblich 620 Kurven und 59, meist einspurigen, Brücken, die eine Fahrt zu einem Erlebnis werden lassen. Oder auch zu einem Albtraum. Denn die genannten Angaben gelten nur für die Fahrt in eine Richtung.

Warum sich viele Touristen entschließen, von Hana aus auf der Road to Hana zurück zu fahren und nicht auf dem Pi‘ilani Highway Ost-Maui zu umrunden, hat einen, wenn nicht zwei triftige Gründe: Vor und hinter der Siedlung Kaupo ist der Pi‘ilani Highway ausgesprochen schmal, zudem sind einige Passagen nicht asphaltiert, andere wiederum eine Art Flickenteppich der schlimmsten Sorte. Autoverleihfirmen sehen es daher nicht so gerne, wenn man mit ihren Wagen hier unterwegs ist. Grund Nummer zwei: Was hat der etwas mehr als 40 Kilometer lange Pi‘ilani Highway schon zu bieten, wenn man zuvor die Road to Hana gefahren ist? Regenwald? Gibt es auf dieser Seite von Maui nicht so wirklich. Wasserfälle? Wenig bis gar nicht vorhanden. Strände wie der Hookipa Beach, an dem man auch Seeschildkröten beobachten kann? Mangelware. Spektakuläre Aussichten? Aber alle Achtung. Nicht wenige Einheimische sind der Meinung, dass der Abschnitt an der Südwest-Ecke von Ost-Maui das Beste vom Besten ist.

Im Gegensatz zur Road to Hana hat man hier nämlich weitgehend freie Sicht auf den Verlauf der Straße, die Küste und vielleicht auch noch auf die karge und gut 3000 Meter aufragende Südwest-Seite des Haleakala Crater samt Kaupo Gap. Und das kilometerweit.  Mehr noch: Es geht später auf dem Kula Highway bis zum Ort Kula auf fast 1000 Meter hinauf. Und wer sich die Zeit nimmt und Glück mit dem Wetter hat, wird womöglich noch mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang belohnt für seinen Mut. Abgesehen davon liegt zwischen Hana und Kaupo noch die Ohe‘o Gulch. Mancher nennt diesen Küstenabschnitt, der zum Haleakala National Park gehört, auch Seven Sacred Pools. Allerdings ist dieses Gebiet weder heilig, noch handelt es sich um sieben Wasserbecken. Tatsächlich liegen zwischen den Waimoku Falls und dem Meer 24 Pools. Besonderheit hier: Der Trail zu den Wasserfällen führt durch einen Bambuswald, und in einem der Pools zum Meer hin ist baden möglich – wenn der Zugang nicht aufgrund starker Regenfälle wegen „high water“ verboten ist. Und auch das: Etwas mehr als einen Kilometer nach dem Abzweig zum Park steht die Palapala Ho‘omau Church samt kleinem Friedhof, auf dem Flugpionier Charles A. Lindbergh begraben liegt. Versogen sollte man sich allerdings in Hana, denn auf dem Weg zur der Ulupalakua Ranch samt Laden und Tedeschi Winery, Endpunkt des Pi’ilani Highway kann man nur im Kaupo Store einkaufen.

Der einsame Piilani Highway auf Maui, Hawaii (Foto: Markus Tischler)

Der Pi‘ilani Highway ist allerdings nur eine von zwei Straßen auf Maui, die weitaus weniger bekannt sind und dementsprechend weniger befahren als die „Road to Hana“. Im Süden von West-Maui liegen Orte wie Lahaiana mit seinen alten Häusern, in den meist Boutiquen, Andenkenläden und Restaurants untergebracht sind, und Ka’napali mit seinen Resorts und Hotels. Der Highway 30 führt danach weiter um die Nordwest-Ecke der Insel herum und durch eine Landschaft, die auf ihre Art nicht weniger faszinierend ist als die am Hana Highway. Die Straße verläuft sich über sattgrüne Klippen, erfordert aber zunehmend die Aufmerksamkeit des Fahrers. Vor allem, wenn der Highway 30 in den Highway 340 übergeht, wobei Highway eine reichlich unpassende Bezeichnung für die schmale Straße ist, die auch schon mal in 180-Grad-Kurven um hervorspringende Felsen herumwindet. Vorsicht ist also geboten, aber wer mal kurz Pause machen will: Kahakuloa ist ein Ort, an dem man bei einem gebackenen Bananenbrot mit Blick auf den weithin sichtbaren Kahakuloa Head gerne ein paar Minuten verweilt.

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