Hart am Puls – Die Sinnlichkeit der kurzen Hose

Frauke Gerbig (Foto oben) macht Sport. So oft es geht. So vielseitig wie möglich. Auf Reisen und zu Hause in München. Darüber berichtet sie. In Zeitungen und Magazinen, aber vor allem im Fitness-Magazin des Bayerischen Rundfunk auf B5aktuell. Ihre Glossen “Hart am Puls” erscheinen seit Mai 2016 online bei Reise-Stories.de.

Heute schon gesichtet? Oder gar selbst getragen? Die Rede ist von der kurzen Hose. Denn es ist doch so: Kaum strecken die ersten Schneeglöckchen ihre Köpfe aus der Erde, verbannen die Hardliner unter den Radlern und Läufern ihre langen, schwarzen, eng anliegenden Tights im Schrank und ziehen kurze Shorts an. Das ist ziemlich mutig von ihnen. Denn die meisten anderen, Nichtsportler, tragen noch Mütze und Handschuhe zur molligen Winterjacke, denn Sonne heißt ja nicht unbedingt Wärme. Aber seitdem die Jahreszeiten durcheinander kommen, an Weihnachten die Geranien blühen und verwirrte Insekten durch die Lüfte taumeln, sind auch Sportler und ihr jeweiliges Outfit von den Wetter-Kapriolen nicht verschont: Nix mehr ist wie es war. Denn Ende April  mussten selbst die Härtesten unter den Athleten etwas verschnupft wieder ihre Winter-Accesoires aus dem Schrank graben. Die Temperaturen waren unter Null gefallen, so wie der Schnee auf die bereits verblühten Schneeglöckchen. Ein herber Rückschlag also für alle Outdoor-Aktivisten, für die die ersten Trainingseinheiten im Frühjahr in kurzen Hosen zu den besten Momenten in ihrem ansonsten fordernden Sport-Alltag gehören.

Sage – kurze Hose – und du wirst sehen, wie die Augen des Athleten zu strahlen beginnen, ja wie sich ein Lächeln über seinem Gesicht ausbreitet. Denn eine kurze Hose zu tragen  ist ein sinnlicher Genuss: Du spürst den lauen Wind, die milde Sonne. Du fühlst Dich befreit, wie die Flüsse und Bäche bei Goethes Oster-Spaziergang. Du läufst oder radelst – völlig subjektiv empfunden und keineswegs von so genannten Experten wissenschaftlich belegt – schneller und leichter. Der prüfende Blick nach draußen, die Temperaturprobe auf dem Balkon oder der Terrasse, sind also die Kür bevor die Pflicht ruft. Signalisieren Wetter und Temperaturen das „Go“ für das Tragen der kurzen Hose, setzt die Hirnanhangdrüse  sofort jede Menge Glückshormone frei. Und könnte man die Gedanken und Empfindungen der jeweiligen Sportler hören, wäre – je nach Charakter und Typ – ein lautes Triumpfgeheul zu vernehmen oder ein leises, aber nicht weniger entschiedenes „Yes!“

Yes, we can. Und so laufen und biken sie. Selbstbewusst und freudig erregt. In kurzen Hosen. Die rot sind und blau und grün und gelb, aber auf keinen Fall  schwarz. Und wir, die wir noch in langen, eng anliegenden Hosen zur Arbeit schlurfen, vom Freiheitsgefühl so weit entfernt wie von den nächsten Schneeglöckchen, schauen den Kurzbehosten sehnsüchtig hinterher.

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