Val Gardena – das Feuer der Dolomiten

Das Grödnertal (Val Gardena) ist vor allem dank seiner perfekt präparierten Pisten und herrlichen Winterlandschaften bekannt. Doch auch im Frühherbst ist das Südtiroler Bergsportgbiet eine Reise wert.

‚Bënunì te Gherdëina‘ – willkommen in Gröden! Mit gutem Grund zählt das dreisprachige und 25 Kilometer lange Grödnertal zu den Mitgliedern der „Leading Mountain Resorts of the World.” Mit seinen drei Ortschaften St. Ulrich(1.236m), St. Christina(1.428m) und Wolkenstein (1.563m) begeistert es Naturfans, Wintersportler, Sommerfrischler und Kulturliebhaber gleichermaßen.

Mit dem Ende des Sommers beginnt in Südtirol eine ganz besondere Zeit: Burning Dolomites. Bevor der Mond am Abend komplett aufgeht, lassen die Sonnenstrahlen die zerklüfteten Berge im UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten in gelben, orangen und roten Farbnuancen erstrahlen. Alpenglühen, heißt dieses Phänomen, ‚Enrosadira‘, nennen es die Ladiner. An 300 Sonnentagen im Jahr lässt sich in der Heimat von Bergsteigerlegende Luis Trenker eine Mischung aus Tradition, Kunsthandwerk und Kulinarik bis hin zur Sterneküche – gepaart mit sportlichen Outdoor-Aktivitäten – genießen.

Fingerzeig in einen höheren Kosmos

Bei 600 Kilometer gut ausgebauten und markierten Wanderwegen können Bergfexe im Grödnertal aus dem Vollen schöpfen. 15 Aufstiegsanlagen helfen beim Zugang zu den Almwiesen. Die Col Raiser-Bahn ist der perfekte Ausgangspunkt für Wanderungen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade. Die namensgebende Region gilt als eine der schönsten Almgebiete im Grödnertal. Auf der Bergstation auf 2106 Metern über dem Meer reicht der Blick über die Geislerspitzen, die Stevia- und Sellagruppe bis zur Langkofel-Gruppe und zur Seiser Alm – ein 360°-Postkarten-Panoramablick. Gerade der 3.181 Meter hohe Langkofel wirkt mit seinen hohen, gezackten Felsen wie ein Fingerzeig in einen höheren Kosmos, wie ein Kraftspender für gestresste Großstädter. Abseits des Weges wachsen unzählige Edelweiß, die unter Naturschutz stehen.

Gröden ist eine „Approved Bike Area” Mountainbike-Region. So lautet das Fazit des Fahrradreisen-Veranstalters „Mountain Bike Holidays”, der Urlaube und Fahrradferien in Österreich, Italien und der Schweiz anbietet. Die Tester bewerteten die Regionen in den Kategorien “Tour & Trail”, “Easy & Family” und “Enduro & Parks” bewertet. Gröden wurde mit 296 von 300 Punkten bzw. fünf Sternen in der Kategorie “Tour & Trail” gekürt und ist damit die einzige “Approved Bike Area” in Südtirol. Besonders empfehlenswert ist die „Sellaronda MTB TrackTour“ mit ihrem atemberaubenden Ausblick auf die Sellagruppe und die Marmolada .

Die idyllische Sëurasas-Hütte am Fuße des Pic-Berges. Bei Südtiroler Spezialitäten und einem guten Wein aus der Region lässt sich der Blick ins Tal und auf die umliegenden Berge besonders stilvoll genießen. Donnerstagnachmittags führt eine Wanderung von St. Christina mit einem lokalen Wanderführer zum Sëurasas als erste Station. Im Licht der Abendsonne genießen die Teilnehmer einen erfrischenden Aperitif und kleine Häppchen, bevor es zur Felskanzel ‚Crujëta‘ geht, um das Farbschauspiel des Alpenglühens zu beobachten. Wer auf einer Alm in den Tag starten mag, kann am Vortag aus einer von 28 Hütten auswählen. Dort wartet nach dem Aufstieg ein reichhaltiges Frühstück mit frischem Brot, Almkäse, Speck, Joghurt, frischen Eiern, hausgemachtem Kuchen und Marmelade.

Gelebte Gastlichkeit

Nomen est Omen gilt im zentrumsnah und trotzdem ruhig gelegenen Dorfhotel Beludei in Sankt Christina. ‚Schöne Aussicht‘ heißt es auf Deutsch – was dank des Blicks auf den Langkofel genau ins Schwarze trifft. Nur 24 von Zirben- und Lärchenholz geprägte Zimmer schaffen einen persönlichen Bezug zu den Gästen. Gelebte Gastfreundschaft, könnte das Motto des hochmotivierten Teams um Hoteldirektor Luis Schenk lauten, der das Vier-Sterne-Superior-Haus im Dezember 2014 im zarten Alter von 25 Jahren eröffnet hat.

„Für mich war es ein spannendes Abenteuer“, blickt er zurück, „ich wusste offen gesagt gar nicht, was auf mich zukommt.“ Aus dem Wagnis wurde eine Leidenschaft, die sofort erlebbar wird. „Wir geben unser Bestes, jedem Gast eine unvergessliche Zeit zu schenken“, sagt der studierte BWLer gänzlich ohne Allüren – gelebte Gastlichkeit par excellence. Zu seinen Lieblingstouren zählt die Wanderung über den Col Raiser bis zum Gipfel des Pic-Bergs, hinunter zur idyllischen Sëurasas-Hütte und letztlich der Abstieg über der Sankt Jakob-Kirche nach Sankt Christina.

Ein Fest für den Gaumen

Kreativ, regional und genuin, lautet das Motto von Chefkoch Dominic Pernstich, der mit seinem Küchenteam allabendlich ein 5-Gänge-Menü samt einer vegetarischen Variante mit Salat-, Gemüse- und Antipasti-Buffet kredenzt. Seiner Kompositionen sind wohlüberlegt und ausgefeilt. So kombiniert er als Vorspeise beispielsweise die norditalienische Pasta-Spezialität Mezze Maniche mit geschmortem Oktopus, Oiven und Kerbel. Ein Fest für den Gaumen sind auch Hauptspeisen wie Spinat- Crêpe mit Ricotta, Almkäse und Trüffel oder eine herrlich zarte Perlhuhnbrust mit Artischocken, Fenchel und Estragon. Die Weine stammen ausschließlich aus Südtirol und sind überaus trinkfreudig gepreist.

Ob im Beludei oder anderswo: Wer es im Herbst nicht mehr nach Gröden schafft, kommt auch im Winter auf seine Kosten. Dann sorgen 500 perfekt präparierte Pistenkilometer, die legendäre Sellaronda mit dem Anschluss an das weltweit größte Skikarussell Dolomiti Superski, 115 Loipenkilometer und die längste Rodelbahn der Dolomiten für weiße Wonnen. Als „die schönsten Berge der Welt“ beschreibt Bergsteigerlegende Reinhold Messner beschreibt die Dolomiten. Wie Recht er hat!

Reise Stories-Empfehlung: Das Erlebnisprogramm „Val Gardena Active“ bietet zahlreiche Tages-und Nachttouren mit einheimischen Führern durch die wunderschöne Landschaft Grödens: Ausflüge in den Naturpark Puez-Geisler, kulinarische Spaziergänge zu den Almhütten und sogar Wanderungen bei Sonnenaufgang. Weitere Informationen unter www.valgardena.it

Fotos: Christian Euler, Frank Heuer, Val Gardena Grödental

Geschrieben von
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